von Daniel Schoch
Mit Festbankett Asterix – Das offizielle Kochbuch – Rezepte aus der Welt von Asterix und Obelix ist dem französischen Koch und Kochbuch-Autor Thibaud Villanova ein weiteres, wunderbares Exemplar in einer Reihe von Kochbüchern gelungen, die sich den kulinarischen Aspekten in den Welten von Comic-Helden oder Videospielen widmen. Zu diesen gehören beispielsweise Star Wars Cantina, das offizielle Buch der Star-Wars-Saga, Disneys Das zauberhafte Kochbuch oderOishii! – Das Anime-Kochbuch.
Der 40-jährige Franzose mit dem Vollbart hat sich auf diese Nische spezialisiert.
Im Vorwort schreibt er, er wolle dem Leser die Möglichkeit geben, in die Welten Ihrer Helden einzutauchen und sich vorzustellen, welche Gerichte diesen bei Ihren Abenteuern gekostet hätten.
Das Buch besteht aus Rezeptseiten und Seiten mit Tipps und Grundrezepten, die laut Villanovas Vorwort dafür sorgen sollen, dass kein Begriff des Küchenlexikons und keine Küchentechnik, den Leser fortan mehr schrecken solle.
Das Hardcover wird geziert von einem zünftigen Bild, das Lamkottelets, Bratkartoffeln und einen großen Humpen Bier abbildet. In goldener Schrift trägt es den Titel des Buches in der bekannten Schrift, die auch auf den originalen Asterix-Bändern verwendet werden.

Das Innere ist selbstverständlich geschmückt mit Zeichnungen der berühmten Gallier und zwischen den Rezepten lassen einem Fotos der beschriebenen Speisen das Wasser im Mund zusammen laufen.


Villanova teilt das Buch in vier Kapitel: Die gallischen Gerichte, Die Speisen der Nachbarvölker, Rezepte aus Rom, und Spezialtäten aus fernen Ländern.
Als Jäger und Asterix-Freund seit meiner Kindheit freute ich mich natürlich auf ein Wildschwein-Rezept zum Nachkochen. Denn keine Kost wird wohl derart offensichtlich mit den aufständigen Dorfbewohnern von Goscinny und Uderzo in Verbindung gebracht, wie das Wildschwein, von denen der dicke Freund von Asterix in den bisher erschienen Bänden wohl schon 125 Stück verzehrt haben soll. Leider enthält das Buch nur ein einziges Rezept, das dem borstigen Waldbewohner gewidmet ist.


Es nennt sich Goldenes Wildschwein – Geschmorte Wildschweinhachse, Cervisia und Pilze. Ein wenig irreführend, handelt es sich doch hier nicht nur um die Hachse (oder Haxe), also den unteren Teil des Schweinebeins, sonder um das ganze Bein, also Keule mit Haxe, wie auf dem Foto zum Rezept unschwer zu erkennen ist. Egal, dieses Detail soll einen nicht stören, den das Rezept ergibt ein leckeres Gericht, das man ruhig einmal probiert haben sollte. Das Ergebniss sah bei uns zwar anders aus als auf den Foto im Buch, war aber durchaus köstlich und anders, als alle anderen Varianten von Wildschweinkeulen, die bislang auf meinem Teller waren. Und das waren schon einige.
Mich irritierte zunächst, dass die Keule im Rezept nicht ringsum angebraten werden sollte, wie es eigentlich bei nahezu allen Braten-Gerichten der Fall ist, um Röstaromen zu erzeugen und wohl auch, um die Säfte etwas besser im Fleisch zu halten. Ich hätte eigentlich gedacht, dass die Gallier sehr kräftige Röstaromen an ihren Wildschweinen hatte, denn ich ging davon aus, dass sie diese meist am offenen Feuer geröstet hatten. Villanova ist es aber gelungen, Obelix eine ganz andere Rezept-Variante abzuluchsen. Die Keule landet roh im Bräter auf einem Bett aus Zwiebeln, Schalotten, Karotten und Champignons und wird mit 2 Litern dunklem Bier , sowie etwas Rinderbrühe übergossen. So gart es für 4 ½ Stunden im Backofen, nach vier Stunden bekommt es Gesellschaft von gegarten Esskastanien. Heraus kam ein zarter Braten, bei dem die Knochen ganz leicht und ohne Zuhilfenahme eines Messers aus dem Fleisch gezogen werden konnte. Wir aßen nur die mitgeschmorte Mischung von Kastanien, Zwiebeln und Karotten dazu, und tunkten die herzhafte Brühe aus dem Bräter mit Brot auf.

