Kulinarische Kalendergeschichten: 26. März – Ein kulinarischer Visionär

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von Andrea Strobl

Im Jahr 1785 kommt ein interessanter Mann nach Bayern, dem die Nachwelt so einiges zu verdanken hat. Da wären zunächst einmal die Münchner, die sich über ihren englischen Garten freuen düfen, den er anlegen ließ.

Abb.: Der Englische Garten am 3. März 2024; Bildquelle Dieter K auf Unsplash

Auf ihn geht auch der breit angelegte Anbau der Kartoffel zurück. Vor allem gebührt ihm jedoch Dank, dass er sich für die Verpflegung der Armen einsetzte. Die Rede ist von Benjamin Thompson, dem Grafen von Rumford.

Sir Benjamin Thompson, später Graf Rumford, 1783

Geboren am 26. März 1753 in der amerikanischen Provinz Massachusetts Bay, beuschte er zunächst die Dorfschule, arbeitete schon als 13-jähriger als Kaufmannsgehilfe und eignete sich durch den gelegentlichen Besuch von Vorlesungen an der nahegelegenen Harvard Universität zusätzliches Wissen an.Vor allem interessierte er sich für die Naturwissenschaften. Der Wendepunkt in seinem Leben kam, als er 1771 eine wohlhabende Witwe heiratete, somit Zugang zum Militär bekam und als Major in die Miliz von New Hampshire eintreten konnte. Die Verwicklungen des Amerikanischen Unabhängigkeitskrieges brachten ihn schließlich 1776 nach England, wo er bald eine Anstellung im Kolonialministerium in London erhielt. Dort widmete er sich vor allem seinen naturwissenschaftlichen Forschungen, z. B. zur Verbesserung von Schusswaffen oder zu neuen Kommunikationssystemen für die Schifffahrt. Er beschäftigte sich ausgiebig mit Wärmephysik und erfand u. a. einen Herd mit indirekter Beheizung der Backröhre, der die Küchentechnik revolutionierte. Weitere wichtige Stationen jener Jahre: 1779 wurde er Mitglied der Royal Society und ein Jahr später Staatssekretär für die amerikanischen Kolonien, was ihn für kurze Zeit wieder nach Amerika brachte, bis er 1785 in die Dienste des bayrischen Kurfürsten Karl Theodor eintrat – womit wir wieder beim Ausgangspunkt dieses kleinen Beitrags wären:
Die Münchner Jahre waren für Thompson äußerst erfolgreich, der Kurfürst war ihm wohlgesonnen und unterstützte seine diversen Vorhaben auf jede erdenkliche Wiese, sodass er es in kürzester Zeit zum Adjudanten, Generalmajor, Oberkommandierenden der Armee, Kriegsminister und Polizeichef schaffte – eine steile Karriere! Auch kulinarisch sind seine Verdienste jener Jahre beachtenswert: Zunächst einmal veranlasste er als Kriegsminister die Einführung des Kartoffelanbaus. Jeder Soldat musste eine Parzelle von 365 Quadratfuß mit Kartoffeln bepflanzen. Der Ertrag blieb Eigentum des Soldaten, solange er Dienst im Regiment tat. Auf diese Art und Weise fand das neue Nahrungsmitel schnell Feunde in der Bevölkerung. Bald darauf nahm Thompson eine generelle Sanierung der sozialen Zustände ins Visier: Vor allem die dringende Frage der Verpflegung des Heeres, aber auch der vielen Bedürftigen in den Armenhäusern lässt ihm keine Ruhe. So kommt er auf die Idee einer aus leicht zugänglichen Zutaten und in großen Mengen herzustellenden Suppe – die Rumford Suppe war erfunden, die in allen nur erdenklichen Eintopf-Varianten noch heute auf den Tisch kommt!

Abb.: Zubereitung der Rumford-Suppe

Der Name Rumford geht auf ihn selbst zurück, denn als ihm 1792 der Reichsgrafentitel verliehen wurde, wählte er den Namen der kleinen Stadt in New Hampshire aus, in der er einst geheiratet hatte.

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Andrea Strobl

Andrea Strobl hat in München und Siena Italianistik, Französische Philologie und Germanistik studiert. In späteren Jahren folgte ein berufsbegleitendes Studium der Kunstgeschichte. Nach Jahren als Reiseredakteurin und Lektorin ist sie mittlerweile freiberufliche Lektorin/Korrektorin u. a. für die Publikationen des Leiermann-Verlags zustndig, für den sie das Verlagsprogramm betreut und auch diverse Beiträge verfasst (z. B. zu literarischen Themen oder als Stadtschreiberin über ihre Wahlheimat Athen. Ihre Passionen: Literatur, Kunst und – natürlich – Sprache(n). Mehr über sie auf ihrer Website: https://www.dielektorin.com/


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Anmerkungen

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Titel: Kulinarische Kalendergeschichten

Verlag: Der Leiermann

Verlagslink: https://www.verlag.der-leiermann.com/kulinarische-kalendergeschichten/

ISBN: ‎ 978-3903388697

Bereits veröffentlichte Leseproben: https://krautjunker.com/?s=kulinarische+Kalendergeschichten


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