Big Sur: Geschichten einer unbezähmbaren Küste

Buchvorstellung

And I was thinking to myself:
„This could be heaven or this could be hell.“
Eagles, Hotel California

Abb.: Big Sur; Bildquelle: Photo by Jack Nagz on Unsplash

Big Sur ist der verheißungsvolle Name für 90 Meilen kalifornischer Küstenlandschaft mit Redwood-Wäldern, Canyons und wilden Stränden zwischen San Francisco und Los Angeles welche seit ihrer Erreichbarkeit in den 1930er-Jahren, Freaks, Freigeister und Künstler anzieht, als ob Pheromone in der Luft schwirren. Das Buch des promovierten Musikwissenschaftlers Jens Rosteck beginnt mit dem Musikclip On the road von Alanis Morissette. Jens Rosteck lobt Alanis Morissettes lockeren Grundton und orientiert sich mit seinem Erzählsound an ihrer leichten, in sich ruhenden Art der Erzählung.

»Big Sur. Zweimal drei Buchstaben. Zwei kurze Silben, eine englische und eine spanische, aber nicht spanisch ausgesprochene. Zwei Silben, die eigentlich nicht zusammengehören und klanglich kontrastieren. Und doch eine Einheit, unter der man sich unmittelbar etwas vorstellen kann. Etwas Gewaltiges. Denn Sur – das klingt wie Sir, das hat etwas Majestätisches und Herrschaftliches. Mit diesem winzigen Zwitternamen, mit dieser eigentümlichen Zusammen-Setzung von Unvereinbarem, verbindet man unwillkürlich auch ein gewaltiges Versprechen – hier beginnt der Große Süden, hier tut sich eine gänzliche neue Region von gigantischen Ausmaßen auf. Für Neugierige, Neuankömmlinge und Entdeckernaturen: eine Verheißung.«

Abb.: A beachside hike in Big Sur, California; Bildquelle: Photo by Cosmic Timetraveler on Unsplash

In neun biografischen Essays und vier Überblickskapiteln stellt Jens Rosteck die amerikanische Westküstenlandschaft über Künstlerportraits vor. Der Leser lernt dabei die Menschen kennen und wie diese und ihr Werk durch die sie umgebende beeindruckende Natur geformt wurden, denn Big Sur lässt niemanden unberührt.

»Wenn ich dem Pfad folge, der sich über die Berge schlängelt, reiße ich mich manchmal zusammen und bemühe mich, die Pracht und die Großartigkeit der Aussicht in mich aufzunehmen.
Wenn sich die Wolken im Norden auftürmen und das Meer von tanzenden Schaumkronen bedeckt ist, sage ich mir bisweilen:
„Das ist das Kalifornien, von dem die Menschen früher träumten. Dies ist der Pazifik, auf den Balboa von den Bergen Dariens herabblickte. Dies ist das Gesicht der Erde, wie es der Schöpfer haben wollte.“
Henry Miller, Big Sur«

Der Focus liegt auf Künstler, welche sich ab den 40er-Jahren an der bürgerlichen Gesellschaft rieben und auf der Suche nach sich selbst und einer neuen Gesellschaft Impulsgeber der 68er-Revolute wurden. John Steinbeck, Jack Kerouac, Henry Miller, Bob Dylan und Joan Baez ebenso wie Hunter S. Thompson oder die Beatles in ihrer indisch inspirierten spirituellen Guru-Phase. Spannend auch die Geschichte die Esalen-Instituts, salopp formuliert eine Art spirituelle und künstlerische Hippie-Akademie.

»So entstanden, im Laufe der Jahrzehnte, bildmächtige, aufregende Hommagen und Hymnen an Big Sur – und auch regelrechte Abrechnungen mit dem unwirtlichen, ja feindseligen, doch landschaftlich verlässlich grandiosen Küstenabschnitt. In den Gedichten, Berichten und Romanen, einer Handvoll von Autoren, in den Songs und Musikstücken einer Handvoll von Interpreten werden die Erfahrungen, die sie heraufbeschwören, stets von einer Aufgabe des emotionalen Gleichgewichts und von einem Kontrollverlust begleitet, ist eigentlich immer von Grenzüberschreitungen und Bewusstseinserweiterung die Rede, von intimen Gefühlen und seelischen Abgründen.
Regelrecht versunken und abgetaucht waren diese Menschen und begaben sich in die Obhut dieser Region. Darunter eine ganz eigene Spezies, die deep thinkers and heavy drinkers. Jede Menge schwarze Schafe auch. Freundliche Neurotiker. Sowie Leute, die ihr kreatives Pulver längst verschossen hatten. Und sie alle genossen, wenigstens zeitweise, dieses wohlige drifting away. Andere, weniger stabile Naturen gingen an dieser existenziellen Erfahrung zugrunde oder wurden an ihr irre – sie waren ihr einfach nicht gewachsen.
Was aber nahmen sie alle an Erkenntnissen mit aus Big Sur? Was war die für sie maßgebliche message? Und was lässt sich daraus lernen? Die meisten unten ihnen hätten wohl erwidert: Lektionen in Demut und Bescheidenheit. Werte und Zielvorstellungen, die für uns Heutige längst selbstverständlich sind – Kontemplation, Abschaltenkönnen, Reduzierung aufs Wesentliche, mutwillige Beschränkung, Konzentration. Spirituelle Wellness sozusagen. Annährung an asiatische Verhaltens-, Lebens- und Denkformen. Entschleunigung. Pazifistische Tendenzen, Nachdenken über Formen gewaltlosen Widerstands und bürgerlichen Ungehorsams. Ein Lebensstil also, der in den 1940er- und 1950er-Jahren überhaupt erst einmal „gedacht“, gewagt und ausprobiert werden musste.

