Kochen an offenen Herzen – Lehr- und Wanderjahre

Buchvorstellung von Daniela Brack

Kennst Du das: Du bestellst ein altes Lieblingsgericht in einem bekannten Restaurant, doch dann hat der Küchenchef gewechselt – und Du bekommst etwas ganz anderes; etwas, das so gar nicht die vertrauten Geschmacksnoten hat und dem Original optisch allenfalls nahekommt?

So ungefähr ging es mir mit Max Strohes Buch Kochen am offenen Herzen. Wenn Dir der Name Max Strohe nichts sagt, lasse mich Dir den Autor kurz vorstellen: Maximilian Strohe ist einer der gefeiertsten Sterne-Köche Deutschlands, betreibt in Berlin erfolgreich mit seiner Lebenspartnerin Ilona Scholl sein eigenes Restaurant namens Tulus Lotrek und zeigt Tim Mälzer bei Bedarf in der Kitchen Impossible-TV-Arena, wo die Kellen hängen.  

Trotz aller Meriten (Strohe erhielt 2021 für seine Aktion Kochen für Helden, bei der er während des ersten Corona-Lockdowns die Küche seines Restaurants nutzte, um warme Mahlzeiten für überarbeitete Krankenschwestern, Pfleger, Notfallbetreuer und Klinikpersonal zu kochen, zu Recht den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland) hat sich Max Strohe entschieden, den Kochlöffel gegen die Feder einzutauschen und ist unter die Autoren gegangen. Der Untertitel des Buches Lehr- und Wanderjahre lassen erahnen, dass es sich bei Kochen am offenen Herzen um so etwas wie eine Autobiographie handeln soll.

Also habe ich mich auf dieses Buch gefreut, wirklich gefreut – etwa genauso, wie vor einem Besuch des Tulus Lotrek, wo es immer herzlich und unkompliziert zugeht, wo der Service schlagfertig ist und wo Max Strohe und sein Team mich jedes Mal wieder auf’s Neue sprachlos machen, ob ihrer kulinarischen Zaubereien: Teller, die mühelos zwischen traditioneller Verortung in der französischen Küche, klassischer Handwerkskunst und purer Freude am Andersdenken und Ausprobieren changieren.

Und dann das: Das Buch handelt von den großen und kleinen Abenteuern der Lehr- und Wanderjahre Max Strohes. Angefangen vom 15-jährigen Schulabbrecher bis zum lockersten Sterneträger der Hauptstadt.

Ja, Strohe hat eine Biografie, die nicht üblich ist: Schulabbrecher aus der rheinländischen Provinz, der sich erfolgreich mit Alkohol, Drogen und Frauen vor der Antwort drückt, wohin er denn im Leben eigentlich will, der eher durch Zufall in eine Kochlehre stolpert, diese auch fast versemmelt, Bekanntschaft mit Versagen und Obdachlosigkeit macht – und dann doch irgendwie und gegen jede gesunde Erfahrung in Berlin in den gastronomischen Olymp aufsteigt.

Und ja, Küchenchefs haben nicht selten ein bemerkenswert großes Ego und wollen – ebendies: bemerkt (und gefeiert) werden…

Doch wo sind zwischen den mehr als 200 Seiten die feine Eleganz, das aufregenden Andere oder die subtilen Nuancen, die jeden Teller im Tulus ausmachen, geblieben? Wie kann jemand in der Küche so filigran und überraschend sein – und auf dem Papier dann so platt und … ich muss es ohne Rücksicht schreiben: belanglos?!? Etwa: »Was mir immer verhältnismäßig viel Freude bereitet hatte, war das gemeinsame Kochen daheim«, oder »Um die Wartezeit erträglicher zu gestalten, beschlossen wir die Droge Kokain zu kaufen«. Ach was?!

Zugegeben, Max Strohe überrascht gelegentlich mit einigen Formulierungen und Wortspielereien, bei denen Nonkonformismus und ein Hauch Ironie mitschwingt. Dann sieht man Max Strohe förmlich vor sich.

Aber auch zwischen den Zeilen findet sich in Kochen am offenen Herzen nicht viel mehr – außer dem Gefühl, dass sich hier jemand an seiner turbulenten Vita und den Abenteuern seiner »wilden Zeit« ergötzt – vor allem aber an sich selbst. Dabei fehlt am Ende sein größter Triumph: keine Zeile zum eigenen Restaurant, den ersten Erfolgen – und schließlich dem gastronomischen Ritterschlag, dem Stern im Michelin.

