Whisky und Rauch

The Indian leaf doth briefly burn;
So doth man’s strength to weakness turn;
The fire of youth is soon out-spent,
And like a smoke it finds a vent.
Thus think, and smoke tobacco.

von Tim Wesly Hendrix

Was wäre ein Abend am Kamin, ohne die beiden Begleiter Whisky und Tabbakk? Das ein torfiger Whisky schon bereits in sich soviel Rauch inne hat, dass es der besten Entdeckung des Columbus fast gar nicht mehr bedarf, sei einmal dahin gestellt.

Das aber nicht immer die Geschmackskeule mit brachialer Kraft zuschlagen muss, zeigt eine Kombination, die ich heute einmal vorstellen möchte.

Bildquelle: Tim Wesly Hendrix

Die Edradour Distillery liegt nahe Pitlochry in den schottischen Highlands und gilt seit ihrer Gründung im Jahr 1825 als eine der traditionellsten und lange Zeit kleinsten Brennereien des Landes. Der Betrieb ist bewusst handwerklich geprägt: kleine Brennblasen, vergleichsweise geringe Produktionsmengen und ein klarer Fokus auf Einzelfassabfüllungen verleihen den Whiskys der Destillerie ihren charakteristisch öligen, intensiven Stil. Besonders bekannt ist Edradour für kraftvolle, sherryfassbetonte Abfüllungen mit viel Tiefe.

Die Serie Straight From The Cask steht exemplarisch für diese Philosophie. Dabei handelt es sich um ungefärbte, nicht kühlfiltrierte Single-Cask-Whiskys in natürlicher Fassstärke. Deine Abfüllung wurde am 7. März 2008 destilliert, reifte zehn Jahre in einem Sherry Butt (#48) und wurde am 22. Mai 2018 mit kräftigen 58,8 % vol abgefüllt. Die Kombination aus kleinem Brennereicharakter und intensiver Sherryreifung verspricht ein dichtes, vollmundiges Profil.

In der Nase zeigen sich typischerweise üppige Trockenfrüchte wie Rosinen, Datteln und dunkle Kirschen, begleitet von Kakao, Nüssen und einer warmen Kuchenwürze. Am Gaumen wirkt der Whisky ölig und kraftvoll mit Noten von Pflaumen, Toffee, Honig und Bitterschokolade, unterlegt von Zimt und Nelke. Der hohe Alkoholgehalt sorgt für spürbare Wärme, trägt aber auch die Aromen sehr klar. Der Abgang ist lang und süß-würzig, mit anhaltenden Sherry- und Kakaonoten sowie einem leicht trockenen Eichenfinish.

Am besten genießt man diese Abfüllung zunächst pur und gibt bei Bedarf ein paar Tropfen Wasser hinzu — viele Straight From The Cask-Whiskys öffnen sich dadurch aromatisch noch einmal deutlich.

Die Marke H. Upmann gehört zu den traditionsreichsten Zigarrenherstellern Kubas. Ihre Wurzeln reichen bis ins Jahr 1844 zurück, als die deutschen Brüder Hermann und August Upmann in Havanna eine Bank gründeten und begannen, hochwertige Zigarren nach Europa zu exportieren. Schon früh erarbeitete sich die Marke einen Ruf für elegante, fein ausbalancierte Blends, die eher auf Finesse als auf Kraft setzen. Trotz politischer und wirtschaftlicher Umbrüche über die Jahrzehnte hinweg blieb der typische H.-Upmann-Stil erhalten: zugänglich, cremig und klassisch kubanisch.

Die Magnum 54, die 2016 in die reguläre Produktion aufgenommen wurde, steht beispielhaft für diese Markenphilosophie. Mit ihrem Robusto-Extra-Format (Ringmaß 54 bei 120 mm Länge) bietet sie ein großzügiges Rauchvolumen und wirkt dadurch besonders rund und cremig. Gefertigt wird sie vollständig von Hand aus kubanischen Tabaken (Totalmente a Mano, Tripa Larga).

Aromatisch beginnt die Magnum 54 meist weich und elegant mit Noten von Zedernholz, hellen Nüssen und einer feinen Honigsüße. Im Rauchverlauf gewinnt sie an Körper und zeigt cremigen Kaffee, geröstete Mandeln und dezente Würze, ohne jemals aggressiv zu wirken. Im letzten Drittel treten erdige und leicht ledrige Töne sowie ein Hauch Kakao hinzu, während die für H. Upmann typische Balance erhalten bleibt. Insgesamt präsentiert sich die Magnum 54 als harmonische, mittelkräftige Habano, die sowohl Einsteiger als auch erfahrene Aficionados anspricht.

