Asado vom Reh

von Daniel Schoch

Es gibt ja viele Arten, ein Reh zu verwerten.

Bildquelle: Photo by Yann Lerjen on Unsplash

Klassisch die Teilstücke aus dem Ofen, mit Rotkohl und Klößen. Als Ragout oder Gulasch. Als Terrine oder Pastete, als Suppe, Pfeffer, Kurzgebratenes. Als Fondue, gehackt als Frikadelle, Hackbraten oder Hackfleischsauce. Europäisch, asiatisch, afrikanisch, südamerikanisch. Überbacken, gefüllt, geschnetzelt, geschmort oder gedünstet.

Oder gegrillt. Oh ja, gegrillt! Sehr gute Idee! Grillen geht immer. Auf dem Schwenker, wie die Saarländer das gern machen. Im Kugelgrill auf die amerikanische Art. Im Betonmischer auf meine Art.

Oder am Spieß nach der Art der Argentiner, Brasilianer und Chilenen. Asado nennt man das und das große Online-Lexikon belehrt uns: „Asados haben als festliche, aber nicht allzu formelle Mahlzeiten einen hohen sozialen Stellenwert.“ (https://de.wikipedia.org/wiki/Asado).

Somit nix für jeden Tag. Aber ein festlicher Anlass findet sich, wenn man einen sucht. Zumal hier bei uns, in der schönen Pfalz. Also, es hatte sich Besuch angekündigt. Ein Freund, den ich seit einigen Jahren nicht gesehen hatte. Wenn das mal kein festlicher Anlass für eine nicht allzu formelle Mahlzeit ist! Da passte es gut, dass ich ein paar Tage zuvor ein Rehkitz erlegen konnte, dass für eine Handvoll Leute gerade groß genug war. Das Schweißgerät angeworfen und ein Asado-Kreuz gebastelt.

Beim Asado nimmt man ein ganzes Tier, klappt es möglichst flach auf und befestigt es an einem Doppelkreuz aus Holzstangen, Ästen oder Eisenprofilen, stellt das ganze leicht schräg, horizontal in ein Loch im Boden und macht davor ein Lagerfeuer. Die Hitze wird geregelt, in dem man das Feuer bei Bedarf etwas näher an das Tier heran-, oder davon wegzieht.

In unserem Garten ist allerdings die Feuerstelle gepflastert und das Feuer wird in der Regel in einer Feuerschale gezündet. Und würde ich Löcher in den heiligen Rasen graben, könnte es zu ernsthaften Diskussionen mit einer im Haushalt lebenden Lady kommen. Daher fertigte ich mein Asado-Kreuz aus Stahlprofilen dergestalt dimensioniert, dass man auch mal ein Schwein dran hängen könnte. Das Ganze auf einem mobilen Ständer befestigt, der auf jedem Untergrund ohne Beschädigungen verwendet werden kann. Das Ganze noch im Neigungswinkel verstellbar zusammengeschraubt, und schon konnte die Zubereitung einer festlichen, aber nicht allzu formellen Mahlzeit mit hohem sozialen Stellenwert beginnen.

Der Besuch war am Vortag eingetroffen. Man hatte des Abends das Wiedersehen schon mit Bier und Schnaps gefeiert und sich sodann am Samstagmorgen um elf erhoben, das Feuer entzündet, und das Reh vorbereitet. Es wurde dazu mit einer Mischung aus grobem Meersalz, gutem Olivenöl und etwas rosenscharfem Paprika massiert. Mit einem Küchenbeil wurden der Schloßknochen geöffnet und die Rippen am Wirbelsäulenansatz gebrochen. Das aufgeklappte Tier wurde dann mit Draht an den Läufen und an drei Stellen am Rücken auf das Asado-Kreuz gebunden und in die Halterung am Feuer gestellt. Die Temperatur ist ideal, wenn man es gerade aushält, seine Hand an die dem Feuer zugewandte Seite des Tieres zu halten. Man eröffnete ein Bier, denn das gehört zum Grillen, wie das Gehörn zum Bock, setzte sich in die goldene Oktobersonne und sah dem Fleisch beim Garen zu. Das Leben kann wunderschön sein, man muss es nur zulassen…

