Wahl der passenden Axt

Der Biologe Carsten Bothe ist Jäger, Reserveoffizier und Outdoor-Profi.  In seinem Buch Der Mann und seine Axt beschäftigt er sich mit dem ultimativen Werkzeug für den Wald. Die Axt ist der Nachfolger des Faustkeils, mit dem unsere haarigen Ahnen diese Welt eroberten. Diese Leseprobe ist nur ein kurzer Auszug aus seinem Buch. Näheres hierzu und über Faustkeile finden sich in den Anmerkungen.

von Carsten Bothe

Wahl der richtigen Axt

In alten Trapperhandbüchern werden der Auswahl der richtigen Axt ganze Kapitel gewidmet – ein Zeichen für die überragende Bedeutung, die der Axt bei der Ausrüstung des Wildnisreisenden zukam. Dabei steht dem Waldläufer nicht alleine die Axt als Schneidwerkzeug zur Verfügung. Es beginnt beim kleinen Taschenmesser für feine Arbeiten und als „letzter Rettungsanker“ bei Verlust oder Klingenbruch des Hauptmessers. Das Hauptmesser ist ein stabiles Gürtelmesser mit einer Schneide von zehn bis zwölf Zentimetern. Hiermit werden die meisten Dinge geschnitten. An der weiteren Ausrüstung scheiden sich die Geister. Die einen schwören auf ein schweres und stabiles Camp- Messer, die andere Fraktion möchte eine Axt, ein Beil oder ein Tomahawk dabeihaben. Meiner Meinung nach ist das beste lange Camp-Messer immer noch eine leichte Axt. Je mehr Übung und handwerkliches Geschick ein Waldläufer hat, desto kürzer werden die Messerklingen und desto mehr Schneidaufgaben übernimmt die Axt.

 

Länge und Gewicht
Bei der Auswahl der richtigen Axt ist auch entscheidend, wie sie mitgeführt werden soll. Wird sie am Gürtel getragen beschränkt sich die Stiellänge auf 30 Zentimeter und das Kopfgewicht auf ungefähr 300 Gramm, evtl. etwas mehr. Trotzdem zieht das ganz schön an der Hose, denn meist müssen am Gürtel ja noch ein Messer, eine Patronentasche und eine Kurzwaffe Platz finden. Wer dann eine eher ungünstige Figur hat, der muss den Riemen so eng schnallen, dass er schon nach kurzer Zeit Bauchschmerzen bekommt und nach längerer Zeit Scheuerstellen auf der Hüfte. Zieht der Gürtel zu sehr an der Hose, dann muss man zusätzlich auch noch Hosenträger tragen. Alles keine guten Lösungen. Es gibt in der Wildnis keinen Grund, an die Axt so schnell herankommen zu müssen, wie an das Messer oder die Kurzwaffe, also kann sie einfach im Rucksack oder in der Schultertasche verschwinden. Ich selbst hatte jahrelang beim Fallenstellen in Amerika, Kanada und Neuseeland die Axt in einer Scheide an der Rückseite meiner großen Jagdtasche – eher ein Haversack – angebracht, das stört am wenigsten. In Filmen sieht man immer wieder, wie Tomahawks lässig hinten schräg in den Gürtel gesteckt werden. Sieht toll martialisch und praktisch aus und funktioniert bei den stumpfen Filmwaffen auch problemlos, ist aber alles andere als alltagstauglich.
Wenn Sie die Axt in das Gepäck verbannen, dann sind Sie auch freier, was die Wahl der Stiellänge und des Kopfgewichtes angeht. Nicht das Gewicht ist für eine gute Schneideigenschaft verantwortlich, sondern die Geschwindigkeit und die Schärfe des Eisens. Für die Schärfe sind der Schliff und die Gesamtausführung des Eisens verantwortlich, für die Geschwindigkeit sind die Länge des Stiels und die Technik des Axtbenutzers entscheidend. Sie können mit einer Axt mit längerem Stiel auch feine Arbeiten ausführen, hingegen mit einem Beil mit kurzem Stiel nur feine, denn schnelle, wuchtige Schläge sind nicht möglich.
Möchten Sie sich eine Axt kaufen, dann sollten Sie zunächst alles, was es für fünf Euro im Bereich der Baumarktkasse gibt, vergessen. Früher haben noch genug Leute ihr Geld im Wald mit einer Axt verdient und kauften natürlich nur Äxte, die den hohen alltäglichen Ansprüchen genügten. Im Laufe der Zeit wurde die Axtarbeit aber immer mehr von der Motorsäge oder dem Harvester abgelöst. Zusätzlich haben große Baumarktketten die Fachhändler verdrängt. Im Baumarkt zählen bei einer Axt nur ein niedriger Preis und eine gute Marge, aber nicht die Funktion. So verkaufen viele Baumärkte Äxte aus aller Herren Länder, solange diese nur billig produziert wurden und der Preis „20 % auf alles“ ermöglicht. Früher wollten die Käufer aber keine Axt kaufen, sondern Bäume fällen, und haben eine Axt gekauft, mit der man Bäume fällen konnte. Heute kaufen viele Leute im Baumarkt Äxte, weil sie meinen eine zu brauchen. Ob die Qualität gut ist, merkt man aber nur dann, wenn man diese auch benutzt. Ich habe schon Äxte im Baumarkt gesehen, deren Schneiden nicht mal geschärft waren, sondern einen ein Millimeter breiten flachen „Streifen“ aufwiesen.
Bei Outdoor-Aktivitäten wie Camping, Angeln, Bushcrafting usw. wird mit einer Axt relativ weiches, frisches Holz verarbeitet. Die Beschaffung von Brennholz beschränkt sich hier auf das Sammeln von trockenen, abgestorbenen Ästen, die mit der Kappe der Axt zerbrochen werden. Um für den heimischen Ofen auf Länge gesägtes Holz in passende Stücke zu spalten nutzen Sie eine Spaltaxt, eine Buschcraft-Axt ist dafür nur schlecht geeignet, da sie zu schlank ausgeschliffen ist. Bei dem trockenen und somit harten Kaminholz würde jede Schneide leiden und zu schnell stumpf werden. Für leichte Einsätze im Wald sollte das Eisen der Axt etwa 600 bis 1000 Gramm wiegen und einen Stiel von 60 bis 70 Zentimetern besitzen.

