Parson Russell Terrier: des Pfarrers weiße Hunde – Gentlemanjäger von der Insel

von André Brüggemann

Abb.: Fuchsjagd mit Meute; Bildquelle: Wikipedia

Die Jagd zu Pferd hinter der Hundemeute, die sogenannte Parforcejagd, wird heute nur noch als Schleppjagd durchgeführt. D.h. es wird kein lebendiges Wild verfolgt und gestellt, vielmehr gibt es einen berittenen Schleppenleger, der eine künstliche Duftfährte legt („Schleppe“), auf der dann die Hundemeute und die Reiter folgen. Die Parforcejagden des Adels in früheren Jahrhunderten stellten aber tatsächlich Hetzjagden auf lebendes Wild, u.a. Fuchs, dar. Die Hundemeute (Foxhounds) verfolgte Füchse quer durchs Gelände, hinterdrein dann die Reiter. Allerdings mussten die Füchse teilweise vor und auch während der Jagd aus ihren unterirdischen Bauen heraus geholt („gesprengt“) werden. Die Laufhunde der Meute waren hierfür zu groß, also kamen spezielle Rassen zum Einsatz. Am bekanntesten ist sicherlich der Foxterrier, dessen Name sprichwörtlich Programm ist: Fox = Fuchs, la terra = die Erde, also ein Hund für die Jagd auf den Fuchs unter der Erde.

Doch es kamen nicht nur Hunde der Rasse Foxterrier zum Einsatz. Von 1795 bis 1883 lebte in der Grafschaft Devon im Südwesten Englands der Pfarrer („Parson“) John („Jack“) Russell. Er war begeisterter Reiter und Jäger sowie Mitbegründer des englischen Kennel Clubs. Er kreuzte verschiedene Arbeitsterrier miteinander, um Hunde für das Fuchssprengen  zu erhalten. Erst nach seinem Tod entstanden die heutigen Rassen bzw. Rassenamen Jack Russell Terrier bzw. Parson Russell Terrier; gemeint waren schlichtweg Terrier, die vom Typus den von Pfarrer John Russell für die Fuchsjagd genutzten Hunden entsprachen.

Abb.: Parson John Russell; Bildquelle: Wikipedia

Nach FCI-Standard (FCI =  Fédération Cynologique Internationale, internationaler Dachverband der Hundezuchtverbände) handelt es sich bei Parson Russell Terrier (PRT) um hochläufige „derbe, widerstandsfähige Arbeitsterrier“, die vom Wesen her selbstbewusst, unerschrocken und fröhlich sein sollen, bei einer Größe von ca. 36 cm (Rüde) bzw. 33 cm (Hündin) in der Grundfarbe weiß mit lohfarbigen, gelben oder schwarzen Abzeichen; das Haarkleid kann glatt, rauhaarig oder “broken coated“ (zwischen glatt- und rauhaarig) sein. In Deutschland wird nach diesem Standard im Parson Russell Terrier Club Deutschland (PRTCD) gezüchtet. Neben dem PRTCD gibt es allerdings noch weitere Zuchtverbände, auch solche die nicht dem VDH (Verband für das deutsche Hundewesen) bzw. der FCI angeschlossen sind, so dass es auch abweichende Standards und damit auch leicht abweichende Größen gibt.

Abb.: Parson Russell Terrier; Bildquelle: André Brüggemann

Meinen ersten Parson Russell Terrier ´Carlo` habe ich geerbt; ein bisschen übergewichtig, leicht unerzogen und etwas überdreht. Schnell stellte sich heraus, dass er auch frech und stur war, Eigenschaften die Terriern typischerweise nachgesagt werden. Oftmals wird das von Haltern als Argument vorbracht, warum ihre Hunde schlecht erzogen seien, Rasse-bedingt könne man sie gar nicht erziehen. Richtig ist in jedem Fall, dass Hunde, die über Jahrzehnte für die Baujagd gezüchtet wurden, eine gewisse Charakterstärke benötigen und auch in der Lage sein müssen, eigene Entscheidungen zu treffen, da sie bei der Jagd unter der Erde auf sich allein gestellt sind. Das heißt aber nicht, dass diese Hunde nicht erzogen werden können und nie gehorchen; man muss nur regelmäßig Üben und Konsequent sein, Schwächen werden gnadenlos ausgenutzt. So wurde dann auch Carlo durch regelmäßiges Hundetraining nicht nur schlanker sondern auch ausgeglichener und gehorsamer. Zudem stellte sich heraus, dass er einen guten Spur- und Finderwillen sowie Sichtlaut besaß. Eigenschaften, die besonders geeignet für die Stöberjagd auf Schalenwild sind.

