MINOX Fernglas Rapid 7.5×44: Antriebslos in die Ferne

am

Produktvorstellung von Thomas Thelen

Jagdliches Fernglas, reaktionsschnell und robust

Den ersten Kontakt zum Fernglas Minox 7,5×44 Rapid hatte ich während einer Produktpräsentation der Blaser-Gruppe bei einem verkaufsoffenen Sonntag in meinem Lieblings-Jagdshop. Dort wollte ich eigentlich wieder einmal um mein Traumglas aus österreichischen Gefilden zu fast diamantenen Preisen schleichen und mich dem süßen Schmerz eines Probedurchblicks hingeben. Weil der österreichische Kollege jedoch eine Pause samt Wildschweinbratwurst eingelegt hatte, vertrieb ich mir die Wartezeit am Nachbarstand – bei Blaser / Minox. Und war rapid angefixt.

Denn der Minox-Experte stellte mir ein neues Glas vor, auf den ersten Blick konventionell, auf den zweiten Blick aber fehlt da doch was. Denn der bei binokularen Gläsern typische Mittelantrieb für die Fokussierung ist hier überraschenderweise nicht verbaut. Stattdessen muss man einmalig das linke Okular für das linke Auge fokussieren (rechtes Auge zu!), dann umgekehrt das rechte Okular fürs rechte Auge (linkes Auge zu!). Diese erste vorbereitende Fokussierung sollte auf ein Ziel in mittelweiter, für den Anwender typischer Entfernung vorgenommen werden.

Bildquelle: Thomas Thelen

Dann sieht man mit beiden – besser! Schärfer! Sofort!

Nun könnten wir einen weitreichenden technologisch-philosophischen Ausflug zur Beantwortung der Frage unternehmen, was denn genau „Schärfe“ im Kontext optischer Abbildungen bedeute. Kurz skizziert, kann man vielleicht so differenzieren: Das Minox-Glas hat die hohe Abbildungsleistung einer (sehr) guten Autofokus-Kamera, die aber in der absoluten Spitze nicht an die Abbildungsleistung eines optimal fokussierten Spitzenobjektivs herankommen wird. Denn ein erstklassiger Portraitfotograf kann beispielsweise mit einem hochauflösenden Portrait-Objektiv präzise entscheiden, ob er die Schärfe auf die Spitzen der Wimpern, auf den Wimpernansatz oder genau auf den Augapfel eines Models legen möchte.

Aber ist das auch in der Praxis, bei der Jagd, bei der Wild- oder Naturbeobachtung relevant? – Klares Nein. Denn hier zählt die außerordentlich befriedigende, sofort verfügbare Präzision der Abbildung – man nimmt draußen etwas wahr, hebt das Glas an die Augen und sieht genau, präzise und sofort scharf, was Sache ist. Und das in einem sehr weit reichenden Entfernungskorridor.

In den vergangenen Frühlingstagen und -wochen habe ich immer wieder am Kaiserstuhl oder im Schwarzwald Greifvögel beobachtet, die die kräftige Thermik für ihre Frühjahrs-Flugmanöver ausgiebig nutzen. Mal düsen sie im Tiefflug in der Nähe vorbei, dann kommt eine Thermik, die sie weit hoch in den Himmel trägt, sie drehen schwerelos ihre Kreise, erblicken auf der anderen Seite des Tales etwas von Interesse, sturzfliegen herab und landen zwischen den Reben. All das kann ich ohne Nachjustierung lebendig, scharf und völlig unkompliziert verfolgen. Dann ein Geräusch – eine Piper auf dem Landeanflug nach Freiburg, Auch die kann ich verfolgen, ohne nachzujustieren, dann höre ich den Ruf eines Greifvogels und wende mich wieder den gefiederten Fliegern zu – Sie ahnen es schon: Ohne weitere Fokussierung.

Technisch möglich wird das beim Minox Rapid durch eine seit langem bekannte und genutzte Fernglas-Technik, die bisher vor allem bei Seegläsern für marine Anwendungen eingesetzt wird. Hintergrund ist das Problem auf See, dass es sehr schwierig wäre, von teils heftig schwankendem Grund ein Fernglas auf einen Punkt zu fokussieren, der wiederum kaum Kontrast oder Orientierung bietet (denken Sie bitte an endlose, wellenwallende Wasserflächen…). Daher wird traditionell bei Seegläsern kein Mitteltrieb zur Fokussierung verbaut, sondern das Fokussieren wird dem besten Autofokus überlassen, über den jeder Mensch verfügt – den eigenen Augen. Somit ist nur eine einmalige Anpassung an die Sehstärke der eigenen Augen notwendig, dann ist das Glas perfekt eingestellt für den Anwender.

