Armbrustschießen

von Stefan Bohm

First things first – die Anfrage zu diesem Erfahrungsbericht kam für mich total zufällig und überraschend, durch den KRAUTJUNKER-Blog. Meine Freundin, Sybille Lengauer hat den Kontakt hergestellt und so komme ich zu dem Vergnügen, Euch mein Hobby näher zu bringen.

Ich bin weder Jäger, noch besonders bewandert auf diesem Gebiet, mein Anspruch besteht ausschließlich im freizeit-sportlichen Ehrgeiz, ein Ziel zuverlässig zu treffen. Am wichtigsten dabei sind mir die Schwerpunkte Ruhe und Präzision, Lösung vom Alltag und Fokussierung auf Haltung, Atmung, Bewegungsabläufe etc..

Im echten Leben bin ich Pädagoge und besonders in den Gebieten der Gewaltprävention, Familienhilfe und der Arbeit mit jugendlichen Straftätern unterwegs.

Die zielgerichtete Beschleunigung von Kugeln, Steinen, Bolzen, Darts und Pfeilen verschafft mit dazu einen Ausgleich, der oftmals viel stärker in Richtung „meditative Kontemplation“ geht, als der Gedanke an Leistungssport oder Jagderfolg.

Abb.: Bogenschießen; Bildquelle: Stefan Bohm

Ich habe mich im Laufe der letzten 12 Jahre an den Umgang mit diversen Sportgeräten (manche würden auch Waffen sagen) aus dem „Modern – Primitive“ Bereich angenähert.

Angefangen habe ich mit Schleudern / Zwillen, die ich überwiegend auch selbst gebaut habe.

Klar sind Astgabeln eine gute Option, jedoch gibt es auch in diesem, sportlichen Nischen-Bereich hochwertige Handwerkskunst. Vergleichbar mit den Arbeiten von Custom Messermachern.

Allein den handwerklichen Aspekt – die Arbeit mit unterschiedlichsten Hölzern, Stahl- und Alu-Kernen, Verbundmaterialien wie Micarta, Carbonfiber und G10 mit dem Ergebnis eines vorzeigbaren und besonders funktionalen „Kugelbeschleunigers“ empfinde ich als sehr entspannend und befriedigend. Da könnte ich sicher mehrere eigene Artikel drüber schreiben.

Der Weg zu anderen „Modern Primitive“ Geräten, wie Bogen, Blasrohr und Armbrust wurde durch die Möglichkeit der Nutzung eines geeigneten Geländes für mich realistisch und damit äußerst  attraktiv.

Da es hier in erster Linie um die Armbrust gehen soll, fange ich an dieser Stelle mit den waffenrechtlichen Auflagen an.

Waffenrechtliche Auflagen

Bögen, Blasrohre und Schleudern (ohne Armstütze) unterliegen keinerlei waffenrechtlichen Bestimmungen – hierbei handelt es sich ausdrücklich um Sportgeräte. Egal ob es nun ein 15 lbs Kinder – Recurve Bogen oder ein 90lbs Hochleistungs-Compound-„Monster“ ist – ein Bogen ist keine Waffe und darf grundsätzlich überall dort genutzt werden, wo die Gefährdung Dritter ausgeschlossen ist. Die Nutzung von Privatgrund ist natürlich immer mit dem Besitzer zu klären.

Abb.: Armbrustschießen; Bildquelle: Stefan Bohm

Trotzdem bietet es sich an, auch hier das Gehirn einzuschalten – wenn ich mit dem Bogen und „Broadhead“ – Jagdspitzen auf meinen Pfeilen durch den Wald krauche, muss ich mich nicht über eine Anzeige wegen des Verdachts auf Wilderei wundern.

Es geht mir hier wirklich nur um die verantwortungsvolle, freizeit-sportliche Nutzung, keine Verbreitung von Prepper-Ideologien oder den jagdlichen Einsatz.

