Seelenfischer & Großwildjäger: Jagdabenteuer mit Pater Kunibert Lussy

Buchvorstellung von Beate A. Fischer

Pater Kunibert Lussy war ein OFMCap, ein Kapuzinermönch. Um genau zu wissen, was das heißt, befragte ich erst einmal Wikipedia:

Die Kapuziner (OFMCap), eigentlich Orden der Minderen Brüder Kapuziner, lateinisch lateinisch Ordo Fratrum Minorum Capucinorum, sind ein franziskanischer Bettelorden in der römisch-katholischen Kirche. Der Name des Ordens leitet sich von der markanten Kapuze des Franziskanerhabits ab. Er gehört zu den franziskanischen Orden und bildet heute – neben den Franziskanern (OFM) und den Minoriten (OFMConv) – einen der drei großen Zweige des ersten Ordens des hl. Franziskus.

In der Vergangenheit zeichneten sich die Kapuziner einerseits durch eine besondere Liebe zur Stille und zum Gebet aus, andererseits durch die Nähe zum einfachen Volk und zu den Armen. Dies drückt sich in der heutigen Kapuzinergemeinschaft unter anderem durch ein aktives Engagement in der Sonder- und Randgruppenseelsorge und in sozial-pastoralen Projekten (Obdachlosenarbeit) aus.

Hauptaufgaben der Brüder der Schweizer Provinz sind die Seelsorge und die Mission. Mit dem Kapuzinerkloster Altdorf im Kanton Uri entstand 1581 das erste Kapuzinerkloster nördlich der Alpen. Nach und nach verbreitete sich der Orden in allen katholischen Gebieten der Schweiz. 1920 übernahmen die Schweizer Kapuziner Missionsgebiete in Tansania. Weitere Einsätze im Aufbau junger Kirchen folgten in Südamerika, Asien und Ozeanien. Heute sind Schweizer Kapuziner in Indonesien, Tansania, Tschad und auf der arabischen Halbinsel tätig. Seit 2004 ist der Schweizer Kapuziner Paul Hinder apostolischer Vikar in Arabien. Schweizer Kapuziner gründeten die Schwesterngemeinschaften von Menzingen und Ingenbohl.

Seit Jahren kämpft der Orden allerdings mit Nachwuchsschwierigkeiten. So sank der Mitgliederbestand von über 700 unter 200, und mehrere Niederlassungen mussten geschlossen werden. Als Mittel gegen die Nachwuchsschwierigkeiten setzt die Ordensprovinz auf modernisierte Klostermodelle wie das „offene Kloster“ in Rapperswil. Seit 2010 gibt es die Möglichkeit, „Bruder auf Zeit“ zu werden. Bei diesem Modell muss sich der Bruder nach spätestens sechs Jahren für ein Leben im Kloster oder im zivilen Leben entscheiden.

Zu Beginn des Jahres 2018 bestanden noch elf Klöster oder Gemeinschaften mit rund 100 Brüdern. Das Durchschnittsalter der Ordensbrüder betrug mittlerweile 74 Jahre.

Pater Kunibert Lussy ist ein Schweizer Missionar des Kapuzinerordens, der von 1926 bis 1946 auf verschiedenen Posten in Tansania tätig war. Er hat sich in dieser Zeit sehr intensiv mit Land und Leuten auseinandergesetzt und seine viel beachteten Schriften zu Tansania brachten ihm und der Mission Ruhm und Ansehen. Neben der Missionierung in Tansania ist ihm die Vermittlung des Lebens in Tansania nach Europa ein besonderes Anliegen gewesen. Nach seiner Rückkehr in die Schweiz setzte der Orden Pater Kunibert Lussy vor allem in der Werbung für die Mission ein und seine Safari-Filme waren ein beliebtes Mittel, die missionarische Tätigkeit der Kapuziner in der Schweiz bekannt und beliebt zu machen.

Die längste und intensivste Zeit verbrachte Pater Kunibert Lussy in der Leitung und dem Ausbau der Missionsstation Ruaha.

 “Ruaha! Ihr, die Ihr ihn kanntet, werdet unwillkürlich diesen Namen im fast unnachahmlichen Ton laut ausgesprochen haben, in dem wir ihn tausendmal aus seinem Munde gehört haben. Ruaha bedeutete ihm alles, oder doch fast alles! Wer mit ihm zusammenkam oder gar zusammenlebte, musste nicht lange warten, bis er mit dem Thema Ruaha begann. Angefangen von den „Urzeiten“, da er noch allein auf dem Ruahahügel lebte und sich von einer Herde Meerkatzen (Affen!) ernährte, die er schön langsam Stück für Stück abschoss und verzehrte (was ihm damals bei den Engländern, die darum wussten, den Übernamen „the cannibal“ eintrug).” Aus dem Nachruf von Pater Hilmar Pfenniger OFMCap (“fidelis” 57. Jahrgang 1970).

