Down Under: Jagdabenteuer in Australien und Neuseeland

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Buchvorstellung von Werner Berens

Down Under
Down Under ist Titel der bei Books on Demand erschienenen Jagdabenteuer des Autors Leif-Erik Jonas. Er erzählt und beschreibt im Buch seine Jagdabenteuer in Neuseeland und Australien. In Neuseeland jagt er den Tahr, eine Ziegenart, außerdem Dam- Rot- und Weißwedelwild, in Australien den Sambarhirsch und eine einheimische Wildziege.

Die 200 Seiten des wertigen Hardcoverbuches sind in zahlreiche Kapitel gegliedert, die chronologisch nach dem Datum des jeweiligen Jagdabenteuers angeordnet sind. »Im Stil eines detailreichen Tagebuchs erzählt Leif-Erik Jonas in diesem Buch von zwei vielwöchigen Jagdreisen ans andere Ende der Welt«, so die Beschreibung auf der Rückseite des Bandes. Neben dem Erzählten vermitteln etliche Fotos dem Leser Eindrücke der Landschaft und der erlegten Beute. Und, was fast ein Alleinstellungsmerkmal des Buches ist: Der Autor beschreibt eigene Jagdreisen mit Zelt, minimaler Ausrüstung, zu Fuß und den erforderlichen Improvisationsfähigkeiten beim Schuss auf weite Entfernungen. Er jagt ohne Hochsitz, ohne Guide, ohne jegliche Hilfe.

Jagdbedingungen
Es ist naheliegend, dass bei einer Jagd wie oben erwähnt nicht nur einiges, sondern etliches anders ist als das, was den Alltag des lesenden und jagenden europäischen Jägers ausmacht. So ist die im Buch beschriebene Jagd Trophäenjagd im reinen Sinne. Und die Jagd des Autors in Down Under unterscheidet sich von den anderen bekannten Trophäenjagden. Bei der Jagd auf den Hirsch in Ungarn oder den Kudu in Namibia wird das Wildbret verwertet. Das ist bei der Einzeljagd in Down Under nicht möglich. Der Autor entnimmt dem Wildkörper lediglich die Fleischstücke, die er in seiner „Campingsituation“ verwerten kann:  »Dann löste ich so viel Wildbret aus, wie ich erwarten konnte, verwerten zu können.«
Indem er bei jedem Wild so verfährt, auch wenn es nicht unbedingt nötig ist,  kennzeichnet er indirekt diese Haltung als Anscheinsverwertung. Es geht NUR um das Erlebnis und um die Trophäe als Ausweis, dass jenes stattgefunden hat… (Die jeweilige Trophäe bereitet der Autor so weit vor, dass er sie beim nächsten Kontakt mit der Zivilisation zum Präparator bringen kann. Welche Schritte dafür genau nötig sind, erfährt der Leser nicht.). Um Missverständnissen vorzubeugen: Ich beurteile als Rezensent hier keine Handlungen, aber mache darauf aufmerksam, dass die beschriebene Jagd Down Under als reine Erlebnis- und Trophäenjagd angreifbar ist. Aber es ist auch eine indirekte Leistung des Buches, dass es klar macht, dass woanders andere Einstellungen als die europäische zur Jagd nicht nur möglich, sondern üblich sind.