Bei der Armbrust sieht die ganze Geschichte waffenrechtlich leider etwas anders aus. Weil die eingebrachte, kinetische Energie gespeichert wird (Sehne im Schloss), ist die Armbrust Schusswaffen weitestgehend gleichgestellt.

Eine private, legale Nutzung ist dennoch möglich, allerdings muss z.B. sichergestellt sein, dass der Bolzen / Pfeil das befriedete Gelände nicht verlassen kann. Ähnlich, wie bei Luft- oder KK Waffen.

„Ballern“ im Wald oder auf dem Acker neben der Hauptverkehrsstrasse ist also ein absolutes NoGo. Nicht nur moralisch und bezogen auf den gesunden Menschenverstand, sondern auch strafrechtlich!

Abb.: Armbrustschießen; Bildquelle: Stefan Bohm

Das muss vor der Anschaffung einer Armbrust zu 100% klar sein und ein geeignetes Gelände zu finden, ist oft nicht leicht. Bogenvereine lassen Armbrust-Schützen häufig nicht zu, ebenfalls 3D-Parcour-Gelände scheiden in Deutschland aus.

Die Nutzung von Schiessbahnen für Sportschützen mit Feuerwaffen ist ebenfalls oft nicht möglich, allein schon aufgrund der Plattenkonstruktionen im Deckenbereich.

Bögen und Armbrüste haben, verglichen mit Schusswaffen, eine deutlich höhere ballistische Kurve, daher sind abgehängte Schiessbahnen oftmals schlicht zu niedrig, um auf größere Distanzen von 60, 70 und mehr Metern kommen zu können.

Die Jagd ist in Deutschland ohnehin mit Armbrust und/oder Bogen verboten, zu derzeitigen Ideen zur legalen Nutzung bei der Wildschweinjagd im Raum Berlin mit diesen Geräten habe ich keine aktuellen Infos.

Sind also erst mal alle diese grundsätzlichen Hürden genommen, ein geeignetes Gelände gefunden und mit den nötigen, baulichen Maßnahmen zur Sicherung versehen, kommt die erste große Frage: Compound oder Recurve?

Beides hat seine Vor- und Nachteile und ich würde mich nicht ausdrücklich für das eine oder gegen das andere System entscheiden wollen.

Für beide Varianten gilt: kauft nicht den billigsten Mist beim Online-Hansi z.B. aus China.

Denkt bitte daran, dass ihr mit erheblichen Zuggewichten und hoher kinetischer Energie nahe eures Kopfes und eurer Hände arbeitet – hier kann man leicht am falschen Ende sparen und schließlich solltet ihr an Eure Sicherheit beim Sport denken.

Es gibt dabei nur zwei Möglichkeiten:

Ein Billig-Moped verdirbt euch von vornherein den Spaß an einem grundsätzlich extrem schönen Hobby / Sport oder ihr seid „angefixt“ und merkt nach zwei/drei Wochen, dass ihr etwas Besseres braucht, um in die Nähe der erwünschten Leistung zu kommen. Dann kauft Ihr sowieso doppelt und als zweite Armbrust dann ein teureres und höherwertiges Modell.

Wenn Ihr irgendwie die Möglichkeit habt, fahrt zu einem Fachhandel und nehmt verschiedene Exemplare in die Hand!

Ebenfalls gilt für beide Systeme: Es gibt Verschleiß und den fortlaufenden Bedarf an Wartung und Pflege. Hier ist eine Recurve Armbrust deutlich anwenderfreundlicher, da man zum Entspannen, z.B. zum Sehnenwechsel, keine spezielle Bogenpresse benötigt. Eine Compound Armbrust kann vom Laien nicht vollumfänglich zerlegt und gewartet werden, hierzu benötigt Ihr den Fachhändler Eures Vertrauens oder mindestens eigene Kenntnisse und eine Bogenpresse. Von Experimenten mit LKW Spanngurten solltet Ihr unbedingt Abstand nehmen, auf die Gefahren eines Leerschusses, also ohne eingelegten Pfeil / Bolzen gehe ich später noch ausführlich ein.

