Auf der Spur des Schneeleoparden: Expedition in ein vergessenes Land – eine Reise in Grenzbereiche der Erfahrung

Buchvorstellung

Das ist im Grunde der einzige Mut, den man von uns verlangt: mutig zu sein zu dem Seltsamsten, Wunderlichsten und Unaufklärbarsten, das uns begegnen kann. Daß die Menschen in diesem Sinne feige waren, hat dem Leben unendlichen Schaden getan; die Erlebnisse, die man „Erscheinungen“ nennt, die ganze sogenannte „Geisterwelt“, der Tod, alle diese uns so anverwandten Dinge, sind durch die tägliche Abwehr so sehr aus dem Leben hinausgedrängt worden, daß die Sinne, mit denen wir sie fassen könnten, verkümmert sind. Von Gott gar nicht zu reden.
Rainer Maria Rilke

Wie die vor das Auge gehaltene Hand den größten Berg verdeckt, so verdeckt das kleine irdische Leben die Sicht auf die mannigfalten Lichter und Wunder, an denen die Welt reich ist., und wer es vor seinen Augen fortzuziehen vermag, wie man eine Hand fortzieht, erblickt den mächtigen Glanz innerer Welten.
Rabbi Nachmann von Bratzlav

Keine Neuerscheinung, aber seit Jahrzehnten ein Klassiker des New Nature Writing. Der Autor Peter Matthiessen (* 1927; † 2014) war ein us-amerikanischer Architekt, Schriftsteller, Naturforscher und Zen-Lehrer. Nachdem er im Zweiten Weltkrieg bei der US-Marine im Pazifik diente und seinem Abschluss in Yale, zog er nach Paris, wo er maßgeblich an der Gründung des renommierten Literaturmagazins The Paris Review beteiligt war. Später gab er zu, dass diese Tätigkeit nur Tarnung für seinen eigentlichen Job als CIA-Agent war. Mitte der 50er Jahre zog es ihn zurück in die USA. Er entstammte einer wohlhabenden Familie, die sich auf den Glücklichen Matthias (* 1632; † 1706) einen ungemein erfolgreichen Walfänger-Kapitän von der nordfriesischen Insel Föhr zurückführte.

Im gesellschaftlichen Klima der frühen Sechzigerjahre experimentierte er mit bewusstseinserweiternden Drogen sowie fernöstlichen Religionen und Meditationstechniken. Nach dem Krebstod seiner zweiten Frau, die ihn mit vier Kindern zurückließ, begleitete er Ende 1973 den Zoologen George Schaller auf einer Expedition zum Kristall-Berg im Himalaya. Kennengelernt hatten sie sich 1969 in der Serengeti-Steppe, wo Schaller an einer vielgepriesenen Studie über Löwen gearbeitet hatte.

Dem Zoologen ging es bei dieser Wanderung die sie von unterhalb des Annapurna in das Dolpo-Gebiet auf der Tibetischen Hochebene führte, um die Erforschung von Himalaja-Blauschafen, auch Bharals genannt. Der trauernde Matthiessen hingegen suchte auf dieser Pilgerfahrt des Herzens seine Selbstheilung. Sein Reisebericht wurde zum Bestseller und Klassiker, brachte ihm den begehrten National Book Award.

Die gelungene Buchvorstellung des Klappentextes lautet wie folgt:

