Jäger*innen – Was wird wohl aus der Waidmannssprache?

von Florian Asche

Mit Schreiben vom 26. Oktober 2020 wendet sich das Niedersächsische Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz an Personen, die mit der Planung von Gesellschaftsjagden befasst sind. Mit typisch deutscher Gründlichkeit werden dort sämtliche Vorsichtsmaßnahmen aufgelistet, mit denen die Ausbreitung des Coronavirus im „Hotspot Jagd“ verhindert werden soll. Abstandsgebot, Mund-Nasen-Schutz und Datenerfassung sind mittlerweile schon altbekannt und versetzen in diesen verrückten Zeiten niemand mehr in Erstaunen. Schließlich ist ja jedem klar, dass Jagd unter freiem Himmel der absolute Superspreader ist. Arabische Massenhochzeiten sind dagegen so spröde wie eine Steuerberatertagung. Da gilt es mit Entschlossenheit einzuschreiten, ebenso wie beim Waffenbesitz. Wenn der Staat mit den 8 Millionen illegaler Waffen nicht fertig wird, dann schränkt er einfach den Legalwaffenbesitz weiter ein. Den staatstreue Deutschen durchzuquälen macht beinahe so viel Spaß wie Kleinere auf dem Schulhof zu verprügeln. Das wird zur freudigen Routine. Alles wird zum Vergnügen, wenn man es häufig genug tut, schreibt schon Oscar Wilde.

Und doch geht der Anweisung des Ministeriums eine gewisse Originalität nicht ab. Der Bearbeiter, ein Herr Oltrogge, spricht nämlich nicht mehr von Jagdleitern, Revierinhabern und Hundeführern, sondern wählt die politisch hochaktuelle Sprachform der Jagdleiter*innen, der Hundeführer*innen und der Revierinhaber*innen. Diese Wort-Zeichenmischung soll den maskulinen Waid- und Rüdemann mit der zunehmenden Anzahl von weiblichen Nimroden verbinden und durch das Gendersternchen (Asterisk) in der Mitte auch sexuell Unentschlossenen oder Transgenderpersonen eine Existenz im behördlichen Schriftverkehr einräumen. Ein wenig ratlos starre ich auf die Neuschöpfung. Eigentlich ist in § 23 Verwaltungsverfahrensgesetz (VwVfG) gesetzlich geregelt, dass Deutsch als Amtssprache in unserem Land Anwendung findet. In Gedanken gehe ich das Alphabet durch, entdecke aber kein Sternchen. Auch bei der Interpunktion werde ich nicht fündig.

Grundlagenwerk unserer Sprache ist der sog. Duden. Dort mag ich sämtliche Seiten durchblättern, eine Mischung von Sprache und Zeichen gibt es nicht. Im Gegenteil drückt sich die Redaktion recht deutlich aus, wenn sie schreibt:

„Empfohlen werden können Asterisk und Unterstrich seitens der Dudenredaktion nicht, da sie vom amtlichen Regelwerk nicht abgedeckt sind – wer sich jedoch nicht im amtlichen Kontext bewegt, wird sich mit einer dieser Lösungen vielleicht anfreunden können…“

Auch die Gesellschaft für Deutsche Sprache stellt in einer Presseerklärung fest:„…In der jüngsten Zeit hat die Verwendung des Gendersternchens (*) und vergleichbarer Formen in den Medien, aber auch in öffentlichen Texten stark zugenommen. Das Gendersternchen wird genutzt, um sogenannte geschlechtsneutrale Personenbezeichnungen zu bilden, wie z. B. Leser*in. Doch der Stern im Wort ist weder mit der deutschen Grammatik noch mit den Regeln der Rechtschreibung konform.“

Streng genommen verstößt also das Niedersächsische Landwirtschaftsministerium gegen geltendes Recht. Ist das ein Zufall? Möchte die Politik nur das Beste für uns alle, eine große sprachliche Familienbildung, in der jeder seinen Platz am Tisch findet? Wer bei den Sprachphilosophen Derrida und Foucault nachließt, der weiß, dass das fromme Wünsche sind. Durch unseren philosophischen Altmeister Kant unterliegen wir noch immer der Auffassung, es sei vor allem wichtig, was wir sagen. Doch mittlerweile haben uns die Sprachphilosophen beigebracht, dass mindestens ebenso wichtig ist, wie wir etwas sagen. Ein Wort, ein Begriff ist mehr als eine Beschreibung, es schafft in Wirklichkeit erst den Zustand, der mit diesem Wort ausgedrückt wird. Ein Wort beschreibt nicht nur das was ist, sondern macht es sich zu Eigen, formt es um und presst es in eine neue Kategorie.