Das Anbringen von Mittenwicklungen müsst Ihr Euch auf jeden Fall aneignen.

Auch ist die Verwendung sowohl von einem Schmiermittel für die Lauffläche, als auch Sehnenwachs für die Sehne Pflicht für ein längeres Leben der Verschleißteile.

Hierbei folge ich den Regeln „viel hilft nicht unbedingt viel“ und „weniger ist mehr“. „Raillube“ soll die Lauffläche ganz leicht gleitend halten – (Fachhandel). Dicke Pfropfen von Vaseline oder WD40 als alte Hausmittel wirken hier eher kontraproduktiv und binden Staub und Dreck, so dass Ihr euren Lauf, bzw. die Gleitfläche damit eher zu Schmirgelpapier umfunktioniert. Ihr wollt auch ausdrücklich keine fetten Batzen von dem Zeug in eurem Schloss!

Sehnenwachs massiere ich mit ordentlich Reibungswärme großzügig in die freien Stränge meiner Sehne und extrem minimalistisch auf die Mittenwicklung, damit sie nicht aufquillt, aber dennoch einen ganz leichten Schutz vor den hohen Reibungskräften und den dabei entstehenden, hohen Temperaturen hat. Hier erhebe ich keinen Anspruch auf Perfektion meiner Verfahrenswege – viele, viele, viele kontroverse Meinungen kursieren hier nebeneinander. Eine lauter, als die Andere im ständigen hin und her…

Meine Compound Armbrust ist tatsächlich am unteren Ende dessen angesiedelt, das ich guten Gewissens nutze und auch Anderen in die Hand geben würde: eine HoriZone Kornet 390 XT. Hier bewegen wir uns im Preissegment von ca. 400 €.

Meine Recurve Armbrust ist eine Excalibur Axe 340, zusätzlich aufgewertet durch einen 1.5lbs Abzug des Herstellers „Triggertech“. Mit einem brauchbaren Zielfernrohr sprengen wir hier allerdings leicht die 1000€ Grenze.

Anhand dieser beiden Modelle werde ich euch im Verlauf des Artikels die Unterschiede, die jeweilige Handhabung und auch persönliche Anmerkungen wiedergeben.

HoriZone Kornet 390 XT

Abb.: HoriZone Kornet 390 XT; Bildquelle: BogenSportWelt

Zuggewicht: 185 lbs.
Geschwindigkeit: ca. 340fps +*                   

Powerstroke (Auszugslänge): 14 zoll          
Gewicht (ohne Anbauteile): ca. 3,1 kg        
Zielfernrohr: NoName 4×32                        

*bei Verwendung des minimalen Pfeilgewichtes

EXCALIBUR Micro Axe 340

Abb.: EXCALIBUR Micro Axe 340; Bildquelle: BogenSportWelt

Zuggewicht: 270 lbs.
Geschwindigkeit: max. 340fps*
Powerstroke: 13 zoll
Gewicht (ohne Anbauteile): ca. 2,5 kg
Zielfernrohr: Excalibur Tact 100

*bei Verwendung des minimalen Pfeilgewichtes

Beide Armbrüste sind jeweils in ihrem Marktsegment keine „Leistungsmonster“, sondern in einem moderaten Bereich eher am unteren bis knapp mittleren Leistungsspektrum anzusiedeln.

Bei der Auswahl sollte man sich jedoch nicht von reinen „Schwanzvergleich“ Daten blenden lassen. Ihr müsst Euch immer überlegen, was Ihr mit eurer Armbrust anstellen wollt. Das entspannte Zielschießen auf Entfernungen bis zu – sagen wir mal 100 Metern – ist in dieser Kategorie auf jeden Fall vernünftig möglich. Natürlich stark abhängig vom verwendeten Zielfernrohr (mit dem No-Name Scope meiner Kornet komme ich out of the box auf max. 60 Meter).

