Bärlauch Pesto & Philosophie

Spätestens wenn der köstliche Bärlauch sprießt, ist der Winter vorbei und der Frühling am Zug. Der Legende nach handelt es sich bei der mehrjährigen Zwiebelpflanze um die erste Stärkung der Bären, nachdem sie ihren Winterschlaf beendet haben. Ideal also für nicht minder derb gebaute und haarige Westfalen, wie mich. Insbesondere nach einer Birkenwasserkur (siehe unten in Anmerkungen) gilt der blutreinigende und cholesterinsenkende Bärlauch als ideales Lebensmittel bei der Frühjahrsreinigung des Körpers. Sein hoher Vitamin-C-Gehalt vertreibt die Frühjahrsmüdigkeit und verleiht uns Schwung.

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Allerdings, so muss ich an dieser Stelle gestehen, ist mir das Thema Gesundheit beim Essen größtenteils schnurz, solange es lecker schmeckt und ich nicht anschließend ins Krankenhaus muss. Ich genieße ja auch gerne Rum und wenn man ehrlich ist, handelt es sich bei dieser Delikatesse um ein sehr teures Nervengift mit Suchtpotential. Aber ohne Zweifel ist Rum lecker und macht glücklich, weswegen ich ihn nicht von meiner Speisekarte streichen werde.

Zurück zum Bärlauch. Mit diesem Kraut verbindet mich noch eine ganz persönliche Geschichte. Mein akademischen Weihen erwarb ich mir en passant als Bummelstudent im schönen Leipzig. Meines Wissens die einzige Stadt Europas, deren Kern von einem feuchten Auenwald umringt ist. Gerade im Frühling wuchert dort der Bärlauch und aufgrund der idealen Bedingungen im feuchten Auwald duftet er ungemein intensiv und streng.

Als es sich nun vor zwanzig Jahren in einer lauen Aprilnacht begab, dass ich volltrunken und mit Lippenstift am Kragen von der Cocktailparty einer Studentenverbindung nach Hause schwankte, erschienen mir die Bärlauchschwaden wie der bedrohliche Geruch aus einem Raubtierkäfig. Tatsächlich war vor hundert Jahren ein Löwe aus dem Zoo ausgebrochen, was verständlicherweise für große Aufregung in der Bevölkerung gesorgt hatte und den Bürgern immer noch Gesprächsstoff bietet. Was, so kombinierte mein berauschtes Hirn, wenn ich nun nicht Bärlauch röche, sondern mich justament ein entflohener Löwe durch den Auenwald verfolgte? Ein beängstigendes Szenario für einen Betrunkenen nachts im Wald.

Immer wieder blickte ich mich ängstlich um und wäre nicht überrascht gewesen, einen schleichenden Löwen hinter mir zu erblicken.  Hatte ich nicht irgendwo gelesen, wie ein unbewaffneter Mann den Kampf gegen eine so mächtige Raubkatze gewinnen könne, deren Gewicht bis zu 270 kg beträgt? Wie ging das noch einmal? Die geballte Faust in den Rachen der Bestie stecken, um ihr die Luft zu nehmen?

Ich schloss die Augen um im Geiste gelesene Bücher durchzublättern, doch bevor mir die entsprechende Kampftechnik einfiel, kollidierte ich mit einer Laterne, dass mir der Schädel wie von einem Hammerschlag dröhnte!

In dieser Nacht löste der überraschende Schmerz, neben einem spektakulären blauen Auge, eine große philosophische Erkenntnis aus: Zerbrich Dir nicht den Kopf über unwahrscheinliche Katastrophen, sondern mache einfach die Augen auf und schau voraus.

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von Melissa Kliegel

Bärlauch Pesto

Verhältnis 2:1:1

zum Beispiel
250 g Bärlauch
125 g Pinienkerne
125 g Pecorino
Öl, Salz, Pfeffer

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Was tun, wenn man eine kleine Holzkiste voll schönster, frischer Bärlauchblätter geschenkt bekommt? Als Großmeisterin der Prokrastination wartet man erstmal ab…und schaut den Blättern beim Welken zu.

Nach einem Tag ist allerdings Eile geboten. Her mit einer großen Schale mit Eiswasser und rein mit dem Grünzeug. Das hilft, sieht super aus und macht Lust auf die Verarbeitung.

In vielen Rezepten, die ich mir durchgelesen habe, stand, man solle den Bärlauch „mit einem Wiegemesser ganz fein schneiden“ bzw. später „mit dem Mixstab“ nachhelfen.

Wir haben kein Wiegemesser, und unsere letzten Pestoversuche mit dem Mixstab endeten damit, dass sie nur noch so schmeckten, als würde man in einen Haufen Gras beißen. Ich habe danach irgendwo aufgeschnappt, dass das dann passieren würde, wenn die Blätter (Basilikum, Kerbel, Knoblauchrauke…was auch immer) zu klein gehäckselt worden wären.

Im Umkehrschluss heißt das: mach es einfach etwas gröber. Das kommt mir sehr entgegen, denn ich schätze es sehr, wenn ich die einzelnen Bestandteile meines Essens noch erkennen kann.

Ein großes, schönes und wunderbar scharfes Messer war also schnell zur Hand.

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Die Zubereitung ist so einfach, wie schnell beschrieben:

Bärlauch gründlich waschen, und so fein hacken, wie man es gern mag. Pinienkerne nicht waschen aber ebenso klein hacken. Den Pecorino oder Grana Padano (was man lieber mag oder grad zur Hand hat) fein hacken oder reiben.

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Alles zusammen in eine Schüssel geben und vermischen. So viel Öl dazugeben, dass das Gemisch schön schlotzig wird. Ein gutes Olivenöl ist natürlich der Klassiker. Da ich an einem Sonntag meinte, ich müsste unbedingt Pesto machen und nicht genug Olivenöl im Haus hatte, habe ich mit Pistazienöl substituiert. Das war dem Geschmack durchaus nicht abträglich!

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Salz und Pfeffer nach Belieben. Fertig!

In Gläser füllen und mit Öl aufgießen. Im Kühlschrank ist das Pesto bis zu acht Wochen haltbar. Aber warum warten? Besser man isst es gleich zu Nudeln oder frischen Tomaten…oder verschenkt ein paar Gläschen an Menschen, die einem am Herzen liegen, denn: Liebe ist Essen machen!

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KRAUTJUNKER-Kommentar: Eigentlich selbstverständlich, aber der Vollständigkeit halber erwähne ich es trotzdem. Die Gläser müssen natürlich, wie beim Einmachen, sterilisiert und luftdicht verschlossen werden.

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Anmerkungen

Von KRAUTJUNKER existiert eine Gruppe bei Facebook.

Fotos: © Melissa Kliegel / Slot Halemesje

Birkenwasser: https://krautjunker.com/2017/03/23/birkenwasser/

Verschiedene weitere Bärlauch-Rezepte gibt es auf dem meinem Partner-Blog Haut Gôuthttp://www.haut-gout.de/wordpress/2017/03/11/endlich-wieder-baerlauch/

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