Hirschbrunft auf Islay | Teil 3: Et in Arcadia Ego

My delight it was to rise
With early morning skies
All aglow,
And to brush the dewy height
Where the deer in airy state
Wont to go

von Tim Wesly Hendrix

Wer kann die Nacht vor einer Jagd schon schlafen? Ich kann es nicht. Da wälzt man sich hin und her, aber Orpheus empfängt einen nicht in seinen Armen. Der einzige Trost ist, dass man nicht übermüdet aufwacht, sondern auf wundersame Weise frisch und voller Energie ist. Gut, das mag auch an den drei sehr starken Tassen Kaffee liegen. „Nine o’clock at the cottage“ hatte es geheißen. Um 8 Uhr stand ich also folgerichtig in voller Montur bereit. Den Deerhunter-Smock hatte ich erst anprobiert, dann aber schnell wieder in den Schrank verbannt. Er ist sicherlich sehr wasserfest, aber ungewohnt laut. Dann doch lieber meinen Smock von Nomad. Der ist sehr leise, hatte aber einen entscheidenden Nachteil, den ich später nur zu gut kennenlernen sollte.

Um 8:30 Uhr stand Donnie dann immer noch nicht da. Da half nur eine Beruhigungspfeife, und dann war es so weit: 9 Uhr kam, und mit dem Schlag der Stunde auch mein Stalker.

Donnie MacNeill kann an dieser Stelle nicht einfach als Stalker so in die Narration schleichen. Nicht nur kennt ihn jeder auf der Insel, sondern auch einige seiner ehemaligen Gäste schwärmten von seinen Fähigkeiten. Ich gebe in der Regel wenig auf den Ruf eines Menschen. Ich bilde mir lieber selbst einen Eindruck. Das muss nicht lange dauern. Gerade bei der Jagd, glaube ich, reicht oft ein Blick. Bei Donnie war das so. Der erste Eindruck sagte alles. Da war jemand, der Jagd und Wild liebt, den aber weder der schönste Tweed noch das größte Konto beeindrucken kann. Dazu sah man direkt, dass er einen diebischen Humor hatte. Die berüchtigte scharfe schottische Zunge ist – im Gegensatz zum Geiz – kein unbegründetes Stereotyp.

Wer mit einem Jagdführer schon einmal unterwegs war, wird sich denken können, wie die ersten Minuten auf dem Weg zum Probeschuss vergingen. Man tastet sich gegenseitig heran. Dass Aileas scheinbar schon von mir berichtet hatte und meine Schüsse dann, obgleich der ungewohnt liegenden Position, gut saßen, hat sicher auf seiner Seite bereits geholfen. Schnell war mir jedenfalls auch klar: Mit dem wird gut schirren sein.

Der Royal von Glen Kitchen

Dann ging es los. Wieder am Cottage vorbei, auf dem Weg, den ich nun schon so oft gegangen war, dann aber links über das Bächlein, eine kleine Steigung hoch, und schon nach 100 Metern standen wir vor einem Tal. In dem Tal wimmelte es nur so von Rotwild. Mir müssen die Augen wohl sehr offensichtlich aus dem Kopf gefallen sein, denn Donnie lachte. Ich solle mich nicht zu früh freuen. Der Wind sei heute eigenartig, und viel Wild heißt auch immer viele Lichter und Lauscher, die einen wahrnehmen können, und schon ist jede Mühe umsonst gewesen.

Gleichzeitig merkte ich auch, welchen entscheidenden Nachteil mein Outfit hatte: Es war warm. Perfekt also für das kalt-nasse, stürmische Schottland … nur leider waren es gerade 16 Grad Celsius und eitel Sonnenschein. Sprich: Ich schwitzte mich zu Tode. Immerhin schwitzte ich leise, und da der Smock so gut isoliert ist, dass kein Luftzug nach innen dringt, krochen zum Glück auch keine Schweißergüsse nach draußen. Am Ende des Tages war ich freilich klitschnass – von innen her!

Donnie hatte es nicht eilig. Er ließ das Rotwild langsam wegziehen, bevor wir über das Moor platschten. Da wurde mir auch direkt klar, warum ein Stab unverzichtbar ist. Der Boden hier ist niemals trocken, und die vielen Rinnsale durchziehen das Land und machen den Stecken zu einem unverzichtbaren Begleiter.

