von Florian Asche
Die Hamburger Autorin Ildiko von Kürthy ist seit Jahren eine feste Größe im Bereich der leichten Muse. Seit ihrem Roman Mondscheintarif hat sie geradezu ein Patent auf die Darstellung der Erlebnis- und Gefühlswelt leicht hysterischer Großstadtfrauen, die von Selbstzweifeln angenagt, auf der dauernden Suche nach Erfüllung, Liebe, Verständnis und dem neuesten Trendartikel sind. Mit über 6 Millionen verkaufter und teilweise verfilmter Bücher zählt von Kürthy zu den ganz besonders erfolgreichen Autorinnen des modernen Deutschlands. Wundern Sie sich also nicht, wenn die Gespräche mit Ihrer Frau beim Strandurlaub etwas spärlicher ausfallen, sofern ein Kürthy-Roman Ihre Konkurrenz ist.
Als jedoch am vergangenen Weihnachtsabend mein Sohn mir mit dem sarkastischem Lächeln des 16-jährigen das neueste Buch dieser Starautorin unter den Baum legte, da meinte ich zuerst, das falsche Päckchen aufgemacht zu haben. Normalerweise lese ich keine Bücher mit rosafarbenem Einband. Schon beim oberflächlichen Durchblättern wurde mir allerdings sofort klar, dass mein Filius offensichtlich meinen Blutdruck ein wenig anregen wollte. Von Kürthy widmet sich in ihrem neuesten Elaborat nämlich dem Verhältnis zwischen Mensch und Tier, genauer gesagt der Beziehung zu ihrer Hundedame Hilde.
In einer Mischung aus Tagebuchstil, Dokumentation und romanhafter Beschreibung schildert sie die Beschäftigung einer modernen Großstadtfrau mit einer Mischung aus Golden Retriever und Pudel, die der Autorin bei ihrer Sinnsuche in der Gesellschaft der Übersatten helfen soll. Von Kürthy beschreibt gekonnt und witzig ihr Leben mit dem etwas dümmlichen, gleichwohl schüchtern- freundlichen Vierbeiner, vom Welpenkauf über die Hundeschule bis zu Besuch beim Tierarzt, den angespannten Nachbarverhältnissen und der sozialen Eingliederung in den Familienkreis. Der Leser muss sich dabei bewusst sein, dass die Autorin keine durchgeknallte Veganerpäpstin ist, die ihre Weisheiten aus der PETA-Website bezieht. Von Kürthy ist vielmehr Teil und Chronistin der bürgerlich-liberalen Mitte im feinen Hamburg-Harvestehude, mit Wurzeln im Analogzeitalter und einer ausgewogenen Mischernährung.
Umso erschütternder sind ihre Schilderungen des Mensch-Tier-Verhältnisses an der Außenalster, denn sie zeigen, dass fünfzig Jahre Gehirnwäsche durch Disneyfilme nicht spurlos an den Hirnen einer modernen Industriegesellschaft vorbeigegangen sind. Das merkt man schon im Einleitungskapitel, wenn von Kürthy ihre frühkindliche Hundepsychose darlegt.
Seinerzeit ließ die Autorin den eigenen Hund zu früh aus der Haustür auf die belebte Straße, wo das kleine Kerlchen sein Leben unter dem Reifen eines Teilnehmers am Individualverkehr aushauchte. Von Kürthy verschwört sich, ihr Hündchen habe ihr im Vorbeilaufen zugelächelt. Das mag ein literarischer Kunstgriff sein, um die Melancholie des Abschiedsmoments zu unterlegen, tierpsychologischer Quatsch bleibt es trotzdem. Hunde können schon aus physiognomischen Gründen nicht lächeln*. Wenn sie ihre Zähne zeigen, dann hat das in der Regel einen ganz anderen Grund. Das hält von Kürthy allerdings nicht ab, ihren Anthropomorphismus über Seiten fortzusetzen. Dabei gleicht sie einer besorgten Helikoptermutti, die sich jeden Tag darüber Gedanken macht, ob ihr Kind intelligent genug ist, ob es die Schule schafft, dort gemobbt wird oder später vielleicht Drogen nehmen könnte. Von Kürthy beschreibt dabei keine Randgruppen, sondern den alltäglichen Wahnsinn der urbanen Räume.
Da ist zum Beispiel ein kleiner Mops, der die gleiche Welpengruppe wie Hilde besucht. Das Tier (trägt ein Adidas-Jäckchen!) fällt durch eine gewisse Rüpelhaftigkeit auf. Kurzentschlossen greift die Welpentrainerin ein und rüttelt das Hündchen kurz am Nackenfell. Daraufhin flüstert die Mopseigentümerin leicht erschüttert: „Für mich ist mein Hund ein Partner auf Augenhöhe.“
Derartige Geschichten ziehen sich wie ein roter Faden durch das Buch und beschreiben das neurotische Verhältnis der Barbour-Bürger von Hamburg-Mitte zu ihren biogefütterten Vierbeinern. Unsere durchfriedete Gesellschaft hat sich offensichtlich so weit von der Durchsetzung des archaischen Gehorsams entfernt, dass schon ein kurzer Hieb mit der Haselgerte als unerträgliche Quälerei empfunden wird. Der Hund soll ein „Partner auf Augenhöhe“ sein und ist dabei doch nichts anderes als eine Mischung aus Statussymbol und Verfallszeichen kollektiver psychischer Erkrankung. Doch wann erreicht diese Entwicklung uns Jäger? Neulich berichtete mir die Hundeobfrau einer Kreisgruppe, sie habe immer größere Probleme, die notwendige Härte bei der Hundeausbildung ihrer Mitglieder durchzusetzen. Die Jagd ist eben keine Insel.
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* KRAUTJUNKER-Kommentar: Es gibt verschiedene Verhaltensforscher, die der Ansicht sind, dass Hunde aufgrund ihrer jahrtausendealte Co-Evolution mit Menschen tatsächlich über ein sogenanntes Relaxed open Mouth-Display verfügen und gegenüber Menschen ein soziales Lächeln zeigen, welches nichts mit Demut oder Unterwerfung zu tun hat, sondern einfach nur ein Ausdruck von Freude und Freundlichkeit ist. Interessanterweise zeigen Hunde dieses Lächeln nur gegenüber uns Menschen und nicht um einen Artgenossen oder ein anderes Tier zu begrüßen.
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Pressestimmen
Ein ehrliches, lustiges, rührendes und unheimlich peinliches Buch für Zweibeiner, die ursprünglich auch nie so werden wollten wie all die anderen verrückten Hundebesitzer.
― glüXmagazin
Die Autorin Ildikó von Kürthy kennt die Frauenseele…Wie immer in ihren Büchern geht es um das Leben als solches und die Absurditäten des Alltags.
― Stuttgarter Zeitung
Ildikó von Kürthy besitzt ein feines Gespür für Situationskomik …. extrem lustig.
― Deutschlandradio
Egal ob Hunde, Kinder oder ihr Lieblingsthema Frauen und ihre Problemzonen, Bestsellerautorin Ildikó von Kürthy schafft es immer wieder an die Spitze der Buchcharts.
― dpa
Wann immer sich im Leben von Frau von Kürthy etwas tut, wird ein Buch draus. Das ist erfreulich, weil Ildikó von Kürthy einfach unfassbar unterhaltsam schreibt … Ein Buch, das selbst Katzenhalterinnen verschlingen werden.
― Hamburger Morgenpost
In gewohnt lustiger Weise erzählt die Bestsellerautorin in ihrem neuen Buch, was sie im ersten Jahr mit Hilde alles erlebt hat.
― NDR
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Ildikó von Kürthy

