Birkenwasser

Die schlanken Birken, mit ihren hellen Stämmen, waren die ersten Bäume, die in der europäischen Tundra wuchsen, als sich die großen Gletscher zurückzogen. Das frühe, leuchtende Grün des frischen Laubes, verkündet den Übergang vom Winter zum Frühling und somit das Ende der vegetationsarmen Zeit. Bei den Germanen galt die Birke als eine magische Pflanze der Göttin Ostera, welche den Frühling, das wiedererwachende Leben und die Liebe symbolisiert. Man war der Ansicht, die Birke würde Krankheiten anziehen und neutralisieren sowie Ungeziefer vertreiben. Aus diesem Grund wurden in Krankenzimmern Lebensruten aus Birkenreisig aufgestellt. Mit Besen aus Birkenreisig wurden sakrale Orte ausgefegt und in Süddeutschland war man der Ansicht, dass wer am Aschermittwoch mit Birkenzweigen Hiebe erhält, das ganze Jahr nicht mehr unter Flöhen leiden muss. Einerseits sprach man Birkenzweigen eine hexenabwehrende Wirkung zu, andererseits flogen Hexen auch auf Birkenbesen.
Meine persönliche Erfahrung mit Birken ist, dass ich mit vielleicht zwölf Jahren Birkenrinde in einer selbstgebastelten groben Maiskolbenpfeife geraucht habe. Das hat ziemlich widerlich geschmeckt, war sicher sehr ungesund und galt daher unter uns Jungs als ungemein männlich und erwachsen. 

Sogar laut der konservativ-seriösen FAZ ist Birkenwasser das neue Trendgetränk (Link siehe unten in den Anmerkungen).
 

von Linda Louis

Birkenwasser in der Heilkunde

Im Winter versorgen wir unseren Körper meist mit reichhaltiger Nahrung – damit haben sich aber auch allerlei Giftstoffe angesammelt. Eine entschlackende Frühjahrskur ist dann besonders wohltuend.

Vielerorts weiß man um die reinigenden Eigenschaften von Bärlauch oder Löwenzahn; die Birke wird dabei leider häufig vergessen. Bei den Völkern des Hohen Nordens und in Zentralasien gilt der Baum dagegen als Symbol der Reinheit und sogar als Hilfe gegen dunkle Mächte. Dieser Volksglaube wird durch die Heilwirkungen des Birkenwassers bestätigt.

Birkenwasser sammelt sich in den Wurzeln, steigt im Frühjahr im Holz des Stammes nach oben zu den Ästen, um hier den Knospen als Nahrung zu dienen. Wie bei der Ernte von Ahornsaft bohrt man dann bei der Birke ein Loch in den Stamm und steckt einen Gummischlauch hinein. Hier kann der Saft in ein Sammelgefäß abfließen (Anleitung siehe Seite 164). Zuvor sollte man sich jedoch die Erlaubnis des Baumbesitzers einholen. Birkenwasser ist durchsichtig, geruchsneutral und je nach Baum geschmacklos bis leicht süßlich. Die Saftmenge hängt vom Boden, von der Höhe des Bohrlochs und der Erntezeit ab. Birkenwasser ist reich an Glukose, Fruktose, Selen, Kalzium, Magnesium, Kalium und weiteren wichtigen Nährstoffen.

Wirkung auf die Gesundheit

Die gesundheitsfördernden Eigenschaften dieses „Lebenswassers“ sind vielfältig. Oral eingenommen wirken sich Birkenwasser und der Tee aus den Blättern positiv auf unser Magen-Darm-System, Harnwege und Nieren aus. Eine Frühjahrskur mit Birkenwasser fördert die Ausscheidung von Giftstoffen, die unsere Verdauung stören oder eine Blasenentzündung bewirken können, den Cholesterinspiegel erhöhen oder zur Bildung von Geschwüren oder Cellulitis führen können.

Zu Beginn einer Birkenwasserkur erscheinen manchmal kleine Pickel auf der Haut oder die Kopfhaut wird etwas fettig – das sind zumeist Zeichen für eine erfolgreiche Reinigung. Äußerlich trägt man Birkenwasser mit einem Wattebausch im Gesicht und auf dem Körper auf. Es wirkt hautreinigend und wird traditionell bei Pickeln, Ekzemen, Hautflecken, Cellulitis und Ausschlägen angewendet. Es pflegt die Kopfhaut und verleiht dem Haar einen schönen Glanz, wenn man es damit ausspült. Wer an Ödemen infolge von Herz- oder Niereninsuffizienz leidet, sollte allerdings keine Präparate mit Birke einnehmen, dasselbe gilt natürlich für Allergiker. Birkenwasser ist normalerweise auch für schwangere Frauen, stillende Mütter und Kinder gut verträglich, dennoch sollte in diesen Fällen vorher der Arzt befragt werden. Abgesehen von diesen Ausnahmen sind Birkenpräparate völlig unbedenklich und haben keinerlei Nebenwirkungen.