Abgesehen davon, dass er zu dem Zeitpunkt schon einige Jahre alt war, stammt er leider aus einer nicht FCI/VDH angeschlossenen Zucht, so dass sich nur eingeschränkte Prüfungsmöglichkeiten ergaben, zudem war ich damals beruflich stark gebunden, so dass auch aus Zeitgründen keine weitergehende jagdliche Ausbildung des Hundes mehr stattfand. Mein Interesse an der Rasse war jedoch geweckt.

Durch eine berufliche Veränderung (Selbständigkeit heißt nicht nur selbst und ständig, sondern in meinem Fall auch flexible Arbeitszeiten und Wegfall langer Fahrtstrecken) ergab sich dann die Möglichkeit, einen weiteren Hund zu führen. Da ich mittlerweile in einem Revier mit hohem Waldanteil jagte und Schwarzwild neben Rehwild die Hauptwildart ist, war die Entscheidung über die Rasse schnell gefallen. So kam dann vor einigen Jahren Tilda, gezogen im PRTCD, ins Haus.

Schnell zeigte sich wieder, wie wichtig konsequente Erziehung ist, denn sie konnte mit Unschuldsmiene jeden um den Finger wickeln. Und mal ehrlich, wer wird bei Welpen nicht schwach?

Abb.: Parson Russell Terrier; Bildquelle: André Brüggemann

Prüfungsmäßig steht bei vielen Terriern bzw. Terrierführern die Bauprüfung als Ziel fest. Auch der PRTCD hat sie natürlich im Programm. Nach bestandener Bauprüfung können Terrier im PRTCD noch die Gebrauchsprüfung, bestehend aus den Fächern Waldarbeit, Feldarbeit, Wasserarbeit und Gehorsam, ablegen. Unabhängig davon wird noch die Schweißprüfung angeboten. Und natürlich können Terrier mit PRTCD-Papieren im Prinzip sämtliche Prüfungen des Jagdgebrauchshundeverbands JGHV (Dachverband der deutschen Jagdhundezuchtverbände) ablegen.

Abb.: Auf dem Weg zum Bau; Bildquelle: André Brüggemann

Mir widerstrebte es jedoch etwas, den Hund am Bau einzuarbeiten. Zum einen wollte ich Tilda schwerpunktmäßig auf Drückjagden einsetzen. Terrier eigenen sich gut für Drückjagden, da sie hochläufiger und damit geländergängiger als Teckel sind, gleichzeitig aber nicht so schnell wie beispielsweise Vorstehhunde jagen und somit das Wild beim Schützen selten hochflüchtig kommt. Allerdings hatte ich schon von einigen Terriern gehört, die bei fehlendem Schalenwild im Treiben auf Fuchs umschalteten und dann im Bau verwanden. Zum anderen hatte ich Sorge, bei unserer felsigen Bodenbeschaffenheit den Hund im Falle eines Falles nicht ausgraben zu können.

Daher entschied ich mich für eine Ausbildung und Prüfung bei der Landesjägerschaft, da diese das Fach Bauarbeit nicht beinhaltete. Im Kurs zeigte sich, dass Tilda das angesprochene Zuchtziel „fröhliches Wesen“ voll verinnerlicht hatte und am liebsten mit allen anderen Hunden Freundschaft geschlossen hätte. Sie ließ sich auch nicht davon beirren, dass mancher Hund bezüglich Freundschaft anders eingestellt war als sie (was ihr – da sie nicht dazu lernt – auch schon einen Tierarztbesuch zum Flicken eingebracht hat). Die Freundschaft mit Teckeldame Fine vergaß sie lediglich bei der Entenschwinge.

