Dolly Parton ist gestern im Alter von 80 Jahren gestorben. Sie wuchs mit elf Geschwistern in den kargen Bergen von Ost-Tennessee auf. Dort war die Jagd kein Zeitvertreib, sondern überlebenswichtig. Ihr Vater sicherte das Überleben der Großfamilie, indem er Kaninchen, Eichhörnchen, Murmeltiere und sogar Bären erlegte. Auch Angeln und die Froschjagd halfen dabei, Essen auf den Tisch zu bringen.

Obwohl Dolly Parton von dieser rustikalen Jagdkultur geprägt wurde, ging sie selbst nie aktiv auf die Pirsch. Ihre Kindheit gehörte schlicht zu jener rauen, eigenwilligen Welt der südlichen Appalachen, in der Armut, Improvisation, Naturverbundenheit und ein gehöriger Schuss Galgenhumor eng beieinanderlagen. Ausgerechnet aus dieser Welt stieg sie zu einer der größten Legenden der Country- und Popmusik auf.
Dolly Parton war tief christlich geprägt. Sie sang bereits als Kind in der Kirche und bewahrte sich ihren Glauben ein Leben lang. Manches an ihrem traditionellen Weltbild würde man heute vermutlich als erzkonservativ bezeichnen. Doch genau hier lag ihr spannendster Widerspruch: Sie besaß eine bemerkenswerte Abneigung dagegen, anderen Menschen vorzuschreiben, wie sie zu leben haben.
„Ich bin nicht gut genug als Mensch oder als Christin, um andere Menschen zu beurteilen und zu kritisieren. Wir sind alle Kinder Gottes. Wir sind, wie wir sind.“
Mit Country-Music habe ich größtenteils nichts am Hut, aber vor ihrem Charakter und auch ihrem Humor ziehe ich meinen Hut:
Über Aussehen und Schönheitsoperationen
„Es kostet ein Vermögen, so billig auszusehen!“
„Wenn ich sehe, dass etwas an mir hängt, nachgibt oder schrumpft, lasse ich es sofort wegschneiden, anheben oder auffüllen.“
„Ich bin nicht beleidigt, wenn Leute Witze über Blondinen machen. Ich weiß schließlich, dass ich nicht dumm bin… und ich weiß auch, dass ich nicht blond bin.“
„Die Leute fragen mich immer, wie lange es dauert, meine Haare zu machen. Keine Ahnung – ich bin dann nie dabei.“
„Ich würde meinen Look als Mischung aus Mutter Gans, Cinderella und der örtlichen Nutte beschreiben.“
Über das Leben und Männer
„Mein Mann Carl und ich sind seit fast 60 Jahren verheiratet. Das Geheimnis? Wir verbringen kaum Zeit miteinander!“
„Ich war die Erste in meiner Familie, die brennende BHs unterstützt hat. Es hat allerdings drei Tage gedauert, meinen zu löschen.“
Über Essen, Kochen und Diäten
„Ich bin auf der ‚Seafood-Diät‘: Ich sehe Essen (see food) und ich esse es!“
„Ich habe jede Diät der Welt ausprobiert. Ich habe sogar die Bananen-Diät gemacht, aber nach drei Tagen habe ich angefangen, auf Bäume zu klettern.“
„Mein Lieblingsgericht ist alles, was fettig, frittiert und ungesund ist. Ich bin ein echtes Südstaaten-Mädchen.“
„Ich bin eine fabelhafte Köchin. Meine Spezialität ist es, den Feuermelder als Eieruhr zu benutzen.“
„Ich koche gerne traditionelles Essen aus den Bergen. Wenn es nicht in Speckfett schwimmt, ist es für mich kein echtes Abendessen.“
Über ihre ländlichen Wurzeln
„Wir waren so arm, dass wir im Winter Eichhörnchen und Murmeltiere essen mussten. Heute zahlen die Leute in schicken Restaurants in New York ein Vermögen für so etwas und nennen es ‚Gourmet-Wild‘.“
„In den Bergen von Tennessee haben wir nicht geangelt, um zu entspannen. Wir haben geangelt, weil wir am Abend sonst nichts zu beißen gehabt hätten.“
Dolly Parton hat verstanden, was vielen Menschen heute so schwerfällt: Man kann selbstbewusst, geschäftstüchtig und künstlerisch erfolgreich sein, ohne sich selbst zu wichtig zu nehmen. Sie bewies eindrucksvoll, dass es kein Widerspruch war, nach traditionellen, erzkonservativen Werten zu leben, eine erfolgreiche Unternehmerin zu sein und gleichzeitig große Toleranz für alternative Lebensentwürfe zu zeigen. Mit ihren millionenfachen Buchspenden für Kinder und ihrer unermüdlichen Philanthropie zeigte sie, dass echter Erfolg darin liegt, der Welt Liebe zu schenken.
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