Das Fleisch erinnerte von Geschmack und Konsistenz eher an gekochtes Kesselfleisch, wie man es von Schlachtfesten kennt, als an einen klassischen Braten. Der typische Geschmack des Wildbrets kam dabei sehr gut zur Geltung, die Brühe war von dünner Konsistenz und kräftigem Geschmack. Überraschend lecker!

In dem Kapitel finden sich noch 15 weitere gallische Gerichte, darunter den berühmten Schinken aus Lutetia, Seeteufel á la Verleihnix oder Bratäpfel von Majestix, unserem Häuptling!, sowie ein kleines Küchen-Glossar und zwei Grundrezepte für Brühe mit Gemüse, bzw. mit Geflügel.

Das nächste Kapitel widmet sich den Speisen der Nachbarvölker, wie dem Fondue aus dem Palast des Raclettus, Bretonische Tee-Brioches und Lachs nach Art der Pikten (die heutigen Schotten sind hier gemeint. Siehe Band 35, Asterix bei den Pikten).
Auch ein Rezept für Cranachan vom Loch Endroll ist hier zu finden, ein Dessert aus Himbeeren, Schlagsahne, Joghurt, Whisky und Honig, getoppt mit Granola, einer gerösteten Mischung aus Haferflocken, Nüssen und Honig. Dem einleitenden Text zufolge wurde es zweifellos bei der Feier anlässlich der Rückkehr des Mac Aphon gegessen.

Als begeistertem Freund schottischer Single Malts, sprang mir dieses Gericht als Nachtisch geradezu ins Gesicht. Vom Sommer fanden sich noch tiefgefrorene Himbeeren in der Kühltruhe, im Keller lagen Walnüsse vom Herbst, die die Haselnüsse im Rezept ersetzen sollten,und ein ordentliches Sortiment schottischer Whiskys, sowie Honig aus unserer eigenen kleinen Imkerei sind ohnehin immer vorhanden. Der Cranachan war ein Traum! Oh Mann, mit diesem Dessert werden wir auf jeden Fall noch einige unserer regelmäßigen Festessen abschliessen. Wer es nachkochen will, sollte aber die Zutaten-Mengen ein wenig anpassen, denn rund 700g Granola reicht und nun noch eingie Wochen, um unseren Joghurt damit zu toppen…

Leider bin ich noch nicht dazu gekommen, Rezepte aus den beiden anderen Kapiteln auszuprobieren. Bei den Rezepten aus Rom macht mich vor allem das Dessert des Bratensos an, es handelt sich um Lavendel-Honig-Oliven mit gerösteten Mandeln und Joghurteis. Vielleicht nach einer gebratenen Kalbsnuss mit Knoblauch und Rosmarin? Ja, das kann ich mir sehr gut vorstellen.