Gibt es denn keine Nachteile der Technik? – Eine Einschränkung ist bauartbedingt, denn das Minox Rapid beherrscht leider nicht den Nahbereich. Erst ab ca. 20 Meter liefert es scharfe Bilder.

Wikipedia erklärt das sehr anschaulich:

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https://de.wikipedia.org/wiki/Fernglas

Daneben gibt es Ferngläser ohne Entfernungseinstellung auf dem Markt. Sie werden häufig mit Begriffen wie Fixfokus, Permafokus oder auch Autofokus (nicht zu verwechseln mit automatischer Fokussierung, die zum Beispiel in Fotoapparaten vorkommt) belegt. Alle optischen Bauteile sind für den meistens ausreichenden Entfernungsbereich von einigen Metern (ab etwa 20 m, zum Beispiel bei den Steiner-Ferngläsern mit „Sports-Auto-Focus“) bis unendlich gegenseitig fixiert. Lediglich eine beidseitige Dioptrieneinstellung an den Augen ist vorhanden, die bei billigeren Ferngläsern jedoch fehlt.

Fixfokus-Gläser werden zum Beispiel zum Beobachten von Sportveranstaltungen, die in größerer Distanz stattfinden (Fußballspiele, Pferderennen, Segelregatten), gebraucht. Auch Ferngläser für nautische Zwecke („Marinegläser“) haben häufig einen Fixfokus, da die zu beobachtenden Objekte überwiegend in größerer Entfernung liegen. Ein Zusatzvorteil vor allem für den Gebrauch auf See ist, dass sie einfach wasserdicht gemacht werden können, weil keine Einstellungen von außen vorgenommen werden müssen. Nachteil ist die relativ kleine Vergrößerung (4- (selten) bis 7-fach), die sich aus der verlangten höheren Schärfentiefe ergibt.

Eine gewisse zusätzliche Entfernungseinstellung findet in den Augen des Beobachters statt, was sich nach längerem Beobachten durch Ermüdung bemerkbar macht. Jüngere Beobachter, die noch über eine gute Akkommodationsfähigkeit ihrer Augen verfügen, sind im Vorteil.

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Insgesamt bin ich absolut zufrieden und glücklich mit dem Minox Rapid im Alltag der Naturbeobachtung, es ist das perfekte „Immer-Dabei-Glas“, das ich keinesfalls mehr missen möchte. Ein Jäger-Freund, der es ebenfalls für ein paar Tage zur Probe nutzen konnte, machte mich darauf aufmerksam, dass das Glas aufgrund seiner Eigenart auch wunderbar für Kinder in der Naturbeobachtung geeignet sei, weil eben die stete (Nach-)Fokussierung entfalle.

Antriebslose Schärfe – genau mein Ding!

Bildquelle: Thomas Thelen

Minox schreibt zum Glas:

MINOX präsentiert das neue Fernglas 7,5×44 RAPID für besonders schnelles Ansprechen des Wildes. Ursprünglich für den harten Einsatz auf der Jagd entwickelt, eignet es sich auch für die rauen Bedingungen auf hoher See oder in den Bergen. Genau dann, wenn Objekte schnell und aus der Bewegung heraus erkennbar sein müssen.

Ab einer Entfernung von 20 Metern erscheinen Objekte immer scharf und es muss nicht nachfokussiert werden. Gewährleistet wird das durch Einzel-Okulareinstellung. Einmal eingestellt, ist das Fernglas also immer einsatzbereit und ermöglicht so ein besonders schnelles Ansprechen des Wildes, sogar mit nur einer Hand.

Höchste Robustheit ist durch große Okulare mit Drehschiebehülsen aus Metall gewährleistet, die den Erschütterungen einer anspruchsvollen Jagd oder Wanderung problemlos standhalten.

Darüber hinaus ist das 7,5×44 RAPID nicht nur druckwasserdicht, sondern es ist auch mit neuartigen Gummiabstreif-Lippen ausgestattet, die das Fernglas noch effektiver gegen das Eindringen von Feuchtigkeit und Schmutz schützen. Mit einer Komfortbrücke und einem 780 Gramm leichten Gehäuse ist es der perfekte Begleiter für raue Bedingungen.

