Repetierer: Verschluss-Systeme

am

von Norbert Klups

Herzstück jeder Repetierbüchse ist das System. Daher ist es kein Wunder, dass hier technisch die größten Unterschiede zwischen den einzelnen Modellen zu finden sind. Grundsätzlich sind diese Systeme in 3 große Gruppen einzuteilen, die sich aus der Handhabung ergeben:
▶ Kammerverschluss-Repetierer,
einschließlich Geradezug-Repetierer
▶ Unterhebel-Repetierer
▶ Vorderschaft-Repetierer

Kammerverschluss-Repetierer

Bei dieser Bauart wird der Verschluss über einen Kammerstengel bedient, der sich an der rechten Seite des Verschlusses befindet und mit dem der Verschluss-Zylinder nach hinten gezogen wird. Für Linkshänder gibt es auch Links-Systeme, bei denen sich der Kammerstengel dann an der linken Seite befindet und die nach rechts auswerfen. Der Verschluss-Zylinder nimmt die Verriegelungselemente, den Schlagbolzen, die Schlagbolzenfeder, den Auszieher sowie bei manchen Konstruktionen auch den Ausstoßer auf. An seinem hinteren Ende ist das Schlösschen angesetzt. Die Verriegelung erfolgt entweder in der vorderen oder hinteren Hülsenbrücke oder direkt im Lauf. Verriegelt wird meist über Verriegelungswarzen, aber es gibt auch Verschlüsse, die über Stutzklappen verriegeln (Sauer 80 und 90), über Kugellagerkugeln wie die Heym SR 30 oder über Spreizkrallen wie der Radialbund-Verschluss von Blaser R 93 und R 8. Bei herkömmlicher Bauart muss der Kammerstengel zunächst angehoben werden, um die Verriegelung aufzuheben, bevor die Kammer sich nach hinten bewegen lässt. Bei den Systemen mit Geradezug-Verschluss ist das nicht notwendig, sie können direkt zurückgezogen werden.

Abb.: Es ist vorteilhaft, wenn die Lange des Büchsen-Systems auf die Patrone abgestimmt ist. Schon beim 98er gab es verschiedene Baulängen, vom Kurz-System bis zum langen Mauser-System.

Oft wird auch heute noch das System nach 98er-Art eingesetzt, ebenso wie die zahlreichen Konstruktionen, die sich an ihm orientieren. Die eigens von vielen Herstellern entwickelten Systeme haben starke Ähnlichkeit mit dem 98er-System. Änderungen beziehen sich hauptsächlich auf die Anordnung des Ausziehers, wobei der lange Mauser-Auszieher meist durch eine kleine, gefederte Kralle im Kammerkopf ersetzt wird, und auf die Sicherung. Die Original-Mauser-Flügelsicherung ist zwar eine der zuverlässigsten Sicherungen überhaupt, da sie die Schlagbolzenmutter festlegt, doch verursacht sie Probleme, sobald ein Zielfernrohr niedrig montiert werden soll. Moderne Systeme verfügen daher über horizontal bedienbare Schlagbolzen-Sicherungen oder reine Abzugs-Sicherungen, die entweder rechts vom Schlösschen oder auf dem Kolbenhals platziert sind.

Abb.: Bei vielen modernen Büchsen, die eine Wechsellauf-Möglichkeit bieten, lassen sich auch die Verschlussköpfe wechseln, wenn ein Lauf einer anderen Kalibergruppe benutzt wird.
Abb.: Das Mauser-98-System ist der Ursprung vieler Repetierbüchsen-Systeme. In der Fertigung ist es sehr aufwendig. Daher wurde bei moderneren Systemen oft versucht, sie maschinengerechter zu gestalten.
Abb.: Der Verschluss-Zylinder oder Verschluss-Träger nimmt die Verriegelungs Elemente, den Schlagbolzen, die Schlagbolzenfeder, den Auszieher und bei manchen Konstruktionen auch den Ausstoßer auf. An seinem hinteren Ende ist das Schlösschen angesetzt.

Viele Hersteller bieten auch Systeme mit Handspannung an. Bei ihnen wird das Schloss erst direkt vor dem Schuss gespannt. Daher ist es völlig sicher, die Büchse mit einer Patrone im Lauf zu fuhren. Nach dem ersten Schuss wird automatisch beim Repetieren gespannt und der Folgeschuss kann ohne Verzögerung abgegeben werden. Soll kein Schuss mehr abgegeben werden, wird das Schloss wieder durch Zurücknehmen des Spannschiebers entspannt. Für ältere Modelle mit 98er-System sind Handspannungen auch zum Nachrüsten erhältlich.
Auf dem 98er-System bauen beispielsweise die Systeme der Firmen Heym, Krico, Browning, Savage, Remington, Sako, Winchester, Tikka und Ruger auf. Gänzlich abweichend und echte Neukonstruktionen sind etwa die Heym SR 30, Sauers Mod. 90 sowie Blaser R 93 und R 8.

