Der Fluss

Buchvorstellung

Eigentlich bin ich kein großer Liebhaber von Action-Filmen oder -Büchern. Ich arbeite im Vertrieb und hab zwei kleine Kinder. Mehr Action hätte ich nur, wenn man auf mich schießen würde. Die Verlagsbeschreibung ließ mich dann doch Blut lecken:

»Berge, Bücher und das Angeln – drei der Dinge, die Wynn und Jack miteinander verbinden. Die beiden machen sich auf, den Maskwa River in Nordkanada mit dem Kanu zu befahren; sie freuen sich auf lange Tage geruhsamen Paddelns, dazu nächtliches Sterneschauen und Westernlesen. Ein Brand, der sich rasend schnell durch den Wald frisst, zwingt sie jedoch, den Fluss möglichst schnell zu passieren. Am nebelverhangenen Ufer hören sie ein Paar in heftigem Streit. Sie vor dem nahenden Feuer zu warnen misslingt jedoch, und plötzlich ist das Paar verschwunden … Eine eindringlich erzählte Geschichte über die Sehnsucht nach dem Ursprünglichen, das Überleben in der Wildnis und die menschliche Unberechenbarkeit.«

Klingt doch gut, oder? Was ich weiterhin über den Autor las (siehe: http://www.peterheller.net/about/) sowie das wunderbar gestaltete Deckblatt des Schutzumschlages, ließ mich zum Buch greifen.

Die Geschichte einer Flussfahrt, welche mit der schlichten Feststellung »Seit zwei Tagen schon rochen sie den Rauch« beginnt, gleicht von ihrer Dramaturgie selbst einer Fahrt über ein Wildwasser. Zuerst ruhige Ausblicke zweier Freunde auf die Natur und ihre Freuden am Angeln und Paddeln. Eine Idylle über die langsam dunkle Wolken aufziehen.

»Es gibt keinen Ort, an dem ich jetzt liebe wäre, dachte er. Aber auch: Etwas stimmt nicht. Er spürte es in seinem Nacken, wo sich ihm die Härchen aufstellten wie zu Hause, wenn in den Never Summer Mountains ein Gewitter drohte; oder in Montana, wenn er einem Bären vor die Nase lief. Er hatte ihn immer schon gehabt, diesen sechsten Sinn – manche Menschen haben ihn einfach -, und er hatte ihm mehr als einmal den Arsch gerettet.«

… und dann, Schlag auf Schlag, nimmt die Story Fahrt auf.

»„Ich habe schon einige Waldbrände gesehen, Wynn.“
Wynn zuckte zusammen. Jack nannte ihn fast nie bei seinem richtigen Namen. Es bedeutete, dass die Lage ernst war, wie wenn seine Mutter früher sagte: „Wynn Peter Brelsford …“ Dann war es wirklich schlimm. „Du hast schon einige Waldbrände gesehen, will heißen?“
„Das das hier der größte Oschi ist, den ich je gesehen habe. Sieht aus wie eine Scheune, die in Flammen aufgeht, aber hoch eine Million.“
„In acht oder neun Tagen wird der Fluss breiter. Hundert Meter bestimmt.“
Jack zog eine Augenbraue hoch. Er fischte die Skoaldose aus seiner Hemdtasche, nahm den Deckel ab und bot Wynn davon ab, doch der schüttelte den Kopf. „Dieses Ding …“, erklärte Jack. Er nahm eine große Prise aus der Dose und steckte sie sich zwischen Zähne und Unterlippe. „Wird den Fluss nicht mal bemerken. Es wird über ihn wegbrettern, wie ein Sattelschlepper über ein Streifenhörnchen.“
„Trotzdem, wenn wir da gerade mitten auf dem Fluss sind.“
Jack zuckte mit den Achseln. „Schon. Aber die Luft wird extrem heiß. Dadurch entsteht ein Feuersturm. Der Rauch, der anrollt, ist eigentlich Gas, und wenn der Wind entsprechend weht, dann entzündet es sich und verwandelt alles im Umkreis von einer Viertelmeile in Holzkohle.“

Als ob dies nicht schon schlimm genug wäre, werden die unterschiedlichen und doch tief miteinander verbundenen Freunde, in gewalttätige zwischenmenschliche Konflikte gezogen.

Die handwerkliche Technik des Autors heißt Der Schmelztiegel, was zu dem Waldbrand als Bühne des Stückes gut passt. Der Autor James Fry definiert den Schmelztiegel als den »Behälter, in dem die Figuren zusammengehalten werden, während sich die Dinge aufheizen«. Verschiedene Personen geraten in einen Konflikt, weil sich ihre Ziele widersprechen. Sie können sich nicht aus dem Weg gehen, da ihr Umfeld sie aneinander kettet. Irrational und gewalttätig sind hier nicht nur die Menschen, sondern auch die Wildnis, welche von einem apokalyptischen Waldbrand verschlungen wird.

Der Plot ist kein komplizierter Cocktail, aber haut einen doch wie ein knackiger Wodka-Martini von den Füßen: Die Natur wechselnd zwischen Traum und Albtraum. Mittenmang unterwegs, die in einem mörderischen Kriminalfall verwickelten Reisenden. Das Buch ist eine archaische Heldenreise, wie uns seit der Odyssee fesselt.

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Verlagsinformation über den Autor:

Peter Heller Portrait

Peter Heller wurde 1959 in New York City geboren. Sein Debütroman The Dog Stars (Knopf 2012) war ein New York Times-Bestseller. Der Fluss – sein vierter Roman – gehörte in den USA zu den meisterwarteten Titeln des Frühjahrs 2019 und stürmte auf Anhieb diverse Charts: Amazon Pick of the Month, New York Times: 12 Books to Read. Hellers Romane und Sachbücher wurden mehrfach ausgezeichnet. Er lebt in Denver, Colorado.

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Anmerkungen

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5.0.2

Titel: Der Fluss

Autor: Peter Heller

Übersetzung: Matthias Strobel

Verlag: Nagel & Kimche

Verlagslink: https://nagel-kimche.ch/buecher/peter-heller-der-fluss

ISBN: 978-3312011346

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Autorenfoto: © John Burcham

Umschlaggestaltung und Motiv: Hauptmann & Kompanie Werbeagentur, Zürich

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