Logisch – stärker geht immer, jedoch auch immer mit dem Preis des höheren Verschleißes von Wurfarmen und Sehne. Außerdem müsst Ihr den Pfeil / Bolzen ja auch am Ende eurer Bahn sicher abfangen können. Viel mehr Leistung verlangt auch Eurer Scheibe, Pfeilfangsack, 3D-Tier usw. deutlich mehr ab und treibt hier auch die Kosten schnell in die Höhe. Zu allem Überfluss will die Armbrust auch unter Einbringung von Körperkraft gespannt werden. Das ist bei extrem schnellen und starken Geräten mit über 400fps kaum noch möglich. Hier kommen dann (mehr oder weniger umständliche) Kurbelaufsätze oder Einbauten zum Einsatz. Ich empfinde das als eher „fummelig“ und bevorzuge die klassische, einfache Seilzug-Spannhilfe mit zwei Handgriffen.

Obwohl – bei Ravin Armbrüsten ist das Kurbelsystem hervorragend gelöst – leider außerhalb meiner finanziellen Komfortzone…

Ich benutze bei beiden Armbrüsten deutlich schwerere Pfeile / Bolzen, als vom Hersteller als Mindestgewicht vorgegeben ( > 400 grain bei einem Mindestgewicht von 350). Auch hier ist der geringere Materialverschleiß für mich ausschlaggebend.

Zudem ist es mir tatsächlich egal, ob mein Pfeil mit 340, 350 oder auch „nur“ 310 fps fliegt, wenn ich mit einem vernünftig eingestellten Scope mein Ziel zuverlässig treffe – das muss aber sicher jeder für sich selbst wissen. Den Wunsch nach mehr Leistung will ich hier auf keinen Fall verurteilen, ist nur für mich bei einer maximalen Nutzungsentfernung von rund 80 Metern einfach nicht sehr relevant.

Den Jäger*Innen im Ausland bei legalen Jagdmöglichkeiten sei gesagt – die Axe 340 wird für jegliches Getier, das im nordamerikanischen Raum jagbar ist, als geeignet und ausreichend beworben.

Compound Armbrüste (und Bögen) haben den grundsätzlichen Vorteil der Zugentlastung. Durch die elliptischen Rollen (Cams) an den Enden der Wurfarme auf denen die Sehne verläuft, reduziert sich das Gewicht im Voll-Auszug (je nach Modell) erheblich (um 60 – 90%). Vergleichbar ist das mit einem Flaschenzug-Prinzip, physikalisch korrekter (für die Nerds) wäre der Begriff des Wellrad-Hebelgesetzes.

Die Compound Armbrust ist dadurch bei geringerem Auszugsgewicht leistungsstärker als Recurve Modelle.

Das erleichtert natürlich den Spannvorgang und verringert den Kraftaufwand, der zuvor per Körperkraft ins Gerät eingebracht werden muss.

Ein weiterer Bonus ist die geringere Reibung der Sehne auf der Schiene der Armbrust und damit eine Reduktion des Verschleißes der Mittenwicklung. Auch die Beschleunigungswirkung auf den Bolzen verhält sich etwas anders, als bei einer Recurve Armbrust. Durch die Zugentlastung erfolgt auch beim Lösen des Schusses keine sofortige, 100%ige Kraftfreigabe, sondern eine ansteigende Beschleunigung des Pfeils / Bolzens. Dies wird als materialschonender beschrieben und ermöglicht theoretisch eine stabilere Flugbahn durch ein geringer ausgeprägtes „wobbeln“ des Pfeiles (Archers Paradox).

Ganz ehrlich – hier fühle ich keinen extrem großen Unterschied bei meinen beiden Geräten.

Die Excalibur ist in jeder Hinsicht wertiger, das muss ich klar sagen, aber präzise schießt die Kornet ebenfalls. Der Verschleiß der Mittenwicklung ist bei der Recurve deutlich höher, als bei der Compound.

