Buchvorstellung von Werner Berens
Auf Raubwild jagen heißt das 2026 im Kosmos Verlag erschienene Buch der Autoren Dr. Konstantin Börner und Christian Hembes. Ersterer ist Biologe und promovierte in Wildbiologie über den Rotfuchs und Zweiterer ist Revierjagdmeister und Berufsjäger. Diese Autorenkonstellation lässt fundiertes Wissen erwarten. Das reich bebilderte 160 Seiten starke Buch in wertiger Hardcoverhaptik und -optik ist sauber inhaltlich gegliedert und mit einem Stichwortregister versehen, das dem Leser bei der Suche hilft, wenn er etwas nachschlagen will. Im ersten Teil informiert Dr. Börner ausführlich über Füchse und ihr jahreszeitlich bedingt unterschiedliches Verhalten und weniger ausführlich über Dachse und Waschbären. Dem Fuchs, seinen Lebenszyklen, seinen Fähigkeiten, seinem Verhalten in unterschiedlichen Lebensräumen widmet er in zahlreichen Kapiteln resp. Unterkapiteln den größten Teil seiner Erläuterungen. Beide Autoren sind Jäger und derjenige von beiden, der das beruflich macht, übernimmt ab Seite 84, um über die Varianten der Fuchs- und Raubwildjagd zu informieren als da sind: Ansitz-Pirschjagd, Lockjagd, Baujagd und Fallenjagd.

Leseerlebnis und Inhalt
Da es sich um ein Sachbuch handelt, sind literarische „Höhenflüge“ weder erforderlich noch angebracht. Den Text ordne ich der von mir gelegentlich leicht abwertend gekennzeichneten Kategorie „Ingenieurstexte“ zu und nehme in diesem Fall gleichzeitig alles Abwertende zurück. Er ist so, wie er sein soll in einem Sachbuch, das nicht unterhalten, sondern informieren will. Und das tut es in gut verständlicher und dennoch nicht unterkomplexer Sprache. Kurz: Der Text bzw. die Ausdrucksweise der Autoren ist differenziert genug, um auch komplexere Sachverhalte zutreffend und unverkürzt darzustellen und gleichzeitig überfrachtet er „Ottonormalleser“ nicht mit wissenschaftlichen Wortgirlanden. Beide Autoren greifen gelegentlich auf selbst Erlebtes im Rahmen der Themen zurück und schaffen so Nähe zum jagenden Leser, der sich sich in den Erörterungen wiederfinden kann.
Die Inhalte des Buches decken in ihrer Gesamtheit, Differenziertheit und Fülle an Information wirklich alles ab, was man als Raubwildjäger wissen sollte. Sie werden auch dem geübten und erfahrenen Raubwildjäger durchaus noch das eine oder andere Aha-Erlebnis im Sinne von „interessant-das wusste ich noch“ nicht bescheren-und was wichtiger ist, seine künftige Raubwildjagd im Sinne einer höheren Erfolgsquote beeinflussen. Der erste Teil des Buches beantwortet manche Frage zur „Speisekarte“ von vor allem Füchsen und zu ihrem Einfluss auf verschiedene Beutetiere je nach Revierstruktur und der zweite Teil des Buches vermittelt ausführlich, wie der Raubwildjäger entsprechend der Revierbedingungen darauf antworten sollte/muss. Nichts bleibt unerwähnt. Weder die angemessene Ausrüstung noch die Waffenseite. Und auch das Verhalten des Jägers bei der Jagd steht im Focus.

