Buchvorstellung von Jan Hendrik Mohr
Haben Sie schon einmal einem Elefanten in die Nasenlöcher geschaut. Nein? Dann sei Ihnen verraten, dass die Rüsselspitze eines Loxodonta africana durchaus dem Mündungsprofil einer schweren Doppelbüchse ähnelt. Dieser Meinung waren jedenfalls die afrikanischen Jagdhelfer Ronnie Rowlands und haben deshalb seiner Ehrfurcht gebietenden .470er Donnerbüchse in ihrer Sprache den Spitznamen Chitamba – Elefantenrüssel – gegeben. Sie war Jahrzehnte lang sein Arbeitsgerät, denn Ronnie Rowland war Berufsjäger (PH) in Afrika. Altersbedingt hat er seinen Abschied genommen, führt aber gelegentlich noch den einen oder anderen persönlichen Freund auf plainsgame in Namibia.

Rowland stammt auch von dort. Er wuchs auf einer Farm im Norden Namibias auf. Schon früh machte er die Gegend mit Zwille und Flitzebogen unsicher, zusammen mit den Kindern der schwarzen Farmarbeiter. Kleine jagdliche Sünden blieben nicht aus. Er wurde dafür vom strengen Großvater zwar übers Knie gelegt, seinen frühen Wunsch, das Jagen zu seinem Beruf zu machen, änderte dies jedoch nicht.
Zunächst machte er jedoch in Südafrika erst einmal eine erfolgreiche akademische Karriere, die aber – wie er meinte – zu wenig Zeit für die Jagd ließ. Aus dem Universitätslehrer wurde so ein Berufsjäger. Schnell machte er sich einen Namen, sodass man ihn bald zum Präsidenten der südafrikanischen Berufsjägervereinigung PHASA wählte. In dieser Position setzte er sich erfolgreich für das Verbot der Leopardenjagd mit Hunden ein. Eindeutig ablehnend bezog er Stellung zum Töten von eigens für den Abschuss gezüchteten Löwen (Canned Shooting).
Verbandstätigkeit war jedoch nicht auf Dauer sein Ding. Es zog ihn in den Busch, und hier begann seine eigentliche Lehrzeit als PH. Einige Größen seiner Zunft nahmen ihn an die Hand. Mit ihnen jagte er im südlichen Afrika und lernte so die besten Gebiete kennen, nicht nur in Südafrika, sondern auch in Botswana, Sambia, Namibia und Simbabwe. Er verfeinerte seine Jagdtechnik und mit der Zeit gesellte sich das nötige Fingerspitzengefühl dazu, um auch mit schwierigen Kunden umgehen zu können. Das Wichtigste für ihn aber war, dass „anständig“ und nachhaltig gejagt wurde. Dass er sich über die Jagd und sein Tun intensiver grundlegende Gedanken machte, als man gemeinhin von einem PH erwartet, ist bei ihm als ehemaligem Philosophie-Dozenten nicht verwunderlich. So wurde mit der Zeit aus dem jungen namibischen „Flitzebogen-Wilderer“ ein international angesehener Jagdführer mit Tiefgang.
Sein Jägerleben in Afrika ist Gegenstand des nunmehr vorgelegten Buches. Es entstand nicht aus Eitelkeit und eigenem Antrieb, sondern er musste, wie mir einige seiner Freunde erzählten, lange gedrängt werden, seine Erfahrungen, Erlebnisse und Erkenntnisse aufzuschreiben. Es wurde ein Afrika-Jagdbuch der besonderen Art, das sich in Vielem von der üblichen „…und dann schoss ich“-Literatur unterscheidet, besonders weil es so fassettenreich ist wie Rowlands Leben selbst. Hier schreibt ein intimer Kenner Afrikas, seiner Menschen, Tiere und Geheimnisse, der seiner Faszination erlegen ist.