Vielleicht noch einen winzig kleinen Legionärsauflauf als Vorspeise… Der Legionärsauflauf ist eigentlich ein Meeresfrüchtesouflé, und das hört sich ganz besonder köstlich an, Jakobsmuscheln und Garnelen mit etwas Wein, Tomatenmark und Hummersuppe unter einer Decke aus Bllätterteig. Die Einleitung verrät, dass Militärration römischer Legionäre aus Speck, Weizen und Käse bestand, die zusammen gegart wurden. Der Autor vermutet, dass man durch dieses Essen die Legionäre bei derart schlechter Laune halten wollte, dass sie noch verbissener gekämpft hätten. Mit seinen Rezepten könne man sie aber garantiert motivieren, in die Schlacht zu ziehen. Nun ja, mich würden sie wohl eher motivieren, an meinem Küchentisch sitzen zu bleiben…
Das Letztes Kapitel behandelt die Spezialitäten aus fernen Ländern. Das Lamm im Dromedar-Mantel werden wir sicher bald mal probieren. Der Untertitel lautet Geschmortes Lamm mit pikanter Rahmsauce. Hier wird eine Lammschulter in Joghurt mit Limette, Zitrone, Minze, Kurkuma und Kreuzkümmel marinert, um dann in einer Sauce aus Kokosmilch mit Sternanis, Zimt und Kardamom geschmort zu werden. Ob das wohl einst auf der Mittagskarte von Kleopatra gestanden hatte?

Ich bezweifle, dass sie jemals Erindjahs Curry, ein Hähnchen-Tikka hat kosten dürfen, aber vielleicht durfte sie ja mal vom Kuchen des Pyradonis naschen. Obwohl zu bezweiflen wäre, dass sie mit dem reichhaltigen Pudding aus kandierten Früchten mit Vanillesahne und frischen Früchten ihre schlanke Linie lange hätte halten können.
Das Buch schließt mit einigen Illustrationen der Kräuter, Pilze und Gemüse aus dem Kräutergarten von Miraculix, gefolgt von einem ausführlichen Register und einem Dankwort des Autors.
Ein Dankwort sei hier auch ausgesprochen: Dem Autor Thibaud Villanova für die köstlichen Rezepte, den leider verstorbenen Asterix-Erfindern René Goscinny und Albert Uderzo für die unterhaltsamen Stunden mit den unbeugsamen Galliern, und dem Verlag Egmont Ehapa Media GmbH für die Herausgabe dieses wunderbaren Kochbuchs. Ach, und natürlich dem lieben KRAUTJUNKER dafür, dass ich gelegentlich so schöne Büchern rezensieren darf…

Nun sei dieser mit den berühmten Worten des römischen Dichters Horaz geschlossen, mit denen auch Villanova sein Vorwort beendet: Nunc es bibendum!
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Thibaud Villanova

Thibaud Villanova ist Chefkoch, Popkultur-Experte und der kreative Kopf hinter dem Erfolgsprojekt Gastronogeek. Als Sohn eines Bäckers vereint er handwerkliche Leidenschaft mit über zehn Jahren Erfahrung in der Fantasy- und Geek-Szene. Seit 2014 kreiert er inspirierende Rezepte, die die Brücke zwischen der Gastronomie und den Universen aus Filmen, Serien, Mangas und Videospielen schlagen. Mit mehr als 16 veröffentlichten Werken und über 500.000 verkauften Exemplaren allein in Frankreich zeigt er, wie man beliebte und gesunde Gerichte aus den Welten der Lieblings-Franchises direkt auf den heimischen Teller bringt.
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Daniel Schoch

Daniel Schoch ist Jäger, Angler, Imker, Geflügelhalter, Selbstversorger, Schreiner und Spinner. Seine Wurzeln liegen in der sonnigen Pfalz, zwischen Rhein und Reben. Nach einem mehrjährigen Ausflug ins schöne Portugal, zog er vor neun Jahren wieder in die alte Heimat. Seitdem isst er die Wälder und Flüsse des Mittelrheingrabens etwas leerer.
Er liebt und lebt für gutes Essen, gute Getränke, für die Jagd und für den Punkrock.
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Anmerkungen

Von KRAUTJUNKER gibt es eine Facebook-Gruppe.

Titel: Asterix Festbankett – Das offizielle Asterix-Kochbuch
Autor: Thibaud Villanova
Verlag: Egmont Comic Collection
Verlagslink: https://www.egmont-shop.de/asterix-festbankett/
ISBN: 978-3-7704-0226-7
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