Tiere töten und essen: Von der natürlichsten aller Lebensweisen

 

Buchvorstellung

Jenseits des Großen Teiches liegt die Neue Welt. Hier, in den Wildnissen von Mexiko bis Alaska, jagt und angelt  Steven Rinella Wildtiere. Sein Antrieb sind die Lust am Archaischen und der Hunger auf Wildbret. Zwischen den Küsten des Pazifische und der Atlantische Ozeans, pulsieren zwar gigantische und hochmoderne Metropolen, aber immer noch erstreckt sich im Landesinneren eine schier endlos erscheinende unberührte Natur. Seine Jagdreviere sind die Heimat von Pumas, Elchen, Bisons und Bären. Der Mensch ist weit weniger präsent, als im seit Jahrhunderten dichtbesiedelten Mitteleuropa.

Verirre ich mich, da die Augen zu oft auf dem Boden, im Schaumburger oder Teutoburger Wald, kann ich sicher sein, doch spätestens nach einer halben Stunde auf einen Waldweg zu stoßen, der mich sicher an eine größere befahrene Straße und von dort fußläufig zur nächsten Siedlung führt. In den Jagdrevieren Rinellas hingegen droht ein Wanderer komplett zu verschwinden, was, beabsichtigt oder unbeabsichtigt, nicht selten passiert. Durchaus mit tödlichen Folgen.

So erfolgt Rinellas Anreise zu seinen Jagd- und Angelabenteuern oft mit dem Buschpiloten, da erst gar keine Straßen zu seinen Reisezielen führen. Und natürlich enden strapaziöse Ausflüge solcher Art gewöhnlich weder abends zu Hause, noch in einem Hotel. Manchmal nächtigt er in einer rustikalen Jagdhütte, meist jedoch nur in einem Zelt. Sofern schon erlegtes Wild im Camp gelagert wird und man sich in einem Lebensraum von Bären und Wölfen befindet, empfehlen sich Vorsichtsmaßnahmen und ein leichter Schlaf.

 

Jäger rudert.

 

Auf so ein Leben, unter den Leitsternen von Freiheit, Stärke und Autarkie, wurden der Autor und seine beiden Brüder durch ihren Vater vorbereitet. Einen zähen, eigensinnigen und cholerischen Provinzler aus schwierigen Familienverhältnissen, der sich in jeder Lebenslage zu helfen wusste und mit dem legendären Bogenjäger Fred Bear zusammen auf der Pirsch war. Mit drei Jahren konnte Rinella beim Angeln Barsche einholen, mit sieben jagte er schon Kleinwild. Anlässlich seines zehnten Geburtstages erhielt er sein eigenes Kleinkalibergewehr, mit dem er Eichhörnchen nachstellte, die als willkommene Delikatesse die Familienküche bereicherten. Mit zwölf Jahren erlegte er mit einer Winchester-Unterhebelrepetierbüchse seinen ersten Hirsch. Da das Tier nach dem Schuss noch lebte, erlöste er es mit einem beherzten Schnitt durch den Hals. Ganz legal war diese Jagd nicht, denn seinerzeit musste man in Michigan zwölf sein, um mit Pfeil und Bogen Hirsche jagen zu dürfen und vierzehn, um sie mit dem Gewehr zu schießen.

Die Idole der Jungs waren nicht Profisportler oder Rockmusiker, sondern die legendären ersten nordamerikanischen Jäger und Pfadfinder des 17. und 18. Jahrhunderts. Dementsprechend war Steven Rinellas als erster Berufswunsch Trapper zu werden. Nur widerwillig ließ er von der Fallenjagd ab, da die Preise für Pelze seit Jahrzehnten zerbröselten.