Abb.: „Meins“; Bildquelle: André Brüggemann

So richtige Begeisterung wollte allerdings beim Apport nicht aufkommen (war wohl ein Fehler beim Übungsaufbau), und auch die Wasserfreude hielt sich in Grenzen. So schlossen wir den Kurs nicht mit der Vollgebrauchsprüfung sondern „nur“ mit der Stöberprüfung ab, was für meine Zwecke aber völlig ausreichend war.

Die Schweißfährte hatte sie im Kurs allerdings gut gearbeitet, und da ich mich weiter mit dem Hund beschäftigen wollte, beschloss ich, uns zur Schweißprüfung anzumelden. Für schwierige Nachsuchen insbesondere auf wehrhaftes Wild sind PRT natürlich nicht geeignet, da sie aufgrund der geringen körperlichen Kräfte gar nicht in der Lage sind, das Wild zu binden. Auch ist die Nasenleistung und notwendige Ruhe echter Schweißhunde natürlich ungleich höher. Aber das Stück Rehwild, was nach kurzer Todesflicht „irgendwo“ im Getreidemeer liegt, finden sie zuverlässig. Über die Landesjägerschaft ist die Schweißprüfung jedoch nur für Teckel, Bracken und Schweißhunde offen, sodass ich sie im Folgejahr für die Verbandsschweißprüfung beim JGHV anmeldete, was ja Dank PRTCD-Papiere problemlos möglich war.

Abb.: Erfolgreiche Schweißprüfung; Bildquelle: André Brüggemann

Über die Zeit hat es auch mit dem Apportieren immer besser geklappt, auch Wasser wird inzwischen freudig angenommen. Aber Ente & Co haben in unserem Revier keine Bedeutung, und da sie mit Stöber- und Schweißprüfung einen brauchbaren Jagdhund nach dem Niedersächsischen Jagdgesetz darstellt, habe ich es dabei belassen. Und so sind wir dann ab Herbst als Durchgeher auf Drückjagden unterwegs.  

Abb.: Ende des Treibens; Bildquelle: André Brüggemann

Den Rest des Jahres begleitet sie mich zum Ansitz, zeigt hervorragend Wild an und gelegentlich suchen wir dann zur Freude des Hundes das ein oder andere Stück nach, wobei es sich dabei um keine echten Nachsuchen handelt, da die Stücke i.d.R. in Sichtweite verendet sind. Aber der Hund möchte ja beschäftigt werden.

Bildquelle: Auf Ansitz; Bildquelle: André Brüggemann

Mein persönliches Fazit: Ich würde mich – nicht nur aufgrund meiner jagdlichen Gegebenheiten – immer wieder für einen PRT entscheiden, da es fröhliche, kluge und nicht übertrieben scharfe Hunde sind, die sich für nahezu alle Jagdarten eignen (natürlich muss man wegen der vergleichsweise kleinen Körpergröße hier und da Abstriche machen). Da ich jedoch weder Förster noch Berufsjäger bin und somit leider nicht den ganzen Tag im Revier und auf Jagd unterwegs sein kann ist für mich zudem wichtig, dass der Hund bzw. die Rasse auch im nicht-jagdlichen Alltag wenig Probleme bereitet. Und auch da punkten die PRT: Zum einen ist die Größe tatsächlich praktisch, wenn der Hund irgendwohin mit kommt; das fängt mit dem Platzbedarf im Auto an und hört mit dem Hotelzimmer nicht auf. Zum anderen – egal ob privat mit Kindern oder beruflich mit Mitarbeitern und Mandanten – die Hunde sind absolut sozialverträglich und bereiten ihrem Umfeld viel Freude (und ja, selbstverständlich hat jeder eigentlich einen eigenen Liegeplatz).

Abb.: Im Büro; Bildquelle: André Brüggemann

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KRAUTJUNKER-Schreiber André Brüggemann

André Brüggemann ist passionierter Jäger, Hundeführer und Jagdhornbläser sowie begeisterter Hobbykoch und Genießer. Aufgrund seiner Tätigkeit als Steuerberater in eigener Kanzlei bleibt ihm dazu allerdings weniger Zeit, als ihm lieb wäre.

https://www.sdb-hameln.de/

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