Es wird inklusive einem komfortablen Neopren-Trageriemen, Okularschutzdeckel, einer Bereitschaftstasche und einem Optik-Reinigungstuch geliefert. Die unverbindliche Preisempfehlung liegt bei € 499,-.

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Technische Daten

Modell 7,5×44 RAPID
Vergrößerung   7,5x
Eintrittspupille (mm)     44
Austrittspupille (mm)    5,9
Sehfeld auf 1.000 m       132 m
Pupillenschnittweite (mm)         20
Nahbereich        1,5 m
Dioptrien-Ausgleich       -2 / +5
Dämmerungszahl           18,2
Geometrische Lichtstärke           34,4
Funktionstemperatur    -10° bis +50° C
Wasserdicht nach IPX7 Ja
Abmessungen (HxBxT) 150 x 131 x 53 mm
Gewicht              780 g

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Über MINOX

Das 1936 gegründete Unternehmen MINOX, dessen berühmte Spionage-Kleinstbildkamera die Marke weltbekannt gemacht hat, ist seit 20 Jahren im Sportoptik-Bereich mit Ferngläsern, Zielfernrohren, Nachtsichtgeräten und Wildkameras erfolgreich. Ab Februar 2020 wird MINOX von Isny aus agieren und rückt damit noch näher an die Blaser Group, zu der der Sportoptik-Hersteller bereits seit 2013 gehört. Die Bündelung der Kompetenzen und der intensive Austausch zwischen den Optikspezialisten und den Jagdwaffen-Experten bei Mauser und Sauer, die ebenso am Standort Isny sind, ermöglichen ganz neue Synergien, die allen Kunden zugutekommen.

Produktlink: https://www.minox-optik.de/de/MINOX-Fernglas-Rapid-7.5×44/80405445

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Thomas Thelen

Thomas Thelen ist Deutsch-Drahthaar-Bändiger, Leihhund-Bespaßer, Fliegenfischer, Holzwerker und Genießer – und eher nebenher Unternehmensberater und Autor.
Zuhause in den südbadischen Weinbergen, hält er nicht nur nach Schwarz- und Rehwild Ausschau, sondern auch nach empfehlenswerter Lektüre und leckeren Rezepten. Wenn sie seinen Geschmackstest bestehen, werden sie hier umgehend weiterempfohlen – oder kritisch betrachtet.

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Anmerkungen

Von KRAUTJUNKER gibt es eine Facebook-Gruppe sowie Becher aus Porzellan und Emaille. Kontaktmail für Anfragen siehe Impressum.

5 Kommentare Gib deinen ab

  1. castorpblog sagt:

    Danke für die Vorstellung dieses Fernglases. Ich konnte nicht anders, jetzt habe ich es auch und bin vollumfänglich zufrieden. Ein stattliches Gewicht, aber scharfer Blick in alle Richtungen. Ich konnte sogar sehen wie einer in epischer Entfernung am Weinbergs Weg anhielt, um mal gerade eben zu piseln. Nicht dass ich das sehen wollte…

    Gefällt 1 Person

    1. KRAUTJUNKER sagt:

      Alles sehen zu können, ist vermutlich so ein zweischneidiges Schwert wie das Gedankenlesen…

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      1. castorpblog sagt:

        Ja, aber ich werde mich auf die Himmelsbeobachtung konzentrieren, da gibt es dann nur Dinge die ich sehen möchte.

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  2. Dr. Herbert Wessel sagt:

    Recht schön, gerade auch die ganze Geschichte mit der Ergonomie und Funktionalität, genau wie bei den Jagdwaffen von Blaser. Die aktuelle Entwicklung bei den Zielfernrohren in Kombination mit Nachtsichttechnik ist wohl zukunftsweisend – für alle, die so jagen wollen. Als alter weißer Jäger komme ich einfach nicht weg von Ortega y Gasset‘s Jagdessay, von den alten gut durchdachten, auf das notwendige reduzierten Werkzeugen für die Jagd. Ich benutze ein Leitz Trinovid 7x35B aus den Sechzigern. Ich lasse in meiner Lodenjacke immer einen Knopf auf und stecke das nicht gummiarmierte Glas, klein und leicht wie es ist, dort hinein, damit gibt es in plötzlich aufkommender Hektik keine unliebsamen Geräusche.

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