Cabo Blanco – Mit Ernest Hemingway in Peru

Buchvorstellung

Vor 65 Jahren war ein peruanisches Fischerdorf fünf Wochen lang Schauplatz des letzten Abenteuers für den berühmtesten Schriftsteller der Welt.

Abb.: Das Fischerdorf Cabo Blanco am peruanischen Pazifik, genügsam und arg verschlafen, ein vergessenes Kaff so ziemlich am Arsch der Welt. Ein kleines Paradies also.

Ernest Hemingway, geehrt mit dem Pulitzer- und dem Literaturnobelpreis, verehrt von Millionen Lesern weltweit, stellt ab Mitte April 1956, ausgehend vom Cabo Blanco Fishing Club, dem größten angelbaren Raubfisch nach: dem legendären Schwarzen Marlin.

Abb.: Logo des Cabo Blanco Fishing Club

Im Gegensatz zu den meisten Autoren erträumte Hemingway nicht nur Abenteuer, sondern auf warf auch sein eigenes Leben auf  Großwildjagden, riskanten Reisen und beiden Weltkriegen in die Wagschale.
»Überspitzt gesagt, dieser Mann schreitet so kraftvoll durchs Leben, wie wir es uns manchmal für uns selbst wünschen würden. Selbstverständlich nicht so rabiat wie er und wahrscheinlich auch nicht gar so lasterhaft. Aber solch ein forsches Auftreten mit Ecken und Kanten, so selbstbestimmt, so erlebnisreich und so konsequent wie das seine, davon darf man träumen, ab und dann.«

Doch die wilden Jahre fordern mittlerweile ihren Tribut in Form von Diabetes, Impotenz, Konzentrationsstörungen und Hämorrhoiden. Nicht zu vergessen die quälenden Rückenschmerzen und sein kaputtes Bein.

Abb.: Er ist erst Mitte fünfzig, sieht aber schon aus wie ein alter Mann. Ernest Hemingway vor Cabo Blanco, im April 1956.

»Er ist vollgepumpt mit Medizin. Serpasil, Ritalin, Doriden, Whychol, Oreton, Eucanil, Seconal, Tranquilizer, sein Nachttisch gleicht einer kleinen Dorfapotheke. Der Schriftsteller braucht seine Medikamente, er nimmt sie ein gegen seine Angstzustände, gegen den Gedächtnisverlust, gegen die Schlaflosigkeit oder einfach nur, um zur Ruhe zu kommen.«

Korpulent ist seine Figur und gebrechlich seine Bewegungen. Mit Mitte fünfzig sieht er aus wie ein alter Mann. Hemingway, groß und breitschultrig, der sich als unverwüstlichen Macho und Naturburschen feiert, verursacht sein körperlicher Verfall Depressionsschübe.
»„Hemingway hat Narben vom Kopf bis zur Spitze seines rechten Fußes“, meint der Sozialpsychologe José Maria Gatti aus Buenos Aires. „Man kann sagen, dass die Geschichte seines Lebens auf seinem Körper aufgemalt ist.“ Nur am Meer findet er Linderung für seine Wunden.«
Er weiß, dass das Beste vorbei ist, aber noch immer umweht ihn ein Hauch von Verwegenheit und Draufgängertum. Und noch immer gehen auf Schritt und Tritt ein raumfüllender Glanz und eine einzigartige Magie von ihm aus.

Hinter der anstrengenden Fassade des selbstverliebten Großmauls, Schürzenjägers, Boxers und Trinkers mit einem unstillbaren Hunger nach Aufmerksamkeit, fasst eine kämpferische Künstlerseele die widersprüchlichen Freuden und Leiden des Lebens in eine puristische Wortmusik, welche noch heute Leser aller Schichten und Nationen berührt. Angesichts seines körperlichen Niedergangs will der alte Haudegen nicht kapitulieren.

»Er hat seinen Standpunkt unmissverständlich in Der alte Mann und das Meer niedergeschrieben, sein Credo wird sogar auf T-Shirts und Kaffeebechern gedruckt. „Aber der Mensch darf nicht aufgeben“, sagt er. „Ein Mensch kann vernichtet werden, aber nicht besiegt.“ So lautet seine energische Botschaft an alle, die tapfer gegen die Widrigkeiten des Schicksals kämpfen.«

Hier in Cabo Blanco will es das narzisstische Genie noch einmal allen zeigen, was er für ein Kerl ist. Seiner Frau, seinen Freunden, den Ärzten, den Kritikern, den Fischern, dem Fisch und vor allem sich selbst. Der alte Mann bäumt sich auf und kämpft. Die Filmgesellschaft Warner Bros. hat sich für viel Geld die Filmrechte an Hemingways finalem Meisterwerk Der alte Mann und das Meer gesichert.

