Unsere Hunde

von Jürgen Schnee

Sie sind seltsame, besondere Geschöpfe. Warum wollen sie bei uns sein? Sie vertrauen uns, weissgott warum. Opportunismus? Sonst nix? Das kann man glauben, wenn man das mag. Ich glaube, sie wollen einfach nur mit uns befreundet sein. Wir Menschen haben ja eine sehr überhebliche Einstellung zum Rest der Schöpfung. Schöpfung, auch so ein sonderbarer Begriff. Wir haben Ehrfurcht vor einem Schöpfer. Unser Geist ist so klein, dass wir es nicht ertragen können, einfach nur zufällig da zu sein. Nur ein Produkt von evolutionär bedingten Zufälligkeiten zu sein. Wir stehen immer noch wie frierende Kinder auf diesem Globus, und winseln nach einem höheren Wesen, das auf uns acht geben soll. Wir haben das Pech, ein ganz klein wenig schlauer zu sein als die anderen Tiere. Haben einen kleinen Schuss mehr Geist abbekommen. Letztlich ist das wohl eher ein Fluch denn ein Glück. Aber das hat uns zu allerlei bemerkenswerten Fähigkeiten verholfen. Wir haben Hände bekommen, mit einem Daumen! Wir können Futterdosen verschließen und auch wieder öffnen. Unsere Hunde beeindrucken wir damit maßlos. Aber evolutionär betrachtet sind das eigentlich „Peanuts“. Wir bilden uns ein, wir dürfen uns über alle anderen Kreaturen erheben. Was für eine Überheblichkeit! Wenn es denn einen Schöpfer gäbe, und zu unserem Glück gibt es ihn ja eher nicht, er würde das nicht mögen.

Foto: Photo by Giollianosulit Sulit on Unsplash

Wie sind sie gestrickt, unsere Hunde? Genetisch betrachtet teilen wir mit ihnen 95 Prozent unseres Erbgutes. Der Unterschied zu unserem Konstrukt liegt in Detail. Kleinigkeiten. Sprechen? Nein, das können sie nicht. Sich uns mitteilen? Das können sie sehr wohl! Besser als wir das ihnen gegenüber können. Sie achten auf uns. Wollen uns lesen. Sie legen den Kopf schief, und denken: „Was meint er jetzt wohl gerade?“ Sie sind unglaublich! Sie sind schnell! Können laufen, schnell wie der Wind! Sie haben eine Nase, mit der können sie auch nach zwei Tagen noch riechen, wer von A nach B gelaufen ist. Sie wissen noch nach Jahren, wo sie gerade sind. Genau, da war doch hinter dem Holzstapel mal eine Katze, ob die wohl noch da ist?
Wenn sie nach einer ausgiebigen Mahlzeit satt sind, dann rülpsen sie. Und danach, na ja, sie können phantastisch furzen.
Sie können sich freuen, das einem das Herz überläuft, und sie können todtraurig werden, wenn wir sie verlassen, und sei es auch nur für kurze Zeit. Aber das können sie lernen, sie halten das aus, aber lieber sind sie bei uns. Dann ist alles gut. Gefühle? Die haben sie im Übermaß! Trauer und Glücklich sein, dass zeigen sie unmissverständlich! Und wenn sich dann der Tag dem Abend neigt, alles erlebt was an einem Tag so zu erleben ist, Futternapf leer, Bauch voll, dann haben sie wie wir „Feierabend“. Jo, gehorsam, das sind sie doch den ganzen Tag. Mal mehr, mal weniger, aber nu ist Feierabend. Frauchen gönnt sich ein Zigarettchen, Hund schnarcht im Körbchen. Und dann sind sie ganz entspannt. Sie lassen im Traum noch einmal den Tag revue-passieren. Die Läufe zucken, ein leises Wuffwuff ist zu vernehmen. Sie sind auf der Jagd, im Traum. Wir können uns glücklich schätzen, dass sie bei uns sein wollen. Keine andere Species vertraut uns derartig bis ins Mark. Und nur weil wir sie füttern? Ich glaube das nicht. Sie sind ein Glück für uns! Und wenn sie aufgrund ihres genetischen Konstrukts früher sterben als wir, dann ist das für uns eine Katastrophe, sollte es jedenfalls sein!

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Jürgen Schnee

Gewachsen auf den Ruinen des zweiten Weltkrieges, sozialisiert in einer Handwerkerfamilie. Der Vater Maurer, die Mutter Hausfrau. Das Handwerk eines Elektromechanikers erlernt, Studium der Elektrotechnik. Für die Deutsche Lufthansa die Muster B 727, DC 8 und die B 747 als Flugingenieur bedient. Die Welt gesehen. Letztlich wieder an der friesischen Küste gelandet. Jäger, Angler, Hobbykoch. Norwegen affin. 

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Anmerkungen

Von KRAUTJUNKER gibt es eine Facebook-Gruppe sowie Outdoor-Becher aus Emaille. Die Kontaktmail für Anfragen befindet sich im Weblog-Impressum.

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