Monsieur, der Hummer und ich

Stevan Paul arbeitete als Koch in mehreren führenden deutschen Restaurants, bevor er begann seine Leidenschaft für die Kulinarik als Foodstylist, Journalist und Autor auszuleben. Er schreibt für das Gourmet-Magazin Effilee, veröffentlichte mittlerweile mehrere Kochbücher, zwei Erzählbände und einen Roman. „Schreiben und Kochen, das ist doch superähnlich“, so Stevan Paul, denn „Buchstaben und Wörter, das sind die Zutaten, der Koch bedient sich ihrer und kombiniert sie, es kommt etwas Neues auf die Welt, mit der Hoffnung verbunden, dass es schmeckt.“ Die von ihm betriebene Website nutriculinary.com ist einer der erfolgreichsten deutschen Foodblogs, weil sich dort in seltener Kombination Fachwissen mit gutem Schreibstil verbindet. Wer sich fürs Kochen und Lesen interessiert und vielleicht sogar Dennis Schecks Sendung Druckfrisch im ARD gesehen hat, ist sicherlich schon auf seinen neuen Roman Der große Glander gestoßen. Der Literaturkritiker schreibt in der aktuellen Ausgabe von DER FEINSCHMECKER, „Stevan Paul erklärt mit schlagender Überzeugungskraft, wieso Kochen und Kunst zwei Schulen der Achtsamkeit sind und Möglichkeiten menschlicher Entwicklung eröffnen, die uns ohne sie verschlossen blieben.“

Der bereits 2009 erschienene Erzählband Monsieur, der Hummer und ich ist eine Sammlung biographisch inspirierter Erlebnisse, die überwiegend in der Welt der Sternegastronomie der 1980er und 1990er Jahre spielen*. Jede dieser humorvollen Kurzgeschichten dreht sich ums Essen und Trinken sowie den unfallträchtigen Weg dorthin. Theater und Flugzeugträger haben nämlich etwas mit Restaurants gemeinsam: Das, was der nicht zur Crew gehörende Zuschauer betrachten kann, ist höchstens die Hälfte dessen, was in der Konstruktion wirklich passiert. Hinter der Bühne und unter dem Flugdeck passieren die eigentlichen Dramen. Die Kommandierenden donnern Befehle, das Personal springt und ohne Zuschauer und meist auch ohne viel Anerkennung wird dort gearbeitet, gelitten oder triumphiert.

Der Autor ließ sich beim Schreiben anscheinend von der Zubereitung der Demi Glace, der französischen Grundsauce inspirieren. In ihrer kurzen Form gleichen die 15 Texte daher einem stark eingekochten Extrakt, in dem alles Überflüssige verdampfte, um die Aromen zu konzentrieren. Am Ende jeder Kurzgeschichte findet der Leser, dem schon nach wenigen Seiten das Wasser im Mund zusammenläuft, ein zu der jeweiligen Handlung passendes Rezept, bei dem er von der Theorie zur Praxis übergehen kann. Köstlich, in ihrer schwelgerischen Sinnlichkeit absolut animierend, aber eben auch sehr komprimiert. Von seiner Art her ist das Buch eben kein Roman, den man wie ein großes Menü verzehren sollte. Ich empfehle eher, sich jeden Tag ein Häppchen Seelenfutter zu gönnen. Jedoch besser nicht vor dem Schlafengehen, ansonsten liegt man mit knurrendem Magen in den Federn oder wird dann doch schwach und tapst in die Küche, um den beim Lesen entflammten Appetit zu stillen.

Beide Bücher sind in dem kleinen, aber feinen Hamburger mairisch Verlag veröffentlicht worden. Ich empfehle generell ein Blick ins Verlagsprogramm, nicht nur weil dort die Tourneedaten von Stevan Pauls Lesereise zu finden sind.

* Eine der Ausnahmen ist die Leseprobe Der Tanz der Schlachter (Link in den Anmerkungen). Sie spielt in der eher mir vertrauten Welt alkoholisierter Grill-Partys.

Anmerkungen

Von KRAUTJUNKER existiert eine Gruppe bei Facebook

monsieur-der-hummer-und-ich

Titel: Monsieur, der Hummer und ich

Autor: Stevan Paul

Verlag: mairisch Verlag

ISBN: 978-3-938539-12-5

Verlagslink: https://www.mairisch.de/programm/stevan-paul-monsieur-der-hummer-und-ich/

Die  Leseprobe Der Tanz der Schlachterhttps://wordpress.com/post/krautjunker.com/662

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Stevan Pauls Blog:http://nutriculinary.com/ 

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der-grosse-glander

Titel: Der grosse Glander

Autor: Stevan Paul

Verlag: mairisch Verlag

ISBN: 978-3-938539-40-8

Verlagslink: https://www.mairisch.de/programm/stevan-paul-der-gro%C3%9Fe-glander/

 

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