Albrecht Dürer und der Wal: Wie die Kunst die Welt erschaffen hat

Buchvorstellung

Vom Verlag Klett-Cotta kenne und schätzte ich bisher vor allem seine Geschichtsbücher wie Die Wikinger: Das Zeitalter des Nordens.

Bildquelle: KRAUTJUNKER

In letzter Zeit begeisterte ich mich auch für Titel wie Der englische Gärtner – Leben und Arbeiten im Garten, Geheime Feste – Naturbetrachtungen und Der kultivierte Gärtner: Die Welt, die Kunst und die Geschichte im Garten.

Ein Buch, welches mich unglaublich in seinen Bann gezogen hat war Philip Hoares Leviathan oder Der Wal: Auf der Suche nach dem mythischen Tier der Tiefe.

Bildquelle: KRAUTJUNKER

Lange gab es keine Neuerscheinung des britischen Schriftstellers, Kurators und Filmemachers, von daher reagierte ich beglückt, als ich Albrecht Dürer und der Wal im Sortiment von Klett Cotta entdeckte…

Klett Cotta beschreibt den Titel wie folgt:
»Dürer hat einen künstlerischen Kosmos hinterlassen. Was es heißt, die Wirklichkeit in ihrer Fülle und Tiefe anzuschauen, zu erfassen und zu verstehen, scheint in Dürers Kunstwerken bis heute auf. Hypermodern erschien der berühmteste Künstler Nordeuropas seinen Zeitgenossen; absolut modern ist Albrecht Dürer auch heute noch.
1520 segelte Albrecht Dürer in die Niederlande, um ein sagenumwobenes Ungeheuer, einen Wal, zu sehen. Niemals zuvor hatte jemand so überzeugend die gesamte Natur bildlich erfasst wie Dürer: Grashalme, Hasen, Hunde, Pferde, ein Rhinozeros, Kometen, Teufel, die Apokalypse, die Hände seiner Mutter, melancholische Stimmungen und kühne Selbstporträts. In seinen Kunstwerken verdichtete er Macht und Unheimlichkeit seines Zeitalters. Deshalb wollte Dürer einen Leviathan, der Schiffe und Menschen vernichten kann, unbedingt zeichnen und dessen Macht dadurch überwinden. Philip Hoare lässt Dürers Modernität, seine erstaunlichen Perspektiven, seine verblüffenden Facetten und feinsten Nuancen als „Wunder der Lebendigkeit“ aufleuchten. Seine leidenschaftliche Darstellung dehnt Dürers „Vision des Dunklen, Schönen und Fremden“ bis in unsere Gegenwart aus und lässt das Leseerlebnis zu einem überwältigenden Sinnesrausch werden.«

Philip Hoare betet Dürers Philosophie, präzise Wahrnehmung und Kunstfertigkeit an. Er feiert seine Genialität immer wieder und absolut ausufernd als »Neues im Alten«.

Das Buch beginnt im Jahr 1520 mit Albrecht Dürers sieben Monate dauernder Niederlande-Reise sowie den damit verbundenen Kunstwerken. Der größte deutsche Renaissancekünstler wollte unbedingt einen an die Küste gespülten Wal betrachten, der angeblich 160 Meter maß. Nach einer langwierigen Reise kam er zu spät an. Das Tier war bereits ins Meer zurückgespült worden. Dafür treten jede Menge andere Tiere und Menschen ins Licht, denen Dürer mit unglaublichem Können Unsterblichkeit schenkte, als er von ihnen Kunstwerke erschuf.

Vor dem staunenden Leser wird die Deutung von Dürers Werk durch renommierte Kunsthistoriker und sein Einfluss auf Künstler, wie beispielsweise Thomas Mann samt Familie und Freundeskreis, ausgebreitet.

Den Schluss des Buches bilden Reisebeschreibungen Hoares zu Dürers Wirkungsort Nürnberg und seine eigenen Bezüge zum Künstler. So ist das Buch kein – wie von mir zuerst angenommen – New Nature Writing über Albrecht Dürer und Wale. Ebensowenig ist es ein reines kunsthistorisches Sachbuch, sondern Kunst eines neuen Genres.

Albrecht Dürer und der Wal beinhaltet nicht nur einen großen Anteil autobiographischer Einblicke in das Leben des Autors und seiner Auseinandersetzung mit dem Genie. Der unglaublich gebildete und fantasievolle Hoare projiziert sich sogar in Dürer hinein. Ich dachte mehrfach an Jorge Luis Borges Bonmot, dass „Lesen ist Denken mit fremdem Gehirn“, wobei sich der pulsierende Bewusstseinsstrom des Philip Hoare so anfühlt, wie der eines Hochleistungsdenkers auf Speed. Immer wieder werden mit vor Fantasie sprühenden Metapherngewittern zeitgenössische Bezüge hergestellt. Seinen Assoziationsketten und Gedankensprüngen zu folgen, empfand ich teilweise als recht anstrengend und ermüdend. Es erinnerte mich an das hier eingefügte Foto eines Tafelbildes.