Abb.: Filmbild: Der alte Mann und das Meer

»Die Novelle steht für des Menschen Schicksal: den tagtäglichen Überlebenskampf aufgenommen, erneut dem Zusammenstoß mit einem mächtigen Gegner ausgeliefert, tapfer gekämpft wie ein Löwe und letztlich dann doch die Niederlage, wie so oft im Leben. Sowohl die Kritiker als auch die Leserschaft zeigen sich angetan von dieser Erzählung, sie loben die präzise Sprache des Romans. Die ganze Welt ist von der tiefsinnigen Menschlichkeit hingerissen, die sich hinter Hemingways Zeilen verbirgt. „Die Zukunft wird zeigen, dass dies das beste Stück Literatur ist, das beste von uns allen wohlgemerkt“, fügt William Faulkner euphorisch hinzu.«

Das Buch, welches ihm endgültig einen Platz im Schriftsteller-Olymp sichert, ist die Krönung seines Literatenlebens und das letzte, welches zu seinen Lebzeiten veröffentlicht wird.

»Maßgeblich handelt Der alte Mann und das Meer von der Beziehung des Menschen zu Gott. Sein Bedürfnis nach dem Absoluten vermag Ernest in der amtlichen Religion nicht wiederzufinden und hilft sich deshalb mit dem Substitut la mar, mit dem Meer als das Bild für das Göttliche. Obwohl er sich gerne über Gott und den Glauben lustig macht, ist er „im Herzen ein katholischer Autor“, wie sein britischer Kollege Evelyn Waugh präzise erkannt hat.«

Auch wenn Hemingway im Alltag Glaube und Demut für Religiosität fehlen, lesen sich manche seiner Texte wie Gebete und erinnern manche seiner Inhalte an Beichten.

Die für die Handlung wichtigen Angelszenen will das Hollywood-Studio auf dem pazifischen Ozean vor Cabo Blanco drehen, da sich hier die kapitalsten Raubfische finden lassen. Hier hat der texanische Unternehmer Alfred C. Glassells am 4. August 1953 einen Schwarzen Marlin von viereinhalb Metern Länge und 708 kg Gewicht erbeutet.

Der alternde Literat muss bei der Verfilmung  unbedingt dabei sein. Seine gestrenge vierte Ehefrau Mary an seiner Seite.


Mit all seinen Sinnen liebt er das Meer. Der Geruch von Salz, die Brandungsgeräusche der Wellen, die blaugrün schimmernden Wogen schenken ihm inneren Frieden und Sternstunden für die Seele. Wie nichts anderes hat das Meer sein Leben und sein Schreiben beeinflusst. Dieser vierschrötige Künstler möchte nicht die Welt verändern, sondern das Meer verstehen.
»Das Meer ist in der Welt des Ernest Hemingway allgegenwärtig, er himmelt es in heiligen Worten an. Man bekommt den Eindruck, wo andere Gott sagen, da sagt Ernest Hemingway la mar. Das Meer.«
»Die Zeit, die ich auf dem Meer vor den spanischen, afrikanischen und kubanischen Küsten verbracht habe, ist die einzige Zeit, die ich nicht verschwendet habe.«

Abb.: Am Meer wird Ernest Hemingway ein anderer Mensch, vielleicht wird er hier erst so richtig zum Menschen. Cabo Blanco, im April 1956.

Vor allem will er am mythischen Black Marlin Boulevard den größten schwarzen Marlin aller Zeiten fangen und ihn in der Verfilmung seines literarischen Meisterwerkes verewigen, um der Sahnehaube seines Ruhmes eine glänzende Kirsche aufzusetzen. Und wenn er nicht angelt, wird er am Tresen der Bar zwischen einfachen Menschen sitzen und Whisky trinkend die Bühne genießen, auf der er Autor und Held in einer Person ist.
»Und Ernest Hemingway lässt an der Theke einer Bar seinen Gedanken freien Lauf. Oft gibt er kleinere und größere Aufschneidereien zum Besten, er kommt schnell ins Fabulieren und erzählt von Gott und der Welt. Er umreißt am Bartresen seinen ureigenen Kosmos, von Krieg bis Koitus, und mischt reale Erlebnisse, Wünsche und bunte Phantastereien wild durcheinander. In New York oder Wien legt man sich auf die Couch, Ernest blickt an der Bar tief ins Glas und in sich hinein.
Oft entwirft er am Tresen das Vorspiel zu seinen Erzählungen. Geistesblitze notiert der Autor flugs in sein Moleskin-Büchlein und manch seiner Prahlereien an der Bar finden sich später in einem seiner Bücher wieder.«

Abb.: An der Bar des ‚Fishing Clubs‘ plaudert Ernest Hemingway, ein Glas Whiskey in der Hand, über Gott und die Welt. In der Hauptsache über seine Welt. Cabo Blanco, im April 1956.

