von Tim Wesly Hendrix
Er hat es wieder gemacht: Bertram Graf von Quadt hat ein neues Buch herausgegeben – sein zweites Sachbuch. Die Mühen seiner Entstehung sieht man ihm nicht an. Flüssig und geistreich, wie man es bereits von der Quadtschen Feder gewohnt ist, führt er durch die Themen, meandert mal hierhin und mal dorthin, aber immer, ohne sich zu verirren.
Verirren könnte man sich sehr wohl bei der Aufgabe, die er sich gesetzt hat. Das Jungjäger-Vademecum soll dem Neuling in der Jagd als Begleiter und jagdlicher Führer dienen – ein Buch also für alle Jungjäger. Es gibt praktische Verhaltensweisen für den Ansitz, philosophische Geistesfragen für die Seele und – besonders wichtig bei vielen Schnellkursabsolventen (ich war selbst einmal so einer und darf mir daher ein gewisses Urteil erlauben) – ein ausführliches Kapitel zur Waidgerechtigkeit.
Rundum: Es ist ein Buch, wie ich es mir vor ein paar Jahren gewünscht hätte, als ich meinen Jagdschein gemacht habe. Das hätte mir viel Zeit, viele Fehler und nicht zuletzt viel Geld gespart.

Ich komme aus einer jagdlichen Familie. Als kleiner Junge saß ich schon zwischen Fuchs und Fischreiher, bestaunte die Geweihe von Hirsch und Bock, und mein Blick fuhr über die starken Keilerwaffen an der Wand. Ich durfte auch schon früh mit dem Opa Rehe zerwirken oder mit Onkel Horst zum Ansitz. Die meiste Zeit meiner Kindheit verbrachte ich dann auch in Wald und Feld – alleine oder mit dem Opa, der mir jedes Kraut und jeden Baum, die Rufe der Vögel und die Siegel des Wildes erklären konnte.
Dann kamen Pharma und Femme, und alles war wichtiger als ein Busch. Auch als Pharma gegen Artemis getauscht wurde und mein Streben wenigstens vom Pantheon her wieder näher an die Jagd rückte, konnte ich mich nie dazu hinreißen lassen, den Jagdschein zu machen. Erst als Opa und Onkel bereits nicht mehr unter uns weilten, kam sie dann endlich – die Jagdpassion. Meine Frau spricht meist von einer Manie, und dürfte damit durchaus recht haben. Da war es natürlich zu spät, um Onkel Horsts Drilling noch zu erhaschen; der ging mit ihm in die Ewigkeit ein.
Nun hatte ich Glück: Mein Schwiegervater ist ebenfalls Jäger und wurde auch mein erster, sehr großzügiger Jagdherr. Die Ansage war: alles frei. Aber er war spät im Leben zur Jagd gekommen und hatte sie meist auf dem Ansitz verbracht. Als Lehrer sah er sich auch nicht. „Mach du mal“ – ich machte. Ich las jedes Buch, das ich zum Wild, zum Schuss und allgemein zur Jagd finden konnte, kaufte mir alles Mögliche an Waffen und Ausrüstung und bezahlte vor allem mit vielen Fehlern und langen Stunden auf dem Ansitz. Missen will ich das eigentlich nicht. Aber hätte ich ein Buch wie das Jungjäger-Vademecum gehabt, wäre mir der Start ins Jagdleben wesentlich einfacher gefallen.
Warum? Weil hier alles vorhanden ist, was man braucht, um die ersten Schritte zu machen. Es ist sicherlich kein allumfassendes Kompendium, kein Lehrbuch, wie man es zur Genüge findet, sondern ein jagdlicher Begleiter.