Es ist unterhaltsam zu lesen, wie so eine traditionelle Erziehung, die in Deutschland Journalisten und Beamte in Alarmbereitschaft versetzen und einen Skandal auslösen würde, bei Stephen Rinella und seinen Brüdern zu selbständigen, risikofreudigen und staatskritischen Männern formte. So kann es der Autor nicht lassen, bei der Schilderung seiner abenteuerlichen Jagdgeschichten immer wieder politisch unkorrekte  Hillbilly-Sprüche rauszuklopfen. Kanada verspottet er als Hort von Selbstgerechtigkeit, progressiver Politik und drakonischen Waffengesetzen. Lustig, wenn man Deutschland durch seine Augen betrachtet. Als ich mir vorstellte, wie er hier Großstadt-Ökos von der Jagd auf und dem Grillen von Eichhörnchen erzählen würde und dass das Recht auf freien Waffenbesitz und die Jagd schon im Kindesalter beginnen sollte, hörte ich in meinem Kopf schon die Polizeisirenen heulen. Zugegebenermaßen leben wir in einer anderen und dichter besiedelten Welt, auf der das nicht übertragbar ist.

Wobei ich Rinella schon recht geben muss, dass die Zahl der Menschen steigt, die dauernd von der Natur reden, aber keine Woche in ihr überleben würden. Gourmets, die nicht wissen, aus welchem Körperteil ein Steak geschnitten wird. Moralisierer auf dem Bio-Markt, die sich Jägern moralisch überlegen fühlen, obwohl ihre Nahrung in Schlachthäusern starb.

Fakt ist, dass die Jagd ein nicht unwesentlicher Teil unseres geschichtlichen und genetischen Erbes darstellt. Diejenigen, der ersten Menschenaffen und Affenmenschen, welche Veganer und Vegetarierer blieben, starben aus oder blieben mit kleineren Gehirnen auf den Bäumen. Unsere ersten Werkzeuge waren steinerne Jagdmesser, die ersten Kunstwerke thematisierten die Jagd und vermutlich drehten sich auch die ersten gestammelten Gespräche am Lagerfeuer darum. Die Jagd und das Verzehren von Fleisch belohnte uns mit größeren Gehirnen und der Passion, Probleme zu verfolgen, anstatt vor ihnen wegzulaufen. Dies alles abzulehnen, bedeutet die eigene Identität abzulehnen.

Tiere töten und essen beinhaltet elf Kapitel, in denen sich Geschichten vom Jagen, Angeln, Wandern und Campen mit philosophischen und historischen Gedankenspielereien verbinden. Sein amerikanischer Hang zu Pathos und Heroismus, der uns Deutschen aberzogen wurde, ist zuerst etwas gewöhnungsbedürftig. Neun dieser Kapitel wurden Unterkapitel „Kostprobe“ (siehe Leseprobe in Anmerkungen) zugefügt, in denen der Autor genauer auf die Zubereitung und den Geschmack besonderer Wildtiere eingeht. Der Bogen spannt sich hier von traditionellem Hirsch-Trockenfleisch zu Barbecue vom Berglöwen.

Staunenswert sind natürlich die Unterschiede bei der Jagd, welche sich in Nordamerika aus der zu Europa unterschiedlichen Geschichte und Geographie ergeben. Es fängt damit an, dass in den USA Minderjährige mit Büchsen durch die Wälder ziehen können, ohne zuvor eine Jagdschule absolviert zu haben. Die jagdlichen Gesetze sind laxer und traditionelles Brauchtum wird nicht gepflegt. Optisch wirken jagende Amerikaner mit ihrem paramilitärischen Habitus auf uns Mitteleuropäer wie Guerillas. Heißt es in Deutschland, die Jagd ohne Hund sei Schund und werden angeschossene oder angefahrene Tiere grundsätzlich von speziell für die Nachsuche ausgebildeten Jagdhunden verfolgt, scheint es dies in Nordamerika weit weniger zu geben. Und in Deutschland ist es seit Jahrhunderten nicht mehr vorgekommen, dass ein Waidmann bei der Lockjagd auf Wildhühner wenige Schritte hinter sich ein Rascheln und Seufzen hört und merkt, dass er einen hungrigen Bären angelockt hat… Nachvollziehbare Rezepte und innovative Zubereitungstechniken wird man in dem Buch jedoch nicht finden. Bei allem Respekt für die Härte und Outdoor-Fähigkeiten dieses amerikanischen Jägers, bergen seine Fähigkeiten an Grill und Herd keine Offenbarungen. Auch seine Frau hat mit Küchenkultur wenig am Hut.