Bildquelle: Daniel Schoch

Das kurze Leben des Kitzes wurde angesprochen. Schon im Juni sah ich es mit seinem Geschwisterchen und seiner Mutter in aller Seelenruhe äsend einen Waldweg in unserem Auwald-Revier entlangziehen. Unter meinem Hochsitz blieb man stehen und äste weiter. Man verweilte ein wenig, und zog auf einem alten Wechsel ins Gehölz. Von da an sah man sich des Öfteren. Der Forst hat stark geerntet und uns gebeten, uns aufs Rehwild zu konzentrieren, damit die Naturverjüngung Chancen bekäme, aufzulaufen. Anfang Oktober setzte ich mich an. Mit gemischten Gefühlen. Der Jagderfolg war fast sicher, den die drei Rehe erschienen fast täglich noch vor der Dämmerung an besagter Stelle. Nachdem ich sie nun so oft schon beobachtet, und sogar fotografiert hatte (Etwas Unscharf und verpixelt, mit dem Telefon durchs Fernglas), bedauerte ich fast, was ich zu tun beabsichtigte. Doch als schon eine Stunde nach dem Aufbaumen ein Kitz in meinem Auto lag, freuten mich der Jagderfolg und die Aussicht auf ein Kitz am Spieß.

Bildquelle: Daniel Schoch

Es wurde kurz ruhig am Lagerfeuer. Es sinnierte wohl jeder kurz über Leben, Sterben und Essen. Dann tranken wir an unseren Getränken und das Gespräch wandte sich anderen Themen zu.

Nach einer guten Stunde drehte ich das Kreuz um, um auch die Rückseite des Rehs zu garen, später wurde es auf den Kopf gestellt, und noch später wieder mit der Vorderseite zum Feuer.

Bildquelle: Daniel Schoch

Nach ein paar Stunden sah das alles schon seeehr lecker aus. Das Baguette wurde aus dem Ofen geholt, und das Reh mit einer Mischung aus Bier der örtlichen Brauerei und Honig der eigenen Imkerei bestrichen. Die Glut zogen wir etwas auseinander und belegten sie mit Rebholz. Das Reh wurde nun etwas flacher über das Feuer geneigt, so dass der Rebholz-Rauch dem Fleisch bei größerer Hitze eine feine Rauchnote und kräftige Röstaromen verpassen konnte.

Tisch decken, Rotwein verteilen, das Kitz vom Kreuze nehmen, das Fleisch von den Knochen lösen, und schon konnte gegessen werden. Kaum wartet man fünf Stunden, da isses auch schon soweit. Das Fleisch war außen knusprig, rauchig, innen zart wie Butter und von intensivem Rehgeschmack. Ich fühlte mich festlich. Aber nicht allzu formell.

Es wurde gegessen, genossen, getrunken, geredet und gelacht. Kann es was Besseres geben? Kaum.

Bildquelle: Daniel Schoch

Am Lagerfeuer ließen wir die Nacht anbrechen. Satt, zufrieden und glücklich.

Bildquelle: Daniel Schoch

Das Asadokreuz lag in der Scheune und schrie. Es schrie nach einer Wiederholung.

Bildquelle: Daniel Schoch

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KRAUTJUNKER-Koch Daniel Schoch

Daniel Schoch ist Jäger, Angler, Imker, Geflügelhalter, Selbstversorger, Schreiner und Spinner. Seine Wurzeln liegen in der sonnigen Pfalz, zwischen Rhein und Reben. Nach einem mehrjährigen Ausflug ins schöne Portugal, zog er vor neun Jahren wieder in die alte Heimat. Seitdem isst er die Wälder und Flüsse des Mittelrheingrabens etwas leerer.
Er liebt und lebt für gutes Essen, gute Getränke, für die Jagd und für den Punkrock.

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Anmerkungen

Von KRAUTJUNKER gibt es nicht nur eine Facebook-Gruppe, sondern jetzt auch Outdoor-Becher aus Emaille. Kontaktmail für Anfragen siehe Impressum.

2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Pit sagt:

    …besser kann man die gemeinsame Zeit nicht beschreiben! Das Assado war spektakulär, nochmals danke dafür!

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    1. ingaer sagt:

      Immer wieder gerne, lieber Pit! Es war mir eine Ehre!

      Gefällt 1 Person

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