Flintenschießen: Anschlag und Schaft

am

Dem Flintenschießen haftet etwas mystisches an, so dass es von vielen nebulösen Theorien umgeben ist. Schießt der Jäger beim Büchsenschuss meist möglichst bewegungslos auf mehr oder weniger ruhig stehendes Wild, müssen Schütze und Waffe beim Flintenschuss synchron mit dem Ziel mitschwingen. Zudem ist das Ziel meist kleiner. Der erfahrene Schießlehrer Peter Schäfer hat in dem Buch Flintenschießen: Der einfache Weg zum perfekten Flintenschützen praktisch orientierte Texte verfasst, die mit aussagekräftigen Fotos Anfänger und Fortgeschrittene auf dem Weg zum perfekten Treffer unterstützen.

Dies ist der Beginn des zweiten Kapitels aus Peter Schäfers Fachbuch Flintenschießen: Der einfache Weg zum perfekten Flintenschützen. Der Link zum Beginn des ersten Kapitels Das Sehen befindet sich unten in den Anmerkungen. In den Anmerkungen unter dem Text finden sich weiterführende Informationen zu dem Buch und dem Schießlehrer.

Schäfer_Flintenschießen_Inhalt_2. Aufl.indd

von Peter Schäfer

ANSCHLAG UND SCHAFT

Im letzten Kapitel wurde geschildert, wie wichtig das richtige Sehen für das Treffen ist. Der Blick zum Ziel ist die zentrale Voraussetzung für das Treffen und ich möchte hier den ersten und wichtigsten Grundsatz für das Treffen aufstellen:

  1. Auge aufs Ziel!

Dieser Grundsatz hat Bedeutung für die gesamte Dauer des Schusses, also der Zeit vom Wahrnehmen des Zieles bis zur Auslösung des Schusses, ja noch darüber hinaus, denn es ist nicht sicher, dass der erste Schuss trifft. Der Schütze könnte einen Fehler machen und er muss daher ständig und bewusst auf das Ziel sehen, nicht zuletzt, um eventuell den zweiten Schuss anbringen zu können.

Nun die längst fällige Kardinalfrage:

Was machen wir mit der Waffe, damit diese ordentlich angeschlagen wird, wenn wir sie nicht ansehen dürfen? Wie bekommen wir den Anschlag eigentlich korrekt hin und wie sieht dieser korrekte Anschlag aus?

Die Antwort ist so simpel, dass viele Schützen Schwierigkeiten haben, diese zu akzeptieren, selbst dann, wenn die Anwendung funktioniert und zum ersten Male absichtlich und wiederholt getroffen werden kann. Hinzu kommt, dass fast alle Schützen mit Treff-Schwierigkeiten, die schon länger schießen, Probleme haben, sich auf diese einfache Technik umzustellen. Der falsche Anschlag ist durch längere Anwendung fest eingeprägt und nur unter großen Mühen zu ändern, da sehr bewusst (absichtlich) gehandelt werden muss, weil der unbewusste Ablauf eben nicht zum Kopf führt, wenn der Anschlag an die Schulter eingeprägt ist.

Der Anschlagpunkt der Waffe am Körper ist nicht derjenige, der landläufig gelehrt wird. Die Waffe gehört selbstverständlich an die Schulter, jedoch wird dies dadurch erreicht, dass sie nicht zur Schulter, sondern in leichter Körpervorlage von hinten! zum Kopf genommen wird! Betrachten Sie hierzu die Abb. 4 und 5.

Abb. 4

Flintenschießen-4

Abb. 4: Vergleichen Sie diesen „Schulteranschlag“ mit dem „Kopfanschlag“ auf Abb. 5! Der Schulteranschlag mag zufriedenstellend aussehen. Treffen wird er auf keinen Fall, da der Schuss – bei richtiger Stellung des Kornes zum Ziel – zu hoch liegen wird.

Abb. 5

Flintenschießen-5

Abb. 5: Bei diesem Anschlag sieht man sofort, dass die Blicklinie genau über der Schiene liegt!

Sie sehen, dass der Schütze die zweite Grundvoraussetzung (neben dem Blick zum Ziel), nämlich die Parallelisierung der Blick- und Laufachse von der Seite her gesehen, hergestellt hat. Dies geschieht durch den Anschlag zum Kopf, und zwar durch eine feste Anlage des Schaftes in der Jochbeinbeuge.

Näheres hierzu im nächsten Abschnitt.

Die Läufe schießen, der Schaft trifft!

 

Warum ist diese feste Anlage des Schaftes am Kopf – unterhalb des Jochbeines – so wichtig? Und was bedeutet die Aussage: „Die Läufe schießen, aber der Schaft trifft“?

Dies ist ganz einfach. Die Läufe mit der Blickachse in Einklang zu bringen – zu parallelisieren – ist vorne an der Mündung simpel zu bewerkstelligen. Man setzt, während man auf das Ziel blickt, einfach das Korn auf den Schusspunkt (mehr dazu später). Dies bedeutet jedoch nicht, dass dadurch die Läufe schon genau auf das Ziel zeigen, da durch diese Maßnahme zwar die Ausrichtung der Waffe in seitlicher Richtung in ausreichendem Maße erfolgt ist, jedoch nicht der ebenso wichtige Rohrerhöhungswinkel der Waffe. Am Körper des Schützen muss ein fester, wiederzufindender „Anschlagpunkt“, die Jochbeinbeuge, mit dem Schaft berührt werden. Ist der Schaft nicht am Jochbein, sondern etwas tiefer, kann das Korn am absolut richtigen Punkt sein, der Schuss geht jedoch über das Ziel, da die Läufe – bezogen auf die Blickachse – zu steil angestellt sind.