In dem vorliegenden Buch werden drei Einzelwerke erstmals gemeinsam publiziert; Mit Kino und Kugel, Fotosafari und Elefanten, Büffel und Löwen.

Weitere Publikationen finden sich hier: http://paterkunibertlussy.ch/Publikationen.html

Pater Kunibert Lussy ist ein ausgesprochen vielseitiger Mensch gewesen, so ein Typ, den eine Missionsstation im tiefen Tansania braucht. Er war Missionar, Seelsorger, Krankenpfleger, Bauer, Lehrer, Maurer, Anthropologe, Zoologe, Maler, Redakteur, Werber, Filmer, Fotograf und nicht zuletzt Jäger. Sein Jagdbegleiter ist Pater Manfred Suter, ein ebenso begeisterter Jäger wie Missionar.

Beide bilden in ihrer Mischung aus dem tiefen Bedürfnis den christlichen Glauben mit Heiligen Messen auch im Busch zu zelebrieren auf einen Seite und ihrer unbedingten Jagdbegeisterung auf der anderen Seite ein interessantes Paar. Das Buch enthält spannende Safari- und Jagderzählungen, die einem Robert Ruark, Hemingway oder Selous nicht nachstehen. Gleichzeitig ist das Buch, ein Dokument der Schweizer Mission in Tansania. Trotz aller jagdlicher Leidenschaft kommt die Heilige Messe nicht zu kurz, wie widrig die Umstände im Busch auch sein mögen.

Die Kapuziner tun sich heute schwer mit dem unorthodoxen und scheinbar wenig angepassten Bruder, der einerseits aus vollem Herzen für die Mission lebte und die Naturreligionen für Teufelszeug hielt und der anderseits auch seine Jagdleidenschaft nicht im Verborgenen hielt. Beides ruft in seiner Radikalität heute die Kritiker in den eigenen Reihen auf den Plan. Die Naturreligionen der Einheimischen sind nicht mehr Teufelszeug sondern „fehlerbehaftet“ und die Jagd nicht (mehr) mit dem Selbstverständnis der Kapuziner zu vereinbaren.

Kapuziner und Jäger sein, wäre heute wahrscheinlich undenkbar. Der wuchtige, umtriebige und dezidierte Jagdgegner Dr. Anton Rotzetter OFMCap (* 1939; † 2016) würde einen jagenden Mitbruder vermutlich heftig kritisieren. Der ebenso wuchtige Pater Kunibert Lussy OFMCap, der seinen Gewehrträger sinnigerweise Eustachius nannte, hätte sich das kaum widerspruchslos bieten lassen. Da wären die Funken geflogen!

Br. Ephrem Bacher, Provinzial der Schweizer Kapuziner sieht sich zu einer Gegendarstellung im Nachklang des Buches bemüßigt. In den „Bemerkungen zum Film „Mit Kino und Kugel“ distanziert sich der Kapuziner heute von der Absolutheit des Glaubens eines Pater Kunibert Lussy, eine Festigkeit, die diesem vielleicht gerade die Stärke gab, an der Missionsarbeit im Busch nicht zu verzweifeln.

Und zum anderen kämpft die zum Leben des Pater Kunibert Lussy vielfältige weitere Informationen bereithaltende Webseite http://paterkunibertlussy.ch/ mit der Kombination von Missionar und Jäger. Auch den Kapuzinern fehlt dieser Spagat nicht leicht;

Kirchenvater Hieronymus (347-420) meinte: „Heilige Jäger haben wir in der Bibel nicht gefunden – heilige Fischer dagegen wohl.“ und Augustinus (354-430) war nicht minder jagdkritisch. „Es waren Augustinus und Hieronymus, die – der von Tertulian, Cyprian und Novatian vorgezeichneten Richtung folgend – die Verurteilung von Zirkus und Theater expressis verbis auch auf Jagd und Jäger ausdehneten und damit die kirchliche Tradition der Jagdkritik begründeten.“ (Thomas Szabó). Die Vermengung von Jagd und Zirkusspielen wurde aber als undifferenziert erkannt. Berardi (1767) zitiert aus Gutherius (?): „Wenn jemand seine Dienste vermietet haben sollte, um wilde Tiere zu jagen (feras venari), oder um ein wildes Tier zu bekämpfen (depugnare feram), welches der Umgegend schadet, und zwar ausserhalb des Kampfplatzes, so ist er nicht mit einem Schandfleck belegt.“

Die Synode von Agde (506) verbot den Geistlichen die Jagd und im Gratianischen Dekret (liber extra) von 1234 heisst es: „Omnibus servis Dei venationes et silvaticas vagationes cum canibus, et accipitres aut falcones interdicimus.“ (Allen im Dienste Gottes untersagen wir die Jagd, die Hetzjagd im Wald mit Hunden und die Beizjagd).