»Es gehören eigentlich nur Männer dazu. Denn in Männergesellschaften fühlt sich Ernest am wohlsten. Unter Männern redet man ungeschminkt, man hat kein Vorhaben, dem man sich unterordnen müsste, und auf Manieren braucht man weniger zu achten. Everyone behaves badly, given the chance, lässt er Jake Barnes in The Sun Also Rises kundtun. Jedermann benimmt sich daneben, wenn sich die Gelegenheit ergibt. Mit Männern kommt er leicht klar, sie sind – wie er – einfach gestrickt.
Mit Frauen wird die Sache kompliziert. Stoßen Frauen zu einer Männerrunde, dann kann die Stimmung schnell kippen. Nicht unbedingt ins Negative, nein, denn es kommt eher zu einem Zivilisationssprung nach oben. Oder zu einem Gegockele, wo alle Kerle die Dame beeindrucken und erobern wollen. Oder es entsteht ein Austausch, wo jedes Wort des Mannes gewogen und verzollt wird. Rein unter Kerlen zu sein, ist da einfacher. Man kann sich mit nacktem Oberkörper zeigen, Blödsinn erzählen, sich am Sack kratzen, stundenlang saufen und sternhagelvoll umfallen. Wenn Frauen dabei sind, dann geht das alles nicht.«

Am Ende hat Hemingway während seines fünfwöchigen Aufenthaltes zwei Schwertfische und zwei Marline gefangen.

Abb.: Das ikonische Foto der Modeste von Unruh, ein Original aus dem Archiv der Fotografin: Elicio Argüelles II, der Marlin von 730 Pfund und Ernest Hemingway. Im Hintergrund rechts, die Ehefrau von Kip Farrington. Cabo Blanco, am 27. April 1956.

Doch bei der Einreise in die USA wird er zurückgeworfen in einen trübsinnigen Trott, dem er mit Prahlereien begegnet. Mit jeder Woche wachsen Anzahl und Größe der gefangenen Fische.
»Sein Maulheldentum zeigt, wie hoch und höher er die Latte für sich legen muss. Im Schreiben wie im Leben. Das maßlose Geflunker dient dazu, sich immerfort als strahlenden Sieger zu produzieren und veranschaulicht seine Unfähigkeit, auch Schwächen zuzulassen. Im Grunde macht er sich etwas vor, im Grunde lügt er sich selbst an. Glücklich kann man so im Leben nicht werden.
Die Schwindeleien, reine Fassade, sollen eine zunehmende Verunsicherung verdecken. Die Wirklichkeit in ihm drin sieht alles andere als heldenhaft und siegesgewiss aus. Da finden sich Zweifel, fehlendes Urvertrauen, Zwiespalt und Todesangst. Wenn du am Meer bist, kannst du nicht lügen, hat er gesagt.«

Wolfgang Stock ist Jahrzehnte später Hemingway hinterhergereist, um die wenig bekannte Episode des Künstlerlebens wortgewandt nachzuzeichnen. Er besuchte die Orte und traf auch noch Menschen, die von dem Besuch des charismatischen Schriftstellers erzählen konnten. Detailgenau recherchierte Fakten wechseln mit einfühlsamen Persönlichkeitsschilderungen ab. So gelingt es ihm nicht nur Hemingways letztes Abenteuer und seine zerrissene Künstlerpersönlichkeit zu rekonstruieren. Er lässt auch das Fischerdorf der Fünfziger Jahre am Ende der Welt wieder lebendig werden. Unwillkürlich hört man beim Lesen die Brandung des Pazifischen Ozeans und leckt sich die Lippen nach einem steifen Drink. Stock untermauert mit seinem tiefen Wissen über Hemingway immer wieder seine Bewunderung für dessen bewegtes Leben und literarisches Genie. Dabei verschweigt er nicht dessen Schattenseiten und zeigt dabei, wie der neurotische Künstler tickte.

Ein überraschendes Buch, welches zu denken gibt, weil es gleichzeitig locker und tiefschürfend ist.