Wenn das niedersächsische Landwirtschaftsministerium sich zukünftig an die Jägerschaft im Lande wendet und von Jäger*innen spricht, dann ist das mehr als ein Wort. Es ist eine politische Kurskorrektur und eine Revolution unseres Sprachhabitats. Ohne dass es eine Abstimmung im deutschen Bundestag, eine Sprachkommission oder eine Regelung des Dudens gegeben hätte, werden wir mit einem politisch gestaltenden Wortungetüm bepflastert, dass es eigentlich in unserer Sprache überhaupt nicht gibt.

Dahinter steckt keine Gedankenlosigkeit, sondern Methode. Jäger*innen sind keine Waidleute mehr, keine wettergegerbten Draußenmenschen, sondern politisch korrekte Verwaltungsadressaten, die genderneutral das zu tun haben, was die Verwaltung von ihnen sanftmütig und dennoch mit brachialer Härte erwartet.Wenn der Staat als die neutrale Instanz aller eine solche Sprache wählt, dann nimmt er automatisch Abstand von all denen, die sich noch als Jäger, Förster oder Waidmänner bezeichnen. Sie werden durch eine solche Sprache gebrandmarkt als ewiggestrige Dummköpfe und Menschen mit einem Brett vor dem Schädel. Dass sich so ein Sprachputsch angemaßt wird, ohne eine breite Diskussion über unsere Kultur zu führen, dass zeigt wie arrogant das linksalternative Establishment von LINKEN bis zur CDU mit uns umgeht. Ja auch die gute CDU gehört zu dieser Allianz. Schließlich ist es eine CDU-Ministerin, die ein Verwaltungsschreiben wie das des Herrn Oltrogge verantwortet, ohne den Wähler gefragt zu haben wie er angesprochen werden möchte, auf deutsch oder in Zeichensprache.

Wie weit wird eine solche Entwicklung gehen?

Zunächst dürfen wir noch weitere, unschöne und sprachlogisch unscharfe Wortentgleisungen erwarten. Da bietet sich beispielsweise das Konstrukt der „Jagenden“ an, analog zu den „Mitarbeitenden“ in unseren Unternehmen. Dieser Begriff ist natürlich sprachlicher Unsinn, denn auch ein Jäger sitzt durchaus einmal auf dem Sofa mit einem Buch oder der Jagdzeitung in der Hand und ist deshalb gerade in diesem Moment kein Jagender. Mit gleicher Berechtigung könnte man von Mordenden und Vergewaltigenden sprechen, um bestimmte Straftätergruppen zu bezeichnen.Doch das hält die neudeutsche Sprachrevolution mit Sicherheit nicht auf, denn sie bezweckt nichts anderes, als einer bestimmten Gegnergruppe ihr Sozialhabitat zu nehmen. Ein Habitat ist das arttypische ökologische Umfeld einer Art, in der sie ihre naturgegebenen Fähigkeiten besonders gut umsetzen und sich entsprechend entwickeln kann. Wir alle kennen den alten Jägerspruch über den Hasen: „Wenn man ihn nicht stört und ihn nicht hetzt, dann bleibt er gern wo er gesetzt.“ Dementsprechend typisch ist das Verhalten dieser Tiere, nach einer gewissen Störung stets wieder zu ihrem Ausgangspunkt zurückzufinden, die Grundidee der berühmten böhmischen Streife, die noch bis in die 80iger Jahre in den Hasengefilden der Tschechoslowakei durchgeführt wurde. Was für den Hasen die Wiese und für den Rehbock das Wäldchen, das ist für den soziokulturellen Menschen die Sprache.