Ildikó von Kürthy ist Journalistin und eine der meistgelesenen deutschen Schriftstellerinnen. Sie lebt mit ihrer Familie in Hamburg. Ihre Bücher sind Nummer-1-Bestseller, wurden mehr als sieben Millionen Mal verkauft und in 21 Sprachen übersetzt.
Ildikó von Kürthy ist Gastgeberin des Podcasts Frauenstimmen, sie berichtet auf Facebook und Instagram über Wichtiges und Nichtiges und schreibt einen regelmäßigen Newsletter. Neuigkeiten und aktuelle Tourdaten auf: www.ildikovonkuerthy.de
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Florian Asche

Der Rechtsanwalt Dr. Florian Asche ist Vorstandsmitglied der Max Schmeling Stiftung, der Stiftung Wald und Wild in Mecklenburg-Vorpommern sowie der Grupe Stiftung und Alter Herr der Jenaischen Burschenschaft Germania. Als leidenschaftlicher Jäger und Waldbauer befasst er sich vornehmlich mit dem Verhältnis von Mensch und Natur. Einem breiten Publikum wurde er bekannt durch seinen literarischen Überraschungserfolg über den göttlichen Triatlhon: Jagen, Sex und Tiere essen.
Website der Kanzlei: https://www.aschestein.de/de/anwaelte-berater/detail/person/dr-florian-asche/
Mehr von Dr. Florian Asche: https://krautjunker.com/?s=florian+asche
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Anmerkungen

Von KRAUTJUNKER gibt es eine Facebook-Gruppe sowie Tassen. Bestellinformationen findet Ihr hier: https://krautjunker.com/2024/12/16/krautjunker-tassen/

Titel: Hilde: Mein neues Leben als Frauchen. Sehnsucht an der Leine, Irrsinn auf der Hundewiese und spätes Glück mit Gassibeutel
Autorin: Ildikó von Kürthy
Verlag: Wunderlich Verlag
Verlagslink: https://www.rowohlt.de/buch/ildiko-von-kuerthy-hilde-9783805200134
ISBN: 978-3-8052-0013-4
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