Die Geschichte der Bäume und wie sie unsere Lebensweise verändert haben

Buchvorstellung

In dem Kompendium Die Geschichte der Bäume und wie sie unsere Lebensweise verändert haben werden auf zweihundert Seiten hundert Bäume mit Focus auf ihre Kulturgeschichte porträtiert. Die eine Hälfte der Doppelseiten zeigen Illustrationen von Thibaud Hérem, die Texte auf der anderen Seite wurden von Kevin Hobbs, einem professionellen Pflanzenzüchter mit über 30 Jahren Erfahrung im Gartenbau sowie David West verfasst, welcher auf die kommerzielle Produktion von selte­nen Bäumen spezialisiert ist.

Abb.: Ölbaum – Gabe der Athene; Bildquelle: Buch abfotografiert

Ein Phänomen, dass mir immer wieder auffällt: Wie bei Autoren aus dem angloamerikanischen Kulturkreis üblich, verharren sie vollkommen in ihrer eigenen Welt. In meiner Heimatstadt Minden habe ich mich immer über britische Besatzungssoldaten gewundert, die jahrelang in Deutschland lebten, ohne Anstalten zu machen, die Sprache zu lernen und sich grundsätzlich nur aus britischen Quellen einkleideten. So schreiben sie bei der Eibe, dass Shakespeare diesen Baum in Richard II. als „doppelt tödlich“ (S. 14) beschrieben hat, da er bis auf die Beeren giftig sei und aus seinem Holz Speere und Bögen hergestellt wurden.

Abb.: Heide-Wacholder – Mutters Verderben; Bildquelle: Buch abfotografiert

Goethes berühmtes Gedicht Gingo bilobaber wird beim Gingko nicht erwähnt. Historische Ereignisse oder Standorte einzelner Bäume beziehen sich in den meisten Fällen auf Großbritannien und dann auf das ehemalige Kolonialreich.

Abb.: Stein-Eiche – Trüffelbaum; Bildquelle: Buch abfotografiert

Viele der porträtierten Bäume, wie der Bier-, der Seifenrinden- oder der Taschentuchbaum sind im deutschsprachigen Kulturkreis nahezu unbekannt. Hingegen sucht der Leser Bäume aus unseren Gärten oder Wäldern, wie Tannen oder Linden, vergeblich.

Abb.: Dattelpalme – Verpflegung für Masada; Bildquelle: Buch abfotografiert

Vermutlich sind es Übersetzungsfehler, wenn bei der Marone steht, dass ihre »Nüsse« mit Maisgrieß zu einem Grundnahrungsmittel der römischen Legionäre verarbeitet wurden. Die Früchte der Marone sind selbstverständlich keine Nüsse, und der aus Mexiko stammende Mais gelangte erst nach der Entdeckung Amerikas durch die Spanier in die sogenannte Alte Welt.

Bei der Rosskastanie stolperte ich über die holperige Übersetzung: »…und heute genießen einige Leute in ihrem Schatten ein paar Mass bernsteinfarbenes Bier.« 

Abb.: Bobaum – Buddhas Erleuchtung; Bildquelle: Buch abfotografiert

Sehr schön sind die Illustrationen, der verästelten und teilweise skulptural dargestellten Bäume. Zum allergrößten Teil ist das Buch jedoch ein angenehm zu lesendes und schön illustriertes Lesevergnügen, welches man aufs Geratewohl aufschlagen und sich in den Kulturgeschichten der Hochstämme verlieren kann.

Abb.: Arabischer Kaffeestrauch – Anregend; Bildquelle: Buch abfotografiert

Das Buch gefällt aufgrund seiner sehr gute Verarbeitung und des geschmackvollen Layouts. So sind auf einer Hälfte der Doppelseiten die Textseiten in einem leichten Grau gehalten, während auf der anderen Hälfte die Illustrationen auf weißem Hintergrund hervortreten. Ohne wissenschaftlich ein präzises Werk zu sein, freut man sich über eine gelungene Coffeetable-Lektüre.

Ich empfehle einen Blick in die Leseprobe über die Echte Walnuss aus den Hängenden Gärten von Babylon. Der Link findet sich ganz unten in den Anmerkungen.

Abb.: Echte Walnuss – In den Hängenden Gärten von Babylon; Bildquelle: Illustration aus Buch

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Anmerkungen

Von KRAUTJUNKER gibt es nicht nur eine Facebook-Gruppe, sondern jetzt auch Outdoor-Becher aus Emaille. Kontaktmail für Anfragen siehe Impressum.

Titel: Die Geschichte der Bäume und wie sie unsere Lebensweise verändert haben

Autoren: Kevin Hobbs & David West

Illustrator: ©Thibaud Hérem https://www.thibaudherem.com/

Verlag: Laurence King Verlag

Verlagslink: https://www.laurencekingverlag.de/produkt/die-geschichte-der-baeume/

ISBN: 978-3962440800

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Leseprobe: https://krautjunker.com/2020/02/21/echte-walnuss-in-den-hangenden-garten-von-babylon/


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