Geradezug-Repetierer
Der Vorteil eines Geradezug-Repetierers liegt im sehr schnellen Repetiervorgang. Der Kammerstengel muss nicht zunächst angehoben werden, sondern wird einfach in einer geraden Bewegung zurückgezogen und nach dem Auswerfen der leeren Hülse wieder nach vorn geschoben. Geradezug- Repetierer werden daher gern als Drückjagdwaffen benutzt. Es gibt mittlerweile eine gute Auswahl. Beispielhaft seien hier die Hersteller Blaser, Heym, Merkel, Lynx, Browning oder Steel Action genannt.

Unterhebel-Repetierer

Bei einem Unterhebel-Repetierer, auch Lever Action genannt, wird der Verschluss nicht über einen Kammerstengelbedient, sondern mit einem unter dem System angeordnetenLadehebel, der so geformt ist, dass Mittel-, Zeige- undkleiner Finger in einem Metallbügel liegen. Repetiert wird dann durch eine Vor- und Zurückbewegung des Ladehebels,was sehr schnell geht, da die Position der Hand kaum verändert werden muss. Bei der Vorwärts- bzw. Abwärtsbewegung wird der Verschluss entriegelt und nach hinten gezogen, die leere Hülse aus dem Patronenlager gezogen sowie ausgeworfen und der meist außenliegende Hammer gespannt. Bei der Rückwärts- bzw. Aufwärtsbewegung des Hebels wird eine neue Patrone vom vorlaufenden Verschluss in die Kammer geschoben. In der letzten Phase wird der Verschluss verriegelt, was entweder über ein Kniegelenk, einen Block bzw. Keil oder über Drehwarzen erfolgt. Die meisten Unterhebel-Repetierer, führend sind die Firmen Winchester und Marlin, verfügen über ein Röhrenmagazin unter dem Lauf. Modernere Konstruktionen, etwa von Savage und Browning, haben jedoch Kasten-, teilweise sogar herausnehmbare Einsteckmagazine.

Abb.: Unterhebel-Repetierer werden durch Vor- und Zurückbewegen des hinter dem Abzug angeordneten Ladehebels nachgeladen.

Vorderschaft-Repetierer

Der Vorderschaft-Repetierer hat weder einen Kammerstengel noch einen Unterhebel. Zum Repetieren der Waffe zieht der Schütze den Vorderschaft zurück, der Verschluss wird geöffnet und die leere Hülse ausgeworfen. Anschließend wird der Vorderschaft nach vorne bewegt, um eine neue Patrone ins Patronenlager zu laden, den Verschluss zu schließen und zu verriegeln. Der Vorteil eines Vorderschaft-Repetierers liegt darin, dass die Waffe beim Repetiervorgang in der Schussrichtung bleibt, nicht abgesetzt werden muss und vor allem die Position der Hände an der Waffe nicht verändert wird. Dadurch ist eine sehr schnelle Schussfolge möglich. Verriegelt wird meist über einen Drehwarzen-Verschluss. Die Patronen werden in herausnehmbaren Kastenmagazinen untergebracht. Pionier bei den Vorderschaft-Repetierbüchsen war die amerikanische Firma Remington, die mehrere Modelle im Programm hat. Varianten dieses Systems sind die Verney Carron Impact, bei der die Repetierbewegung wie bei einem Vorderschaft-Repetierer erfolgt, nur dass hier nicht der Vorderschaft selbst, sondern nur ein flacher Aluminiumschlitten bewegt wird. Außerdem die Semprio von Krieghoff, bei der die Repetierbewegung umgekehrt verläuft und das gesamte Vorderteil der Waffe, also Lauf und Vorderschaft, bewegt wird. Der Vorderschaft-Repetierer erlaubt extrem schnelle Schussfolgen, wenn der Schütze seine Waffe beherrscht. In Europa ist dieses System als Jagdwaffe jedoch nicht sonderlich verbreitet.

Abb.: Beim Vorderschaft-Repetierer wird über eine Pumpbewegung des Vorderschaftes repetiert.

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Verlagsinformation zum Autor Norbert Klups:

Norbert Klups.

Norbert Klups, geboren 1960, besitzt seinen Jagdschein bereits seit 1979. Seit 1984 ist er als freier Mitarbeiter bei verschiedenen Jagd- und Waffenzeitungen für Produkttestberichte aus den Bereichen Waffen, Munition, Messer und Jagdausrüstung tätig. Außerdem ist er Verfasser von 12 Fachbüchern aus dem Bereich Waffen und Munition, Kreisjagdberater und Mitglied des Jägerprüfungsausschusses sowie Schießtrainer für Seminare der RWJ-Akademie.

Deutsches Jagdlexikon: http://www.deutsches-jagd-lexikon.de/index.php?title=Klups,_Norbert

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Anmerkungen

Von KRAUTJUNKER gibt es nicht nur eine Facebook-Gruppe, sondern jetzt auch Outdoor-Becher aus Emaille…

Abb.: Visualisierung eines Emaille-Bechers. Die Produktion beginnt in den kommenden Tagen. Preis: 12 € + Versandkosten. Anfragen bitte an E-Mail im Impressum des Blogs.

Titel: Der Repetierer

Autor: Norbert Klups

Verlag: Heel Verlag GmbH

Verlagslink: https://www.heel-verlag.de/Der+Repetierer.htm

ISBN: 978-3958436329

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Mehr von Norbert Klups: https://krautjunker.com/?s=Norbert+Klups

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