Nun ging es wieder etwas hoch und über einen kleinen Pfad durch ein kleines Wäldchen. Wälder auf den Hebriden sehen anders aus. Natürlich gibt es die Aufforstungen, dort stehen meist mächtige Nadelbäume. Aber der eigentliche Wald, der hier wächst, besteht aus knorrigen Eichen, die klein bleiben, mit Moos und Flechten bewachsen sind und sich in groteskesten Formen winden.

Bildquelle: Tim Wesly Hendrix

Der Boden ist nicht mit Laub, sondern mit Moos und Kräutern bedeckt. Es sind die Zauberwälder, in denen die alten Legenden und Mythen des Hochlands noch heute leben. Merlin schreitet dort spur- und lautlos umher, und Irrlichter glühen sanft in nebligen Nächten. Wer Der Herr der Ringe gelesen hat, wird wissen, woher Tolkien seine Inspirationen hatte.

Ich bin mit Buchen- und Nadelwäldern groß geworden, hier verbrachte ich einen Großteil meiner Kindheit, aber niemals habe ich die gleiche Ruhe in den heimischen Wäldern gefunden wie in den Gehölzen der Hebriden.

Bildquelle: Tim Wesly Hendrix

Der Pfad öffnete sich schlagartig, und vor uns lag ein neues Tal: Càrn Mòr, noch weiter, noch vielfältiger und gekrönt von den heidebewachsenen Höhen des Beinn Sholum. Es mag etwas pathetisch klingen, aber ich habe noch nie einen Ort wie diesen gefunden. Vor uns lag die Wildnis, aber nicht, wie man dies oftmals in den Alpen kennt, in einer brachialen Schau der Macht von Mutter Natur, sondern als etwas, das zugleich wild und doch heimisch war. Die Heide mag schroff sein, aber sie heißt einen auch willkommen. Begrüßt einen mit dem Duft des wilden Thymians, der unter den Schritten des Wanderers seinen betörenden Duft verströmt.

Dieser Ort war so voller Schönheit, dass ich beschlossen habe: Eines Tages soll meine Asche genau hier, zwischen dem kleinen Steinhaufen unter der Eiche, ausgeschüttet werden – und sei es nur, dass ich wie Ossians Sohn Oscar, in schattenhafter Form, zukünftigen Jägern als gutes Omen dienen kann.

Bildquelle: Tim Wesly Hendrix

„Da sind ein paar Hirsche.“ Donnies Worte rissen mich aus allen Träumen von Ossian und wilder Natur. Nur wo waren diese Hirsche? Unter uns sah ich ein Alttier mit Kalb, ansonsten war alles leer. Auf dem Hang konnte ich nichts sehen. Nun habe ich eigentlich gute Augen. Ich sehe oftmals Wild, das anderen verborgen bleibt, aber hier, in einer Landschaft, für die mir jede Referenz fehlte, war ich zunächst blind. Dann fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Mehrere Hirsche lagen dort. Trupps von Rotwild auf den Hängen. Die Heide war nicht braun und leer – hier war überall Wild.

„Na gut, vielleicht wird das ein längerer Tag“, war alles, was Donnie sagte, dann ging es bergab. Der Wind war wenig erfreut über unseren Aktionismus und wechselte noch einmal die Richtung. Man konnte Donnies Missmut gut sehen. Vier Windrichtungen in zwanzig Minuten rauben auch dem stoischsten Menschen den letzten Nerv. Da half nur eins: Pause.

Gut, Wasser hatte ich natürlich nicht dabei. Aber etwas zu essen – Tablet, also eine Mischung aus Kondensmilch und Zucker, in meinem Fall gepaart mit Laphroaig Whisky. Gesund ist das sicher nicht, lecker auch nur in kleinen Dosen. Vor allem aber musste ich feststellen, dass meine Idee, die Plastikverpackung gegen eines meiner Stofftaschentücher zu tauschen, zwar den Transport absolut geräuschlos machte, dafür aber in meiner verschwitzten Hosentasche natürlich auch zu einem mehr oder weniger unappetitlichen Gemisch führte.