Solche gibt es sicher teilweise schon, aber hier schreibt jemand, der für eine Art der Jagd steht, wie man sie selten sieht. Hier geht es nicht um Strecken und Hightech, sondern zuallererst darum, was Jagd bedeutet: Tradition – ohne erhobenen Finger, sondern als Vorschlag. Warum den Repetierer und nicht die Kipplaufbüchse? Warum Billigware und nicht Qualität? Alles aber als Angebot, nicht als Verbot.
Gleichzeitig gibt es auch praktisches Wissen über Wild und Natur. Wie oft geht man blind durch das Revier? Mit Graf Quadts Worten im Gepäck verwandelt sich der Wald in ein Lesebuch. Da sieht man Äsungspflanzen, Trittsiegel oder die Spuren des Bockes, die zum Rätseln über Alter, Größe und Rangstellung einladen. Man erkennt Wechsel und Äsungsstellen des Wildes und kann das so lustige Tönen der Vögel plötzlich deuten. Alles Dinge, die ich mir mühsam erarbeiten musste, da sie in der Jagdscheinausbildung meist zu kurz kommen.
Das mag schön und gut sein, wird der gestandene Jäger jetzt sagen – aber was soll ich mit dem Buch anfangen? Wissen tue ich das ja schon. Ich bin kein Freund von Sokrates’ Spruch, dass man weiß, dass man nichts weiß. Aber ich glaube fest daran, dass man mit mehr Wissen auch mehr Lücken erkennt. Manche dieser Lücken kann man sicherlich auch durch dieses Buch noch schließen. Manche Fragen habe ich mir schlichtweg noch nie gestellt.Meine Kinder sind zum Glück noch keine Emo-Veganer, sondern begeisterte Jäger, die die Jahre herunterzählen, bis sie endlich selbst ran dürfen. Das kann sich freilich ändern – dann ist es gut, ein paar Tipps in der Tasche zu haben.
Selbst wenn man denkt, man brauche dieses Buch sicher nicht, kann es nicht schaden, sich ein Exemplar zu sichern. Der nächste Jungjäger im Familien- oder Bekanntenkreis kommt bestimmt.
In meinem Fall schaute ein Freund vorbei, der Jahre vor mir schon den Schein gemacht hatte, dessen Jagdstrecke aber erschreckend schmal ist. Dem empfahl ich das Buch. Er kaufte es und schrieb direkt zurück: „Machst du das auch so?“ – ich sage absichtlich nicht, was er meinte. Aber es war etwas Banales, ein kleiner Fehler, der vielleicht für eine ganze Reihe weiterer Fehler und damit für den ausbleibenden Erfolg verantwortlich war. Für die Bockjagd fühlt er sich nun auf jeden Fall gerüsteter. Wer weiß vielleicht hat das Buch ihm dann gehofen doch einmal den Knopfbock zu erlegen, der ihm bisher verwehrt war.
Bleibt noch ein Punkt, der auf keinen Fall unerwähnt bleiben darf: das Layout. Die Bilder sind – man kann es bei einem passionierten Fotografen nicht anders erwarten – von hoher Qualität, und was die Hand von Bernd Hanrath beigefügt hat, ist wahre Kunst. Eine Kombination, die man hoffentlich wieder einmal sehen wird!
Was könnte man an diesem Buch nun bemängeln? Ich kann nur eines finden: Liest man es, dann drängt es einen ins Revier – voller Drang, das Gelernte hautnah zu sehen, und natürlich voller Durst nach der Jagd. Mich zog es direkt hinaus, Pirschwege freizulegen. Normalerweise geht das prima mit dem Akkulaubbläser, aber die manuelle Freilegung soll ja Vorteile bringen. Mir brachte sie erst einmal Schwielen an den Händen. Gleichzeitig aber auch Ruhe, um der erwachenden Natur zuzuhören.
Wer nun also trotz dieser Nebenwirkungen zum Buch greifen will, kann dies ganz bequem online erledigen – es lohnt sich!

