Melodien der Strömung: 70 Jahre Passion fürs Angeln

Buchvorstellung von Werner Berens

Melodien der Strömung nennt Armin Göllner sein 2024 bei Müller Rüschlikon erschienenes Werk.
Auf 350 Seiten rekapituliert er seine Erfahrungen, Erkenntnisse und Erlebnisse als Fliegenfischer. In 38 Kapiteln mischt er neue Texte und alte, bereits früher erschienene Texte zu einem Gesamtwerk, welches sein fischereiliches Leben abbildet. Die keiner erkennbaren Systematik folgenden Texte heißen zum Beispiel, Patagonien, zugigste Ecke der Welt, Haigarantie vor Südwest oder Zur Reizwirkung künstlicher Köder.
Die 350 Seiten sind als Hardcover solide und optisch ansprechend eingebunden. Und im Buch selbst illustrieren zahlreiche Bilder das Geschehen an den jeweiligen Orten. Der vielseitig belesene Autor verweist in den Anlagen 1 und 2 am Schluss des Buches auf Werke anderer Autoren, und auf den Ursprung seiner Zitate.

Abb.: Das Kapitel „Tasmanian Brownies“; Bildquelle: Krautjunkers Blick ins Buch

Leseerlebnis und Inhalt
Eine gelungene Mischung aus spannenden Erlebnissen, Reflexionen über fischereiliche Taktiken und Techniken, Verhalten unterschiedlicher Fischarten und Rückgriffen in Angelgeschichten der Kategorie Anglerlatein hält die Leser bei der Stange. Dem scheinbar unsystematischen Geplauder über dieses und jenes, über lustige Ereignisse wie zum Beispiel Der motorisierte Fischotter gehen tiefgehende Reflexionen über das unterschiedliche Beißverhalten von Bachforelle und Regenbogenforelle voraus. In den Tiefen der unterschiedlichen Texte trifft man auf die Erwähnung historischer Entwicklungen des Fliegenfisches und auf die Ansichten und Verhaltensweisen damals aktueller Autoren. Man erfährt Interessantes über Persönlichkeiten der Fliegenfischerszene und ihre diesbezügliche Entwicklung. Forderungen zum Gewässerschutz, zur Pflege unserer Angelgewässer und zum adäquaten Verhalten des Fliegenfischers im Umgang mit dem FischergänzenErzähltes und Reflektiertes. Es ist nicht die Sprache, die in das Buch hineinzieht, es ist die bunte Mischung aus Verschiedenem, das die Erwartungshaltung des Lesers bedient. Was mag im nächsten Kapitel kommen, das da heißt: Von Flossen, Schuppen und Geräten, fragt sich der Leser… und bleibt lesend im Buch. Aber irgendwann stellt sich im Leseprozess ein Gefühl von Vergangenem von Gestrigem ein, man wähnt sich bei einer Lektüre von Fliegenfischerzeitschriften der 1970er bis 1980er Jahre. Die sprachliche Diktion alter Zeitschriften und das völlige Fehlen der typischen sprachlichen „Marker“ zeitgemäßer Fliegenfischerliteratur erwecken den Eindruck, dass da Überholtes aufgewärmt wird und man in eine Welt mitgenommen wird, die so nicht mehr existiert. Die Geschichten- und Erlebnislastigkeit verstärkt diesen Eindruck, zumal richtige, wichtige und auch heute nach wie vor gültige Sachinformationen meistens eingerahmt sind von Erlebnissen, in denen ihre Relevanz aufscheint.
Das ist für Leser, die wohlgeordnete „Ingenieurstexte“ lieben und erwarten, unbefriedigend und für Leser, die aus Erzähltem lernen können, eine wahre Fundgrube.

