von Timmy Schnatz
Wie alles begann – vom Fernseher ans andere Ende der Welt
Ich werde oft gefragt, wie ich eigentlich dazu komme, um die Welt zu fliegen, um an den entlegensten Orten dieser Erde auf Fischfang zu gehen. Wie man sich das leisten kann, warum man sich das antut – und ob man nicht ganz bei Trost ist.
Die ehrliche Antwort: Angefangen hat alles ganz harmlos. Vor dem Fernseher.
Immer wieder blieb ich bei Jeremy Wade und seiner legendären Sendung Flussmonster hängen. Diese Geschichten von unbekannten Flüssen, urzeitlichen Giganten und fernen Ländern hatten eine magische Anziehungskraft auf mich. Irgendwann dachte ich mir: Das wäre auch mal was. Nicht nur zuschauen – selbst losziehen. Selbst auf einen dieser geheimnisvollen, kraftvollen Fische angeln.
Aus diesem Gedanken wurde langsam mehr. Die Idee wurde konkreter, die Recherchen intensiver. Ich begann zu lesen, zu planen, Kontakte zu knüpfen. Und heute – fünfzehn Jahre später – blicke ich auf zahlreiche Angelreisen rund um den Globus zurück. Ich hatte das große Privileg, einige meiner absoluten Traumfische zu fangen, außergewöhnliche Menschen weltweit kennenzulernen und den einen oder anderen mittlerweile sogar als Freund zu bezeichnen. Ganz zu schweigen von den atemberaubenden Orten, die ich bereisen durfte.
Ja, ich habe mir viele Lebensträume erfüllt. Auch wenn mich nicht wenige für verrückt halten, hoffe ich doch, dass ich noch lange nicht am Ende dieser Reise angekommen bin. An dieser Stelle möchte ich auch meiner Frau danken, die mir all diese Freiheiten ermöglicht, mir den Rücken freihält und meine Leidenschaft mitträgt.
Umso mehr freut es mich, einige meiner Angelabenteuer hier auf dem KRAUTJUNKER-Blog mit Euch teilen zu dürfen.
Meine erste große Angelreise – auf den Weißen Stör

Meine erste Reise war rückblickend betrachtet noch vergleichsweise unspektakulär – zumindest im Vergleich zu dem, was später noch folgen sollte. Doch sie sollte mein Leben verändern. Es ging in den Norden der USA nach dem Städtchen The Dallas, mit einem klaren Ziel vor Augen: dem Weißen Stör (Acipenser transmontanus), einem der größten Süßwasserfische der Welt.

Der Weiße Stör ist ein echtes Naturwunder. Ein urzeitlicher Knochenfisch, der als lebendes Fossil gilt, weil sich sein Bauplan seit über 200 Millionen Jahren kaum verändert hat – seit einer Zeit also, in der frühe Dinosaurier die Erde beherrschten. Menschen der Gattung Homo existieren im Vergleich dazu erst seit etwa 2 bis 3 Millionen Jahren. Allein dieser Gedanke sorgt für Ehrfurcht.
Weiße Störe erreichen im Durchschnitt eine Länge von rund 2,10 Metern. Rekordfänge sprechen jedoch von wahnsinnigen 6,10 Metern bei einem Gewicht von 816 Kilogramm. Auch ihr Alter ist beeindruckend: Das höchste bekannte Alter liegt bei 104 Jahren.
Ihr Körper ist langgestreckt, kraftvoll und spindelförmig, bedeckt mit markanten Knochenschildern. Barteln am unterständigen Maul und hochentwickelte Sinnesorgane ermöglichen es ihnen, selbst feinste elektrische Felder und Temperaturunterschiede wahrzunehmen – perfekte Jäger am Grund trüber Flüsse.

Das Fleisch des Weißen Störs gilt als Delikatesse und wird frisch, geräuchert oder gefroren vermarktet, während die Eier als begehrter Kaviar verkauft werden.

Big Game im Süßwasser – Störangeln pur
Diese Reise war für mich einfach episch. Alles passte. Einer der besten Guides der Region, Charlie Foster von NW Sturgeon Adventurs, hatte mir einen Platz auf seinem Boot reserviert. Charlie – ein Original, ein Störflüsterer, ein Mensch mit unendlicher Erfahrung. Bis heute, viele Jahre später, stehen wir noch immer in Kontakt.
Die Angelei selbst war überraschend simpel – zumindest auf den ersten Blick. Um die benötigten Köderfische zu fangen, schleppten wir mit kleinen grünen Twistern. Charlie sagte, diese Fische erinnerten ihn an kleine Tarpons, ich würde sie eher als eine Art Maifisch bezeichnen.

Das Kuriose: Diese Fische sind Vegetarier. Sie ernähren sich von grünen Algen, die zu dieser Jahreszeit massenhaft im Wasser vorkommen. Genau hier kommt der Trick ins Spiel. Die etwa 1 cm langen grünen Twister imitieren diese Algen perfekt und sind deshalb extrem fängig. Allerdings haben diese Fische ein sehr weiches Maul – bei zu harter Führung geht schnell jeder zweite Fisch verloren.
Zwischen Mai und Juni wandern rund 6 Millionen dieser etwa 500–700 Gramm schweren Fische flussaufwärts. Trotz der vielen Aussteiger kann man so dennoch zuverlässig Köderfische fangen. Kein Wunder also, dass sie in dieser Zeit die Hauptnahrungsquelle der Störe darstellen.
Besonders faszinierend war für mich die Köderpräsentation. Charlie schnitt Teile des Rückens und der Schwanzpartie des Köderfisches heraus, sodass Blut und Geruchsstoffe optimal ins Wasser abgegeben werden konnten. Anschließend wurde der präparierte Fisch regelrecht in das Vorfach „eingewickelt“, fast wie ein Rollbraten, nachdem der Haken durch den Kopf geführt worden war. Jeder Guide hat hier seine eigene Philosophie.
Sobald der Köder ausgewaschen und „leer geblutet“ war, wurde er ersetzt. Störe besitzen einen extrem ausgeprägten Geruchssinn – und genau das machte diese Taktik so erfolgreich. Nicht selten folgte kurz darauf der erhoffte Biss.
Der Moment, der alles veränderte
In fünf Tagen konnte ich 22 Weiße Störe über 2,70 Meter fangen. Mit Fischen von 2,96 m und 2,98 m dachte ich bereits, mein persönliches Highlight erlebt zu haben. Doch dann kam dieser eine Tag.

Der Biss. Die Rute krümmte sich brutal. 115 Minuten Drill folgten – ein Kampf, der alles forderte. Als ich den auf etwa 290 Kilogramm geschätzten Fisch schließlich in meinen zittrigen, verkrampften Händen hielt, war mir eines klar: Das hier war mehr als Angeln. Das war ein Schlüsselmoment.


Spätestens in diesem Augenblick wusste ich: Das durfte nicht meine letzte Tour gewesen sein. Noch während dieser Reise habe ich für das Folgejahr einen Trip zum Nilbarschangeln in Uganda fixiert.
Doch das ist eine andere Geschichte – und die erzähle ich euch bald hier auf dem KRAUTJUNKER-Blog.
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Timmy Schnatz

Timmy Schnatz führt seit 2012, als Vertreter der fünften Generation seit 1884, gemeinsam mit seiner Mutter den Landgasthof samt Pension Zum Grünen Baum in Leidersbach im Spessart bei Aschaffenburg. Timmy ist passionierter Angel und Fotos und Berichte seiner Expeditionen setzen die Mitglieder der KRAUTJUNKER-Facebookgruppe regelmäßig in Erstaunen.

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