Dangerous Drinks: Des Teufels Elixiere

Am Donnerstag, dem 1. Februar 2024 beendete ich meinen (fast) trockenen Januar mit einer Weinprobe im Jacques’ Wein-Depot von Herford. Hierbei kam das Gespräch auf abartige alkoholische Getränke früherer Tage. Damals, als Männer noch Männer waren und keine ferngesteuerten Schlafanzüge, wie es schon damals hieß…

So zum Beispiel den Pillkaller, ein Drink aus dem ostpreußischen Ort Pillkallen. Hier legt der Connaisseur eine Leberwurstscheibe wird auf seine Zunge und spült sie mit einem Glas Doppelkorn runter… Alternativ wird die mit Senf bestrichene Leberwurst in das Glas gelegt und mit der Spirituose übergossen und dann der gesamte Inhalt des Glases zugleich hinuntergeschlungen.

Abb.: Pillkaller; Bildquelle: Wikipedia

Oder Kikeriki, 1/3 Eierlikör und 2/3 Orangensprudel. Mit extra Wodka knallt es noch mehr und verwandelt Mamas österliche Kaffeetafel in ausschweifende Bacchanalien…

Abb.: Kikeriki; Bildquelle: Verpoorten

Malermeister Klaus Gronemeier beschrieb den Gehängten. Dieser schaurige Name bezeichnet einen Aquavit mit Sardelle oder gar oder Matjesstreifen.  Der Fisch wird so in das Glas gelegt, dass die
Hälfte heraushängt. Den Fisch mit der Zunge aufnehmen und langsam reinschlürfen.
Genüsslich durchkauen. Aquavit rüberkippen und langsam schlucken…Niemand hat sich je getraut, dies zu fotografieren…

Eine Lüttje Lage ist im Raum Hannover bekannt. Hier werden ein obergäriges Schankbier und Kornbrand parallel genossen. Beim Trinken werden beide Gläser so angesetzt, dass das Schnapsglas über dem Bierglas liegt und der Kornbranntwein zusammen mit dem Bier in einem Zug getrunken wird.

Abb.: Lüttje Lage; Bildquelle: Wikipedia

Als ich so um die 18 war, also 1987/1988, gab es auf Partys einen Hype um Tequila mit Salz und Zitrone. Irgendwann war man so breit, dass man mit dem Salzlecken und Zitronebeißen durcheinander kam und sich selbst in die Hand biss. Diese Kombination habe ich aber auch seit 1990 nicht mehr „genossen“.

In der KRAUTJUNKER-Facebookgruppe bat ich um die Nennung weiterer abartige Getränke und wurde nicht enttäuscht.

Laut Cora Leebsh gibt es den Pillkaller„in Köln mit Blutwurscht….Ich hab vergessen wie diese Perversion heißt, kommt dann als Nachtrag… das heißt ‚ Flönz‘ (oder so ähnlich)…wobei die Wurst so heißt und es gibt den Kümmelschnaps und Senf dazu … war im Dezember in Köln und das heißt Flönz (oder so ähnlich)…wobei die Wurst so heißt und es gibt den Kümmelschnaps und Senf dazu.“ 

Bildquelle: Cora Leebsh

Lukas Schulte-Filthaut: „Der Pillkaller erinnert mich an den Bauern-Tequila: Doppelkorn, Fleisch-/Mettwurst und Senf….“. Ale Du kennt ihn als „Niederbayern-Tequila: Obstler, ein Radl Lyoner und ein Zwiebelringerl“.

Uli Slonek erinnert sich „aus seligen Skikurszeiten, das U-Boot: Das randvolle Schnapsglas wird im Bierglas versenkt, und dann das Bier ex! Wenn dann plötzlich der Schnapsschwall kommt….“.
Der Tierarzt Dr. Lutz Johannsen aus Schleswig Holstein kennt aus der Fischersiedlung Holm in Schleswig den Möwenschiss: Ein Aquavit, eine Salamischeibe und ein Klacks Mayonnaise. „Der Name trifft es schon ziemlich genau, zumindest vom Aussehen, das Andere kann ich Gott sei Dank nicht beurteilen.“

Simon Thackeray: „Jäger-Bomb. Ein normales Glas gefüllt mit Red Bull und auf den Boden wird ein Schnapsglas Jägermeister gestellt.“

Prof. Harald Schweim nannte Sambuca con la mosca. „Brennend serviert mit drei Kaffeebohnen. Ex-Trinken ohne sich den Mund zu verbrennen und die Bohnen zerkauen und dann erst alles Schlucken.“

Bertram Graf v. Quadt steuerte den Burning Mozart bei: „Mozartkugel ins Glas, 80% Stroh-Rum dazu. Anzünden, brennend trinken. … Amen, Brüder, ich sage Euch: das Zeugs ist tödlich. Vor einigen Jahren habe ich mich bei einer Hochzeit dazu überreden lassen. Nach Inkorporation habe ich das Fest schleunigst verlassen, weil ich gemerkt habe, dass in ungefähr einer Minute eine beidseitige spontane Beinamputation unterhalb der Knie stattfinden würde.“

Peter Schmid: „Laterndlmass, ein Masskrug mit Weisswein oder Schorle , in dem ein Stamperl Kirschlikör versenkt wird.“

Daniel Schoch: „Persching (Dialekt für „Pfirsich): Weißherbst mit Fanta. Früher tranken wir im Urlaub immer B52 mit Absinth: Kahlua ins Glas, Baileys drauf, dann Absinth. Anzünden, rein damit!“

Benedikt Raßhofer: „Odelmaß! Eine Odelmaß (Odel = Jauche/Gülle) ist eine Goaßmaß (Dunkles Bier + Cola mit Kirschlikör und/oder Asbach) der kleine Brocken roten Presssacks hinzugefügt werden!“

Michael Schlecht kennt auch kennt auch die verschärfte Goaßmaß. Da wird ein rohes Ei reingeschlagen.