Der Reiz beginnt bei der Textur: Der Edradour, in seiner unbändigen Fassstärke und oft tiefen Sherry-Reifung, bringt eine ölige, fast viskose Dichte mit. Er legt sich wie ein schützender Mantel über den Gaumen und bereitet ihn perfekt auf das stattliche Rauchvolumen der Magnum 54 vor. Mit ihrem breiten 54er Ringmaß bietet die Zigarre eine Fülle, die der aromatischen Wucht des Whiskys mühelos standhält, ohne von ihm überlagert zu werden.

Geschmacklich schlagen diese beiden Klassiker eine Brücke zwischen Schottland und Kuba. Die typischen Edradour-Noten von dunklen Trockenfrüchten, schwerem Karamell und weihnachtlichen Gewürzen finden in der H. Upmann ihren idealen Gegenpart. Die Zigarre steuert feine Nuancen von Zedernholz, gerösteten Mandeln und eine dezente Cremigkeit bei. Der hohe Alkoholgehalt des Whiskys fungiert dabei als Geschmacksträger: Er löst die komplexen Tabakaromen und lässt die nussige Süße der Magnum 54 noch deutlicher hervortreten.

Wo der Whisky mit intensiver Süße und Würze punktet, antwortet die Zigarre mit Ruhe und Struktur. Es ist ein harmonisches Wechselspiel, bei dem die Kraft des Straight from the Cask die Eleganz des Tabaks veredelt. Ein Pairing für Kenner, die Zeit und Tiefe zu schätzen wissen.

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Bildquelle: Tim Wesly Hendrix

Edruador Straight from the cask
* Alter: 10 Jahre
* Fass: Sherry Butt #48
* Destilliert: 7. März 2008
* Abgefüllt: 22. Mai 2018
* Stärke: 58,8 % vol (Cask Strength)
* Flaschengröße: 500 ml
* Outturn: 575 Flaschen

Bildquelle: Tim Wesly Hendrix

H. Upman Magnum 54
* Format: Robusto Extra
* Ringmaß: 54
* Länge: 120 mm
* Vitola de Galera: Magnum 54
* Herkunft: Kuba
* Deckblatt / Umblatt / Einlage: komplett kubanischer Tabak (Totalmente a Mano, Tripa Larga)
* Stärke: leicht bis mittel

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Dr. Tim Wesly Hendrix

Tims Frau beschreibt ihn so: „Der ist einfach ein wenig verrückt“ würde sie sagen. Nun liegt das Genie nah am Irrsinn, er nimmt das also als Kompliment.

Aus dem Bergischen kommend zog es ihn in die weite Welt zum Studium – also nicht ganz so weit weg vielleicht – nach Köln. Mit Zwischenstation in Edinburgh beurteilte ihn dann eine Reihe von Professoren als soweit gereift, um ihm den Doktortitel im Fach Kunstgeschichte zu verleihen. Man möge es ihnen verzeihen. Nebenbei gab es dann noch einen Master in Anglophone Literature – was wiederum nichts anderes ist als das schnöde Anglistik Studium vergangener Tage.

Man sieht also, Tim ist den britischen Inseln und der englischen Sprache sehr zu getan. Seine Frau fragt ihn schon nicht mehr, wo der Jahresurlaub seiner Meinung nach hingehen soll, die Antwort ist ihr hinreichend bekannt. Schottland mit seiner raue, poetischen Westküste hat ihn so in den Bann gezogen, dass er dort jeden Urlaub verbringen könnte.

Das heißt nicht, dass er die anderen Länder nicht wertschätzt – aber keines, nicht einmal die berühmten Wasser Afrikas – haben ihn so vollkommen einnehmen können.

Das spiegelt sich auch in der Leidenschaft für Whisky nieder, obwohl er einem guten Wein auch nicht abgeneigt ist. Kommt dann noch eine Zigarre, oder eine seiner geliebten Pfeifen dazu – das ist wahrer Es(s)kapismus für ihn.

Früh schon zog es ihn ans Wasser, um den heimischen Forellen in kleinen Bergbächen nachzustellen und auch heute noch schwingt er gelegentlich seine Fliegenrute. Was gibt es auch schöneres, als bei ausreichend Wind an einem Bach auf einer Hebrideninsel zu stehen und Fliegen aus der Vegetation zu befreien?

Das seine Hardy Ruten nur noch gelegentlich genutzt werden, liegt vor allem an seiner wohl größten Passion: Der Jagd.

Sie war immer irgendwie da. Schon als kleiner Junge vor der beeindruckenden Wand seines Großonkels. So richtig hat er aber erst vor relativ kurzer Zeit zu ihr gefunden. Dies konnte er freilich durch Eifer, seine Frau spricht von manischem Zwang, ausgleichen.


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