Mit Vorderlader auf Büffel

von Ludwig Siege

In Sambias Nordwestprovinz gab es wenig Büffel. Rappenantilopen, Hartebeest, Sitatunga, auch Elenantilopen waren viel zahlreicher. Die Leute erklärten mir die Abwesenheit von Büffeln mit der geringen Schwierigkeit, sie zu tracken und zu schießen. Wenn welche auftauchten, war sofort immer jemand hinter ihnen her. Zwei- oder dreimal fand ich Büffelfährten in der Nähe von Jivundu am West-Lunga-Fluss. Jedes Mal waren frische menschliche Fußabdrücke über den Fährten zu sehen. Vermutlich Wilderer, aber dennoch musste ich die Jagd abbrechen. Wenn es ein Jäger mit Lizenz gewesen wäre, hätte er mir eine Störung nie verziehen.

So war es mir in der Nähe von meiner damaligen Heimat Kabompo in den ersten beiden Jahren nur ein einziges Mal gelungen, die Spur einer Herde zu finden, ihr zu folgen und einen Bullen zu erlegen. Zuerst hatte ich sie für Elenfährten gehalten. Beim genaueren Hinsehen stellte ich fest, dass es tatsächlich ungefähr 20 Büffel waren, die den Weg überquert hatten.

Wir folgten den Spuren und trafen sofort auf eine zweite Jagdpartie. Ich fluchte vor mich hin, denn sie waren vor uns, hatten also Vorrang. Aber siehe da, ich kannte den Jäger. Er war Kassierer bei der Wildbehörde in Solwezi, der regionalen Hauptstadt. Ein Verwandter begleitete ihn. Er hatte eine Lizenz für einen Büffel, als Waffe aber nur einen Vorderlader.

Ein lizensierter Vorderlader genügte in Sambia damals als Voraussetzung für eine Lizenz. Ich schaute mir die Waffe an: Schloss und Abzugsmechanismus stammten aus Lüttich und waren wohl weit über 100 Jahre alt. Der Lauf war undefinierbaren Ursprungs. Ich hatte den Verdacht, dass es sich um die Lenksäule eines alten Landrovers handelte. Diese wurden oft zur Waffenherstellung benutzt, weil sie ziemlich robust waren.

Die Jäger waren der Herde bereits einen halben Tag gefolgt und hoffen auf eine günstige Gelegenheit, einen der Büffel auf kurze Entfernung, nicht mehr als 10 Meter, zu beschießen. Nur so könne er sicher sein, dass der Schuss auch tödlich ist, sagte der Jäger mir. Ich schaute mir sein Pulver an: ziemlich grobkörnig. Das Zündhütchen sah auch schon mehrfach verwendet aus. Er hatte es selbst mit den Köpfen von selbstzündenten Streichhölzern gefüllt. Das funktioniert gut, versicherte er mir, aber doch mit einem leichten Fragezeichen in der Stimme.

Beide waren schon ziemlich erschöpft, denn sie waren mit einem Fahrrad unterwegs und mussten dieses immer wieder zurücklassen, wenn sie den Büffeln näherkamen. Pirschen mit Fahrrad geht nicht. Jedes Mal, wenn die Büffel weiterzogen, musste einer von ihnen zurücklaufen und das Rad nachholen, manchmal über viele Kilometer. Er war sehr erleichtert und dankbar, als ich ihm anbot, einen Büffel für ihn zu schießen. Vorher hatte ich ihm meine .500 NE mit ihren zigarrengroßen Patronen gezeigt. Dies räumte die letzten Zweifel an meinem Angebot aus.

Abb.: Autor Ludwig Siege mit seiner .500 Nitroexpress

Einen Kilometer weiter hatte sich die Herde in einer Dambo niedergetan. Einige Büffel lagen und käuten wieder, aber zwei mittelalte Bullen standen Kopf an Kopf und dösten vor sich hin. Deckung in Form von Buschgruppen zum Anpirschen war reichlich da und der Wind blies mir ins Gesicht. Ich konnte mich der Büffelgruppe ohne größere Schwierigkeiten bis auf 50 Meter nähern. Der weiche Boden half dabei. Im Schuss brach der erste Büffel sofort zusammen, dem zweiten schoss ich im Bruchteil einer Sekunde danach ebenfalls aufs Blatt. Auch er brach sofort zusammen, versuchte aber nochmal hochzukommen, so dass ich ihm einen zweiten Schuss antrug. Es ist meine Erfahrung, dass Büffel deutlich weniger Schusshärte zeigen, wenn sie sich keiner Gefahr bewusst sind. Dann genügt oft ein Lungentreffer, um sie zusammenbrechen zu lassen. Ist das Adrenalin aber hoch, muss ein Schuss schon in die Wirbelsäule oder ins Gehirn gehen, um sie sofort von den Läufen zu holen. Sehr zur Freude des lokalen Jägers konnte ich ihm wenig später seinen Büffel präsentieren. Beide kampierten beim Büffel und trockneten dort das Fleisch auf Holzrosten.

Abb.: Der erste Sambiabüffel, Autor mit Helfer

Ich war sehr interessiert daran zu sehen, wie sie das Fleisch abtransportieren wollten. Immerhin waren es mehr als 200 km bis Solwezi. Als ich sie am nächsten Morgen besuchte, war das Fleisch schon auf dem Fahrrad verstaut. Nur die Griffe waren noch zum Schieben frei. Überall an den Verstrebungen, am Rahmen und auch an der Lenkstange, hingen Säcke mit halbgetrocknetem Fleisch. Zurückgelassen wurden nur die ungenießbaren Hörner des Büffels, der Kopf wurde mitgeschleppt. Sie hatten harte Arbeit vor sich, waren aber verständlicherweise guter Dinge wegen des Jagderfolgs. Ein Teil des Fleisches sollte verkauft werden. Darauf, den Rest mit ihren Familien zu verspeisen, freuten sich die beiden schon. 

Abb.: Autor im Camp, Sambia 1989

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Ludwig Siege

Dr. Ludwig Siege arbeitete von 1980 bis 2016 für die GTZ, darunter 20 Jahre als Berater für Wildtiermanagement und Naturschutz. Ab 1994 leitete er das Selous Conservation Programm in Tansania. Ab 2008 war er für UNDP und GIZ-Berater der Wildbehörde in Äthiopien. Seit 1972 ist er mit der Psychologin und Autorin Nasrin Siege verheiratet. Tochter Lena und Sohn Andreas sind überwiegend in Afrika aufgewachsen. Ludwig ist Naturschützer und Jäger. Neben seinen Büchern hat er zahlreiche Buchbeiträge und Zeitschriftenartikel zum Thema Jagd verfasst. Er ist Mitglied der IUCN-Krokodilspezialistengruppe.

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Anmerkungen

Von KRAUTJUNKER gibt es eine Facebook-Gruppe.

Titel: Mbogo – 40 Jahre Großwildjagd in Afrika

Autor: Ludwig Siege

Herausgeber: ‎ Independently published

ASIN: ‎ B0F6V56CKS

ISBN: ‎ 979-8281720588

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Ihr könnt das Buch Mbogo für 14,95 € als Taschenbuch oder für 24,95 € gebunden bei Amazon oder beim Autor selbst bestellen: ludwig.siege@gmail.com

Das Buch gibt es auch auf Englisch.


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