Donnie hingegen hatte sein Sandwich und die Plastikflasche im Rucksack. Scheinbar war ihm das lautlos genug. Aber ich hatte natürlich auch keinen Rucksack.

So lagen wir im Tal und erzählten. Donnie kennt Callumkill sein ganzes Leben lang. Er kann die Geschichten längst vergangener Tage wieder zum Leben erwecken. Weiß um die Rinderherde, die hier einst graste. Die Dummheit von Schafen, die alten Besitzer. Ein Leben, das längst Historie geworden ist, aber in seinen Erzählungen immer noch lebendig wirkt. Ich bin mir sicher, dass ich Callumkill vorher schon mochte. Aber auf dieser ersten Pirsch habe ich mein Herz an dieses Land verloren.

Irgendwann dann entschied der Wind sich wenigstens vorerst für eine Richtung, und Donnie hatte direkt einen Plan parat. Erst in das nächste Tal schauen, dann hoch im Bogen um die Hirsche herum und schauen, was sich da machen lässt. Das klang nach einem langen Spaß. Ehrlich gesagt freute ich mich auf das Hochplateau, die Schinderei, und gleichzeitig war da doch die Frage: Was, wenn ich es nicht schaffe?

Langsam umgingen wir den Hügel zum nächsten Tal. Dann ein Down, und schon lag ich wie ein dressierter Labrador auf dem Bauch. „Krabbel zurück um den Hügel, dann hoch, da steht ein Hirsch, den holen wir uns.“ Es ist immer wieder faszinierend, wie schnell sich das eigene Gemüt auf der Jagd verändert. Eben noch hatte ich den Aufstieg, die Landschaft und die Geschichte kontempliert, nun schärften sich alle Sinne, und ich kroch auf dem Bauch wie ein Wurm. Das klingt noch nicht schlimm, bis man bedenkt, dass dies das schottische Hochland ist und kein englischer Rasen. Da kam die große Pfütze, durch die ich natürlich so tief wie möglich robbte. Dann die Hirschlosung, durch die ich natürlich auch kopfunter robben musste. Das war vielleicht nicht mehr romantisch, aber immerhin kann ich nun behaupten, dass ich für einen Hirsch auch durch die Schei… robben würde.

Immerhin ging es dann etwas aufrechter hoch bis zum Grat. Dort robbte sich Donnie langsam vor, richtete das Gewehr und hieß mich, ihm zu folgen. 220 Meter vor mir stand dort ein Hirsch breit. Ich habe nicht die Angewohnheit, den Schuss zu sehr zu verkopfen. Es ist mehr wie Meditation. Ziel erfasst, ein, aus, ein halb, aus – Schuss. Hirsch steht noch. Zieht langsam weiter. Repetiert. Zweiter, viel schwierigerer Schuss. Hirsch bricht zusammen.

Das Zittern beginnt. Donnie klopft mir auf die Schultern und lacht. „Don’t worry, it’s down.“ Ja, aber dieser erste Schuss – was war mit dem? Ich weiß es bis heute nicht. Später fanden wir nur den zweiten, auf den schräg stehenden Hirsch perfekt angetragenen Schuss. Die Anspannung löste sich, die Hormone flossen in freien Strömen, und die Euphorie übernahm komplett. Ich hatte den Traum meiner Kindheit verwirklicht. Ich hatte einen Hirsch in Schottland erjagt.

Bildquelle: Tim Wesly Hendrix

Bemerkenswert war, dass das restliche Rotwild sich nicht weiter um den toten Hirsch kümmerte; sie zogen ruhig und langsam weg. Einzig zwei Raben hatten sofort verstanden, was hier geschehen war. Diese beiden Raben sind das Nistpaar des Estates. Donnie hatte zwar eine Lizenz, ein paar zu schießen, aber ein befreundeter Ornithologe hatte ihm geraten, einfach das alte Brutpaar immer in Ruhe zu lassen. Die jungen Raben werden so immer vertrieben, und über die Jahre hinweg hatte sich eine gewisse Freundschaft zwischen Stalker und Raben aufgebaut. Der Schuss war nun das Zeichen für sie, dass es Aufbruch geben würde.

