Ihr Duft liegt in der Luft

am

von Wiglaf Droste

Sie sitzt im Bett und raucht Zigarre,
ich daneben, und ich starre
schwer begeistert und verliebt:
Dass es solche Frauen gibt!

Frauen? Nein! Was soll der Plural?
Der macht nur die Schönheit schal.
Diese Frau, ganz Singular,
ist mir einzig und ganz wahr.

Sie, die in der Arbeit schuftet,
sitzt ruich da und alles duftet
hier im Bett so schön kubanisch,
aus der Küche okzitanisch.

Denn ich stand schon früh am Herd,
als sie schlief, ich glaub ich werd
an dem Glück noch schier verrückt.
Ach, egal, ich bin entzückt.

Raucht sie doch niemals aus Müssen.
Nur aus Lust, ich will sie küssen!
Den Geruch nach feiner Zeder
atme ich und nicht ein jeder.

Lächelnd raucht die Sphinx, und dieser
Blick gleicht dem der Mona Lisa.
Rätselhaft und unergründlich
und der Ausdruck wechselt stündlich.

Selten ahn ich, was sie denkt.
Ich weiß nur, dass sie mich lenkt.
Sie pafft eine Wolke sieben
und dann heißt es: Lieben! Lieben!

So beginnen, ohne Frage,
alle allerschönsten Tage.
Und ich freue mich und harre,
bis es heißt: Sie raucht Zigarre.

*

PRESSESTIMMEN

Nikolai Wojtko, tartuffel.de
Hier […] dichtet jemand vom Tode gezeichnet gegen die Melancholie des Lebens an, denn das Leben und besonders die Kunst sollten die Schönheit und die Liebe feiern. […] Durch seine Texte zeigt uns Droste die Schönheit des Lebens, das durch Heiterkeit an Glanz gewinnt. […] Und auf einmal merken wir, warum Droste so zuversichtlich lächelt: er lebt durch seine Texte in uns weiter. Da kann Gevatter Tod nichts ausrichten.

Ulf Heise, mdr Kultur
Tief beeindruckend sind auch die Reisegedichte, in denen er über Aufenthalte in Frankreich, Portugal und Italien reflektiert. Imponierend ist außerdem eine Hymne auf Leipzig – die Stadt, in der Droste bis kurz vor seinem Tod lebte. Dieses Bündel an Versen besitzt Zukunftspotenzial. Das kann man auch in 50 Jahren noch zur Hand nehmen. (…) Droste beherrschte die Kunst der Heiterkeit, ohne dabei Toleranz zu verleugnen. Das adelt ihn.

Verlagsvorstellung des Autors

Wiglaf Doste

Wiglaf Droste, 1961 in Herford (Westfalen geboren), war Schriftsteller, Sänger und Vorleser. Er schrieb für den Funk und diverse Zeitungen und gab mit Vincent Klink die literarisch-kulinarische Kampfschrift „Häuptling eigener Herd“ heraus. Er hat zahlreiche Bücher und Hörbücher veröffentlicht. Ben-Witter-Preis 2003, Annette-von-Droste-Hülshoff-Preis 2005, im Frühjahr/Sommer 2009 Stadtschreiber im Schloss Rheinsberg. Am 15. Mai 2019 in Pottenstein (Oberfranken) gestorben.

*

KRAUTJUNKER-Kommentar: Von Wiglaf Droste gibt es einige Schätze auf diesem Blog. Gedichte, Texte übers Pilzesuchen und wie man seine gesamte Familie mit Pilzen vergiftet…

***

Anmerkungen

Von KRAUTJUNKER gibt es nicht nur eine lebhafte Facebook-Gruppe, sondern jetzt auch Outdoor-Becher aus Emaille. Kontaktmail für Anfragen siehe Impressum.

Titel: Tisch und Bett

Autor: Wiglaf Droste

Verlag: Verlag Antje Kunstmann GmbH

Verlagslink: https://www.kunstmann.de/buch/wiglaf_droste-tisch_und_bett-9783956143564/t-0/

ISBN: 978-3956143564

Titelbild: Photo by Christopher Alvarenga on Unsplash

Ein Kommentar Gib deinen ab

  1. Sybille Lengauer sagt:

    Wiglaf Droste hat wirklich grandiose Gedichte geschrieben. Von Maden und Mädchen, oder Die rauchende Frau. Von ihm vorgelesen noch besser.

    Gefällt 1 Person

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