Die goldene Karausche

Andal Grunet ist das Pseudonym eines belesenen und passionierten Anglers und Hobbykochs aus Süddeutschland. Er ist stolzer Absolvent der Höheren Baumschule Prof. Ast. Sein richtiger Name und seine Anschrift sind der Redaktion bekannt, werden aber nur an ungewöhnlich attraktive und liebenswürdige Damen herausgegeben, die sich gerne Geschichten vom Fischen anhören. In dieser Erzählung beschreibt er, warum er so gerne angelt.

von Andal Grunert

Wir Angler sind schon ein komisches Völkchen. Warum tun wir uns das überhaupt an?

Morgens, noch zu finsterer und nachtschlafender Zeit rappelt der Wecker, wir quälen uns aus dem Bettchen, die Fliesen im Bad sind eiskalt und zu allem Verdruß ist auch der Kaffee alle und es regnet cats and dogs. Nein pfui, das sind böse Gedanken, nur die Uhrzeit stimmt!

Wir stehen gerne auf, denn es geht zum Fischen und das Wetter verspricht einen herrlichen Frühsommertag. Unser Vehikel haben wir schon am Vorabend beladen, Köder und Futter sind parat und es geht an unseren Lieblingssee, den kleinen, da mitten in der prallen Natur am Waldrand.

Noch zeitig vor der Dämmerung komme ich an diesem paradiesisch stillen Ort an und baue in der gleichen Stille meinen Platz auf. Kescher, Rutenhalter und natürlich den bequemen Angelstuhl. Die Rute mit der leichten Wagglermontage habe ich bereits zu Hause so montiert, so dass ich hier in der Dunkelheit nicht mehr fummeln muss. Alles ist fertig und ganz langsam zieht von Osten der rötliche Schein der Morgendämmerung auf. Vielleicht wird es heute noch etwas Regen geben!?

Jetzt kann ich auch die Kante des Teichrosenfeldes erkennen und werfe vorsichtig etwas von meinem Grundfutter dort hin. Meine Montage, garniert mit einem quirligen Rotwurm aus dem Komposthafen folgt sogleich. Jetzt ist alles getan und die Fische mögen kommen. Ich sitze mit einem tiefen Gefühl des Glückes und der Entspannung da, rauche eine Selbstgedrehte und freue mich einfach, hier sein zu können.

Die Sonne kommt höher und die Tautropfen glitzern, wie Milliarden kleiner Diamanten. Mutter Natur legt ihren Festagsschmuck für mich an. Am gegenüberliegenden Ufer, dort wo der große Sturm im Herbst eine alte Erle gefällt hat, sind auch die Enten erwacht und putzen ihr Gefieder.

In all diesem Erwachen kommt nun auch Leben in meine Pose. Ich lösche meine Zigarette und meine Hand wandert automatisch in Richtung des Rutengriffes. Die Pose hüpft ein wenig auf und ab, sie wandert etwas zur Seite. Wer mag da unten am dunklen Grund den Wurm gefunden haben? Eine der schönen Schleien!? – Nun taucht sie ab und ich hebe die Rute zum Anhieb.

Ja der Haken hat gefasst und es ist auch ein schöner Widerstand zu spüren. Es geht hin und her, aber ich kann den Fisch von den Stängeln der Teichrosen fernhalten. Langsam wird er müde und ich bekomme ihn in Richtung meines Keschers. Noch zwei Meter und er ist mein. Ich hebe ihn aus dem Wasser und es ist eine goldene Karausche von vielleicht zwei Pfund. Wie aus purem Gold getrieben glänzt sie in der Morgensonne. Ich setze sie zurück in ihren kleinen See und ganz ohne Hast schwimmt sie davon, zurück zu den Teichrosen.

Ich bin voll Glück, rundherum zufrieden und für mich ist es keine Frage mehr, warum wir uns das antun!

karauschen gewässer

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Anmerkungen

Von KRAUTJUNKER existiert eine Gruppe bei Facebook.

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Bildnachweise:

Titelbild: © Werbeagentur Bouda-Design http://bouda-design.de/

Angel-Bach: © Andal Grunert

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