Schilderungen von Jagdabenteuern des Autors dürfen natürlich nicht fehlen. Sie sind teils eingestreut, teils in besonderen Kapiteln zusammengefasst. So erlebt der Leser z.B. eine nasse Pirsch auf missgelaunte Büffel im Schilf-Dschungel der Okavango Sümpfe mit, oder eine Krokodil-Jagd, bei der der Einfluss eines Medizinmannes ebenso offensichtlich wie unerklärlich war. Einen ähnlichen „clou“ hat auch der Bericht über eine Leoparden Nachsuche im hohen Gras, wohl das Gefährlichste, was die Jagd in Afrika zu bieten hat. Weniger gefährlich aber ebenso rätselhaft geht es beim Abschuss eines Hippos zu, das sich angewöhnt hatte, ein Dorf zu terrorisieren.

Aber auch profaneren Dingen, wie Waffen und Kalibern widmet sich der Autor. Er hat hier sehr klare Ansichten, die zu studieren sowohl für den Novizen als auch den Kenner der afrikanischen Pirsch lohnenswert sind.
Das alles macht das Buch spannend und interessant. Es beginnt mit klugen, auch kritischen Reflektionen zur Jagd, dem Berufsstand der Jagdführer und der Trophäenjagd. Es folgen im Hauptteil seine jagdlichen Erfahrungen mit dem Wild in Afrika. Er nimmt Stellung zum „Ansprechen“, erläutert die „Spurensuche“ und widmet sich den Besonderheiten der einzelnen, auch der weniger bekannten, Wildarten (Die Kleinen Neun). Den breitesten Raum nehmen natürlich die Dangerous Six ein. Eine mit Fakten begründete Bewertung ihrer Gefährlichkeit fehlt nicht.

Das Buch ist uneingeschränkt zu empfehlen. Es ist nicht glatt, hat aber einen hohen Unterhaltungswert und kann auch dem erfahrenen Afrikajäger Interessantes bieten. Das Bildmaterial ist gut und ergänzt den Text plausibel. Der Leser findet dort auch den Autor als knorrige Figur mit Pfeife und dem Elefantenrüssel abgebildet!
Ich könnte mir vorstellen, dass der eine oder andere Leser bedauert, nicht mit Ronnie Rowland gejagt zu haben. Mir geht es jedenfalls so.
Ein interessanter Mann – ein interessantes Buch.

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Johann Hendrik Mohr

Die Grundlagen für seine lebenslange Jagdpassion legte sein Großvater, in dessen Rehwild-Revier in Niedersachsen Jan Hendrik Mohr aufwuchs. seine juristische Ausbildung und die folgende Tätigkeit im internationalen Versicherungsgeschäft ließen ihm zunächst zwar wenig Zeit zum Jagen, das holte er aber nach, als er sich ein eigenes Revier in Hessen leisten konnte.
Anfang der 80er Jahre wurde er dann vom „Afrika-Bazillus“ gebissen. Es folgten bis heute fast 20 Jagdreisen ins südliche Afrika. Auch ohne Schießgewehr widmete er sich der Jagd. So stand er mehrere Jahre dem Frankfurter Jagd Club St. Hubertus vor und war Jagdrechtprüfer im Frankfurter Prüfungsausschuss. Eine Mitgliedschaft im CIC kam später hinzu.
Heute ist der jagdliche Wellenschlag etwas ruhiger geworden. Die Flinte nimmt er allerdings noch gerne in die Hand.
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Anmerkungen

Von KRAUTJUNKER gibt es eine Facebook-Gruppe sowie Becher aus Porzellan und Emaille. Kontaktmail für Anfragen siehe Impressum. Die Hemingway-Buchstütze findet Ihr hier.

Titel: Chitamba. Ein Jägerleben in Afrika
Autor: Ronnie Rowland
Herausgeber: Sternath Verlag
Verlagslink: https://www.sternathverlag.at/b%C3%BCcher/
Im klassischen Buchhandel wird dieses Buch nicht erhältlich sein. Aus grundsätzlichen Überlegungen zur Praxis des heutigen Großhandels – Stichwort „Amazon“ – liefert der in den Hohen Tauern beheimatete Sternath Verlag seine Bücher ausschließlich selbst aus bzw. über einige wenige ausgewählte Buchhändler.
Bestellungen:
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