Helmut Riegg nannte die Schneemaß. Sie besteht aus Zitronenlimo, Vanilleeis und Korn….
Peter Schmid empfiehlt hier noch Dosenfrüchte hinzuzufügen, um eine Schlammbowle zu kreieren.

Carl-Christian Bittorf: „ACE-Saft! Asbach, Cola und Eiswürfel.“

Samuel Golter: „Prairie Fire = 1/3 Bourbon, 1/3 Tequila, 1/3 Tabasco… Während meiner Zeit in Canada IMMER der letzte Drink…“

Martin D Wind: „Schlammbowle: Hauptzutat Wodka und Vanilleeis, des weiteren das am Tag vorher in Wodka eingelegte Obst, Säfte nach Belieben (passend zum Obst), wenig, nach Gusto Sekt oder Weißwein – angesetzt in einer Baustellen-Betonwanne.

Beliebt, weil man Wodka kaum bis nicht schmeckt, das ganze aber ungemein „locker“ gemacht hat. Die jungen Damen habens gerne genommen.

Ich habe das nicht ein einziges Mal probiert und bin bei meinem harmlosen Weißbier und Weißwein geblieben, damit wenigstens einer die Gäste die Treppe hoch und zur Taxe bringen konnte …“

Anna Bosniak: „Vodka Ahoi: Brausepulver in den Mund, Glas Wodka hinterhergegossen. Heftiges Schütteln mit dem Kopf und ab damit!“

Reiner Grundmann: „Leghorn. Mein Vadder hat immer was getrunken – das ich heut noch ab und an trinke, Bier, rohes Ei, Traubenzucker – 50er Jahre Energydrink – geht auch mit Rowein ;o) ordentlich verquirlen und auf angenehme Gefühle im Hals achten, wenn die Hagelschnur / ..Schnüre über die Gurgel runtergehen ;o)“

Diese Aufzählung wäre nicht vollständig ohne den Pangalaktischen Donnergurgler (im englischen Original Pan Galactic Gargle Blaster) aus Douglas Adams (* 1952 in Cambridge, England; † 2001 in Santa Barbara, Kalifornien) vierteiliger Trilogie Per Anhalter durch die Galaxis. Es ist der Lieblingsdrink von Zaphod Beeblebrox und wurde auch von ihm erfunden:
»Man nehme den Inhalt einer Flasche Alten Janx-Geist. Man füge einen Teil Wasser aus den Meeren von Santraginus V hinzu. Man lasse drei Würfel arkturanischen Mega-Gin in der Mischung zergehen (sie müssen gut gefroren sein, sonst verflüchtigt sich das darin enthaltene Benzin). Nun lasse man vier Liter fallianisches Sumpfgas hindurchperlen (zur Erinnerung an all die glücklichen Anhalter, die vor Freude in den Sümpfen von Fallia starben). Über einen umgedrehten Silberlöffel lasse man nun ein Teil qualaktinischen Hyperminz-Extrakt tröpfeln, der nach allen dunklen, zu Kopf steigenden qualaktinischen Zonen duftet, zart, süß und mystisch. Man werfe den Zahn eines algolianischen Sonnentigers hinein. Schau zu, wie er sich auflöst und sich die Feuer der algolianischen Sonne tief im Herzen des Drinks verteilen.
Ein Spritzer Zamphuor. Eine Olive wird als letzte (last but not least!) Zutat für den Pangalaktischen Donnergurgler benötigt.«
Sein Geschmack wird nicht näher beschrieben, dafür ist die Wirkung phänomenal: »als werde einem mit einem riesigen Goldbarren, der in Zitronenscheiben gehüllt ist, das Gehirn aus dem Kopf gedroschen«.

Abb.: Per Anhalter durch die Galaxis; Bildquelle: Touchstone Pictures

Ein weitere Weisheit aus Per Anhalter durch die Galaxis: Etwa 85 % aller Welten im Universum haben einen Drink namens Jynnan Tonnyx entwickelt. Oder Jynnan Tonnyx oder Jinnunt-O-Nicks oder irgendeine andere Variation. Diese Drinks sind aber nicht gleich, das Einzige, was sie gemein haben, ist der Name. Die verschiedenen Sorten reichen vom sivolvianischen Chinunto/Mnings, der nur normales Wasser ist, welches etwas wärmer als Zimmertemperatur serviert wird, bis zu dem Tzjin-Anton-X, der »Kühe auf bis zu hundert Schritt Entfernung umhaut«. Die größte Besonderheit ist jedoch, dass die Erfindung des Drinks immer kurz vor der Erkenntnis über die Existenz außerirdischen Lebens steht – so auch auf der Erde, welche wenige Jahrzehnte nach der Erfindung des Gin Tonics von Vogonen kontaktiert wird.

Wer sich eines oder mehrere dieser Getränke antun möchte, empfehle ich einen Blick in Am Morgen danach: Was bei einem Hangover wirklich hilft des britischen Arztes Andrew Irving.

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Anmerkungen

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