Sangria

Der preußische Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. bezog seine „Langen Kerls“ aus der westfälischen Provinz, weil die männlichen Babys Stierhormone in ihren Brei bekommen.  Doch gibt es auch hier vereinzelt junge Männer, die nicht das Gardemaß von zwei Metern zwanzig Körpergröße erreichen und weniger als 150 Kilogramm wiegen.

Diese bedauernswerten Hänflinge haben es auf dem üblichen Weg  in meiner kalten Heimat schwer eine Partnerin zu finden, um den Flammen ihres Herzens und der Lava ihrer Lenden Nahrung zu geben. Bei dem traditionellen Reigen, von Trunk und Prügeleien auf Schützenfesten und in den Dorfschenken, werden sie sich kaum gegen die normal gewachsenen Nachbarbengel durchsetzen können.

Diejenigen unter ihnen, die gerne weinen und sich die Namen von Pastelltönen merken können, wandern in die großen Städte ab. Beispielsweise um in Köln irgendwas mit Kultur oder in Berlin irgendwas Soziales zu studieren. Bösartigere Naturen rächen sich an der Gesellschaft, in dem sie eine Karriere beim Finanzamt oder dem öffentlichen Rundfunk machen.

Es gibt jedoch auch schlaue Zwerge mit einem Talent zum Fallenstellen. Sie picknicken in öffentlichen Grünanlagen und präsentieren auf die Mitte ihrer Decke einen großen Krug Sangria. Von dem köstlichen Duft dieses leichten Erfrischungsgetränks angelockt, wie vom Blütennektar angezogene Schmetterlinge, flattern schnell die ersten Dorfschönheiten herbei. Ein, zwei Gläschen dieses aromatisierten Wein-Mischgetränkes und die Jungfern verwandeln sich in willenlose Werkzeuge der Liebe, bereit für eine zärtliche Sommer-Romanze oder auch nur einen schnellen Natursprung hinter Tante Hildes Hühnerstall.

Warum das so wirkt? Sangría heißt auf Spanisch „Aderlaß“, und leitet sich etymologisch von sangre „Blut“ ab. In diesem roten Saft stecken bekanntlich magische Kräfte. Durch Blutopfer werden die Götter milde gestimmt, zumindest zeitweise die Gesetze des Universums aufzuheben.

 

Rezept für 8 Gläser (= 1 Mann oder 8 Frauen)

3 reife, feste Pfirsiche, halbiert und entsteint

1 Flasche Roséwein, trocken

200 ml frisch gepresster Orangensaft

Saft von 1 Limette

150 ml Orangelikör

250 ml Mineralwasser

Romantische Musik zur Begleitung, um sich in Stimmung zu bringen

 

Zwei der drei Pfirsiche in kleine Würfel schneiden. Einen in schmale Spalten. Eiswürfel in einen großen Krug füllen, anschließend Säfte, Wein und Likör hinzufügen. Die Pfirsichwürfel hinzufügen, rühren und kalt stellen.

Die romantische Musik lauter stellen oder wahlweise selbst singen, sofern die eigene Stimme keine Wölfe zum Mitheulen animiert. Gekühlten Sangria in Gläsern servieren, die mit den Pfirsichspalten dekoriert werden. Nach Bedarf evtl. mit Mineralwasser  oder weiterem Orangensaft strecken.

 

Sollte der Lockstoff ausnahmsweise keine Wirkung auf das schöne Geschlecht zeigen, können die frustrierten Jungmänner auf der Balz immer noch eine Flasche Wodka hinzufügen, um den Sangria für den eigenen Verzehr genügend zu maskulinisieren und so Trost und Vergessen im brüderlichen Umtrunk zu finden.

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