Mich freute das, denn Raben waren mir schon immer Freunde, seitdem Abraxis sich regelmäßig mit Wurst und Fleisch von mir am Fenster meines Kinderzimmers hatte füttern lassen. Langsam gingen wir nun zum Hirsch. Jeder Schritt ließ mein Herz höher schlagen, bis er dann dort in der Heide lag. Zwölf Enden zieren sein Geweih, ein Royal. Ebenmäßig geformt, aber mit einer Sprosse in der Krone, die eine kleine Verdickung aufweist, ähnlich einem Bambusstab. Im Vergleich zu meinem deutschen Heidehirsch sicher ein Zwerg. Aber in meinem Herz wiegt dieser Hirsch umso mehr.

Ich sage immer wieder, dass ich die Trophäe nicht so wichtig finde wie das Erlebnis und gleichzeitig natürlich den prächtigen Bock aus England eben wegen seiner Trophäe auch so sehr schätze. Dieser erste schottische Hirsch ist aber immer wieder eine Erinnerung an mich, dass dies nicht nur leere Worte sind. Denn auch wenn er das scheinbar schwächste Stück Rotwild in meiner Sammlung ist, so ist er mir doch einer der wertvollsten. Ich brauche nur meine Augen zu schließen, und ich bin wieder in Glen Kitchen unterhalb Beinn Sholum in der Herbstsonne, und mein Herz ist froh.

Donnie brach den Hirsch schnell auf, auch wenn ich protestierte, dass dies doch eigentlich meine Aufgabe sei. Dann wurde er mit verschränkten Läufen hingelegt, sodass die Öffnung nach unten zeigt und kein Rabe die kostbaren Filets stibitzen kann.

Bildquelle: Tim Wesly Hendrix

Der Rückweg fiel mir leicht, auch wenn das Gelände wieder sumpfig und steil war. An einem verfallenen Cottage machte Donnie eine kurze Pause. Hier hatte bis vor ein paar Jahrzehnten noch ein Mann gewohnt. Ich glaube, hier begann unsere Freundschaft, als ich ihm entgegnete, dass man wohl nicht schöner leben könnte.

Wir blieben eine ganze Weile hier. Viel hat er mir erzählt vom Land, den Leuten, von Callumkill. Die tiefe Liebe, die Donnie zu diesem Land empfindet, sprach aus jedem Wort. Ich konnte sie nur zu gut nachvollziehen. Dann zeigte er mir einen Kopf, in einen der verwitterten Steine gehauen. Der letzte Bewohner des Cottages hatte zwölf Steine behauen. Zwei hatte Donnie schon gefunden, die restlichen zehn waren noch ein Geheimnis. Ob meiner Frage, was denn wäre wenn der Mann vielleicht nur zwei Häupter gemeißelt hätte, um alle mit der Suche in den Wahnsinn zu treiben, lachte Donnie nur. „That would be a good joke.“ Uns war beiden klar, dass wir genau das gemacht hätten. Wer weiß, vielleicht war der „Eremit“ auch von unserem Schlag. Klar ist aber: Sowohl Donnie als auch ich werden weiterhin nach den zwölf Köpfen suchen.

Bildquelle: Tim Wesly Hendrix

Etwas gab es noch auf dem Weg nach Hause, das ich noch nie gesehen hatte. Der starke Regen der letzten Tage hatte das Erdreich so mit Wasser gefüllt, dass ein Teil wie ein Wasserbett war. Schwankend bewegte ich mich voran – in der Hoffnung, vielleicht war es auch ein Stoßgebet an den Herrgott, dass die Erde ihr Wasser unter sich behalten möge und sich nicht die Unterwelt genau in dem Moment vor mir öffnen mag. Ich hatte Glück.

Zu Hause angekommen, nahm Donnie direkt das Quad und zog los, den Hirsch zu bergen. Ich hingegen wurde von den Kindern stürmisch begrüßt. „Papa Hirsch geschossen!“ – da merkt man direkt die frühkindliche Prägung. Ein Jubel ging los, der mir eigentlich zu viel war. Dann kam Donnie mit dem Hirsch auf dem Schlitten vorbei. Beide Kinder bestaunten ihn. Es ist immer wieder schön, ihre Begeisterung zu sehen. Die offenen Münder und großen Augen. Das zögerliche Berühren des Wildes. Die Freude über meine Freude an der Erlegung. Das sind Momente, die sie mit mir teilen, und die ich in Zukunft hoffentlich auch mit ihnen teilen kann.