»Als Peter Matthiessen zusammen mit seinem Freund George Schaller von Pokhara in Westnepal zu einer außergewöhnlichen Expedition in das Hochland an der tibetischen Grenze aufbricht, liegt ein 400 Kilometer langer Fußmarsch vor ihnen. Er führt sie, unter extremsten Bedingungen, in eine Gegend, die noch kaum der Fuß eines Fremden betreten hat. Für Peter Matthiessen, der sich in einer Lebenskrise befindet, ist dieses Unternehmen zugleich eine „Pilgerschaft des Herzens“, der Versuch, zu seinem wahren Ich zu finden.
Äußerer Anlaß des Abenteuers ist die Hoffnung, einen der letzten Schneeleoparden, die seltenste und schönste Großkatzenart, aufzuspüren. Das scheue Tier, dessen Spuren sie immer wieder kreuzen, wird für Matthiessen zu einem Symbol seiner inneren Suche. Die Gefahren der Bergwildnis des Himalaja, denen er sich dabei aussetzt, – Wetterstürze, Sturm, Hagelschlag, alles erstickende Schneefälle – sind Belastungen, die bis an die Grenze des Ertragbaren gehen und unter denen eingefahrene Verhaltensmuster zerbrechen. Das gleißende Licht und die sauerstoffarme Luft machen ihn durchlässig für Grenzerfahrungen des Bewußtseins. Bergdämonen, die Berichte der Einheimischen vom legendären Schneemenschen Yeti und die Mystik der tibetischen Mönche verlieren ihre Fremdheit – sie erscheinen fast wirklicher als die für einige Monate hinter dem gläsernen Horizont versunkene Welt einer rein materialistischen Zivilisation.«

Eine kleine Leseprobe hier zum Schluss:

»Ich wachse in den Berg hinein wie Moos, ich bin verzaubert von den blendenden Schneegipfeln und der glasklaren Luft, dem Klingen von Erde und Himmel in der Stille, den Bestattungsvögeln, den Sagentieren, den Fahnen, großen Hörnern und alten beschrifteten Steinen, von dem groben Tartarenvolk in seiner Tracht un den Filzstiefeln, vom silbernen Eis auf dem Schwarzen Fluß, dem Kang-La und dem Kristall-Berg. Und ich liebe die alltäglichen Wunder: das Murmeln meiner Freunde am Abend, das heimelige Wacholderfeuer im Lehmherd, die eintönige Nahrung, die härte und Einfachheit dieser Tage und die Befriedigung, immer nur eines nach dem anderen zu tun. Wenn ich meinen blauen Trinkbecher in die Hand nehme, tue ich nichts anderes. Seit Ende September wissen wir nicht, was für Neuigkeiten es in der Welt gibt, und werden es auch bis Dezember nicht wissen. Allmählich läutert sich mein Geist, Sonne und Wind haben meinen Kopf leergefegt. Und obwohl wir wenig sprechen, bin ich nie einsam; ich bin in mich selbst zurückgekehrt.
Nun, da ich einmal hier bin, möchte ich den Kristall-Berg nie wieder verlassen. Schon bei dem Gedanken daran lächle ich, um nicht weinen zu müssen. Ich denke an Deborah, auch sie würde lächeln. In einem anderen Leben – ich weiß das nicht, ich spüre es nur – sind diese Berge mein Zuhause gewesen. Irgendwo in mir regt sich längst vergessenes Wissen und tritt hervor wie eine Quelle aus einer verborgenen Wasserader. Einen Blick auf das eigene Wahre-Wesen zu erhaschen, ist eine Art Heimkehr zu einem Ort östlich der Sonne und westlich des Mondes, eine Heimkehr, die keines Heimes bedarf, wie der Wasserfall am oberen Suli Gad, der sich in Nebel verwandelt und wieder aufsteigt, noch ehe er die Erde berührt.«

*

PRESSESTIMMEN

Matthiessen ist ein wunderbarer Beobachter, vielleicht deshalb, weil er sich stets bewußt ist, in der Gegenwart des Wunderbaren zu sein. Wenn er nach innen schaut und nach außen blickt, dann verschmelzen die beiden Landschaften miteinander.
Das ist Zen in der Kunst des Beobachtens.
New York Times

***

Von KRAUTJUNKER existiert eine Facebook-Gruppe.

Titel: Auf der Spur des Schneeleoparden: Expedition in ein vergessenes Land – eine Reise in Grenzbereiche der Erfahrung

Autor: Peter Matthiessen

Übersetzung: Maria Csollánny und Stephan Schuhmacher

Verlag: Scherz, Herder, SVB, (1982)

ASIN: B0056W099E

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