Unser sprachlicher Ausdruck ist nichts anderes als ein Sozialhabitat, unsere Heimat. Die gendergerechte Verwaltungssprache hat nichts anderes im Sinn, als dieses Sozialhabitat nach Möglichkeit zu vernichten, um damit nicht nur die Sprache, sondern vor allem auch den Menschen zu verändern. Als Jäger*innen sind wir keine Jäger mehr.

Das Ende dieser Entwicklung ist schwerlich abzusehen, denn unsere Fachsprache ist so ziemlich das politisch Unkorrekteste, was es überhaupt geben kann. Schon der Begriff Waidmannssprache ist politisch kaum zu gendern, ohne den Grundgedanken zu verändern. Das Gleiche gilt für unseren Glück und Segensspruch „Waidmannsheil“. Dessen Endung erinnert uns an Zeiten, als die Herrschenden bereits versucht haben, durch Sprache den Menschen zu ändern. Als die Nazis 1933 die Macht ergriffen hatten, da ließ der legendäre ostpreußische Herr von Steinort, Graf Carol Lehndorff, die Gutsbelegschaft antreten, um den Machtwechsel zu erklären: „Leute! Da soll sich was in Berlin geändert haben. Ab jetzt sagen wir nicht mehr „Tach ok“ oder „Wie jeht`s Mariellchen, sondern Heil … Heil …, verdammt wie hieß der Kerl doch gleich? Na denn Waidmannsheil!“

Der dicke Göring versuchte noch einmal, der Zeit seinen sprachlichen NS-stempel aufzudrücken. Er verkündete den Förstern im Staatsjagdrevier Elchwald, die Waldarbeiter sollten nicht mehr „Arbeiter“ heißen, sondern „Waldmänner“. Der alte Revierförster Quednau fragte daraufhin in die Runde: „Und wie heißt dann mein Dackel?“ Göring ließ die Sprachrevolte fallen.

Was Hitler und die Nazis nicht fertig gebracht haben, einer dauerhafte lingua tertii imperii, das könnte nun durch eine gendergerechte Sprachpolizei umso gründlicher gelingen, wenn wir nicht aufpassen. Die Jägerprüfung wird dann zur Jäger*innenprüfung oder zum Examen für Jagende. Statt Waidmannsheil werden wir uns dann „Viel Jagdglück!“ wünschen! Und vielleicht sollten wir uns auch Gedanken über eine wildbiologisch gendergerechte Bezeichnung der Wildtiere machen. Beim Rehwild könnte man z. B. für mehr Zuordnungsgerechtigkeit sorgen, in dem man allgemein von „Bock*Ricken“ spricht. Mit einem Gendersternchen in der Mitte für unentschlossene Perückenböcke. Wenn wir das wirklich nicht wollen, dann beginnen wir doch einfach einmal mit einer Dienstaufsichtsbeschwerde an das Landwirtschaftsministerium von Niedersachsen. Die Amtssprache ist gem. § 23 Abs. 1 VwVfg deutsch, Herr Oltrogge.

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KRAUTJUNKER-Kommentar: Nichts ist schwerer und erfordert mehr Charakter, als sich in offenem Gegensatz zu seiner Zeit zu befinden und zu sagen: Nein!

Kurt Tucholsky * 1890; † 1935

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Dr. Florian Asche

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Der Rechtsanwalt Dr. Florian Asche ist Vorstandsmitglied der Max Schmeling Stiftung und der Stiftung Wald und Wild in Mecklenburg-Vorpommern.
Einem breiten Publikum wurde er bekannt durch seinen literarischen Überraschungserfolg über den göttlichen Triatlhlon: Jagen, Sex und Tiere essen (siehe: https://krautjunker.com/2017/01/04/jagen-sex-und-tiere-essen/https://krautjunker.com/2017/09/19/sind-jagd-und-sex-das-gleiche/)

Website der Kanzlei: https://www.aschestein.de/de/anwaelte-berater/detail/person/dr-florian-asche/

Autorenfoto: Dr. Florian Asche

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Mehr von Dr. Florian Asche: https://krautjunker.com/?s=florian+asche

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Anmerkungen

Von KRAUTJUNKER gibt es nicht nur eine Facebook-Gruppe, sondern jetzt auch Outdoor-Becher aus Emaille. Kontaktmail für Anfragen siehe Impressum.

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