10 Jahre HALALI

am

von Bertram Graf v. Quadt

Zehn Jahre sind lang. Speziell, wenn es um Neuerscheinungen im Bereich der special-interest-Magazine geht. Wer in dem Markt so lange überlebt, kann was.
Zehn Jahre sind kurz. Speziell, wenn man an dem, was man macht, große Freude hat.
Beides trifft auf dieses Magazin zu: Halali – Jagd, Natur & Lebensart.

IWA – die große Nürnberger Spielwarenmesse für Jäger und Schützen. Ich stand damals am Counter, um mich für den Eintritt zu registrieren, als mich ein gut gekleideter Herr meines Alters ansprach: ich sei doch der und der. Ich bejahte. „Meine Frau und ich haben eine etwas verrückte Idee, darüber würde ich gerne mit Ihnen sprechen.“ Ich bin für verrückte Ideen recht begeisterungsfähig. So lernte ich Oliver Dorn und später auch seine Frau Ilka kennen. Beide führen eine gutgehende Werbeagentur am Niederrhein, beide sind begeisterte Jäger, beide haben Sinn für Schönes. Die „verrückte Idee“ war, auf dem deutschen Zeitschriftenmarkt ein Hochglanzmagazin für Jäger zu etablieren.

Abb.: Ilka und Oliver Dorn; Bildquelle: HALALI Magazin

Ich kannte solche Magazine vom englischen Markt: Shooting Gazette und The Field lagen in meinen Londoner Jahren stets auf meinem Salontisch, stapelweise fand ich sie bei diversen Jagdeinladungen in den Gästezimmern. Das waren gut gemachte, wertige Hefte, die in der Herstellung nicht ganz billig waren: lange, sehr gut geschriebene Strecken mit hervorragenden Bildern, auf hochwertigem Papier perfekt gedruckt. Magazine, die Bestand hatten und haben. Ich hatte beide Periodika auch noch lange nach meiner Rückkehr nach Deutschland abonniert. Die deutschen Jagdzeitschriften, deren wichtige Dreifaltigkeit ich ebenfalls im Abonnement hatte, hielten dagegen – bei allem Respekt – nicht stand. Natürlich hatte ich mich als Journalist gefragt, warum es so etwas in Deutschland nicht gäbe. Ich hielt aber den deutschen Markt für solche Hochglanzformate für ungeeignet.

„Nein, das glaube ich nicht. Das glauben wir beide nicht. Deswegen haben wir jetzt beschlossen, dass wir die Ausschüttungen aus unserer Agentur für drei Jahre in ein solches Magazin investieren werden,” sagte Oliver Dorn damals in Nürnberg. Und fragte: „Würden Sie für uns schreiben?“ Ich hatte damals gerade meinen ersten jagdlichen Erzählband veröffentlicht und sagte spontan zu.

Es sind zehn spannende Jahre geworden bis hierher: Jahre, die mich vierteljährlich (das ist die Erscheinungsfolge der Halali) an den Schreibtisch zwangen um eine Erzählung zu verfassen, auch wenn ich zu faul zum Schreiben war – und das war gut so. Jahre, in denen ich mich mit Themenfeldern aus der großen Welt der Jagd beschäftigen konnte, die ich bislang bestenfalls gestreift hatte. Denn neben den Erzählungen, die ich anfangs verfasste, kamen Aufträge wie: „Schreib uns doch mal was zur Geschichte der Jagd in den Highlands“ oder „Für die nächste Nummer hätten wir gerne was darüber, wie die typische Gebirsgtracht entstanden ist. Achja, und was meinst Du: könntest Du uns ein ABC mit den wichtigsten Begriffen aus der Jagdoptik machen? Denk mal drauf rum“.

