Buchvorstellung des Bertram Graf v. Quadt
Es gibt Bücher in meiner Bibliothek, die sind nicht nur schön und wichtig, sondern unersetzlich. Dazu gehört Das Jagdliche Vermächtnis Herzog Albrechts von Bayern. Er war mein Großvater. Erschienen kurz nach seinem Tod im Jahr 1997, entstanden war es allerdings in großen Teilen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Mein Großvater, der 1905 als zweiter Sohn des bayerischen Kronprinzen Rupprecht geboren wurde, hatte von klein auf Zugang zur Jagd und erfuhr viel seiner Ausbildung durch seinen Onkel, Herzog Ludwig Wilhelm in Bayern. Zudem hatte er – hochgeborenes Kind seiner Zeit – Zugang zu großen und größten Jagden in der ehemaligen Donaumonarchie. Er galt schon früh als einer der besten Schützen seiner Zeit und war jagdlich umfassend interessiert. Als er mit seiner Familie vor den Nationalsozialisten fliehen musste, organisierte er unter anderem im Exil das Hofjagdwesen des damaligen Königs von Jugoslawien. Man kann also mit einigem Recht behaupten, dass er als – wenn auch recht hochgeborener – Berufsjäger tätig war. So lautet der Untertitel des Vermächtnis auch Anleitung zur Führung großer und kleiner Jagdreviere.
Der Großteil des Textes wurde 1943/44 niedergeschrieben, schon damals plante Albrecht v. Bayern eine Veröffentlichung. Im Vorwort zu den ersten Aufzeichnungen schreibt er:
»Das Buch wird dem Fachmann nicht viel Neues bringen, es soll nur dem Leiter größerer Jagdreviere eine Zusammenfassung von an sich Selbstverständlichem und eine Aufzählung vom notwendigsten ‚Handwerkszeug‘ für seine praktische Arbeit bieten. Auch für kleinere Reviere werden sich vielleicht brauchbare Anregungen ergeben.«
Dann folgen 384 Seiten an »notwendigstem Handwerkszeug«, vom Revierdienst über Wildschadensverhütung, Reviereinrichtung, Hege, Wildstandsbewirtschaftung (heute würde man wildlife management dazu sagen) bis hin zu den einzelnen Jagdarten inklusive Jagd vom Pferdewagen aus, Arbeit des Büchsenspanners oder Setzen von Jagdzeug. Daraus mag man ersehen, dass es sich im Wesentlichen um ein jagdhistorisches Buch handelt. Das ist ebenso richtig wie es ein Irrtum ist. Denn vieles von dem, was mein Großvater hier niedergeschrieben hat (ergänzt durch spätere Beobachtungen in weiterer Ausarbeitung des Textes bis zu seinem Tod 1996), hat heute noch hohe Aktualität: sei es Äsungsverbesserung zur Wildschadensvermeidung in Verbindung mit ständig wechselnder punktueller Bejagung, sei es seine Kritik an der Unfähigkeit zum ökologischen Denken in puncto Niederwildhege, seien es seine umfangreichen Aufzeichnungen zum Ansprechen von Auerhahn über Reh, Hirsch, Gams, Damwild, Muffel, Sau bis Trapphahn.
Das Jagdliche Vermächtnis wurde 1997 erstmals bei Paul Parey verlegt, auf Betreiben des Jagdwissenschaftlers Giacomo Maggio, dem mein Großvater das Gesamtmanuskript und alle Rechte daran letztwillig vermacht hatte. Die Auflage von 1.000 Stück war relativ bald vergriffen, das Buch war lange Zeit nur antiquarisch für Summen zwischen 500.- und 1000.- Euro zu bekommen. Da ich immer wieder auf dieses Buch angesprochen wurde, hatte ich mir vorgenommen, eine Neuauflage zu erreichen. Dazu war aber einiges an Recherche notwendig: im Wittelsbacher Hausarchiv war kein Manuskript vorhanden, Giacomo Maggio war inzwischen verstorben und seine Frau als Erbin und Rechteinhaberin unbekannt verzogen. Nach mehreren Jahren gelang es mir dank tätiger Mithilfe eines Teilnehmers am Paul-Parey-Forum in Kontakt mit Frau Pia Maggio an ihrem ungarischen Wohnsitz zu kommen. Nach Klärung der rechtlichen Fragen war der Paul Parey Verlag bereit, ein Reprint zu verlegen, an dieser Stelle sei großer Dank an den Chefredakteur der Wild und Hund, Heiko Hornung. Als Vorlage des Reprints stellte ich mein eigenes Exemplar des Vermächtnis zur Verfügung, das komplett zerlegt wurde, mir aber später neu gebunden wieder rückgesandt wurde.
Somit ist dieses wichtige und m.E. unersetzliche Buch wieder verfügbar und findet seine Leser. Ihr werdet es bereichert durchgelesen haben und danach immer wieder als Ratgeber zur Hand nehmen.
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Bertram Graf v. Quadt

Man kann sich gegen schwere erbliche Belastungen nicht wirklich zur Wehr setzen. Damit war die Jagd unausweichlich. Beim Blick in die Generationen gibt es auf weite Sicht keinen männlichen Vorfahr – und nur wenige weibliche – die nicht gejagt hätten. Vater, Mutter, beide Großväter und so weiter und so fort – alles Jäger, und zum Teil hochprofilierte Jäger: der Vater meiner Mutter, Herzog Albrecht v. Bayern, hat die bedeutendste Monographie des 20. Jahrhunderts über Rehwild verfasst (Über Rehe in einem steirischen Gebirsgrevier) und darin mit viel Unsinn über diese Wildart aufgeräumt. Meine Mutter war an den Forschungen dazu intensiv beteiligt, gemeinsam mit meinem Vater hat sie die Erkenntnisse im gemeinsamen Revier im Allgäu umgesetzt. Nun will und muss aber jeder junge Mensch rebellieren. Ich habe mir dafür aber nicht das jagdliche Erbe ausgesucht, sondern die Schullaufbahn, das nie begonnene Studium, das Ergreifen anrüchiger Berufe (Journalist, pfui!) und anderes mehr. Und ich kann im Rückblick sagen: das war die richtige Entscheidung.
https://wykradt.com/
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Anmerkungen

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Titel: Das jagdliche Vermächtnis Herzog Albrechts von Bayern
Autor: Herzog Albrecht von Bayern
Verlag: Paul Parey Zeitschriftenverlag GmbH
Verlagslink: https://pareyshop.de/produkt/reprint-das-jagdliche-vermaechtnis-herzog-albrechts-von-bayern/
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