Der leckerste Winterpilz: Samtfußrübling

von Maya Ragana

Wer suchet, der findet, aber nicht das was er suchet und schon gar nicht da wo er es zu finden denkt und äh hmm…

Statt Judasohren fand ich an meiner Ohrenstelle heute eine Invasion von Samtfußrüblingen vor. Diesen Pilz kenne ich aus dem Norden und Süden Deutschlands, aber um Berlin rum habe ich ihn bisher nur selten gesehen. Umso freudiger nahm ich diese Invasion auf und verlagerte sie in meine Küche.

Samtfußrüblinge kommen zusammen mit dem Frost und befallen meistens Laubbäume (mit der Ausnahme von Nadelbäumen). Daher die gebräuchliche Bezeichnung Winterpilz.

In den letzten Tagen hat es ordentlich geregnet und nachts haben Temperaturen um die 0 Grad angeschlagen. Ein guter Zeitpunkt um nach Winterpilzen zu suchen, dachte ich und tatsächlich wurde ich fündig. Dass es statt Ohren Samtfußrüblinge gab, war eine der besseren Überraschungen im Leben.

Ich fasse die Samtfußrüblinge also an (man muss sich schließlich die Hand geben bevor man jemanden aufisst) und sie fühlen sich total schleimig, weich und gummiartig an. So ungefähr wie weiches, eingeöltes Silikon. Damit unterscheiden sie sich bereits in ihrer Konsistenz stark von anderen Baumpilzen, mit denen sie verwechselt werden könnten. Ich drehe sie vom Holz ab während sie glitschig nachgeben und laufe schnellstmöglichst nach Hause mit einem Umweg von 10 km, weil die Sonne so schön scheint.

Die Stiele werden nicht zubereitet – sie sind zu zäh. Die Hüte sind aber sehr weich und können trotz ihrer Elastizität leicht gebrochen werden. In der Pfanne lassen sie vor Freude gleich ihre ganze Flüssigkeit, weshalb man nicht zu viel Butter/Öl nehmen sollte. Sie sollten auf nicht allzu hoher Flamme so lange geschmort werden, bis sie nicht mehr „brechen“, wenn man sie zerteilt. Bei kleinen Exemplaren kann die Zeit sogar in Sekunden gemessen werden.

Manche schwören aufs Trocknen, Andere auf Mischpfannen oder Suppen, but not me.
Am liebsten „schwitze“ ich die Samtfußrüblinge an bis sie durch sind und esse sie heiß (und gesalzen) auf kaltem, mit Gurke und Frischkäse belegtem Brot (oder wie im Bild Reiswaffeln).

Nur weil es Winter ist, muss man schließlich nicht verhungern oder schlecht essen.

Der Samtfußrübling gilt auch als Vitalpilz und wird sowohl in der chinesischen als auch japanischen traditioneller Medizin eingesetzt. Er soll immunisierend und sogar tumorhemmend wirken. Für die Leber soll er auch gut sein (das trifft sich aber gut – siehe vorherigen Post -> https://krautjunker.com/2019/11/29/herbstlorchel-ein-selbstversuch-damit-ihr-es-nicht-musst/).

Wer Samtfußrüblinge zum ersten Mal sammelt, sollte den Stiel der größeren Exemplare auf folgende Merkmale untersuchen; er ist dunkel (zum Hut heller), samtig, ohne Rillen oder Flocken und ohne Manschette. Geruch und Geschmack sehr mild, pilzig und angenehm.

***

Anmerkungen

Von KRAUTJUNKER existiert eine Facebook-Gruppe.

Maya Ragana ist eine Katastrophenforscherin aus Berlin, die aus der Forschung ausbricht, um etwas absolut schockierendes und unerwartetes zu treiben: nämlich Erkenntnisse auf eine verständliche und pragmatische Art weiterzuvermitteln.
Sie schreibt informative und witzige Beiträge über unsere Umwelt, Nachhaltigkeit & Autarkie und bietet Kräuter- und Pilzführungen an.

Mehr Info und regelmäßige Beiträge unter:

https://www.facebook.com/MayaRaganaWalks

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