Unterwegs mit dem Saufinder

Neben Ansitz-, Drück- und Bewegungsjagden gibt es noch eine ganz besondere Art, Sauen auf die Schwarte zu rücken. Diese ist aber nichts für jedermann! Aus dem Erfahrungsschatz von Matthias Meyer.

 

von Matthias Meyer

Das Ausgehen von Einzelfährten bei Schnee, das Angehen von Sauen im Einstand oder die Bejagung vor dem stellenden Jagdgebrauchshund, dem Finder, beherrschen nur wenig Jäger. Da es eine Besonderheit ist, soll diese Bejagungsart dennoch vorgestellt werden.

Die Schwarzwildjagd mit dem gut abgeführten Saufinder ist zum einen noch sehr ursprünglich und zum anderen aufgrund der Deckungsstrukturen im Einstand aber eben auch häufig mit ernsten Gefahren für Hund und Jäger verbunden. Gekonnt durchgeführt, kann sie jedoch erfolgreich sein. Am besten eignen sich dafür nur mäßig scharfe Hunde, die aber ausdauernd Laut geben und somit dem Schwarzwild lästig werden. Die so »verratenen« Sauen fürchten keine ernsthafte Gefahr durch den Hund und bleiben im Kessel liegen.

 

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Abb.: Starke Einzelsauen wie dieser uralte Keiler halten Hund und Führer lange aus, bis sie meist doch annehmen.

 

In Revieren, in denen Schwarzwild regelmäßig auf Drückjagden vor Stöberhunden gejagt wird, ist es häufig derart abgebrüht, dass es sich von einem einzelnen Hund meist gar nicht sprengen lässt. Oft halten Sauen sogar den sich nähernden Jäger lange aus, ehe sie den Kessel widerwillig verlassen. Doch Achtung! Vor allem erfahrene Stücke über 50 Kilogramm nehmen mit hoher Wahrscheinlichkeit den angehenden Hundeführer an, wenn der eine Distanz von zehn Metern zum Kessel unterschreitet! Für ihn ist das eine durchaus unangenehme Situation, denn er kann in der Regel nicht flüchten oder auf oder hinter stärkere Bäume ausweichen. Beim Fangschuss besteht aufgrund des dichten Bewuchses immer die erhöhte Gefahr, dass es zu Abprallern oder Querschlägern kommt, die den Hund verletzen können. Das stark begrenzte Sichtfeld lässt zumeist nur einen konzentrierten, instinktiven Fangschuss einen Meter vor den eigenen Kniescheiben zu.

Bevor aber Führer und Hund die Saufährte(n) ausarbeiten, werden bekannte Fluchtwechsel mit nur wenigen, aber unbedingt geübten und vor allem disziplinierten Jägern abgestellt. Dazu gehören natürlich genaue Kenntnisse von Revier, Einstand, Wechseln und Windverhältnissen.

Schwarzwild geht ausnahmslos – wenn es ohne großen Druck angerührt wird – am liebsten gegen den Wind aus dem Einstand. Die Schützen gehören daher mit halbem Wind und mit etwas Abstand zu den bekannten Wechseln abgestellt. Alte Keiler und auch kranke Sauen auf der Nachsuche benutzen beim Verlassen des Einstands meist den ihnen bekannten Einwechsel. Dieser Platz muss daher unbedingt besetzt werden und ist erfahrungsgemäß ein Logenplatz.

Richtig gute, allein jagende Saufinder sind unter den Stöberhunden allerdings »weiße Raben«. Seit 25 Jahren führe ich als Berufsjäger Schweißhunde und stets auch Stöberhunde. In dieser Zeit habe ich etwa 40 Stöberhunde für die Jagd an Schwarzwild geprägt, abgeführt und in der Praxis fest bejagt. Neben überwiegend Deutschen Jagdterriern waren einige Deutsche Wachtelhunde, Bracken und Vorstehhunde unter ihnen. Alle diese Hunde genossen eine ähnliche Ausbildung: bereits beim Züchter Welpenprägung auf Schwarzwild, Schleppen und Fährtenschuharbeit mit Schwarzwildwittrung, Reizangeltraining an der Sauschwarte, hin und wieder Arbeiten mit der Pendelsau und natürlich eine solide Einarbeitung in einem Schwarzwildgatter.