»Im besten Fall ist die Annäherung an den Schriftsteller und an den Menschen in diesem Sinne dann nicht nur ein Buch über Ernest Hemingway. Sondern auch ein Buch über uns, über unsere Wünsche und über unsere Sehnsüchte, ebenso wie über unsere Schwächen und Grenzen. Ein Buch, wenn man so will, über den Hemingway in uns.«


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Der Autor Wolfgang Stock

Nachdem der 1955 geborene Rheinländer Dr. Wolfgang Stock sechs Jahre lang als Cheflektor bei ECON in Düsseldorf für das Wirtschaftsprogramm sowie das Veranstaltungsgeschäft zuständig war, arbeitete er 21 Jahre für Holtzbrinck in Führungspositionen. Der ehemalige BuchMarkt-Kolummnist kennt keinen Ruhestand, ist als strategischer sowie betriebswirtschaftlicher Berater für Medienhäuser tätig und betreibt den Blog Hemingways Welt.

https://hemingwayswelt.de/

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Pressestimmen

“Nun legt Wolfgang Stock nach drei mehrwöchigen Recherchen in den USA und Peru eine Fleißarbeit vor. Auf 360 Seiten hat er eine wenig bekannte Episode aus dem Leben von Ernest Hemingway akribisch nachgezeichnet. Das packend geschriebene Psychogramm „Cabo Blanco – Mit Ernest Hemingway in Peru“ rekonstruiert den Aufenthalt eines sympathischen Abenteurers mit Träumen und Hoffnungen.”
BuchMarkt, 05.09.2020

“Das Buch Cabo Blanco – Mit Ernest Hemingway in Peru (..) zeichnet aber auch das Bild eines gealterten Mannes, der mehr und mehr zerrieben wird von seinen Ängsten und Widersprüchen.”
Peru Vision, 02.09.2020

“Wolfgang Stock folgt der Fährte von Hemingways Expedition nach Cabo Blanco und spürt zahlreiche Textdokumente und Fotografien auf. Er befragt Fischer, hoch in den Achtzigern, die sich an Ernest Hemingway erinnern, als sei alles gestern gewesen. Wolfgang Stock hat Archive entstaubt, nach Informationen in Zeitungen und Zeitschriften gesucht und sich voll in den Sandstrand dieses peruanischen Fischerdorfes hineingebohrt. Ich wünsche, dass diese Anstrengungen sich in den Verkaufszahlen niederschlagen.”
-José María Gatti, La Pipa de Hemingway, Buenos Aires

“Vor mehr als sechs Dekaden kam der damals berühmteste Schriftsteller dieses Planeten nach Peru, in das Fischerdorf Cabo Blanco, um hier einige Wochen mit Fischen und den Abenteuern auf dem Meer zu verbringen. Wolfgang Stock hat gerade ein Buch veröffentlicht, das diese legendäre Reise des Ernest Hemingway nachzeichnet.”
-Raúl Cachay, Revista COSAS, Lima, Oktober 2020

“Stock belässt es keineswegs auf der Schilderung der paar Wochen in Cabo Blanco, sondern entwickelt daraus eine nahezu komplette Biografie. Das bewegte Leben Hemingways als Kriegsberichterstatter, Großwildjäger, Frauenheld und Alkoholiker lässt der Autor unter philosophischen, psychologischen, geografischen und zeitgeschichtlichen Aspekten Revue  passieren. Und er glänzt mit tiefem Wissen und prägnanten Interpretationen der wichtigsten literarischen Werke Hemingways. Dadurch entsteht ein sehr differenziertes, menschliches Bild des Schriftstellers und seiner Romane. Das macht Cabo Blanco authentisch und fast zeitlos. (…) Ein Buch über Hemingway der etwas anderen Art. Es ist so locker und dennoch tiefschürfend geschrieben und aufgebaut, dass nicht nur Fans des großen amerikanischen Schriftstellers zu ihrem Recht kommen, sondern auch Leser, bei denen die Lektüre der Hemingway-Werke schon lange zurückliegt.” 
-Hans G. Linder, www.finanzjournalisten.de, 16.12.2020

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Anmerkungen

Von KRAUTJUNKER gibt es eine Facebook-Gruppe und Outdoor-Becher aus Emaille. Kontaktmail für Anfragen siehe Impressum.

Titel: Cabo Blanco – Mit Ernest Hemingway in Peru

Autor: Wolfgang Stock

Verlag: BoD – Books on Demand; 1. Edition (24. August 2020)

ISBN: ‎978-3751972567

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