Gin of Thrones – Trinken wie in den Sieben Königslanden

Buchvorstellung von Daniela Brack

Gelegentlich ist das Leben grausam: Etwa, wenn es verspricht, dass Arbeit auch Vergnügen sein kann und wenn es lockt, die Leidenschaft für feine Geister mit der für cineastische Leckerbissen zu verbinden. Doch wie so oft, kommt es dann anders…

So jüngst geschehen, also ich gebeten wurde, Gin of Thrones zu erlesen, zu ertrinken und an dieser Stelle zu besprechen. Gleich kam mir Tyrion Lennisters „I drink and I know things“ in den Sinn – und die Einsicht, dass es wohl seit Dallas (die Älteren unter uns werden sich erinnern) oder Mad Men keine TV-Serie gab, bei der Alkohol eine so prägnante Rolle gespielt hat, wie bei Games of Thrones.
Was lag also näher, als dies mit einem liebevoll erdachten Cocktail-Kompendium für Fans der Serie, mit einer intelligenten, aber hochprozentigen Mischung aus Eis und Feuer zu zelebrieren?

Leider ist Gin of Thrones nichts von alle dem. Das Buch ist weder so intelligent wie ein Maester aus Altsass, noch so liebvoll konzipiert wie die Bücher von R. R. Martin – und bei weiten nicht so amüsant wie ein Abend mit Tyrion Lennister.

Als erstes der Titel, der – gleichlautend auch im englischen Original – eine gewisse Affinität zum Wacholder-Destillat verspricht. Fehl-Anzeige: Von den insgesamt 44 Longdrink- und Cocktail-Rezepten im Buch enthalten gerade einmal drei (!) Gin.

Auch die Idee, jeder Figur der an komplexen Charakteren nicht armen Serien einen Drink zu widmen, hätte jeden Bartender in Verzückung versetzt. Aber wieso beim Feuer der Drachen widmet man etwa Kahl Drogo, dem Anführer der berittenen Steppenvölker der Dothraki, ausgerechnet einen Drink, den jeder mit Strand und Palmen assoziiert: die „Pina-Khal-Ada“?

Abb.: Pina-Khal-Ada; Bildquelle: Buch fotografiert von Daniela Brack

Oder weshalb erhält Thoros von Myr, der trunkendste Mann und Krieger, den Westeros je gesehen hat (er kämpfte an der Seite von König Robert Baratheon bei der Belagerung von Peik und war dabei so betrunken, dass er sich danach an die Schlacht nicht mehr erinnern konnte), eine alkoholische Würdigung in Form eines Sekt-Orange; einer Mixtur, die mit Recht aus dem Kanon ernst zu nehmender Aperitifs verschwunden ist?

Abb.: Gegorene Stutenmilch der Dothraki; Bildquelle: Buch fotografiert von Daniela Brack

So wird Gin of Thrones zu einer recht phantasie- und lieblosen Sammlung von Longdrink- oder Cocktailrezepten, ergänzt um – und zumindest hier arbeitet der Autor stringent – mit so geschmacklosen Bar-Snack-Empfehlungen wie den „Nüssen der Unbefleckten“ oder „Theons Cocktailwürstchen“. Als sei dies nicht schon enttäuschend genug, klingt mir auf einmal Ramsay Boltons: „Wenn Du denkst, dies hat ein glückliches Ende, hast Du nicht aufgepasst“ wie ein böses Omen in den Ohren.

Leider behält er Recht. Denn auch der dritte Teil des Buches, die jedes Kapitel abschließenden Trinkspiele, die sich auf die Ereignisse in je einer Staffel der TV-Serie beziehen, lassen mich den Kopf schütteln. Sie mögen den Leser bis zum kommenden Morgen vergessen lassen, haben aber in etwa den Unterhaltungswert eines Abends in Crasters Bergfried… Die Choreografie lautet wie folgt:
»Wenn ein Charakter der Serie etwas trinkt, trinkt auch ihr. – Nehmt jedes Mal einen Schluck, wenn… – Trinkt aus, wenn… – Trinkt die ganze Zeit ohne abzusetzen, wenn… – Kippt einen Kurzen, wenn…«
Ehrlich jetzt…?!?!

Und dies ist wohl nur einer der Gründe, weshalb Gin of Thrones es nicht in die (durchaus) lange Reihe der offiziellen Merchandising-Produkte zur TV-Serien geschafft hat, sondern sich „inoffiziell, unautorisiert und hochprozentig“ rühmt (oder es muss). Dabei hätte eine Außenseiter-Rolle, ganz in der Tradition eines John Snow, soviel Reiz und Potential gehabt…
Somit darf das Buch unter anderem auch nicht auf lizensiertes Bildmaterial der Serie zurückgreifen und muss sich stattdessen mit eher uninspirierenden Graphiken begnügen.

Doch bei den Maestern von Altsass und den Säufern von Flohloch: Ich habe versucht, dem Buch etwas Gutes abzugewinnen – und es auch geschafft. Es gibt einen guten Grund und Anlass das Buch zu lesen: Eine lange und dunkle Nacht in der Schwarzen Festung – mit dem Rest der Nachtwache, wenn der Winter gekommen ist…   

*

KRAUTJUNKER-Rezensentin Daniela Brack

Daniela Brack ist Volkswirtin mit einer gewissen Betonung des zweiten Wortteiles, ohne jemals die Theke von der arbeitsreichen Seite bespielt zu haben. Als Fliegenfischerin ist sie den Umgang mit Verwerfungen gewohnt; als Freundin der Jagd versteht sie es, eine Treiberwehr auch in herausforderndem Terrain zur Turbodrückerkolonne anzuspornen, oft und gerne mit tatkräftiger Unterstützung des #Leihhund-DDs. Als Journalistin hat sie bei der SZ für das Wirtschaftsressort geschrieben; mit „Irish Whiskey: Phönix von der grünen Insel“ hat sie das deutschsprachige Standardwerk vorgelegt. 

***

Anmerkungen

Von KRAUTJUNKER gibt es nicht nur eine Facebook-Gruppe, sondern jetzt auch Outdoor-Becher aus Emaille. Kontaktmail für Anfragen siehe Impressum.

Titel: Gin of Thrones – Trinken wie in den Sieben Königslanden

Autor: Daniel Bettridge aka Maester Jaeger

Verlag: riva Verlag

Verlagslink: https://www.m-vg.de/riva/shop/article/18178-gin-of-thrones/

ISBN: 978-3-7423-1318-8

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s