Leseerlebnis
Erzählt oder beschreibt der Autor, ist die Frage, die man sich beim Lesen stellt… oder genauer: Beschreibt er zu viel und erzählt er zu wenig oder eher umgekehrt? Je nach Leseabsicht wird man unterschiedliche Antworten finden. Diejenigen, die mit dem Gedanken spielen, jene fernen Regionen zwecks Jagd aufzusuchen, werden erfreut sein über den oben erwähnten Tagebuchstil, der eben auch die nötigen Vorbereitungen und Bedingungen einer bewaffneten Alleinreise mit Zelt und minimalst nötiger Ausrüstung nicht unerwähnt lässt. Auch die speziellen Jagdbedingungen in Down Under werden erwähnt und wichtige Tipps nebst erwartbaren Schwierigkeiten auf’s Papier gebracht: »Im Rahmen meiner Planungen hatte ich auf Luftbildkarten sehr nah beieinander bereits zwei potenziell geeignete Stellen gefunden und im Garmin inReach markiert.«
Durch die tagebuchartige Beschreibung erlebt man sozusagen mit, was man alles beachten muss und womit man zu rechnen hat. Aber für den Leser, der im Erlebnis Jagd „versinken“ will, der sich seine eigenen Bilder „malen“ und ins „Träumen“ geraten möchte, ist die Sprache zu nüchtern, zu arm an Assoziationsmöglichkeiten, zu wenig erzählend. Der Film vor dem geistigen Auge will nicht anlaufen oder reißt, wenn sich der Autor allzu oft und allzu ausführlich in akribischen Beschreibungen der Umgebung verliert: »An den unteren Ausläufern des Hirsch-Lahners setzte ich mich am Ufer des Seitenbachs auf eine Grasstufe, um nach dem Gamsbock von neulich zu schauen. Beim ersten Abglasen sah ich kein Wild-aber dann entdeckte ich doch eine Gams. Sie stand über der Waldgrenze in den Felsstufen, die den Lahner- dort oben eher ein steiler Schottergraben-rechts begrenzten.«
Was ein Lahner ist, habe ich als Flachlandjäger bislang nicht herausfinden können (was vielleicht an mir liegt), aber dass der ständig auftauchende Begriff den Leser unausgesetzt verfolgt, verhindert u.a. ein „Sichhineinträumen“ in jagdbegleitende Emotionen und Spannung.

Quintessenz
Der Wert des Buches liegt m. E. Vor allem darin, dass es dem europäischen Jäger zeigt, dass es ganz andere durchaus spannende Arten der Jagd gibt als die, die er aus Europa und den üblichen Trophäenjagdgebieten kennt. Eine Jagd tagelang allein, zu Fuß und weit weg von hilfreicher Zivilisation, im unwegsamen Gelände mit Zelt hat ihre Reize und die hart erarbeitete Trophäe hat sicher einen anderen Stellenwert als der Blattzeitbock vom Hochsitz. Aber sie setzt natürlich entsprechendes jugendliches Alter, Fitness und die Fähigkeit und den Willen zur Improvisation voraus. Wenn man das kann und will, ist das Buch eine sehr gute Anleitung sich lesend gedanklich mit der Jagd Down Under auseinanderzusetzen bzw. sich auf eigene oder durch den Autor geführte Unternehmungen der beschriebenen Art vorzubereiten. Wenn man vom Buch unterhalten werden möchte, sich in abenteuerliche Jagdabenteuer, die man selber nicht mehr kann oder will hineinträumen möchte, ist man im falschen Buch. Der Stil „detailreiches Tagebuch“ ist dafür nicht geeignet. Beide Ansprüche wären möglicherweise zu erreichen gewesen durch eine Trennung in Vorbereitung und Jagd. Ersteres à la „detailreiches Tagebuch“ und das zweite als Erzählkunst mit allen Elementen, die die Leser im Buch und den eigenen Vorstellungsbildern versinken lässt, sodass man mit dem Lesen nicht mehr aufhören kann.

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Leif-Erik Jonas

Leif-Erik Jonas: Geboren 1993 in Norddeutschland, wohnhaft in Osttirol. Beruflich tätig als Jagdvermittler, Jagdreisebegleiter, Pirschführer und Autor.
https://jonas-jagd.com/

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Werner Berens

Werner Berens ist Fliegenfischer, Jäger, Autor und Genussmensch, der den erwähnten Tätigkeiten soweit als möglich die lustvollen Momente abzugewinnen versucht, ohne aufgrund kulinarisch attraktiver Beute übermäßig in die falsche Richtung zu wachsen. Als Leser und Schreiber ist er ein Freund fein ziselierter Wortarbeit mit Identifikationssmöglichkeit und Feind von Ingenieurstexten, die sich lesen wie Beipackzettel für Kopfschmerztabletten. Altermäßig reitet er dem Sonnenuntergang am Horizont entgegen und schreibt nur noch gelegentlich Beiträge für das Magazin Fliegenfischen.

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Von KRAUTJUNKER gibt es eine Facebook-Gruppe sowie Porzellantassen. Weitere Informationen hier. Die Hemingway-Buchstütze findet Ihr hier.

Titel: Down Under: Jagdabenteuer in Australien und Neuseeland

Autor: Leif-Erik Jonas

Herausgeber: BoD – Books on Demand

Weblink: https://buchshop.bod.de/down-under-leif-erik-jonas-9783769339512

ISBN: 978-3769339512

Mehr Bücher vom Autor: https://buchshop.bod.de/catalogsearch/result/index/?q=Leif-Erik%20Jonas&bod_pers_id=12940061


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