Quintessenz
Was man wo, wie, womit zu tun hat, um erfolgreich zu sein ist klar und ausführlich genug dargestellt und eine der Stärken des Buches. Eine „Schwäche“ ist der Umstand, dass der Leser auf Raubwild JAGEN lesen will. So heißt schließlich der Titel. Wenn er dann die ersten 70 Seiten über die Biologie und die Lebensweise des Raubwildes informiert wird, aber eigentlich über die Jagd darauf lesen möchte, kann das schon einmal ähnliche Gefühle auslösen wie bei Kunden der Bundesbahn, die auf den Zug warten. Vermutlich werden die meisten Leser am Ende dennoch erkennen, dass ihnen im ersten Teil des Buches wertvolle und wichtige Informationen geliefert wurden. Doch ein anfängliches „Verschnupftsein“ ist nicht auszuschließen. Ach ja, mit dem hier erwähnten „muss“ sind wir bei einem Problem- an dem, was ich ausdrücklich erwähnen möchte, die Autoren vermutlich völlig schuldlos sind, denn aus eigener Erfahrung weiß ich, dass der Verlag Seitenzahl und dergl. in der Regel vorgibt.
Eine letztlich auf Dauer erfolgreiche Raubwildjagd hängt u.a. davon ab, ob der Reviernachbar im seinem Hochwildrevier Raubwild jagt oder ob er sich lieber am Anblick lebenden Raubwildes erfreut. Nach der Lektüre des Buches und manchmal auch nach dem Besuch eines Fallenjagdlehrgang, stellt „Ottonormalnichtberufsjäger“ fest, dass es mittel- und langfristig einfach nicht reicht, zweimal die Woche am Luderplatz anzusitzen. Um eine wirklich erfolgreiche Raubwildjagd zu etablieren bedarf es eines „Konglomerats“ aus fest installierten Betonrohrfallen. Koffer- und Kastenfallen, Ansitzaktivitäten an Luderplätzen und Pirschgängen. Die im Schlusskapitel ausgeführte „Raubwildbejagung im Jahresverlauf“ wird bei manchem Revierinhaber die Frage provozieren, ob er das leisten kann. Es bedarf neben nicht unerheblicher finanzieller Mittel ganzer Heerscharen abwechselnd und gleichzeitig tätiger Mitjäger im Revier, um alles Erforderliche zu installieren, Instand zu halten und zu kontrollieren. Für mich u.a. als „Freizeitraubwildjäger“ wäre es in diesem Zusammenhang interessant, aus kompetenter Quelle möglicherweise wissenschaftlich abgesichert zu erfahren, was denn mindestens zu tun ist, um im Niederwildrevier einen halbwegs brauchbaren Staus quo zu gewährleisten. Das als Schlusskapitel des Buches wäre hilfreicher als eine den Freizeitjäger möglicherweise deprimierende Zusammenschau dessen, was er tun müsste, aber nicht kann… Dennoch halte ich das Buch angesichts seiner Informationsfülle für eine wertvolle Lektüre für alle Jägerinnen und Jäger.
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Dr. Konstantin Börner

Dr. Konstantin Börner verbindet akademische Expertise mit praktischem Waidwerk: Als promovierter Wildbiologe forscht er am Berliner Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW). Seit seinen Jugendtagen ist er leidenschaftlicher Jäger. In der Szene hat er sich längst einen Namen gemacht – sei es durch fundierte Beiträge in großen Jagdmagazinen oder als versierter Fachbuchautor im Kosmos-Verlag.
https://www.jagdverband.de/dr-konstantin-boerner
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Christian Hembes
Christian Hembes ist Revierjagdmeister und als Berufsjäger ein ausgewiesener Praktiker. Bei der Natur- und Umweltschutzvereinigung Dümmer engagiert er sich insbesondere im Wiesenvogelschutz durch gezieltes Prädatorenmanagement. Sein fundiertes Wissen über die Lock- und Fangjagd gibt er regelmäßig in Seminaren und Fachartikeln weiter.
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Werner Berens

Werner Berens ist Fliegenfischer, Jäger, Autor und Genussmensch, der den erwähnten Tätigkeiten soweit als möglich die lustvollen Momente abzugewinnen versucht, ohne aufgrund kulinarisch attraktiver Beute übermäßig in die falsche Richtung zu wachsen. Als Leser und Schreiber ist er ein Freund fein ziselierter Wortarbeit mit Identifikationssmöglichkeit und Feind von Ingenieurstexten, die sich lesen wie Beipackzettel für Kopfschmerztabletten. Altermäßig reitet er dem Sonnenuntergang am Horizont entgegen und schreibt nur noch gelegentlich Beiträge für das Magazin Fliegenfischen.
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Anmerkungen

Von KRAUTJUNKER gibt es eine Facebook-Gruppe sowie Porzellantassen. Weitere Informationen hier. Die Hemingway-Buchstütze findet Ihr hier.
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Titel: Auf Raubwild jagen: Mit Herz und Verstand – Erfolgreiche Raubwildjagd dank wildbiologischem Know-how zur Jagd auf Fuchs, Waschbär und Dachs mit der Waffe und Falle
Autoren: Dr. Konstantin Börner und Christian Hembes
Verlag: Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co. KG
Verlagslink: https://www.kosmos.de/de/auf-raubwild-jagen_1183427_9783440183427
ISBN: 978-3440183427
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