 

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Abb.: Das Angehen und das Schießen im dichten Einstand erfordern besondere Vorsicht und Konzentration.

 

Bei Reviergängen bot sich zudem für so manchen Anwärter die Gelegenheit, Fährtenarbeit oder Sichthetzen an Sauen zu absolvieren. Bereits im Alter von etwa sechs Monaten haben alle Junghunde die Gelegenheit, im Beisein erfahrener Althunde und von mir als Hundeführer im Treiben erste jagdliche Erfahrungen zu sammeln. Dabei lege ich mein Augenmerk auf den Orientierungssinn, die Selbstständigkeit, den Laut und die Sozialverträglichkeit am erlegten Stück im Beisein anderer Hunde.

Über diesen Ausbildungsweg sind sehr viele Stöberhunde hervorgegangen, die am Schwarzwild mit Passion gejagt haben. Einige von ihnen sind leider auch Opfer ihrer Passion geworden. Der Großteil dieser Hunde hatte eines gemeinsam: Sie haben hart an Sauen gejagt und waren dort, wo diese steckten. Sie haben aber nicht mit und für ihren Führer gearbeitet.

 

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Abb: Hat der Hundeführer so dicht auf den scharf stellenden Hund aufgeschlossen, muss er nun mit allem rechnen!

 

Lediglich zwei von ihnen, eine braune Deutsche Wachtel-Hündin und die von mir seit neun Jahren geführte Schwarzwildbracke, erfüllten und erfüllen noch jetzt die Kriterien eines Solojägers am Schwarzwild. Bei beiden Hunden ist schon sehr früh eine ausgesprochene Führerbindung erkennbar gewesen. Rasch ignorierten sie von sich aus Rehwild und konzentrierten sich auf die Suche von im Kessel sitzenden Sauen. Die Bracke stellt bevorzugt einzelne starke Sauen. Diese werden lang anhaltend – bis zu einer Stunde – stoisch mit zwei bis drei Meter Abstand verbellt, sodass man die Sauen leise und auf den Wind achtend bis auf geringste Distanz anpirschen kann. Leider sind Sauen oft nur sehr schwer frühzeitig in dichtem Verhau zu erkennen.

Viele hoch veranlagte Stöberhunde lassen sich für die Arbeit an Schwarzwild zu durchaus verlässlichen Jagdhelfern ausbilden, die wirklich solo jagenden Saufinder aber bleiben die »weißen Raben«.

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Verlagsinformationen zu dem Autor:

Meyer_Matthias

Wildmeister Matthias Meyer, 1966 in Schleswig Holstein geboren, absolvierte mit 16 Jahren die Jägerprüfung. Nach Abitur und Offizierslaufbahn Ausbildung zum Revierjäger. Seit 25 jahren betreut er rund 5.500 Hektar Revierfläche der Fürstlichen Forstverwaltung Oettingen-Spielberg in Bayern und leitet die Schweißhundestation Nord-Ries. Ob am langen Riemen hinter dem Hannoverschen Schweißhund auf Wundfährte, ob als Stöberhundeführer, Berufsjäger oder Wild- und Jagdfotograf – der fast tägliche Umgang mit Schwarzwild gewährt ihm unvergleichliche Einblicke und Betrachtungswinkel zu dieser Wildart. Als langjähriger freier Mitarbeiter von Jagdmagazinen und gefragter Referent zu Themen aus der Jagdpraxis ist er auch im deutschsprachigen Ausland präsent.
http://deutsches-jagd-lexikon.de/index.php?title=Meyer,_Matthias

 

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KRAUTJUNKER

 Anmerkungen

Von KRAUTJUNKER existiert eine Gruppe bei Facebook.

Schwarzwild im Visier

Titel: Schwarzwild im Visier – Ansprechen Bejagen Nachsuchen Versorgen

Autoren: Matthias Meyer und Dirk Waltmann

Verlag: BLV Buchverlag

Verlagslink: https://www.blvverlag.de/dirk-waltmann-matthias-meyer/schwarzwild-im-visier.html

Fotos: © Matthias Meyer/BLV Buchverlag

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Weitere Leseproben aus dem Buch:

https://krautjunker.com/2017/09/09/wo-stecken-welche-sauen-wann/

https://krautjunker.com/2017/10/21/schwarzwild-im-visier-pirschen-die-hohe-schule-der-jagd/

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