Dazu Anton Michl (1809): “ Der Geweihte soll ein Beispiel der christlichen Gemeinde werden, und sich daher von allen, einem geistlichen unanständigen Handlungen enthalten. Dergleichen sind nach Kirchenrecht a) übertriebene Jagdliebe. Die Jagd ist nicht an sich, oder als Venatio clamorosa, sondern nur dann ein unerlaubtes Vergnügen, wenn sie zur Leidenschaft, und so zum Hindernis in Erfüllung der Berufspflichten wird. …
Die Erlaubnis zu jagen ist also nicht, wie bisher die Kanonisten glaubten, nach dem grösseren oder minderen Lärm, der eine Jagd begleitet, sondern nach der Unvereinbarkeit mit Berufspflichten zu bestimmen.“

Im „Lehrbuch des katholischen Kirchenrechts“ (Sägmüller 1904) heisst es im Zusammenhang mit den klerikalen Standespflichten: „… sind aus den gleichen Gründen den Klerikern verboten die Würfel- und Glücksspiele 1 sowie die Treibjagd 2 . Das Radfahren kann nur im Dienste nützlich, ja notwendig sein …“ Und ferner, dass der Bischof, zumindest in der Diözese Rottenburg, dem Klerus das Jagen untersagen kann.

Pater Kunibert Lussy fand seinen Ruhm in der Zusammenstellung von Rolf D. Baldus, Werner Schmitz (Hrsg.) Auf Safari – Legendäre Afrikajäger von Alvensleben bis Zwilling, die ihn als großen Afrikajäger zu würdigen weiß.

Neben den spektakulären Jagdabenteuern der beiden Pater sind der besondere Verdienst Lussy’s seine Film- und Fotoaufnahmen. Lussy war der Einzige der großen Afrikajäger, der neben seiner jagdlichen Passion auch selbst filmte. Die frühen Safarifilme sind sehenswert und sind auf einer DVD zum Buch mit dabei. Die Filme stehen teilweise im Kontrast zu den heutigen Sehgewohnheiten der schnellen Schnitte und sie sind alle samt Stummfilme. Einige von ihnen sind auch auf Youtube zu sehen, dort allerdings mit einer Musikuntermalung, die das Original nicht kannte.

Ich freue mich, in diesem Buch die Bekanntschaft mit Pater Kunibert Lussy gemacht zu haben. Der war ein engagierter Christ und lebenslustiger Mensch, der das Land und seine Menschen und seine Natur geliebt hat. Auch wenn er „Neger“, „Neger“ nennt. Immerhin hat er die Neger ordentlich bezahlt, ihnen Lesen und Schreiben beigebracht, ihre Wunden verbunden und ihnen das Handwerk gezeigt – alles in allem eine sehr positive Bilanz für den Mann und sein Werk!  

Fotos und kursive Texte von der Webseite http://www.paterkunibertlussy.ch/ zum Pater Kunibert und zum Buch Seelenfischer & Großwildjäger. Die Fotos sind auch im Buch abgedruckt.

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KRAUTJUNKER-Rezensentin Beate A. Fischer:

Beate A. Fischer, geboren 1973, Jägerin seit 6 Jahren, Hundeführerin – verliebt in einem Vizsla sowie Co- und Stiefmutter eines Fox, schießt leidenschaftlich gern Jagdparcour und Flugwild, außerdem hat sich die afrikanische Sonne in ihr Herz gebrannt. Sie lebt im kühlen Nordfriesland auf einem Resthof, arbeitet als Rechtsanwältin und schreibt manchmal auch mal andere schöne Texte. 

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Anmerkungen

Von KRAUTJUNKER gibt es nicht nur eine Facebook-Gruppe, sondern jetzt auch Outdoor-Becher aus Emaille. Kontaktmail für Anfragen siehe Impressum.

Titel: Seelenfischer & Großwildjäger: Jagdabenteuer mit Pater Kunibert Lussy

Herausgeber: Bücher von Matt

Verlagslink: https://www.eichelmaendli.ch/b%C3%BCcher/seelenfischer-und-grosswildj%C3%A4ger/

ISBN: 978-3906997650

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