Abb.: Big Sur, CA, USA; Bildquelle: Photo by Jack Nagz on Unsplash

Jens Rosteck schreibt nicht nur mit viel Sympathie für die Revolutionäre von einst, die heute Mainstream geworden sind, sondern identifiziert sich selbst mit ihnen. Stimmen, die sie kritisieren oder sich über sie amüsieren verunglimpft er als Miesmacher und Neider und er nimmt auch ganz selbstverständlich an, dass seine Leser ebenso denken, weil man vernünftigerweise keiner anderen Meinung sein kann. Dass es hier Parallelen zu der von ihm verdammten Engstirnigkeit Prä-68er-Gesellschaft gibt, auf den Gedanken kommt er nicht.

Von dieser Schwäche abgesehen, die in Zeiten des Haltungs-Journalismus auch nicht ungewöhnlich ist, gefällt mir, wie kenntnisreich Rosteck das Wesentliche aus den Biographien der Künstler vermittelt. Durch seinen atmosphärischen Schreibstil entstehen sofort Bilder in meinem Kopf und eine große Sehnsucht, selbst diese ferne Küstenlandschaft zu erleben.

Gerne hätte ich noch mehr von den Indianerstämmen vor ihrer Vernichtung erfahren und auch viel mehr über die Flora und Fauna Big Surs.

Schlussendlich: Big Sur: Geschichten einer unbezähmbaren Küste ist eine kenntnisreiche und unterhaltsame Lektüre, die dem Leser eine Fülle von Literatur- Film- und Musikempfehlungen bietet.

Pressestimmen

Big Sur ist lehrreich und unterhaltsam, so kenntnisreich wie leidenschaftlich geschrieben. Und am Ende versteht man das Außergewöhnliche dieser Küste: Es ist der Ort, der die Menschen formt, nicht umgekehrt.
–Süddeutsche Zeitung

Text, tolle Lese- und Hörempfehlungen im Anhang, eine Übersichtskarte, das herausragend schöne Cover – all das vermittelt den Zauber von Big Sur, des eines Ortes, an dem der Mensch noch Teil der Natur, nicht getrennt von ihr ist.
–Deutschlandfunk Kultur

Jens Rosteck beschreibt das trotz aller Selbstreflektion in einer packenden Sprache, so dass man ähnlich einem guten Thriller das Buch kaum aus der Hand legen will, bis man schließlich in der Gegenwart von Big Sur angekommen ist.
–Gießener Anzeiger

Eine Buchempfehlung für alle, die Roadtrip-Literaten wie Jack Kerouac lesen, Folk-Musik von Joan Baez hören.
Kurier

Ein kurzweiliges Lesevergnügen mit Film-, Literatur- und Musiktipps ist garantiert.
Westfalen-Blatt

Rostecks jederzeit elegant formuliertes Porträt vereint Sophistication und Kurzweil. Eine Wegmarke der amerikanischen Kultur wird lebendig.
–Rotary Magazin

Mit dem Buch Big Sur hat Jens Rosteck nun eine Art Landschaftsbiografie vorgelegt, ein Lesebuch, das durch die Augen berühmter Zeitgenossen und nahezu unbekannter Pioniere einer vorsichtigen Erschließung, vor allem auch dem Mythos von Big Sur nachspürt.
–Offenburger Tageblatt

Ein Mosaik aus Anekdoten, Mythen und Stimmungsbildern, das einen eintauchen und abtauchen lässt.«
marina.ch

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Verlagsvorstellung des Autors

Jens Rosteck, 1962 geboren, lebte viele Jahre in Paris und an der Côte d’Azur, wo er neben Essays zur Musik- und Literaturgeschichte eine Reihe von literarischen Biografien verfasste, u. a. über Paul Bowles, Kurt Weill, Oscar Wilde und Bob Dylan. Zuletzt publizierte er viel beachtete Monografien über Hans Werner Henze und Édith Piaf. Der promovierte Musikwissenschaftler, Kulturgeschichtler, Pianist und Autor mehrerer Städteporträts wohnt heute im Badischen.

http://www.jensrosteck.de/buchautor/buecher/big-sur/index.html

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Anmerkungen

KRAUTJUNKER ist mehr als ein Blog mit Texten und Rezepten für Jäger, Angler und Sammler. Es gibt es eine Facebook-Gruppe sowie Outdoor-Becher aus Emaille. Die Kontaktmail für Anfragen befindet sich im Weblog-Impressum. Erste Treffen von Freunden des ländlichen Eskapismus fanden statt, weitere werden folgen.

Titel: Big Sur: Geschichten einer unbezähmbaren Küste

Autor: Jens Rosteck

Verlag: Mare Verlag

Verlagslink: https://www.mare.de/buecher/sachbucher/big-sur-8625

ISBN: 978-3-86648-625-6

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