Der Mann und seine Axt 2

Die ideale Stiellänge hängt von der Körpergröße des Benutzers ab.

Die ideale Stiellänge hängt von der Körpergröße des Benutzers ab, denn er sollte Armlänge besitzen. Um das zu testen, legt man den Knauf der Axt in die Achselhöhle und fasst das Eisen mit der Hand. Ist der Arm dabei ausgestreckt und ruht das Eisen bequem in der Hand, dann ist die Länge des Stiels gerade richtig. Und warum genau diese Länge? Weil der menschliche Körper auch nichts anderes als eine Maschine ist, die Energie in Arbeit umsetzt. Bei diesen Hebelverhältnissen braucht die „Maschine Mensch“ am wenigsten Energie für die Arbeit.

Balance
Für ein sicheres und effizientes Arbeiten ist die Balance der Axt besonders wichtig. Um diese zu testen, fasst man die Axt am Stiel nahe am Eisen und achtet darauf, wohin die Schneide zeigt.

Der Mann und seine Axt 5

Die obere Axt ist besser ausgewogen, denn die Schneide liegt waagerecht, bei der unteren Axt zeigt die Schneide nach unten.

Die Schneide sollte gerade liegen, wie in der Abbildung zu sehen ist. Wenn nicht, dann darf sie nur leicht nach oben oder unten zeigen. Das zeugt von der Ausgewogenheit von Schneide und Kappe. Ein zu langes und schweres Blatt hängt nach unten, bei einem zu schweren Haus zeigt das Blatt nach oben. Da der Stiel einer guten Axt eirund ist, kann man ihn nur schlecht führen. Die Balance einer solchen Axt muss daher schon von sich aus passen, denn ansonsten würde die Schneide nach einem schnellem Schwung nicht mehr gezielt auftreffen. In diesem Fall würde die Schneide schräg auftreffen und dann entweder abprallen oder ins Holz eindringen, von der Kappe nach vorn gerissen und dadurch an der Schneide beschädigt werden.

(Ende der Leseprobe, aber nicht des Kapitels)

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Anmerkungen

Von KRAUTJUNKER existiert eine Gruppe bei Facebook.

Der Mann und seine Axt

Titel: Der Mann und seine Axt – Bau, Handhabung, Pflege

Autor: Carsten Bothe

Verlag: Heel Verlag

ISBN: 978-3-95843-177-5
Verlagslink: http://www.heel-verlag.de/Der+Mann+und+seine+Axt.htm

Fotos: © Carsten Bothe und Kais Bodensieck, www.fotodesign-xtrascharf.de

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Über den Autor: http://www.carstenbothe.de/main/

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KRAUTJUNKER über Faustkeile: https://krautjunker.com/2016/11/28/steinernes-schneidewerkzeug-der-oldowan-kultur/

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