Das ist das ganze Geheimnis des Spruches: „Die Läufe schießen, aber der Schaft trifft“! Der Schütze schlägt die Waffe zum Kopf an und geht danach mit dem Korn zum Ziel. Erst dann tritt die gewünschte Parallelisierung von Blick- und Laufachse ein und die Läufe schießen dorthin, wohin der Schütze blickt (Abb. 6). Dies setzt natürlich einen genau passenden Schaft voraus, worüber im folgenden Abschnitt ausführlich gesprochen wird. Ohne passenden Schaft ist auch der beste Anschlag sinnlos!

An dieser Stelle möchte ich den zweiten wichtigen Grundsatz für das Treffen aufstellen:

  1. Schaft zum Kopf!

Es ist völlig klar, dass der Schuss genau in dem Moment, in dem die Mündung (das Korn) das Ziel erreicht, ausgelöst werden muss. Ein Blick zur Schiene bzw. zum Korn und alles ist vorbei. Das Bild, welches Sie im Moment des Wegblickens vom Ziel wahrnehmen, ist beim Schuss Vergangenheit, denn das Ziel ist zwischenzeitlich weitergeflogen.

Voraussetzung zum regelmäßigen Treffen ist, dass der Schaft in seinen Abmessungen den individuellen Körpermaßen des Schützen entspricht und zwar sowohl hinsichtlich der Länge, der Schränkung und insbesondere der Senkung (siehe Skizze A und B).

Skizze A

Flintenschießen Skizze-A

Skizze A zeigt, dass die richtige Senkung des Schaftes, die dem Schützen angepasst ist, zur exakten Lage der Blicklinie über der Schiene führt.

Skizze B

Flintenschießen Skizze-B

Auf Skizze B ist gut zu erkennen, dass der Schaft genau um den Betrag geschränkt ist, der zur genauen Seitenausrichtung der Läufe in Richtung Blickachse führt. Beachten Sie bitte, dass die Laufmitte nicht identisch mit der Schaftmitte (an der Schaftkappe) ist. Der Betrag dieser Abweichung stellt die Schränkung dar.

Im Einzelnen bedeutet das, dass die Senkung des Schaftes, an der Stelle, an der – in Abhängigkeit von der Länge – der Schaft am Kopf anliegt, dem Jochbein-Auge-Abstand des Schützen entspricht (Abb. 6).

Abb. 6

Flintenschießen-6

Abb. 6: Auf diesem Bild ist gut zu erkennen, welche grundsätzliche Bedeutung die Senkung des Schaftes für das Treffen hat! Die genaue, dem Schützen angepasste Senkung führt zur „Parallelisierung“ von Blick- und Laufachse.

Ebenso die Schränkung.

Dies versteht der Fachmann unter Maßschäftung und nicht das Messen des Abstandes Ellenbeuge – Abzugsfinger.

Zusammenfassend ist Folgendes zu sagen:

Der Anschlag auf der richtigen Seite des Kopfes (Führauge) am Jochbein stellt sowohl die korrekte Höhenausrichtung der Waffe (über die richtige Senkung) als auch die korrekte Seitenausrichtung (über die richtige Schränkung) her. Beides sind Voraussetzungen zum eigentlichen „Zielen“. Zielen ist hier umgangssprachlich gemeint, denn beim Flintenschießen wird nicht gezielt im Sinne des Zielens beim Kugelschuss. Das Ankommen des Kornes am Schusspunkt muss den Schuss auslösen. Erfolgt in diesem Moment des Ankommens ein Kontrollblick zur Waffe wie beim Schießen mit Visier, ist der Schrotschuss verdorben. Der Blick muss ständig auf dem Ziel bleiben.

Das Führen des Kornes zum Ziel (bei vorher richtigem Anschlag, wie beschrieben) stellt dann die Parallelisierung von Blick- und Laufachse her.

Die Waffe schießt dorthin, wohin der Schütze blickt!

***

(Ende der zweiten Leseprobe, jedoch nicht des zweiten Kapitels.  Anschließend geht es in dem Kapitel Anschlag und Schaft um die korrekte Kopfhaltung, Unterschiede zwischen dem Universalschaft und einem normalen Schaft mit Fasanenschäftung, warum welche Ziele „aufsitzend“ und gerade oder „leicht abgedeckt“ beschossen werden und und und…)

 

***

Anmerkungen

Von KRAUTJUNKER existiert eine Gruppe bei Facebook.

Flintenschießen neumann-neudamm

Autor: Peter Schäfer

Titel: Flintenschießen: Der einfache Weg zum perfekten Flintenschuss

Verlag: Verlag J. Neumann-Neudamm

ISBN:978-3788816988

Verlaglink:http://www.jana-jagd.de/waffen-und-optik/buecher/5776/schaefer-flintenschiessen

Fotos: Bernd Schlitt, Antrifttal

*

Erster Beitrag aus dem Buch: https://krautjunker.com/2017/03/10/flintenschiessen-das-sehen/

***

Schießlehrer Peter Schäfer, Obere Bergstraße 9 in 36151 Burghaun-Schlotzau

Mobilnummer: 0170 – 290 8541

Weblink: www.profi-schießlehrer

E-Mail: peter@profi-schiesslehrer.de

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s