Abb.: Das Kapitel „Palolo, Heimathafen Kirchdorf; Bildquelle: Krautjunkers Blick ins Buch

Quintessenz
Die Vielseitigkeit des Buches, der Texte, ist Schwäche und Stärke zugleich. In Erlebnisse gekleidete Erkenntnisse und Erfahrungen und Reflexionen eines langen und vielseitigen und vielortigen Anglerlebens können sowohl als störendes Chaos wie als buntes Potpourri überraschender und vielfältiger Leseanlässe empfunden werden, die den Leser in die Fliegenfischervergangenheit mitnehmen. Zitat: »Die in diesem Buch enthaltenen Textbeiträge werden teilweise erstmals veröffentlicht; einige sind bereits in Zeitschriften und Journalen … erschienen«. Diese Texte und offenbar auch die noch nicht vorher veröffentlichten erwecken in ihrer Diktion den Eindruck eines Autors, der irgendwann zwischen 1970 und heute stehen geblieben ist. Das behaupte und empfinde ich als gleichalter Autor und Rezensent.

Abb.: Das Kapitel „Von Haken, Schnüren, Angelruten – ein Blick zurück; Bildquelle: Krautjunkers Blick ins Buch

Bei den meisten Texten umweht den Leser der Odium des Gestern, die Empfindung von Vergangenem, vom „Vorbei“ eines reichen Fischerlebens eines rundum bekannten Autors, der sich weigert, Gegenwart zur Kenntnis zu nehmen. Manch erhobene Forderung ist schon erfüllt, manches Verhalten schon Standard. Doch wer damit leben kann, den erwartet ein buntes Potpourri verschiedenster Texte, Themen und Reflexionen zum Fliegenfischen und darüber hinaus zum Fischen an sich, das in dieser Vielfalt in keinem mir bisher bekannten Buch so erschienen ist und deshalb eine echte Bereicherung der aktuellen Fachliteratur ist.

Abb.: Foto aus dem Kapitel „Patagonien, zugigste Ecke der Welt“. Bildunterschrift: Rasanter kann der Drill einer Regenbogenforelle vom Bellyboot aus kaum erfolgen; Bildquelle: Foto von Sagui Gillermo aus dem Buch

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KRAUTJUNKER-Kommentar: Das Buch ist dem Verein Wanderfische ohne Grenzen, seinen Mitgliedern und Unterstützern gewidmet.

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Dr. Armin Göllner

Rechtsanwalt Dr. jur. Armin Göllner (Jahrgang 1947), vormals Universitätsdozent für bürgerliches Recht und europäische Rechtsgeschichte, Hochschuldozent für Gerichtsverfassungsrecht und Honorardozent für Zivil- und Zivilprozessrecht, ist seit Jahrzehnten auf dem Gebiet der Angelfischerei durch Hunderte Fachbeiträge ausgewiesen. Seine zahlreichen Bücher zum Thema sind in mehrere Sprachen übersetzt worden. Der gebürtige Brandenburger fischt seit seinen Kinderjahren und hat inzwischen alle Teile der Welt mit der Angel bereist.

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Werner Berens

Werner Berens ist Fliegenfischer, Jäger, Autor und Genussmensch, der den erwähnten Tätigkeiten soweit als möglich die lustvollen Momente abzugewinnen versucht, ohne aufgrund kulinarisch attraktiver Beute übermäßig in die falsche Richtung zu wachsen. Als Leser und Schreiber ist er ein Freund fein ziselierter Wortarbeit mit Identifikationssmöglichkeit und Feind von Ingenieurstexten, die sich lesen wie Beipackzettel für Kopfschmerztabletten. Altermäßig reitet er dem Sonnenuntergang am Horizont entgegen und schreibt nur noch gelegentlich Beiträge für das Magazin Fliegenfischen.
Hier findet Ihr Werner Berens‘ Bücher auf Amazon und hier auf Facebook und hier auf dem KRAUTJUNKER!

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Anmerkungen

Von KRAUTJUNKER gibt es eine Facebook-Gruppe.

 

Titel: Melodien der Strömung: 70 Jahre Passion fürs Angeln

Autor: Armin Göllner

Verlag: Müller Rüschlikon

Verlagslink: https://motorbuch-versand.de/mueller_rueschlikon/42312-melodien-der-stromung

ISBN: 978-3-275-02312-7


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