Bärentatzen-Mokassins der Choctaw

Diese Choctaw-Mokassins aus dem 18. Jahrhundert sind ein beeindruckendes Zeugnis für die Raffinesse der nordamerikanischen Ureinwohner.

Die Sohlen aus geschmeidigem Leder wurden so meisterhaft gestaltet, dass sie das charakteristische Muster von Bärentatzen imitieren. Diese Täuschung erlaubte es den Kriegern, ihre eigenen Spuren zu verwischen und Verfolger sowie Feinde in die Irre zu führen. Die Bärentatzen-Mokassins spiegeln das tiefe Naturverständnis der Choctaw wider, welche ursprünglich im Mississippi-Tal beheimatet waren. 

Die Choctaw waren nicht nur geschickte Jäger und Fährtenleser, sondern auch exzellente Landwirte, berühmt für den Anbau von Mais, Bohnen und Kürbis. Weiterhin trieben sie regen Handel mit Nachbarvölkern und Europäern.

Abb.: Ehemaliges Stammesgebiet der Choctaw und erste Reservation (1838), Trails of Tears (Pfade der Tränen) und Gefechte mit indianischer Beteiligung im Südosten der USA zwischen 1811 und 1847; Bildquelle: Wikipedia

Die Nachahmung seiner Fährte war somit sowohl eine funktionale Tarnung als auch eine symbolische Verbindung zur Kraft des Tieres. 

Die Wahl des Bären für ihr Schuhwerk war dabei kein Zufall: In ihrer Kultur symbolisiert der Bär nicht nur Stärke, Mut und Heimlichkeit, sondern auch Heilung und Schutz. Da Bären dafür bekannt sind, selbst nach schweren Verletzungen weiterzukämpfen, glaubten die Choctaw, sie besäßen magische Selbstheilungskräfte.

Der Bär wurde als „älterer Verwandter“ respektiert. In vielen Legenden wird er als Bindeglied und Grenzgänger zwischen der physischen und der spirituellen Welt dargestellt. Auch nach ihrer Umsiedlung wider Willen spielten Tiergeister wie die des Bären eine Rolle bei der Definition sozialer Identitäten und als Schutzpatrone.

Die Jagd auf einen Bären war oft mit strengen Tabus und Ritualen verbunden, um den Geist des Tieres nicht zu erzürnen und um Vergebung für die Tötung zu bitten.

Heute werden diese seltenen Stücke in der Bibliothèque municipale de Versailles in Frankreich aufbewahrt. Dass sie fernab ihrer Heimat existieren, unterstreicht die frühe europäische Faszination für indigene Artefakte. Als sorgfältig konservierte Zeitzeugen geben sie uns bis heute Einblick in die Überlebensstrategien und die Kunstfertigkeit des Choctaw-Volkes. 

Wer verstehen möchte, warum der Bär über Jahrtausende hinweg nicht nur für die Choctaw, sondern weltweit für viele weitere Kulturen der„König der Tiere“ war, lese meine Buchvorstellung Der Bär: Geschichte eines gestürzten Königs.

Wer hingegen eine Ahnung davon bekommen möchte, wie es ist, als Bär Lachse zu fangen, lese Fishing Impossible in British Columbia: Lachse fischen im Grizzly-Territorium

Fishing Impossible British Columbia_42 BC_HQ

Alaska: Bretter gegen Bären beschreibt, wie es ist, in der Wildnis Bären zu begegnen und was passiet, wenn man von einem angegriffen wird, könnt Ihr auf Bärenattacken stoppen lesen.

Was sie kulinarisch bieten ist auf Kostprobe: Schwarzbär zu erfahren. Last but not least empfehle ich das Essay über den Giganten der Steinzeit, den Höhlenbär.

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Anmerkungen

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