Es wird mit Recht ein guter Braten

von Wilhelm Busch Es wird mit Recht ein guter BratenGerechnet zu den guten Taten;Und daß man ihn gehörig mache,Ist weibliche Charaktersache. Ein braves Mädchen braucht dazuMal erstens reine Seelenruh,Daß bei Verwendung der GewürzeSie sich nicht hastig überstürze.Dann, zweitens, braucht sie Sinnigkeit,Ja, sozusagen Innigkeit,Damit sie alles appetitlich,Bald so, bald so und recht gemütlichBegießen, drehn und wenden…

Ihr Duft liegt in der Luft

von Wiglaf Droste Sie sitzt im Bett und raucht Zigarre,ich daneben, und ich starreschwer begeistert und verliebt:Dass es solche Frauen gibt! Frauen? Nein! Was soll der Plural?Der macht nur die Schönheit schal.Diese Frau, ganz Singular,ist mir einzig und ganz wahr. Sie, die in der Arbeit schuftet,sitzt ruich da und alles duftethier im Bett so schön…

Gedichtwettbewerb zum Lobpreis der Wildwurst

Würste sind etwas Wunderbares. Rund und knuffig, sinnlich und duftig stellen gute Würste eine der größten Verlockungen dar. Wiglaf Droste schrieb über sie, in seinem Buch Wurst, welches er mit Vincent Klink und Nikolaus Heidelbach veröffentlichte, »Prall und reizend liegt die Wurst vor uns. Mannigfaltig und prächtig sind ihre Formen: Als grober archaischer Prügel kommt…

Aus dem Liebesleben der Tiere – Heute: Das Rhinozeros

von Christian Maintz I Der Nashornbulle WaldemarBenimmt sich ziemlich sonderbar: Er schnauft und brüllt und rammt voll ZornSein ellenlanges Nasenhorn In jeden Baum, der ihm begegnet,Worauf es Kokosnüsse regnet. Warum er tobt? Warum er klagt?Er hat heut Nacht im Bett versagt. Zwar sprach das Nashornweibchen mild: „Mein Lieber, das ist halb so wild, Das kann…

November

von Heinrich Seidel (* 1842; † 1906)   Solchen Monat muss man loben: Keiner kann wie dieser toben, Keiner so verdrießlich sein Und so ohne Sonnenschein! Keiner so in Wolken maulen, Keiner so mit Sturmwind graulen! Und wie nass er alles macht! Ja, es ist ’ne wahre Pracht. Seht das schöne Schlackerwetter! Und die armen welken…

Seefischküche

von Hans Leip (* 1893; † 1983) Da schwang ein brauner Brutzelduft, und mir befahl mein Magen, mich aus der Straßen Hungerluft in das Lokal zu wagen. Da sah ich auf dem Marmortisch Butt, Knurrhahn, Stör und Quappen, Steinbeißer, Goldbarsch, Katzenfisch still durcheinander schwappen. Das roch nach See, das roch nach Salz, nach silbergrauen Weiten….

Die Rebhuhnjagd

von Christian Maintz Ich ging im Walde So kreuz und quer; Ein Rebhuhn zu jagen, Das war mein Begehr. Ich fand ein Rebhuhn Im dunklen Tann Und legte eilig Die Flinte an. Ich wollte schießen, Da sprach es leis: „Du lieber Jäger, Komm, lass den Scheiß!“ Es bat so innig, Da gab ich auf; Ich…

Aus dem Liebesleben der Tiere – Heute: Das Wildschwein

von Christian Maintz Im Schwarzwald haust, bei Badenweiler, Ein kapitaler alter Keiler. Er streift allein durch Feld und Forst, Sein Name aber lautet: Horst. Der Keiler Horst hat zwei Int’ressen: Am Tage schlafen, nächtens fressen. Doch naht im Herbst die Brunft des Schweins, Dann will der Keiler nur noch eins: Ihr ahnt es schon? Na…