Insbesondere der verbaute 1.5lbs Triggertech Abzug meiner Axe trägt erheblich zu einem extrem sauberen Schussverhalten bei.

Obwohl hier 270 Pfund im Schloss hängen, löst der Triggertech sehr leicht und zuverlässig, ohne jeglichen „creep“ bei exakt 1.5lbs. Mir ist schon klar, dass hochwertige Match-Abzüge an Wettbewerbs-Luftgewehren noch deutlich feiner sind, aber der gefühlte Vergleich liegt hier durchaus nahe. Ein „Verreißen“ durch einen schwergängigen Abzug kann man hier getrost vergessen.

Der Abzug der Kornet liegt bei ca. 3.5 lbs und hat einen ganz leichten „Vorlauf“, bevor der Schuss an einem klar definierten Druckpunkt bricht. Ebenfalls sehr gut zu handeln, aber eine etwas andere Liga. Hier spüre ich den Unterschied von „funktional wertig“ zu „hochwertig“ beim Vergleich beider Armbrüste besonders deutlich.

Beim Spann-Vorgang hat dafür die Compound deutlich die Nase vorn.

Beide Armbrüste spanne ich mit den jeweils beiliegenden Spannhilfen – starke Seilzüge mit zwei Handgriffen, eingelegten Rollen und Haken, die die Sehne greifen und auf der anderen Seite über eine Kerbe im Schaft geführt werden. Hier stimmt der Begriff des Flaschenzug Prinzips und es erfolgt eine Entlastung des Zuggewichtes um 50%.

Wichtiger Tipp: knotet die Seile Eurer Spannhilfe so kurz wie möglich, evtl. sogar so kurz, dass Ihr die Sehne leicht mit der Hand anziehen müsst, um sie in die Haken einzuhängen. Das spart Euch einen längeren Zug-Weg und empfiehlt sich ganz besonders für Schützen*Innen, die nicht besonders groß sind oder kurze Arme haben. Außerdem rutscht dann das Spannseil nicht von der Kerbe im Schaft und sitzt sicher mit leichter Vorspannung.

Selbst wenn Ihr kräftig und in den Handflächen schmerzunempfindlich genug seid, solltet Ihr Eure Sehne nicht mit den Händen greifen, um sie bis ins Schloss zu ziehen. Verglichen mit einer Spannhilfe ist das zwangsläufig ein wenig ungenauer, da immer ein Arm etwas stärker ist, als der andere. Ihr würdet die Sehne also nicht jedes Mal so mittig ziehen, wie es euch eine Spannhilfe ermöglicht. Ich drücke meine auch vor dem Spannen immer direkt seitlich an die Laufschiene (Rail) an.

Mit 186 cm. Körperlänge bei einem Gewicht von knapp über 80 kg bin ich weder besonders stark, noch extrem schwächlich. Tatsächlich habe ich mir aber in meiner ersten Woche mit der Axe gedacht: „Mein lieber Herr Gesangsverein – was hast du dir damit angetan!“ Das Spannen fiel mir ganz ausdrücklich nicht auf Anhieb leicht. Besonders die letzten zwei Zentimeter haben es wirklich in sich und nach den ersten Tagen habe ich meinen Rücken deutlich gespürt.

Intensives Bogenschießen und die Regelmäßigkeit der Nutzung in den schönen Sommermonaten haben mir hierbei allerdings schnell geholfen. Ebenso wahrscheinlich eine Verbesserung meiner Haltung beim Ziehen der Spannhilfe. Rücken aufrecht und gerade, Beine leicht angewinkelt und dann beim Auszug strecken und Arme leicht anziehen! Keinesfalls nach vorn beugen!!!

Mittlerweile fällt mir der Spannvorgang mit meiner Axe nicht mehr besonders schwer. Viel mehr als die 270 Pfund würde ich jedoch „von Hand“ nicht 50x oder öfter an einem schönen Shooting-Nachmittag ziehen wollen.

