Porträt eines jungen Kochs

Buchvorstellung

In einem Buchgeschäft hätte ich vermutlich nicht zugegriffen. Ein ungeduldiger Leser unserer Zeit prüft einen Roman in höchstens sieben Minuten. Wenn Titel oder Umschlag reizen, liest man den Klappentext und höchstens die ersten drei Seiten, bis die Entscheidung fällt, ob man das Buch zurücklegt oder zur Kasse trägt. Der Klappentext ist in Ordnung:

»Mit frischem Universitätsabschluss in der Tasche, beschließt der junge Franzose Mauro, seinem bisherigen Leben den Rücken zu kehren. Er will sich nun voll und ganz seiner wirklichen Leidenschaft verschreiben: dem Kochen. Mit seinem Fahrrad rast Mauro von Brasserien über Bistros zu Sternerestaurants, er kocht in Berlin und in Burma, springt vom Blanchieren zum Sautieren, von Bouillons zu Sorbets, von Marktgängen zu Nachtschichten – und eröffnet schließlich seinen eigenen kleinen Laden. Fünfzehn Lehrjahre, gezeichnet von geschundenen Händen, Schlafmangel und einer schleichend zerrinnenden Freizeit. Aber auch ein sinnliches Abenteuer der absoluten Hingabe und der Kunst des perfekten Menüs.  

Maylis de Kerangal erzählt vom unvergesslichen Geschmack, der in einer Ochsenherztomate oder einem Strauch Wildkräuter steckt – und davon, wie sehr es einen Koch beglücken kann, die eigene kulinarische Philosophie zu finden.«

Die ersten Seiten lesen sich hingegen ziemlich öde, denn das Porträt eines jungen Kochs ist aus der Perspektive eines unbeteiligten Beobachters geschrieben, so dass man nie wirklich weiß, was im Kopf des Protagonisten vor sich geht. Doch die zahlreichen Rezensionen waren so begeistert und hundert Seiten keine Last, dass ich weiter schmökerte und tatsächlich als Leser eingefangen wurde.

In einem Zug nach Berlin lernt der Erzähler im Jahr 2005 den stillen und etwas spröden Studenten Mauro kennen, weil dieser ein Buch über die klassische Küche liest. Mauro, Sproß einer linksalternativen Pariser Künstlerfamilie ist zwar ein cleverer Stipendiat, interessiert sich aber nicht für die Wirtschaftswissenschaften sondern fürs Kochen, denn die Küche ist für ihn seit jeher ein magischer Ort. Im Laufe von fünfzehn Jahren berichtet der Erzähler über Mauros Werdegang durch immer anspruchsvollere Restaurantküchen unter teils brutal-autoritären Führungen in verschiedenen Ländern. Wir werden Zeuge einer Entwicklung vom Dilettanten zum Küchenkünstler. Der Preis, den Mauro dafür zahlt, ist ununterbrochene Schufterei bei niedrigem Gehalt und der jahrelange Verzicht auf die Freizeit, die man für ein Privatleben braucht.

Obwohl in dem Roman auf Dialoge oder szenische Handlungen verzichtet wird, machen die stilistische Eleganz und elegante Prosa der Autorin (und Übersetzerin!) das Buch doch zu einer delikaten Lektüre. Insbesondere in Zeiten des Corona-Lockdowns, während wir Genussmenschen auf Besuche von Restaurants verzichten müssen und vielen Gastronomen wirtschaftlich das Genick gebrochen wird, ist es eine Freude lesend in Töpfen und auf Tellern Köstliches zu entdecken. Wir schauen wir uns in den Interieurs der Gasträume um, sehen die schmerbäuchigen Schlemmer und hippen Foodies, hören das Brutzeln der Butter und blubbern der Sahne, riechen die Gewürze in der Luft und notieren interessante Menüs. Und ziehen immer wieder den Hut vor Enthusiasmus und Disziplin, die es neben Intelligenz und Talent braucht, ein Großer zu werden.

Ein appetitanregendes Buch für alle, die gerne kochen, essen und Prosa lecker finden.

*

PRESSESTIMMEN

Ein so schmales wie üppiges und wunderschön geschriebenes Porträt eines Kochs als junger Mann.
The New York Times Book Review 26.11.2019

Kurz, aber wunderbar … Ein Gegenmittel zu all den Starkoch-Memoirs: prägnant, intim, einfühlsam.
The New Yorker 26.11.2019

Kerangal schreibt auf beschwörende Weise und mit schwindelerregendem Detailreichtum über Essen … Am Ende will man mehr davon.
The Wall Street Journal 26.11.2019

Ein packend geschriebenes, ein wahrhaft ›köstliches‹ Buch.
Dirk Fuhrig, Deutschlandfunk Kultur 21.04.2020

Das Porträt dieses jungen Koches hat nur knapp hundert Seiten, aber die sind ungemein intensiv. Erzählen von einem Leben voller Hingabe und Entbehrungen.
WDR 29.05.2020

Portrait eines jungen Kochs ist ein Buch über absolute Hingabe, Entbehrung und Entschlossenheit.
Clemens Hoffmann, SWR 2 15.04.2020

Es ist sprichwörtlich ein Genuss, diesen schlanken und doch so reichen Roman zu lesen …
Gerrit Bartels, Der Tagesspiegel 21.06.2020

… ein sinnliches Abenteuer der absoluten Hingabe und der Kunst des perfekten Menüs.
Frankreich Magazin 03/2020

[Porträt eines jungen Kochs] ist spannend, philosophisch, aufschlussreich und in höchstem Maße appetitanregend. Ein wunderbares Buch für alle, die gerne kochen und essen – und wer tut das nicht?
Taunus-Nachrichten 22.08.2020

***

Anmerkungen

Von KRAUTJUNKER gibt es nicht nur eine Facebook-Gruppe, sondern jetzt auch Outdoor-Becher aus Emaille. Kontaktmail für Anfragen siehe Impressum.

Titel: Porträt eines jungen Kochs

Autorin: Maylis de Kerangal

Übersetzerin: Andrea Spingler

Verlag: Suhrkamp Verlag

Verlagslink: https://www.suhrkamp.de/buecher/portraet_eines_jungen_kochs-maylis_de_kerangal_47077.html

ISBN: 978-3-518-47077-0

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