Leopardenjagd

am

von Harald Schweim

Eine Vorbemerkung: Ich finde Leoparden derartig schöne Tiere, dass ich selbst niemals einen schießen würde. Doch das ist eine sehr persönliche Entscheidung. Dennoch verschließe ich natürlich nicht davor die Augen, dass Leoparden von vielen Jägern als Beute begehrt sind.

Abb.: Afrikanischer Leopard (Panthera pardus pardus); Bildquelle: Martina Blersch

Der Leopard gehört zu den Big Five, den fünf Hauptattraktionen einer Afrika-Safari. Nachdem durch das Artenschutzabkommen der Fellhandel unter Kontrolle gekommen ist und sich das Modebewusstsein gewandelt hat, konnte auch die Wilderei auf Leoparden in Afrika deutlich eingedämmt werden. In vielen afrikanischen Ländern wurden Maßnahmen zu ihrer Bekämpfung eingeführt, die durchaus erfolgreich sind. Dagegen hat sich der Druck durch Besiedelung und Zerstörung des Lebensraumes auf den Leoparden verstärkt.

Abb.: Verkehrszeichen: Achtung Leoparden, Namibia; Bildquelle: Jens Kühnel

Welche Einstellung der einzelne Mensch dem Leoparden gegenüber einnimmt, hängt von seiner persönlichen Situation ab. So kann der Leopard für den Menschen verteufelter Feind der Haustiere, lockender Pelzlieferant für exklusive Kleidung, begehrtes Objekt für die Trophäenjagd oder bezauberndes Mitgeschöpf mit großartigen Lebensgewohnheiten sein.

Abb.: Porträt eines Leoparden; Bildquelle: Dustin Humes auf Unsplash

Dorfbewohner in landwirtschaftlich genutzten Gebieten, in denen Leoparden existieren, sind keine Freunde der gefleckten Katze. Leoparden leben inzwischen auch gerne in dichtbesiedelten Gebieten. So wurde um 1970 von einer beträchtlichen Zahl Leoparden berichtet, die in den mit Waldstrecken durchsetzten Vororten von Nairobi lebten.

Abb.: Slums von Nairobi; Bildquelle: Wikipedia

So ist der anpassungsfähige Leopard heute die häufigste Großkatze und gilt nicht als bedroht. Normalerweise gehen Leoparden dem Menschen aus dem Weg, doch gelegentlich kommt es vor, dass einzelne Leoparden Menschen töten und auch fressen. Oft handelt es sich bei menschenfressenden Leoparden um kranke oder altersschwache Tiere, deren Jagdvermögen eingeschränkt ist. Als Menschenfresser berühmt wurde der Leopard von Rudraprayag in Indien, dem in den Jahren 1916 bis 1925 angeblich über 125 Menschen zum Opfer fielen, die in seinem Revier auf Pilgerschaft unterwegs waren. Der berühmte Großwildjäger Jim Corbett erlegte ihn 1925.

Abb.: Der von Jim Corbett erlegt Menschenfresser

Die „normale“ Leopardenjagd erfolgt am „bait“ (Köder). Es ist auch allgemein bekannt, dass ein Schuss auf einen Leoparden während einer Köderjagd in der Regel einer der einfachsten Schüsse ist, die ein Jäger in Afrika abgeben kann: in der Regel aus 50 bis 60 Metern Entfernung, aus einer „Leopardenfesten Schießbude“ und auf ein ruhendes Tier. Nicht meine Auffassung von fair chase.

Leoparden sind auch nicht besonders schwer zu erlegen, und ein gut platzierter Schuss mit einem handelsüblichen Geschoss aus einer 30-06 wird die Katze entweder tot aus dem Baum fallen lassen oder eine sehr kurze Fährte erzeugen. Meistens läuft es bei einer Leopardenjagd genauso ab und die Jäger genießt ein paar Stunden später einen Gin Tonic im Camp, um zu feiern.

Die Situation ändert sich schnell, wenn der Schuss nicht ins Schwarze trifft. Ein schlecht getroffener Leopard kann sehr zäh sein und noch lange leben. Die Raubkatzen ziehen sich in das dichteste Dickicht zurück, das man sich vorstellen kann. Ihr Fell fügt sich außergewöhnlich gut in ihre Umgebung ein, so dass sie selbst von scharfsichtigen Jägern oder Fährtenlesern nicht entdeckt werden, bis es zu spät ist.

Abb.: Leopard; Bildquelle: Geranimo auf Unsplash

Dann kann die Katze mit schockierender Geschwindigkeit aus dem Dickicht auftauchen und einem Mitglied der Jagdgesellschaft mit ihren dreckigen Zähnen und Krallen schwere Wunden zufügen (bedenke, dass die Katze nur wenige Stunden zuvor noch rohes Fleisch gegessen hat), und zwar in Windeseile.

Es heißt, wenn es einem Leoparden gelingt, einen zu erwischen, bedeutet jede Sekunde, die die „gefleckte Kettensäge“ auf einem liegt, dass man 100 zusätzliche Stiche braucht, um den Schaden zu reparieren, den sie einem später zufügt. Ich habe auch gehört, dass etwa 85 % der Verletzungen, die Jäger auf Safaris erleiden, von Leoparden verursacht werden. Abgesehen von den gelegentlichen „Menschenfressern“ (die es zwar gibt, die aber äußerst selten sind) sind Leoparden jedoch nicht für ihre tödlichen Angriffe auf Menschen bekannt.

Abb.: Leopard; Bildquelle: Ajeet Panesar auf Unsplash

Verstehe mich nicht falsch: Verwundete Leoparden schaffen es gelegentlich, Menschen zu töten, aber diese Katzen sind eher dafür bekannt, dass sie in kurzer Zeit schwere und schmerzhafte Verletzungen (manchmal bei mehreren Menschen) verursachen.

Männliche Leoparden wiegen im Schnitt bis zu etwa 60 Kilogramm und haben eine Schulterhöhe von 70 bis 80 Zentimeter; sehr große Exemplare können bis zu 90 kg schwer werden. Weibchen sind kleiner und wiegen durchschnittlich nur etwa 38 Kilogramm mit einer Schulterhöhe von nur 45 Zentimetern.

Es gibt ein berühmtes Video eines Leopardenangriffs auf eine Gruppe von Berufsjägern, die einen Kunden begleiteten, der auf einer Jagd in Simbabwe einen Leoparden verwundet hatte, das veranschaulicht, wie schnell die Dinge dort draußen aus dem Ruder laufen können. Alle vier Männer waren bewaffnet, schauten in die richtige Richtung und rechneten fest mit einem Angriff. Trotzdem stürmte der Leopard durch einen Kugelhagel und schaffte es, einen der PHs zu erwischen. Ich übertreibe nicht, wenn ich sage, dass dies eines der intensivsten und nervenaufreibendsten Jagdvideos ist, die ich je gesehen habe. Es gibt eine Version dieses Videos in sehr schlechter Qualität im Internet. Aber Achtung: Dieses Video ist sehr brutal und NICHTS für schwache Nerven! Deshalb veröffentliche ich seine URL hier nicht.

*

Harald Schweim

Seit früher Jugend rund um die Jagd vielseitig interessiert. Musiker, Seemann, Hundeführer, Jäger und Pharmazieprofessor.

***

Anmerkungen

Von KRAUTJUNKER gibt es eine Facebook-Gruppe sowie Porzellantassen. Weitere Informationen hier.


Entdecke mehr von KRAUTJUNKER

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

Hinterlasse einen Kommentar