Die Kornet zieht sich daneben im Vergleich vollkommen easy. Bei „nur“ 185 Pfund und der Zugentlastung mit den umschwingenden Cams sind ganz besonders die letzten paar Zentimeter ein Kinderspiel und die Sehne hängt vergleichsweise relativ leicht im Schloss.

Nur zur Orientierung, bitte nicht als Macho-Spruch oder genderspezifische Unkorrektheit verstehen: Die meisten erwachsenen (untrainierten) Männer werden sich mit beiden Systemen nicht extrem überfordern. Meine Freundin (auch groß, 183 cm und Lichtjahre entfernt von schwach) schafft die Axe ganz klar nicht – nicht mal annähernd. Mit der Kornet kommt sie vor der Zugentlastung knapp an ihre Grenze und bekommt sie nur mit größter Mühe über diesen Punkt und schließlich ins Schloss.

Das dürfte tatsächlich der geschlechtsspezifisch unterschiedlichen Ausprägung der Muskelgrößen im Schulter und Rückenbereich geschuldet sein. Dennoch beziehe ich mich hier ausschließlich auf den relativ untrainierten Durchschnittsmenschen. Untrainiert besonders im Sinne der ganz spezifischen Muskelbeanspruchung beim Bogen oder Armbrust Sport. Selbst erfolgreiche Kraftsportler*Innen haben nicht automatisch die Muskelpartien austrainiert, die im Bogensport besonders intensiv beansprucht werden.

Wie in jedem Sport ist regelmäßiges Training also auch hier das A und O.

Das zeigt sich besonders im freistehenden Schießen.

Eine Armbrust ist in der Handhabung bei der Schussabgabe nicht so weit von einem Gewehr entfernt. Interessanterweise, für mich erstaunlich, fällt mir die Präzision auf größere Entfernungen (50 Meter +) mit meinem Bogen (2019er Hoyt Nitrux, 60lbs) leichter als mit einem Armbrust-Gewehr. Wahrscheinlich ist das meinen vorherigen Jahren mit dem Schleudersport geschuldet, bei dem die Haltung dem Bogenschießen ähnlicher ist. Das sind aber keine Probleme, die mit regelmäßiger Übung nicht in den Griff zu bekommen sind. Was ich hiermit sagen möchte ist es, das auch der Umgang mit einer Armbrust nicht einfach automatisch sofort zu 100% funktioniert und vernünftig erlernt und geübt werden will.

Beim aufgelegten Schießen ist es bis ca. 50 Meter nicht zu empfehlen, mit nachfolgenden Schüssen auf denselben Zielpunkt anzulegen. Die Gefahr von „Robin Hood“ Treffern, also Pfeil in Pfeil, ist bei meinen beiden Armbrüsten hier viel zu groß – dafür sind die Bolzen / Pfeile ein bisschen zu teuer.

Diese Präzision finde ich bei „Pfeilwerfern“ extrem faszinierend und in höchstem Maße zufriedenstellend. Nebenbei erwähnt – spart nicht an hochwertigen Bolzen / Pfeilen. Auch hier kann man sich mit billigem Mist ganz ordentlich den Spaß verderben und einfach nicht auf die gewünschten Leistungen kommen, was dann nicht an eurer Performance liegt, sondern stumpf am Material.

Pfeilfang, Zielschiebe

Als Pfeilfang nutze ich einen Delta McKenzie Wedgie Sack, der die Pfeile meiner Wurfgeräte sicher hält. Auch nach mehreren 1000 Schüssen dringt keiner meiner Pfeile / Bolzen bis zur Befiederung in den Sack ein und sie lassen sich locker mit zwei Fingern ziehen. Absolute Empfehlung für unter 100€.

