Wo stecken welche Sauen wann?

von Matthias Meyer und Dirk Waltmann

Schwarzwild gilt als unstet. Es hat ein ausgeprägtes Raum-Nutzungsverhalten und besiedelt zunehmend neue Lebensräume. Allerdings hat die Wissenschaft durch den Einsatz von Telemetrie-Technik festgestellt, dass ein Großteil der sozial organisierten Sauen recht standorttreu ist.

»Wohnortwechsel« im Jahresverlauf

Im Jahresverlauf haben Schwarzkittel unterschiedliche Lebensweisen. Je nach Witterung, Deckung, Fraßangebot und Störung halten sie sich an verschiedenen Orten mit unterschiedlichen Deckungscharakter auf. Das Wetter hat einen besonderen Einfluss auf das Wechselverhalten von Schwarzwild. An heißen, trockenen Tagen, an denen zudem kaum ein Lüftchen geht, liegen sie in kühlen Einständen. Nahe gelegene Feuchtstellen werden bevorzugt aufgesucht. Ansonsten sind sie wenig aktiv. Steht ein deutlicher Wetterwechsel mit Windänderungen bevor, wechseln Sauen den Einstand. Sie tauchen unter Umständen dort auf, wo man sie länger nicht bestätigt hat.

Folgt auf konstant gutes Wetter eine Regenphase, sind sie nicht selten bereits ein, zwei Tage zuvor frühzeitig aktiv. Bei sehr starkem Wind bleiben Sauen in den windgeschützten Einständen. Hat es um Vollmond eine gleichmäßig geschlossene, aber dünnere Bewölkung und regnet es leicht, ist es das ideale Jagdwetter. Sauen sind dann gerne unterwegs. Der Mond sorgt für ausreichendes, gleichmäßiges Licht (kein Schattenwurf) zum Ansprechen und zur Schussabgabe.

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Mitte bis Ende September beginnt je nach Region die Ernte des Silomaises für die Fütterung oder des Energiemaises für Biogasanlagen. Von nun an zieht sich Schwarzwild nach und nach in die Wälder zurück. Dagegen können Felder mit Körnermais weiterhin Einstand bieten. Anders sieht es aus, wenn in Jahren mit Waldmast bereits im September die ersten Eicheln zu Boden fallen. Dann gibt es kein Halten mehr und Sauen ziehen sich in die Waldeinstände zurück. In Maisfeldern werden sie sich kaum noch stecken. Eicheln gehören neben Bucheckern (fallen in der Regel ab Oktober) zur bevorzugten Nahrung von Schwarzwild. Die Fraßschäden im Mais bleiben zwar jetzt schlagartig aus, dafür kommt es nun zu Wühlschäden im Grünland. Das Schwarzwild ist jetzt unstet, ist kaum zu spüren und nimmt so gut wie keine Kirrungen an. Wenn im Oktober der Herbst deutlich Einzug hält und es damit verbunden kälter wird, kann es vor allem bei zu Unzeiten gefrischten Frischlingsbachen zur ersten Rausche kommen. Folglich stellen sich Keiler zu solchen Rotten. Solange durch die Natur und ebenso die Kirrung attraktiver Fraß im Einstandsgebiet geboten ist, wechseln Sauen nicht anderswohin.

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Schwarzwild_29

Abb.: Störungsfrei gelegene größere (feuchte) Schilfgürtel sind »Wohnstätten«. Sauen schieben sich auf trockenen Erhöhungen ein.

Grundsätzliches zu Einständen in den Wäldern

Diese haben sich seit Jahren verändert. Dass Sauen sich untertags bevorzugt in Fichtendickungen einschieben, trifft nur mehr dort zu, wo es keinen anderen Unterwuchs gilt. In Mischwäldern stecken die Schwarzkittel sehr häufig in dichten Naturverjüngungen (von Laub- und Nadelbäumen) und in aufgeforsteten Eichen-, Buchen- oder auch Erlenjungbeständen. Sofern solche Flächen mit einem nicht wilddichten Zaun umgeben sind, drücken sich Sauen gerne unter dem Zaun durch. In solchen Aufforstungen sind sie ungestört, da über einige Jahre meist kein Mensch dort hinein kommt. Selbst unter großflächigen Wurzeltellern umgestürzter Bäume und in wenigen Quadratmeter großen Brombeerverhauen können Sauen stecken. Sogar in relativ offenen Laubholzbeständen bauen sich Sauen ihren Kessel – was anlässlich von Drück- und Bewegungsjagden für Überraschung sorgen kann.

Innerhalb ihres Streifgebiets ist die Wahl des Einstands von zahlreichen Faktoren abhängig:

  • Ruhe und Sicherheitsgefühl
  • Nähe zu attraktiven Fraßplätzen
  • Nähe zu Feuchtstellen
  • Witterung (Wärme, Trockenheit, Nässe)
  • Windrichtung und –stärke

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KRAUTJUNKER: Kommentar: Dieses Buch-Kapitel habe ich um alle Zeilen, welche nicht allgemeiner Natur sind oder sich auf den September beziehen, gekürzt.

 

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KRAUTJUNKER

 Anmerkungen

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Schwarzwild im Visier

Titel: Schwarzwild im Visier – Ansprechen Bejagen Nachsuchen Versorgen

Autoren: Matthias Meyer und Dirk Waltmann

Verlag: BLV Buchverlag GmbH & Co. KG

Fotos: ©Matthias Meyer/BLV Buchverlag

Verlagslink: https://www.blvverlag.de/dirk-waltmann-matthias-meyer/schwarzwild-im-visier.html

 

 

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