Vor allem aber Jahre, in denen ich unglaublich spannende Menschen und deren Arbeit kennenlernen durfte. Denn Jagd ist nur ein Bereich des Magazins, Natur der zweite, Lebensart aber der für mich spannendste. Ich habe Ehrfurcht vor dem Handwerk, und Handwerkern über die Schulter zu sehen, sie in ihrem Werken zu erleben, in ihrem Wirken zu schildern – das ist vielleicht die schönste Seite des Journalismus, die ich kenne. Bei der Halali darf ich sie ausleben.

Oliver und Ilka Dorn und dem gesamten Team der Halali ist in diesen zehn Jahren beachtliches gelungen. Sie haben ein Heft auf dem Markt etabliert, das sich nach kurzer Zeit selber trug. Das schaffen nur Wenige. Sie haben sich nicht auf sinnlose und übertriebene Online-Spielchen oder großartige Filmkanäle eingelassen, sondern führen eine zum Produkt passende Website und machen einige wenige, aber dann qualitativ hochwertige Filme dazu. Das Heft bleibt das Hauptprodukt. Es ist ein Heft, dass in den Haushalten, in denen es liegt, nicht nur vom jagenden Teil der Familie gelesen wird, sondern ebenso vom nicht jagenden. Es ist ein Heft, das – ausgelesen – nicht weggeworfen, sondern aufgehoben wird. Und es ist ein Heft, über das ich so manchen erfahrenen jagdlichen Blattmacher habe sagen hören: “Die machen das, was wir bei uns immer gern machen würden.”

Die Halali ist in diesen zehn Jahren gewachsen und besser geworden, sie hat sich weiterentwickelt, sie hat Marken gesetzt in die Landschaft der Jagdmagazine im deutschsprachigen Raum. Sie spricht politische Themen an, ohne auf politische Entwicklungen reflexhaft zu reagieren. Sie setzt solche Themen. Sie hat ihren Rhythmus beibehalten, ihren Charme und die Freude, die alle an diesem Produkt Beteiligten bei der Arbeit haben, ist heute so spürbar, wie sie es bei der Nummer 1 vor zehn Jahren war. Die Halali ist sich in ihren ersten zehn Jahren treu geblieben. Sie wird es weiter bleiben.
Ich freue mich auf die nächsten zehn Jahre.

*

Bertram Graf v. Quadt

Man kann sich gegen schwere erbliche Belastungen nicht wirklich zur Wehr setzen. Damit war die Jagd unausweichlich. Beim Blick in die Generationen gibt es auf weite Sicht keinen männlichen Vorfahr – und nur wenige weibliche – die nicht gejagt hätten. Vater, Mutter, beide Großväter und so weiter und so fort – alles Jäger, und zum Teil hochprofilierte Jäger: der Vater meiner Mutter, Herzog Albrecht v. Bayern, hat die bedeutendste Monographie des 20. Jahrhunderts über Rehwild verfasst („Über Rehe in einem steirischen Gebirsgrevier“) und darin mit viel Unsinn über diese Wildart aufgeräumt. Meine Mutter war an den Forschungen dazu intensiv beteiligt, gemeinsam mit meinem Vater hat sie die Erkenntnisse im gemeinsamen Revier im Allgäu umgesetzt. Nun will und muss aber jeder junge Mensch rebellieren. Ich habe mir dafür aber nicht das jagdliche Erbe ausgesucht, sondern die Schullaufbahn, das nie begonnene Studium, das Ergreifen anrüchiger Berufe (Jurnalist, pfui!) und anderes mehr. Und ich kann im Rückblick sagen: das war die richtige Entscheidung.

***

Anmerkungen

Von KRAUTJUNKER gibt es nicht nur eine Facebook-Gruppe, sondern jetzt auch Outdoor-Becher aus Emaille. Kontaktmail für Anfragen siehe Impressum.

Weblink zum Magazin HALALI: https://halali-magazin.de/

Ein Kommentar Gib deinen ab

  1. Oliver Dorn sagt:

    Herzlichen Dank, lieber Bertram, für deine Worte und – definitiv – auf die nächsten zehn Jahre!

    Gefällt 1 Person

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