Als (einzige) Gratis-Alternative taugt hier noch ein Speißkübel, der prall mit Lumpen und Altkleidern gestopft wird (Reißverschlüsse und Knöpfe vorher abschneiden). Pappauflage drauf und mit Frischhaltefolie stramm wickeln. Dazu gibt es diverse Tutorials im Netz, ich fahre mit dem McKenzie Sack als einigermaßen transportable Lösung allerdings deutlich besser.

Abb.: M Bildquelle: Stefan Bohm

Abb.: Auch bei nur 20 Metern dringt der Bolzen nicht tiefer ein; Bildquelle: Stefan Bohm.

Abb.: Das Foto ist zwar vom Bogenschießen, zeigt aber den ganzen Sack sehr gut. Auch hier sind die Pfeile mit rund 300fps unterwegs. Die Spitzen treten hinten nicht aus, werden also sehr zuverlässig, sicher und schonend gebremst.; Bildquelle: Stefan Bohm

Noch ein paar Worte zu den Sicherheitseinrichtungen von Armbrüsten.

Wie alle modernen Armbrüste verfügen auch meine beiden Modelle über eine doppelte Sicherung.

Eine Abzugssicherung, die den Trigger vollständig blockiert und einen vorverlegten Sehnenfang, die „Trockenschuss-Sicherung“.

Dies sind zusätzliche Haken, die erst durch den eingelegten Pfeil / Bolzen nach oben geschoben werden und damit die Sehne frei passieren lassen. Wenn kein Pfeil eingelegt ist, ragen diese Haken in den Lauf der Sehne hinein und greifen sie ab, bevor ein Leerschuss eintreten kann.

Die Abzugssicherung greift bei vielen Armbrustmodellen automatisch beim Spannvorgang und muss vor jedem Schuss gelöst werden, so auch bei der Kornet.

Bei den meisten Excalibur Armbrüsten ist das anders herum gelöst – gespannt wird das Gerät in „Fire-Position“ und die Sicherung muss nach dem Einrasten der Sehne im Schloss und vor dem Einlegen des Bolzens manuell in die „Safe-Position“ umgelegt werden.

Dies kann als Nachteil empfunden werden, ich finde es allerdings jetzt auch nicht so schwierig, mich darauf einzustellen. Die Bewegungsabläufe werden schnell fließend und erfolgen nahezu automatisch. Beim Lösen der Spannhilfe landet mein Daumen wie von allein auf dem Sicherungshebel und stellt ihn auf „Safe“.

Stichwort „Leerschuss“:

Wie bei allen Geräten, die mittels Wurfarmen einen Gegenstand beschleunigen, gelten natürlich grundsätzliche, physikalische Gesetze. Die eingebrachte Kraft muss auch wieder irgendwo hin.

Bestenfalls natürlich in Euren Pfeil / Bolzen.

Sollte dies nicht passieren, knallt die gesamte Energie in die Wurfarme, die Cams, die Sehne, die Sehnenstopper, und damit übertragen auf das gesamte Chassis Eurer Armbrust. In den meisten Fällen bedeutet dies das frühe Ableben eures Lieblings, bestenfalls Schäden an Wurfarmen und Cams, die hohe Folgekosten und Reparaturen nach sich ziehen. Sehnen und Kabel müssten zu 100% ausgetauscht werden! Hier sind Compound Systeme wesentlich anfälliger für erhebliche Schäden, da die gesamte Mechanik ungleich komplizierter aufgebaut ist und von vielen Bauteilen abhängt, deren Performance perfekt aufeinander abgestimmt sein muss. Es wird dabei auf jeden Fall etwas kaputt gehen. Bei Recurve Armbrüsten kann man eventuell noch Glück haben, drauf anlegen würde ich es aber niemals! Auch hier müssten die Wurfarme auf Mikro-Risse gescannt werden – alles Andere halte ich für unverantwortlich und gefährlich, auch wenn manche Belastungs-Test Videos, besonders von Excalibur, einen anderen Eindruck suggerieren.

