Buchvorstellung
Die Kunst- und Lebensfreude des europäischen Ancien Régime fand im goldenen Spiegel des späten Venedig ihren vollendeten Ausdruck. Die Leidenschaft jener Zeit für Eleganz, Musik und festliche Selbstdarstellung zog Menschen aus allen Himmelsrichtungen in die Lagunenstadt. Man prunkte mit großen Namen und Luxus. Die Architektur Venedigs zeigt dies eindrucksvoller als es jeder Text schildern kann.

Kulinarisch galt Venedig lange als Nachzügler. Im 15. Jahrhundert klagte der Kanonikus Casola über den „vielen, aber nie schönen Fisch“, und eine Engländerin urteilte 1771 lapidar: „Die Venezianer sind miserable Köche.“ Jan Morris (* 1926; † 2020), einer der scharfsinnigsten Beobachter venezianischen Lebens, meinte Jahrhunderte später, die venezianische Küche sei „durchschnittlich“. Berühmt war Venedig eher für seine Kaffeehäuser – mehr als zweihundert soll es im 18. Jahrhundert gegeben haben, fünfunddreißig allein am Markusplatz.
In dem Maße wie Venedig ein Traumziel für Touristen aus aller Welt wurde, ist selbstverständlich das gastronomische Niveau gestiegen. Wer genug Geld hat und das Leben feiern will, bekommt den größten Luxus serviert.

Zu Gast in Venedig ist kein klassisches Kochbuch, sondern ein ästhetisches Erlebnis. Hochglanzseiten, leuchtende Farben, Fotografien voller Licht – das Buch ist eine Hommage an die Stadt und ihre Fähigkeit, das Schöne zum Prinzip zu erheben. Schon beim Blättern spürt man das Spiel von Wasser und Sonne, riecht Salz, Kaffee und bemerkt den Glanz einer großen Vergangenheit, die Patina angesetzt hat.

Es ist ein Buch, das man weniger benutzt, als betrachtet. Jeder Blick gleicht einem Spaziergang über Brücken, vorbei an schimmernden Kanälen und Fassaden, die mehr erzählen als jedes Rezept.
Die Autorin führt uns mit sicherem Blick durch die Stadt. Es geht nicht nur ums Essen, sondern um eine Lebensart zwischen Patina und Moderne. Zu Gast in Venedig ist eine Einladung, die Stadt zu schmecken – mit den Augen.

Die Rezepte bieten zumeist anspruchsvolles Fine Dining. Sie verlangen Zeit, Mut und Zutaten, die man eher im Feinkostladen als im Supermarkt findet. Viele wirken eher wie Kompositionen denn wie Anleitungen: ästhetisch, manchmal übertrieben, aber stets mit Stil. Venezianisch eben.

Wer einfache Hausküche sucht, wird hier kaum fündig. Das ist kein Buch für den Dienstagabend, sondern für den Moment, in dem Kochen zur Inszenierung wird – und genau das weiß es charmant auszuspielen.
Am Ende bleibt der Eindruck eines Buches, das mehr zum Träumen verführt als alltagstauglich sein zu wollen. Es feiert die Schönheit des Genießens, die über das Praktische hinausgeht. Ein Stück gedrucktes Fernweh, das nach Meer, Sonne und einem Glas Weißwein schmeckt.

Zu Gast in Venedig ist weniger Anleitung als Einladung – zum Seufzen, Staunen und Schwelgen.
Es(s)kapismus eben.

*
Christine Gräfin von der Pahlen

Für Christine von der Pahlen ist Reisen ihr Leben. Ihre Begeisterung teilte sie jahrelang im Reiseresort des Frauenmagazins Madame und auf ihrem persönlichen Blog. Angefangen hat sie als Moderedakteurin, die für Foto-Shootings um die Welt geschickt wurde. Schnell begann sie gleichzeitig Reisegeschichten zu schreiben und macht seitdem nichts anderes mehr.
https://www.callwey.de/christine-von-pahlen/
***

Anmerkungen

Von KRAUTJUNKER gibt es eine Facebook-Gruppe sowie Tassen. Bestellinformationen findet Ihr hier: https://krautjunker.com/2024/12/16/krautjunker-tassen

Titel: Zu Gast in Venedig
Autorin: Christine Gräfin von der Pahlen
Fotograf: Mayk Wendt
Verlag: Callway
Verlagslink: https://www.callwey.de/buecher/zu-gast-in-venedig/
ISBN: 9783766727152
Entdecke mehr von KRAUTJUNKER
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.