Zusammenfassend ein unterhaltsames und erkenntnisreiches Buch, welches in lockerer Form Jagd- und Angelerlebnisse mit der persönlichen Familiengeschichte sowie den Gedanken des Autors über das Leben und Sterben in der Natur verbindet. Die beschriebenen Kostproben von Biberschwänzen, Pumas, Eichhörnchen und Bären faszinieren durch ihre exotischen Genüsse, welche  nur kulinarische Grenzüberschreitungen bieten können. Rinella ist kein akdemischer Jagd-Philosoph, kein intellektueller Literat, kein glänzender Wissenschaftler und kein begabter Wild-Koch, aber eine unterhaltsame Kreuzung aus alledem. Seine Freude an starken und unmodischen Meinungen wirkt ansteckend. Somit bietet sein Buch Tiere töten und essen ein provokantes Lesevergnügen.

 

 

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Anmerkungen

Von KRAUTJUNKER existiert eine Facebook-Gruppe.

Tiere töten und essen

Titel: Tiere töten und essen: Von der natürlichsten aller Lebensweisen

Autor: Steven Rinella

Verlag: Riva

Verlagslink: https://www.m-vg.de/riva/shop/article/3313-tiere-toeten-und-essen/

ISBN: 978-3-86883-363-8

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Leseprobe: https://krautjunker.com/2018/06/02/kostprobe-camp-meat/

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MeatEater: http://www.themeateater.com/

Steven Rinella auf Facebook: https://www.facebook.com/StevenRinellaMeatEater/

 Vegan vs. Meat Eater – Steven Rinella –YouTube: https://www.youtube.com/watch?v=J2N0Utg7KYE

8 Kommentare Gib deinen ab

  1. jagdblog.me sagt:

    Gute Buchvorstellung und ein gutes Buch!

    Gefällt 1 Person

    1. KRAUTJUNKER sagt:

      Vielen Dank, aus Deiner Feder freut mich so ein Lob besonders. Hast Du es auch schon gelesen?

      Gefällt mir

      1. jagdblog.me sagt:

        Ja, habe es schon vor einiger Zeit gelesen. Irgendwann muss ich in Bärenfett frittiertes Fleisch probieren 🙂

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      2. Luisa sagt:

        Ich weiß ja nicht, was er darüber schreibt, aber Bär schmeckt wirklich gut. Beim Bärenfett kommt es ganz drauf an, wovon sich der Bär rund gefressen hat. Super aromatisch sind Beeren. Jedoch kann man Müll und verweste Lachse noch im Fett schmecken, das eignet sich dann nicht zum Kochen.

        Gefällt 2 Personen

      3. KRAUTJUNKER sagt:

        Hut ab vor Deiner Contenance, dass Du Dir eine Retourkutsche auf die Lästerei über Kanada verkniffen hast, liebe Luisa.
        Es gibt auch eine „Kostprobe“ über Bären, die Deine Ansicht bestätigt. Die leckersten Bären sollen jene sein, die sich vor dem Winterschlaf mit Blaubeeren mästen. Ungenießbar wird ihr Wildbret, wenn sie am Ende der Lachssaison die ganzen verwesenden Fische gefressen haben.

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      4. Luisa sagt:

        Die Lästerei ist nun mal seine Meinung und darf zum Glück jeder haben. Dass sie von meiner in dem Thema abweicht, sollte klar sein. Da brauche ich dann auch keine Energie dran vergeuden und bereite in der Zeit lieber einen Bärenbraten zu 😉
        Liebe Grüße!

        Gefällt 1 Person

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