Daher bleibt für mich Frage ungelöst: Warum?

Warum glaubt ein 41-Jähriger, er müsste seine Memoiren »so far« schreiben? Warum glaubt jemand, der noch recht jung an Jahren zu den Besten seines Faches gehört, er müsse das Fach wechseln? Warum nimmt jemand, der aus eigener Erfahrung wissen müsste, wie beschwerlich handwerkliche Kunst und Erfolg meist erarbeitet werden müssen, an, er könne ohne mühelos zwischen den Welten wandeln?

Warum also – warum dieses Buch?

Lieber Max Strohe, Dein Buch tut meiner Achtung für Dich und Deinen Leistungen keinen Abbruch – aber wir sehen uns demnächst da wieder, wo Du wahre Wunder vollbringen kannst: in Deiner Küche, in Deinem Restaurant!

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Pressestimmen

»Gutes Buch, starker Typ, macht definitiv Lust auf einen Nachschlag.«
– Denis Scheck, druckfrisch. Neue Bücher mit Denis Scheck, 11. Dezember 2022

»Erwarten Sie keine Rezepte, wenn Sie ‚Kochen am offenen Herzen‘ lesen. Haben Sie einfach ein ebensolches Herz und Gemüt. Denn die 256 Seiten sind unerschrocken ehrlich«
– Alexandra Regner, Die PTA in der Apotheke, 2. März 2023

»Das hat man so noch nicht gelesen, und davon will man gern mehr.«
– Michael Brake, taz – Die Tageszeitung, 10. Dezember 2022

»Lustvoll und impulsiv geschrieben«
– Julius Schneider, der Feinschmecker, 1. November 2022

»Max Strohe kann sehr kraftvoll schreiben […]. Da fließt sehr viel Energie rein. Sie werden sich nicht langweilen und bestens unterhalten fühlen.«
– Ijoma Mangold, lesenswert Quartett, 6. Oktober 2022

»Überraschend und mit richtig viel Bock.«
– Donna Buchclub, 1. Oktober 2022

»Max Strohe schreibt, wie er kocht: intuitiv und sehr gut.«
– Anja Wasserbäch, Stuttgarter Zeitung, 24. September 2022

»Max Strohe hat ein Buch geschrieben, wie es noch kein Koch geschrieben hat. Vollmundig, umami und an manchen Stellen roh wie das Tatar von der norwegischen Langustine.«
– Clemens Niedenthal, tip Berlin, 20. September 2022

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Max Strohe

Max Strohe, geboren 1982 in Bonn. Er machte eine Lehre in der Wendelinusstube in Sinzig-Koisdorf und schloss sie im Hotel-Restaurant Hohenzollern in Bad Neuenahr-Ahrweiler ab. 2015 eröffnete er gemeinsam mit Ilona Scholl in Berlin das Lokal tulus lotrek. 2017 bekam das Restaurant seinen ersten Michelin-Stern verliehen. Strohe ist auch als Fernsehkoch zu sehen, u. a. in Kitchen Impossible mit Tim Mälzer. Während der Coronapandemie 2020 initiierte er Kochen für Helden, wofür er das Bundesverdienstkreuz erhielt. Kochen am offenen Herzen ist sein erstes Buch.

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Daniela Brack

Daniela Brack ist Volkswirtin mit einer gewissen Betonung des zweiten Wortteiles, ohne jemals die Theke von der arbeitsreichen Seite bespielt zu haben. Als Fliegenfischerin ist sie den Umgang mit Verwerfungen gewohnt; als Freundin der Jagd versteht sie es, eine Treiberwehr auch in herausforderndem Terrain zur Turbodrückerkolonne anzuspornen, oft und gerne mit tatkräftiger Unterstützung des #Leihhund-DDs. Als Journalistin hat sie bei der SZ für das Wirtschaftsressort geschrieben; mit „Irish Whiskey: Phönix von der grünen Insel“ hat sie das deutschsprachige Standardwerk vorgelegt. 

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Anmerkungen

Von KRAUTJUNKER gibt es eine Facebook-Gruppe sowie Becher aus Emaille und Porzellan. Kontaktmail für Anfragen siehe Impressum.

Titel: Kochen an offenen Herzen – Lehr- und Wanderjahre

Autor: Max Strohe

ISBN: 978-3-608-50173-5

Verlag: Tropen


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