Die meisten Gäste verziehen sich wohl an diesem Punkt in die Badewanne. Ich habe aber an sich den Ehrgeiz, wenigstens nicht ganz unnütz zu sein. Vielleicht trenne ich mich auch nicht gerne von meiner „Beute“. Sei es, wie es ist. Donnie und ich versorgten den Hirsch, und da dies natürlich eine anstrengende Arbeit ist, mussten wir uns ausgiebig mit dem Wasser des Lebens stärken. Aus einem Dram wurde dann eine Flasche und aus einer Dose Bier ein Sixpack. Aber das macht die Jagd erst wirklich besonders.

Ich jage viel. Meist bin ich dabei alleine. Das ist schön, die Erinnerung auch klar, aber die wirklichen Sternstunden der Jagd sind immer gemeinsam. Das Pint im Pub, das Pils und der Rosé am Sommerabend oder halt der Whisky im schottischen Herbst. Das, was die Jagd fest einprägt, ist das Teilen des Erlebnisses mit Freunden, und über die Gespräche wurde Donnie ein Freund. Einer aus der Gruppe an Menschen, die ein wenig verrückt sind – aber das bin ich ja auch.

Lang ist es dunkel, die Kinder und meine Frau schlafen schon, als ich nach Hause komme. Draußen auf dem Tisch lege ich mich unter den Sternenhimmel, der auf Islay immer prächtiger wirkt als sonst wo. Der Rauch der Zigarre liegt schwer über mir, mein Herz ist leicht. Spät ist es schon, der Jäger des Nordens steht bereits tief am Firmament, als auch ich langsam ins Bett gehe. Morgen, um 9 Uhr, würde es weitergehen.

*

Dr. Tim Wesly Hendrix

Tims Frau beschreibt ihn so: „Der ist einfach ein wenig verrückt“ würde sie sagen. Nun liegt das Genie nah am Irrsinn, er nimmt das also als Kompliment.

Aus dem Bergischen kommend zog es ihn in die weite Welt zum Studium – also nicht ganz so weit weg vielleicht – nach Köln. Mit Zwischenstation in Edinburgh beurteilte ihn dann eine Reihe von Professoren als soweit gereift, um ihm den Doktortitel im Fach Kunstgeschichte zu verleihen. Man möge es ihnen verzeihen. Nebenbei gab es dann noch einen Master in Anglophone Literature – was wiederum nichts anderes ist als das schnöde Anglistik Studium vergangener Tage.

Man sieht also, Tim ist den britischen Inseln und der englischen Sprache sehr zu getan. Seine Frau fragt ihn schon nicht mehr, wo der Jahresurlaub seiner Meinung nach hingehen soll, die Antwort ist ihr hinreichend bekannt. Schottland mit seiner raue, poetischen Westküste hat ihn so in den Bann gezogen, dass er dort jeden Urlaub verbringen könnte.

Das heißt nicht, dass er die anderen Länder nicht wertschätzt – aber keines, nicht einmal die berühmten Wasser Afrikas – haben ihn so vollkommen einnehmen können.

Das spiegelt sich auch in der Leidenschaft für Whisky nieder, obwohl er einem guten Wein auch nicht abgeneigt ist. Kommt dann noch eine Zigarre, oder eine seiner geliebten Pfeifen dazu – das ist wahrer Es(s)kapismus für ihn.

Früh schon zog es ihn ans Wasser, um den heimischen Forellen in kleinen Bergbächen nachzustellen und auch heute noch schwingt er gelegentlich seine Fliegenrute. Was gibt es auch schöneres, als bei ausreichend Wind an einem Bach auf einer Hebrideninsel zu stehen und Fliegen aus der Vegetation zu befreien?

Das seine Hardy Ruten nur noch gelegentlich genutzt werden, liegt vor allem an seiner wohl größten Passion: Der Jagd.

Sie war immer irgendwie da. Schon als kleiner Junge vor der beeindruckenden Wand seines Großonkels. So richtig hat er aber erst vor relativ kurzer Zeit zu ihr gefunden. Dies konnte er freilich durch Eifer, seine Frau spricht von manischem Zwang, ausgleichen.


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