Bei einer Kur mit Birkenwasser trinkt man morgens auf nüchternen Magen ein kleines Glas Birkenwasser und zwei weitere Gläschen im Lauf des Tages. Wirksame Mengen liegen zwischen 100 ml und 250 ml täglich. Für einen optimalen Effekt sollte eine Birkenwasserkur mindestens zwei bis drei Wochen dauern.

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Schadet das Abzapfen dem Baum?

Normalerweise sammelt man Blätter, Blüten oder Früchte – aber ein Loch in den Stamm hineinzubohren, um einen Baum anzuzapfen ist nicht die Regel. Im März, wenn bis zu 6000 Liter Saft die Birke emporsteigen, können wir maximal 3 Liter entnehmen. So leidet der Baum nicht unter dieser kleinen „Blutspende“. Allerdings sollten Sie etwas zur Hand haben, um das Loch nach dem Abzapfen wieder zu verschließen, beispielsweise einen Korken. Zeigen sich die ersten Knospen am Baum, sollte nicht mehr gezapft werden.

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Die Haltbarkeit des Birkenwassers

Die beste Heilwirkung hat das Birkenwasser, wenn es direkt nach dem Abzapfen gebraucht wird. Er hält sich zwei bis drei Tage im Kühlschrank und auch noch einen Tag länger, wenn man zwei bis drei Nelken pro Liter Flüssigkeit dazugibt. Danach wird das Birkenwasser trübe und beginnt zu gären. Das Abzapfen bedarf also Zeit und Mühe – das sollte man wissen, wenn man dieses Abenteuer wagen will.

Birkenwasser

Sind Sie von der gesundheitlichen Wirkung des Birkenwassers angetan und möchten sich an diesem Lebenselixier erquicken? Dafür ist kein besonderes handwerkliches Geschick nötig!

Utensilien:

Schnurlos betriebene Bohrmaschine (Bohreinsatz 8 mm)
Lebensmittelechter Kunststoffschlauch (mindestens 150 cm lang, Durchmesser 8 mm)
Glasflaschen oder Tongefäße oder Trinkwasserkanister
etwas Baumwollstoff oder ein paar Lagen Küchenpapier
Trichter
Kaffeefilterpapier
Glasflaschen (mindestens 1 l), sterilisiert
Korken zum Abdichten

Erlaubnis des Baumbesitzers

  1. Am Vortag den Akku der Bohrmaschine laden. Schlauch und Korbflaschen mit heißem Essigwasser waschen.
  2. An einem möglichst sonnigen, auf jeden Fall regenfreien Tag die Utensilien einpacken. Die Bohrung sollte vorzugsweise zum Höhepunkt des Saftstroms zwischen 10 und 15 Uhr erfolgen.
  3. In einer Umgebung fern von Industrie und Luftverschmutzung einen schönen, gesunden Baum mit einem Durchmesser von mindestens 30 cm auswählen. Er sollte auch nicht in der Nähe eines Teiches stehen, da der Saft hier nach Schlamm schmecken könnte.
  4. In etwa 150 cm Höhe auf der südöstlichen Seite ein leicht nach unten weisendes, etwa 3 cm tiefes Loch bohren.
  5. Ein Schlauchende schräg abschneiden.
  6. Das Schlauchende so tief wie möglich in das Loch stecken. Das Birkenwasser sollte direkt in den Schlauch fließen.
  7. Das Birkenwasser etwa ein bis zwei Minuten ins Leere laufen lassen, um Holzrückstände zu vermeiden.
  8. Das andere Schlauchende in das Sammelgefäß stecken. Die Öffnung mit Baumwollstoff oder Küchenpapier abdichten, damit kein Schmutz und keine Insekten hineinfallen.
  9. Die gewünschte Menge an Birkenwasser abzapfen.
  10. Das Birkenwasser durch einen mit Kaffeefilterpapier ausgelegten Trichter in Flaschen umfüllen. Maximal drei Tage im Kühlschrank lagern. Für eine 15-21 Tage dauernde Birkenwasserkur benötigt man den Saft von sieben bis zehn Abzapfungen.

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Anmerkungen

Von KRAUTJUNKER existiert eine Gruppe bei Facebook.

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Titel: Wilde Waldküche

Autorin: Linda Louis

Verlag: Hädecke Verlag GmbH & Co.KG

Fotos: © Linda Louis

ISBN: 978-3-7750-0628-6

Verlagslink: http://www.haedecke-verlag.de/search.asp?item=7750-0628

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Weitere Beiträge aus dem Buch:

https://krautjunker.com/2017/02/09/mispelcreme-mit-akazienhonig-likoer-aus-mispelkernen/ 

https://krautjunker.com/2016/11/20/kastaniencreme/

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Die FAZ über Birkenwasser:

http://www.faz.net/aktuell/stil/essen-trinken/birkenwasser-ist-neues-trendgetraenk-14141916.html

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