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Bertram Graf v. Quadt

Man kann sich gegen schwere erbliche Belastungen nicht wirklich zur Wehr setzen. Damit war die Jagd unausweichlich. Beim Blick in die Generationen gibt es auf weite Sicht keinen männlichen Vorfahr – und nur wenige weibliche – die nicht gejagt hätten. Vater, Mutter, beide Großväter und so weiter und so fort – alles Jäger, und zum Teil hochprofilierte Jäger: der Vater meiner Mutter, Herzog Albrecht v. Bayern, hat die bedeutendste Monographie des 20. Jahrhunderts über Rehwild verfasst (Über Rehe in einem steirischen Gebirsgrevier) und darin mit viel Unsinn über diese Wildart aufgeräumt. Meine Mutter war an den Forschungen dazu intensiv beteiligt, gemeinsam mit meinem Vater hat sie die Erkenntnisse im gemeinsamen Revier im Allgäu umgesetzt. Nun will und muss aber jeder junge Mensch rebellieren. Ich habe mir dafür aber nicht das jagdliche Erbe ausgesucht, sondern die Schullaufbahn, das nie begonnene Studium, das Ergreifen anrüchiger Berufe (Journalist, pfui!) und anderes mehr. Und ich kann im Rückblick sagen: das war die richtige Entscheidung.
https://wykradt.com/
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Dr. Tim Wesly Hendrix

Tims Frau beschreibt ihn so: „Der ist einfach ein wenig verrückt“ würde sie sagen. Nun liegt das Genie nah am Irrsinn, er nimmt das also als Kompliment.
Aus dem Bergischen kommend zog es ihn in die weite Welt zum Studium – also nicht ganz so weit weg vielleicht – nach Köln. Mit Zwischenstation in Edinburgh beurteilte ihn dann eine Reihe von Professoren als soweit gereift, um ihm den Doktortitel im Fach Kunstgeschichte zu verleihen. Man möge es ihnen verzeihen. Nebenbei gab es dann noch einen Master in Anglophone Literature – was wiederum nichts anderes ist als das schnöde Anglistik Studium vergangener Tage.
Man sieht also, Tim ist den britischen Inseln und der englischen Sprache sehr zu getan. Seine Frau fragt ihn schon nicht mehr, wo der Jahresurlaub seiner Meinung nach hingehen soll, die Antwort ist ihr hinreichend bekannt. Schottland mit seiner raue, poetischen Westküste hat ihn so in den Bann gezogen, dass er dort jeden Urlaub verbringen könnte.
Das heißt nicht, dass er die anderen Länder nicht wertschätzt – aber keines, nicht einmal die berühmten Wasser Afrikas – haben ihn so vollkommen einnehmen können.
Das spiegelt sich auch in der Leidenschaft für Whisky nieder, obwohl er einem guten Wein auch nicht abgeneigt ist. Kommt dann noch eine Zigarre, oder eine seiner geliebten Pfeifen dazu – das ist wahrer Es(s)kapismus für ihn.
Früh schon zog es ihn ans Wasser, um den heimischen Forellen in kleinen Bergbächen nachzustellen und auch heute noch schwingt er gelegentlich seine Fliegenrute. Was gibt es auch schöneres, als bei ausreichend Wind an einem Bach auf einer Hebrideninsel zu stehen und Fliegen aus der Vegetation zu befreien?
Das seine Hardy Ruten nur noch gelegentlich genutzt werden, liegt vor allem an seiner wohl größten Passion: Der Jagd.
Sie war immer irgendwie da. Schon als kleiner Junge vor der beeindruckenden Wand seines Großonkels. So richtig hat er aber erst vor relativ kurzer Zeit zu ihr gefunden. Dies konnte er freilich durch Eifer, seine Frau spricht von manischem Zwang, ausgleichen.
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Von KRAUTJUNKER gibt es eine Facebook-Gruppe.

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Titel: Das Jungjäger-Vademecum: Ein Begleiter für die ersten Jagdjahre
Autor: Bertram Graf v. Quadt
Illustrator: Bernd Hanrath
Verlag: Verlag J. Neumann-Neudamm
Verlagslink: https://www.neumann-neudamm.shop/products/das-jungjaeger-vademecum
ISBN-13: 978-3788821258
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