Hier werden gern mal gespannte Armbrüste aus Helikoptern geworfen, Sehnen in gespanntem Zustand durchtrennt oder auch eine Armbrust mal über Wochen draußen im Schnee liegen gelassen wird, um dann das Eis abzukratzen und sofort wieder schussbereit dazustehen.

Promotion Quatsch halt – würde ich mit meinen Teilchen nicht machen.

Wartung

Oben habe ich erwähnt, dass sich Wartungsarbeiten, wie z.B. der Sehnenwechsel bei Recurve Armbrüsten leichter vom Nicht-Profi durchführen lassen. Das stimmt auch, ist aber (zumindest für mich) nicht so einfach, wie in den typischen Excalibur Tutorial Videos. So brauche ich beim Sehnenwechsel die Hilfe einer zweiten Person, da es mir nicht gelingt, die Spannhilfe mit nur einer Hand bei vollen Auszug mit dem gesamten Zuggewicht der Wurfarme zu halten. Dies ist jedoch nötig, um mit der freien Hand den Auslöser und/oder den Hebel zur Entriegelung der Trockenschuss-Sicherung zu bedienen und die Sehne dann langsam und kontrolliert abzulassen. In den Videos sieht das deutlich einfacher aus…

Ich hoffe sehr, dass ich Euch mit diesem Artikel rund um meine Erfahrungen und meinen Umgang mit dem Thema Armbrust einen kleinen Einblick in den Sport vermitteln konnte.

Abb.: Armbrustschießen; Bildquelle: Stefan Bohm

Ich bin absolut kein Profi und erhebe keinerlei Anspruch darauf, die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben. Vielleicht liegt aber auch gerade hier der Reiz – die Perspektive eines Nutzers, dem das Profiwissen nicht bereits in die Wiege gelegt wurde und der somit einen realistischen Erfahrungsbericht eines absoluten Durchschnittsmenschen abgeben kann.

Mit ein wenig guter Vorbereitung und vor Allem einer sicheren Location ist dies ein wirklich schöner Sport, der für mich einen Ausgleich bietet, den ich nicht mehr missen möchte.

*

KRAUTJUNKER-Autor Stefan Bohm

Stefan Bohm, geboren 1974, ist Diplom Pädagoge und Anti Gewalt und Deeskalationstrainer. Er beschäftigt sich, seitdem Punkrock und Metal Band-Aktivitäten mehr und mehr in den Hintergrund getreten sind, freizeit-sportlich mit diversen „modern-primitive“ Beschleunigungsgeräten.

Konkret sind das Schleudern in unterschiedlichster Form, Bögen, Armbrüste und auch Blasrohre. Jede Disziplin, jedes Gerät hat dabei ganz eigene Charakteristika, so dass hier nahezu unerschöpfliche Möglichkeiten des Probieren, Studieren, Testen von Materialien usw. gegeben sind. Dies erfreut sowohl den Schützen, als auch den Bastler.

Stefan lebt mit seiner Freundin sowie jeweils zwei Hunden und Katzen im schönen Lippramsdorf Haltern am See. Der Großstadt vor rund zehn Jahren den Rücken gekehrt zu haben, gehört bestimmt zu den besten Entscheidungen seines Lebens!

*

KRAUTJUNKER-Kommentar: Die angegebenen Preise sind natürlich von Anbieter zu Anbieter unterschiedlich, reagieren aber auch auf Angebot und Nachfrage. Bei Stefans Version der Axe 340 kommt der Triggertech Abzug und das bessere Tact 100 Scope noch in die Kaufsumme hinein. Die Axe 340 konnte er günstig unbenutzt von jemandem erwerben, der sie bei einem Weihnachts-Raffle gewann.

***

Anmerkungen

Von KRAUTJUNKER gibt es nicht nur eine Facebook-Gruppe, sondern jetzt auch Outdoor-Becher aus Emaille. Kontaktmail für Anfragen siehe Impressum.

Mehr über die Armbrust hier: https://krautjunker.com/2020/10/03/die-armbrust-schrecken-und-schonheit/

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