Schafft man es, seine Gedanken an Hoares glühenden Gedankenstrom anzukoppeln und ihm durch sein Gespinst von Geschichten durch das Labyrinth unserer Kulturgeschichte zu folgen, erlebt man die Erschaffung einer vergangenen Epoche aus der Kunst. Die Renaissance wird plastisch und Dürer als empfindsamer Mensch und künstlerisches Genie geradezu lebendig. Die vielen im Buch abgebildeten Zeichnungen und Bilder betrachtet man durch die Lektüre in einem viel helleren Licht. Philip Hoares Albrecht Dürer und der Wal: Wie die Kunst die Welt erschaffen hat ist kein Buch, welches man erschöpft nach Feierabend zur Entspannung lesen kann. Noch viel weniger ist es ein Buch welches man zur Seite legen wird, ohne sich selbst verändert zu haben. Ich werde es mehrfach lesen müssen, um mehr der Gedankengänge des Autors in mir aufnehmen zu können.

*

Philip Hoare

Philip Hoare wurde 1958 in Southampton, England, geboren, wo er auch heute noch lebt. Er ist freier Autor, Kurator und Filmemacher. Für sein Buch Leviathan oder Der Wal erhielt er 2009 den renommierten Samuel Johnson Prize for Non-Fiction.

*

Pressestimmen

Sein Zugang öffnet dem Leser denselben und einen eigenen. Er öffnet ein Tor in das frühe 16. Jahrhundert, lässt uns eintreten in die Wunderkammer Dürers. […] Chapeau. Ein Meister huldigt dem Meister.
― Stefan Rammer, Passauer Neue Presse

Albrecht Dürer und der Wal wird Sie mitreißen wie die Flut.
― John Williams, New York Times

Hoare ist berauscht von Dürers Gestaltung der natürlichen Welt, die lebendiger und wesentlicher zu sein droht als die Wirklichkeit. Diesem harmonischen und beneidenswert konzipierten Buch gelingt dies mit voller Punktzahl.
― Financial Times

Das ist Hoares bisher größtes Werk, ein Buch von schillernder Einsicht und flüssiger Schönheit.
― Die Woche

»Philip Hoare wächst über sich hinaus …, um etwas Verwegenes, Wunderbares und Unvergessliches zu schaffen. Dürer hätte es geliebt. Sie werden es auch lieben.«
― The Spectator

Fantasieanregender war lange kein Buch über die Natur mehr. Philip Hoare hat ein einem Mix aus Reisereportage und Sachbuch eine großartige Kulturgeschichte des Wals geschrieben.
― Die Zeit

Das Buch ist eine Fundgrube für alle, die nicht von Moby-Dick loskommen. […] Philip Hoare wandelt auf den Spuren Albrecht Dürers und vermengt kunsthistorische Betrachtungen mit autobiographischen Exkursen und einem beachtlichen Metapherngestöber.
― FAZ

Die Kulturgeschichte des Wals bettet Hoare in Dürers Leben und Werk ein, das er mit fesselnder Leidenschaft, Ergriffenheit, purem Staunen und einer ganz besonderen persönlichen Note beschreibt. Philip Hoare ist ein großer Meister der Künstlerbiografie.
Joseph Scheppach, mare, Ausgabe 164, Juni/Juli 2024

Hoare [gelingt] eine wilde Mischung aus Kunstgeschichte, Biografie, Naturbeschreibungen und Memoiren, die tief in alle Facetten des Renaissance-Genies eintaucht. Man folgt bisweilen atemlos den leidenschaftlichen Beschreibungen von einem Werk zum nächsten.
― Museums Journal, Juli-September 2023

Ein grossartiges, ein wunderbares Buch, das man in einem Atemzug liest.
― Gerhard Mack, NZZ am Sonntag

Ein außergewöhnlicher Text.
― Anne Aschenbrenner, Buchkultur – das internationale Büchermagazin

***

Anmerkungen

Von KRAUTJUNKER gibt es eine Facebook-Gruppe sowie Porzellantassen. Weitere Informationen hier.

Titel: Albrecht Dürer und der Wal: Wie die Kunst die Welt erschaffen hat

Autor: Philip Hoare

Übersetzung: Susanne Held

Verlag: Klett-Cotta

Verlagslink: https://www.klett-cotta.de/produkt/philip-hoare-albrecht-duerer-und-der-wal-9783608986495-t-5561

ISBN: 978-3-608-98649-5


Entdecke mehr von KRAUTJUNKER

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

Hinterlasse einen Kommentar