Kann Spuren von Heimat enthalten. Typische Rezepte der Deutschen aus dem östlichen Europa

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Buchvorstellung von Christoph Stumpf

Wer noch in den neunziger Jahren die Abendnachrichten im bayerischen Fernsehen sah, dem wurde der Wetterbericht anhand einer Karte von Deutschland in den Grenzen von 1937 präsentiert. Nun sind mehr als dreißig Jahre vergangen und inzwischen wird auch in Bayern die Oder-Neiße-Linie als östliche Grenze Deutschlands anerkannt. Es gibt zwar immer noch Traditionsvereine, welche Brauchtum und Trachten der Deutschen aus dem Osten pflegen, aber die Zahl von Menschen, die sich in erster Linie als Deutschbalten oder Schlesier begreifen, wird geringer. Was aber weiterhin fortlebt, ist die kulturelle Tradition der Menschen, die seit Jahrhunderten als Deutsche im östlichen Europa lebten und vereinzelt immer noch dort leben. Das „Haus des Deutschen Ostens“, eine Einrichtung des Freistaates Bayern, leistet mit der Herausgabe dieses Kochbuchs hierzu nun einen kulinarischen Beitrag.

Bildquelle: Christoph Stumpf

Dabei spiegelt dieses Werk nicht nur die Vielfalt in den Küchen der deutschen Volksgruppen des Ostens wider, sondern auch ihre historischen und kulturellen Rahmenbedingungen: die Rezepte beginnen im Norden bei den Traditionen der Deutschbalten und reichen bis hin zu den Donauschwaben und Siebenbürgen-Deutschen über neun verschiedene Volksgruppen.

Bildquelle: Christoph Stumpf

Alle Rezepte stützen sich auf gut verfügbare Zutaten. Die deutschbaltischen und ostpreußischen Rezepte umfassen „ausdrückliche“ Wildgerichte wie (baltischen) Wildscheinbraten und einen (überaus aromatischen) Masurischen Wildpfeffer, doch auch „konventionellen“ Rezepte wie der Fleischstrudel der Bukowina oder der böhmisch-mährische Lendenbraten erlauben den Einsatz von Wildbret.

Bildquelle: Christoph Stumpf

Es finden sich daneben Fischrezepte – wie baltische Piroggen mit Lachs, Zander auf ostpreußische Art oder donauschwäbisches „Fischpaprikasch Apatiner Art“ –, ein Meer von Suppen – wie einen pommerschen Wrukentopf, eine karpatendeutsche Krautsuppe oder eine galizische Bohnensuppe –, sowie eine Legion von Süßspeisen – beispielsweise eine russlanddeutsche Teecreme mit Rumrosinen, Teigtaschen mit Weichseln aus der Bukowina oder einen donauschwäbischen Kirschstrudel.

Abb.: Teecreme mit Rumrosinen (Russlanddeutsch); Bildquelle: Christoph Stumpf

Die Rezepte sind praxisnah beschrieben. Dem Auge wird durch eine liebevolle Bildauswahl geschmeichelt: Hier wechseln sich Landschaftsimpressionen mit einzelnen Speisebildern ab (freilich sind weitaus nicht alle Rezepte bebildert).

Bildquelle: Christoph Stumpf

Die Gerichte haben zu großen Teilen eine leichte Tendenz ins Deftige – Freunde des Schweinebauchs finden hier zahlreiche Einsatzmöglichkeiten.

Abb.: Evangelisch Henkel (Siebenbürgen); Bildquelle: Christoph Stumpf

Doch erschlägt einen die Rezeptauswahl durchaus nicht mit Kohlehydraten, sondern beeindruckt mit Aromenvielfalt und feinsinnigen Zutatenkombinationen. Dem Werk ist eine experimentierfreudige und historisch interessierte Leserschaft zu wünschen.

Bildquelle: Christoph Stumpf

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KRAUTJUNKER-Rezensent Christoph Stumpf

Prof. Dr. Dr. Christoph Stumpf ist Jurist und Theologe. Ursprünglich aus Franken stammend, ist er inzwischen mit seiner Familie, Hunden und Pferden nördlich der Elbe ansässig geworden. Beruflich ist er als Anwalt tätig, in seiner Freizeit befasst er sich mit Kirche, Küche und Kindern.


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Anmerkungen

Von KRAUTJUNKER gibt es eine Facebook-Gruppe und Outdoor-Becher aus Emaille. Kontaktmail für Anfragen siehe Impressum.

Titel: Kann Spuren von Heimat enthalten. Typische Rezepte der Deutschen aus dem östlichen Europa

Autoren: Andreas Otto Weber, Patricia Erkenberg, Brigitte Steinert

Verlag: Volk Verlag 

Verlagslink: https://volkverlag.de/shop/kann-spuren-von-heimat-enthalten/

ISBN: 978-3-86222-217-9

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